Montag, 31. Mai 2010

Rätsel um das Schneemonster



Autor: Thomas Brezina
Original: Rätsel um das Schneemonster (1990)
meine Bewertung: 3 von 5

Es ist Anfang Dezember im malerischen Kitzbühel. In einer Hotelhalle treffen vier Kinder aufeinander, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Es handelt sich dabei um zwei Mädchen und zwei Jungen. Eine von ihnen ist die zierliche und schüchterne Poppi. Sie ist tierlieb und Vegetarierin. Die zweite von ihnen ist Lilo, sie kommt aus Kitzbühel, steht auf Krimis und ist ziemlich helle. Dann sind da noch Axel und Dominik. Axel ist zwar klein, dafür aber umso sportlicher. Und Dominik verfügt über ein phänomenales Gedächtnis, spricht aber etwas kompliziert, weil er immer wieder als Schauspieler arbeitet. Eins haben die vier Kinder aber gemeinsam: Sie haben an einem Lederhosen-Designwettbewerb teilgenommen und gewonnen. Als Preis sind sie für eine Woche zum Skifahren nach Kitzbühel eingeladen worden.

Die Kinder sind sich auf Anhieb sympathisch und freuen sich über ihren Preis. Gemeinsam wagen sie sich mit einer Vertreterin des Unternehmens auf die Pisten und stolpern schon bald in ein Abenteuer, das als erster Fall der Knickerbocker Bande in die Geschichte eingehen wird. Ein rätselhaftes Schneemonster wurde zuerst von einer amerikanischen Touristin gesichtet. Was anfangs als Hirngespinst der reichen Lady abgetan wird, gewinnt an Glaubwürdigkeit, sobald sich die Augenzeugenberichte häufen. Und auch die vier Kinder, die sich selbst schon den Namen „Knickerbocker Bande“ gegeben haben, werden Zeugen des schauerlichen Untiers. Oder handelt es sich dabei gar um etwas ganz Anderes?

Lieselotte kennt die Gegend und die Leute in ihrer Heimatstadt, was den Kindern bei ihren ersten Ermittlungen sehr zugute kommt. Dennoch wird es auch dieses Mal schon gefährlich, denn sie geraten nicht nur in die Fänge von Entführern, sondern auch in ein geheimnisvolles Netz aus Spionen. Doch die Knickerbocker Bande wäre nicht die Knickerbocker Bande, wenn ihnen nicht der Zufall und die vereinte Kraft der besonderen Fähigkeiten der Kinder bei der Aufklärung behilflich wäre.

Das erste Abenteuer der Knickerbocker Bande erzählt, wie sich die Mitglieder kennen gelernt haben und dient Großteils dazu, die Charaktere der Kinder vorzustellen, aber dennoch geht es schon einigermaßen zur Sache. Etwas plump zwar noch, aber gut. Übung macht den Meister. Für die Zielgruppe der Leser sicher eine spannende Angelegenheit, auch wenn in diesem Band die beiden jüngeren Mitglieder der Bande, nämlich Poppi und Dominik, noch viel mehr ausgegrenzt werden als in den weiteren Bänden.
Gebundene Ausgabe: 155 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 1., Aufl. (1. Januar 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473471615
ISBN-13: 978-3473471614

Freitag, 28. Mai 2010

Mein Freund Jossele



Autor: Ephraim Kishon
Original: ? (tw. 1980)
Übersetzung: Friedrich Torberg
meine Bewertung: 4 von 5

Der erste Teil dieser Satiren-Sammlung von Ephraim Kishon ist den Geschichten mit Kishons bestem, erfundenen Freund Jossele gewidmet. Jossele traut sich Dinge, die ein normaler Israelischer Bürger niemals wagen würde, er spricht aus, was nicht-fiktive Mitmenschen gerade mal eben zu denken wagen. Dadurch sind diese Geschichten besonders humorvoll, pointiert und treffend, doch auch im zweiten Teil des Buches kommt der Leser und Satiren-Liebhaber auf seine Kosten.

