Mittwoch, 28. April 2010

Der Brenner und der liebe Gott



Autor: Wolf Haas
Original: Der Brenner und der liebe Gott (2009)
meine Bewertung: 5 von 5

Jetzt is schon wieder was passiert. Der Herr Simon, ehemals Polizeibeamter und Privatdetektiv, hat ein Kind verloren. Pass auf, das war so. Der Brenner war als gut bezahlter und angesehener privater Chauffeur beim Bauunternehmer Kressdorf angestellt. Seine zugegebenermaßen recht nette Aufgabe bestand darin, die zweijährige Tochter Helena zwischen der Abtreibungsklinik ihrer Mutter in Wien und dem jeweiligen Aufenthaltsort des Vaters herumzukutschieren. Der Dienstwagen ist immer tipp topp, weil die Helena das so mag. Überhaupt hat sich so eine Art Freundschaft zwischen der Helena und dem Brenner, pardon, Herrn Simon, entwickelt.

Doch dann passiert dem Brenner ein folgenschwerer Fehler. Er kann sich auf der Tankstelle nicht entscheiden, welche Schokolade er für die Helena mitnehmen soll. Er hat die Kleine nur kurz im Wagen gelassen, um das Benzin zu zahlen und eben Süßigkeiten zu kaufen. Als er wieder zurück kommt, erlebt er den Schock seines Lebens: Die kleine Helena ist verschwunden.

Wie paralysiert handelt der Ex-Detektiv, Ex-Polizist und, wie ihm schwant, Ex-Chauffeur und tut erstmal – gar nichts. Er ist fassungslos. Seinen Job kann er natürlich abschreiben, alle Zeitungen sind voll von dem Vorfall, Menschen werden befragt, verzweifelt Zeugen gesucht und man klammert sich an einen Strohhalm: Wenn sich der Entführer meldet, wird Lösegeld bezahlt.

Der Brenner kann halt auch nicht wirklich aus seiner Haut heraus und stellt deshalb auf eigene Faust Ermittlungen an, die schließlich zu mehr als nur einer Leiche, einer heftigen Romanze und einem fanatischen Abtreibungsgegner führen. Ob der Brenner aus dieser Sache nochmal heil heraus kommt?

Wer schon die anderen Bücher von Wolf Haas mochte, wird auch dieses lieben. Der Humor des österreichischen Schriftstellers ist einfach genial, schwarz und staubtrocken. Wortspiele, Anspielungen und der typische Wiener Schmäh machen aus den Brenner-Büchern kleine Charakterstudien der Österreicher im Allgemeinen und der österreichischen Schlawiner im Besonderen. Wahrscheinlich kommt Haas vor allem in Österreich gut an, weil doch viele Austriazismen verwendet werden und das Erzähltempo sich doch sehr von den atemlosen Krimis und Thrillern aus dem englischsprachigen Raum und auch aus deutschsprachigen Nachbarländern unterscheidet. Aber auch im Post-Tempo kommt man ans Ziel. Also Schnecke Hilfsausdruck.
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe (28. August 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455401899
ISBN-13: 978-3455401899

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