Schade ist bei Kishon manchmal, dass man noch besser verstünde, worum es ihm geht, wenn man auch Details der Israelischen Lebensgewohnheiten und einen guten Überblick über das innenpolitische Geschehen verfügte. Es kann also ganz hilfreich sein, ein bisschen nachzulesen, damit man auch wirklich auch die Feinheiten versteht. Ansonsten bleibt noch anzumerken: Einige der Geschichten sind auch in „Wie unfair, David“ schon enthalten, was zwar nicht weiter stört, aber irgendwie doch dazu verleiten kann, zu denken, dass da nichts Neues mehr kommt. Kishon ist witzig und wird wahrscheinlich einer meiner Allt-Time-Favourites aus diesem Genre bleiben.
Taschenbuch
Verlag: Bastei Lübbe (1995)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 340412331X
ISBN-13: 978-3404123315

Montag, 24. Mai 2010

Lindwurmspuk vor Mitternacht



Autor: Thomas Brezina
Original: Lindwurmspuk vor Mitternacht (1990)
meine Bewertung: 1 von 5

Axel, Lieselotte, Poppi und Dominik, die vier Kinder, die gemeinhin als „die Knickerbocker Bande“ bekannt sind, machen gemeinsam mit Axels Vater in Kärnten am Wörther See Urlaub. Es sind Sommerferien, das Wetter ist heiß und die Stimmung fröhlich. Die Kinder dürfen im Garten hinter dem Hotel, das einer Bekannten von Axels Vater gehört, zwei Zelte aufschlagen und die Freuden des Sommers genießen.

Die Kinder haben aber nicht lange ihre Ruhe. Denn schon bald beschwert sich ein Hotelgast, der behauptet, sie hätten ein wertvolles Musikinstrument aus seinem Zimmer gestohlen und würden nun Geld verlangen. Natürlich sind die Kinder unschuldig, doch spätestens, als sie selbst Drohbriefe erhalten und immer wieder eine kleine Figur des Kärntner Wahrzeichens, des Lindwurms, auftaucht und auf geheimnisvolle Weise wieder verschwindet, wissen sie, dass die Knickerbocker Bande einen neuen Fall zu lösen hat.

Die vier Juniordetektive machen sich auf die Suche nach einem Schuldigen. Ihnen kommt dabei ganz gelegen, dass Herr Klingmeier, Axels Vater, geschäftlich zurück nach Linz gerufen wird und sie fast völlig unbeaufsichtigt in Kärnten bleiben dürfen. Eines Abends beobachten Axel und Lilo eine merkwürdige Gestalt am See, die sie zuerst für ein Ungeheuer halten. Jetzt sind die Grübelzellen der Kinder auf Hochtouren und es dauert auch nicht lang, bis sie auf eine heiße Spur stoßen…

„Lindwurmspuk vor Mitternacht“ ist eines der früheren Knickerbocker Bande-Abenteuern, was man der Geschichte auch anmerkt. Es scheint fast so, als sei Brezina mittendrin die Puste ausgegangen und als habe er sich dann erneut ein Herz gefasst und einfach da weitergeschrieben, wo er ursprünglich aufgehört hat. Irgendwie kommt es dem Leser so vor, als sei dem Autor der Faden verloren gegangen. Als ob er einen Schal gestrickt hätte, für den die blaue Wolle nicht ganz gereicht hat. Mit einem Knopf an ein Stück grüne Wolle angeknotet, weitergestrickt, fertig.

Besonders schlampig hat in diesem Band auch das Lektorat gearbeitet. Die Geschichte spielt in Österreich, die Knickerbocker Bande besteht aus vier österreichischen Kindern. Also mag es ganz sinnvoll sein, bekannte Austriazismen zu verwenden. Allerdings wünscht man sich als Leser schon ein wenig Konsequenz. Nett, dass statt „T-Shirt“ das Wort „Leibchen“ verwendet wird, auch „Semmeln“ statt „Brötchen“ sind völlig legitim. Aber wieso dann „Lollipopp“ und nicht „Schlecker“? Neben zahlreichen Beistrichfehlern darf man sich auch über „wo ward ihr“, „Babies“ und „in Hunderten kleiner Scheine…“ ärgern.

Ansonsten sicher eins der Knickerbocker-Bücher, auf die man getrost verzichten kann – wenn man schon nicht auf die gesamte Serie verzichten möchte. Die ja, im Großen und Ganzen, sehr gewaltfrei und kindergerecht daherkommt. Natürlich sind wie immer viele Zufälle im Spiel, die beiden jüngeren Bandenmitglieder sind jene, die weniger kapieren, denen Dinge zustoßen und die nie alleine auf die heiße Spur geraten, aber immerhin treffen viele Geschlechterstereotype wohltuender Weise nicht zu und auch die Kleinen bekommen in einigen Abenteuern ihre große Chance. Knickerbocker Bande ja, Lindwurmspuk eher nein.
Taschenbuch: 144 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 1 (2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473562033
ISBN-13: 978-3473562039

Donnerstag, 20. Mai 2010

Die Häupter meiner Lieben



Autorin: Ingrid Noll
Original: Die Häupter meiner Lieben (1993)
meine Bewertung: 4 von 5

Die siebzehnjährige Schülerin Maya hat die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für ein glückliches Leben. Ihr Bruder Carlo hasst sie und nimmt jede Gelegenheit wahr, sie zu verletzen und ihr Streiche zu spielen. Ihre Mutter ist depressiv, arbeitet lustlos in einem Altenheim und macht sich nichts aus ihrer Tochter Maya, dafür vergöttert und verwöhnt sie Carlo. Ihr Vater, ein Künstler, ist schon vor Jahren abgehauen.

Erst als eine neue Schülerin in die Klasse kommt, bekommt Mayas Leben etwas Farbe. Farbe, die sie zuvor nur durch gelegentliches Klauen in ihr Leben brachte. Maya und Cora, die Neue, freunden sich schnell an und werden ein Herz und eine Seele. Gemeinsam suchen sie Coras Vater, begehen einige krumme Touren, haben viel Spaß und töten schließlich drei bis vier Menschen, zumindest mehr oder weniger.

Cora und Maya haben sich zu einer eingeschworenen Gemeinschaft entwickelt, deren Glück so schnell keiner stören darf. Denn wehe jemand bedroht die Idylle, vorzugsweise ein Mann: dem blüht Schreckliches!

Die Romane von Ingrid Noll zeichnen sich durch ihre Protagonistinnen aus. Sie erzählt die Geschichten von Frauen, die erreichen, was sie wollen, egal zu welchem Preis. Das ist zwar manchmal etwas sehr drastisch und überzogen, dafür aber immer amüsant. Man schließt die Figuren ins Herz und kann ihnen ihre Missetaten nicht so richtig übelnehmen. Witzige Unterhaltung mit einem kräftigen Schuss schwarzem Humor und ein wenig Bösartigkeit. Noll macht Spaß!
Taschenbuch: 279 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 30., Aufl. (September 1994)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257227264
ISBN-13: 978-3257227260

Dienstag, 18. Mai 2010

Lebenslang ist nicht genug



Autorin: Joy Fielding
Original: Life Penalty (1984)
meine Bewertung: 2 von 5

Gail Walton führt ein ganz und gar durchschnittliches Leben. Sie ist zum zweiten Mal glücklich verheiratet, ihre Tochter Jennifer aus erster Ehe, mittlerweile 16 Jahre alt, ist ein braves und tüchtiges Kind, das sich mit Gails zweitem Mann Jack sehr gut versteht und auch mit ihrer kleinen sechsjährigen Schwester Cindy gut auskommt. Cindy ist das gemeinsame Kind von Jack und Gail. Beide haben außerdem ein gutes Verhältnis zu Gails Exmann Mike. Gail hat keinen Beruf, sie ist mit Leib und Seele Mutter. Ihr Leben ist geregelt und ruhig, Jack verdient als Tierarzt genug für die Familie.

Doch als Gail eines Tages etwas später vom Einkaufen zurück kommt und Polizeiautos vor ihrem Haus stehen sieht, weiß sie bereits, dass ihr glückliches Leben ein jähes Ende gefunden hat. Schon als sie das Haus betritt und die heulende Jennifer vorfindet, weiß sie, dass Cindy etwas Schreckliches geschehen sein muss. Schon bald wird ihr Verdacht bestätigt: Kommissar Cole berichtet ihr, dass ihre Tochter vergewaltigt und erdrosselt im Park aufgefunden. Natürlich zerbricht ihre Welt. Gail beschließt, der Polizei 60 Tage zur Aufklärung des Falles zu geben, danach würde sie selbst die Sache in die Hand nehmen und den Mörder ihrer Tochter auf eigene Faust suchen.

Da die Polizei keine Hinweise auf den Täter hat, lediglich von Menschen, die ihn aus dem Park laufen sahen weiß, dass er ein junger Weißer mit hellem Haar und gelber Windjacke war, stößt sie zwei Monate lang natürlich nicht auf die erhoffte Spur. Also wird Gail aktiv. Sie liest Zeitungen, alles über Gewaltverbrechen und streunt in gefährlichen Vierteln herum. Sie stößt dabei auf allerhand seltsame Gestalten, aber nicht auf den Mörder ihrer Tochter. Sie merkt dabei nicht, dass das, was sie noch am Leben hält, sie immer weiter von ihrer Familie entfernt und sie auch noch ihren Mann und ihre Tochter zu verlieren scheint.

Immer wieder begibt sie sich in Gefahr, absichtlich. Zum Glück sind aber gerade zur rechten Zeit die richtigen Leute in der Nähe. Und dann geschieht das Unglaubliche: Der Mörder von Cindy wird gefasst…

„Lebenslang ist nicht genug“ ist nicht wie erwartet ein Thriller, sondern eine Erzählung über eine Frau, die Schreckliches durchmacht. An sich ja nicht schlecht, allerdings muss man die Erwartungshaltung an das Buch dahingehend ändern. Völlig unverständlich ist für mich aber an vielen Stellen die Handlungs- und Denkweise der Personen. Die Polizei konfrontiert sie sehr uneinfühlsam mit dem Tod ihrer Tochter, Gail gibt der Polizei 60 Tage Zeit (warum?) und auch sonst verhalten sich die Hauptpersonen seltsam.

Wieso glaubt Gail, irgendwo durch Zufall auf Cindys Mörder zu treffen? Woran will sie ihn erkennen? Es gibt tausende von jungen Männern, die gelbe Windjacken tragen. Was, wenn der Mörder die Jacke an dem Tag, an dem er zufällig Gail über den Weg läuft, nicht trägt? Auch die Übersetzung ist ein wenig schlampig. So wird der bekannte Schauspieler Mel Gibson durchwegs als Frau bezeichnet und Gail spricht ständig abschätzig von „Homos“. Fazit: Kann man ruhig lassen.
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (1. April 1996)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442428696
ISBN-13: 978-3442428694

Freitag, 14. Mai 2010

Glamour



Autor: Russell Smith
Original: Noise (1998)
meine Bewertung: 3 von 5

James Willing ist freier Journalist. Er schreibt vor allem über hippe Partys, Restaurantkritiken und neue Heavy Metal Bands. Er macht das scheinbar ganz gut, darum reißt die Flut an Aufträgen auch nicht ab. Doch als er eines Tages nach Hause kommt, sieht er sich vor einem Problem: Das Haus, in dem sich seine Wohnung befindet, oder besser: befand, wird abgerissen. James sammelt seine Sachen auf, die im Vorgarten verstreut herumliegen und macht sich auf den Weg zu seinem guten Freund De Courcy und dessen Mitbewohnerin.

De Courcy lebt in einem Viertel, das vor allem von Südländern bewohnt wird, die ihrem eigenen Lebensrhytmus in vielerlei Hinsicht nachgehen. Rund um die Uhr herrscht musikalische Beschallung, es wird gestritten und gebrüllt. Dabei wünscht sich James nur eins: Stille. In Wahrheit hasst er dieses ganze Promi-Getue und moderne Performer, die eigentlich nur Krach machen. Der Szenereporter hat ein Geheimnis: Er steht auf klassische Musik und würde in Wirklichkeit gerne darüber schreiben.

Als er wieder einmal den Auftrag erhält, einen Pseudo-Promi zu interviewen und eine Homestory zu liefern, muss er an die hübsche junge Fotografin denken, die er vor kurzem kennen gelernt hat. James fragt Nicola, ob sie das Fotomaterial liefern würde. Nicola sagt zu. Der Szenereporter und die Fotografin kommen sich immer näher, dabei merkt James aber, wie er sich von seinem Traum weiter entfernt. Wird er es dennoch schaffen, endlich das machen zu dürfen, was ihm eigentlich Spaß macht?

Die Geschichte um James ist eine ganz sympathische. Sie berichtet von einem Menschen, der einen Traum hat, sich aber nicht traut, diesen ganz auszuleben. Deshalb macht er halt, was ihm nicht gefällt, um Geld zu verdienen. Irgendwie scheint die Geschichte Parallelen zu so manchem wahren Leben zu haben. Die Charaktere sind lebendig, die Geschichte nett – insgesamt kann man das Buch mal lesen, muss man aber nicht. Für ein paar ganz nette Lesestunden und wenn sonst nichts da ist, ganz in Ordnung.
Broschiert
Verlag: List Tb. (2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3612650300
ISBN-13: 978-3612650306

Wie unfair, David



Autor: Ephraim Kishon
Original: - (1967)
meine Bewertung: 4 von 5

Ephraim Kishon ist einfach der Meister seines Genres: der Satire. In diesem Büchlein hat der Wahl-Israeli 39 Kurzgeschichten und vier offene Briefe versammelt, die alle zum Ausdruck bringen, wie sehr Kishon, der 1949 aus Ungarn in das Land immigrierte, seine zweite Heimat ins Herz geschlossen hat.

Kishon schreibt witzig, mit viel Humor und Zuneigung zu seinen Landsleuten. Der Autor wird an vielen Stellen sehr politisch, was einerseits interessant zu lesen ist, weil man aus der Rückschau vieles noch besser versteht, andererseits übt Kishon sehr direkt, aber auch sehr humorvoll gehörige Kritik an Politik und Menschen.

Oberflächlich betrachtet macht Kishon Spaß, nochmal darüber nachgedacht, wird klar, dass er die Wahrheit sagt, in jeder Zeile. Und dennoch kann man ihm nicht böse sein.
Gebundene Ausgabe: 191 Seiten
Verlag: Langen/Müller (1979)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3784417884
ISBN-13: 978-3784417882

Donnerstag, 13. Mai 2010

Man stirbt nur zweimal



Autorin: Mary Janice Davidson
Original: Undead and Unwelcome (2009)
meine Bewertung: 3 von 5

Nachdem die Werwölfin Antonia im letzten Band gestorben ist, als sie eine Kugel, die für Betsy bestimmt gewesen wäre, abfängt, befinden sich Jessica, Betsy, Eric und Baby Jon auf dem Weg nach Cape Cod. Sie reisen im Privatflugzeug von Betsys bester Freundin Jessica und haben Antonias Leiche im Frachtraum. Sie möchten diese zu ihrer Werwolf-Familie zurück bringen, auch wenn sich alle dessen bewusst sind, dass das keine angenehme Aufgabe werden wird. Zwar war Antonia mit ihrer Familie zerstritten, doch sie starb für Betsy. Das macht das Verhältnis zwischen den Vampiren und den Werwölfen natürlich nicht gerade besser.

Derweil sind Betsys Freunde und Mitbewohner Tina und Marc zuhause geblieben. Auch Laura, die Tochter des Teufels und Betsys Schwester, schaut immer mal wieder rein. Als irgendwie eine Horde von Satanisten Lauras Aufenthaltsort herausfindet, sich ihr zu Füßen werfen und auf ihre Befehle warten, hat Marc eine Idee, wie man diese lästigen Typen einspannen könnte.

Anfangs mag es sich ja ganz klug anhören, die Satanisten zum Spenden sammeln und Müll trennen zu schicken, doch schon Bald schnappt Laura über und manövriert sich in immer gefährlichere Situationen. Marc merkt, dass es immer brenzliger wird und versucht, Betsy, Eric und Jessica wieder nach Hause zurück zu beordern. Das geht jedoch gründlich schief, außerdem ist auch bei den Werwölfen nicht alles eitel Sonnenschein…

Der mittlerweile achte Band der Betsy-Taylor-Reihe bringt wenig Neues. Schuhtick, fantastischer Sex zwischen Eric und Betsy, Bösewichte, Happy End. Interessant ist in diesem Teil nur der Handlungsfaden, der sich endlich rund um Laura etwas weiterentwickelt. Nachdem das Buch der Toten ja prophezeit, Laura werde alle vernichten, muss es da ja schließlich auch irgendwann voran gehen. Auch dieser Band ist ganz amüsant zu lesen, viel Neues gibt es, wie erwähnt, nicht. Aber ein Serienjunkie wie ich bleibt natürlich dran. Im Herbst erscheint voraussichtlich der neunte Band der Serie, der englische Titel ist „Undead and Unfinished“. Man darf gespannt sein, wies weiter geht.
Was ich allerdings nicht verstehe: Was sollen diese Bonus-Storys? Für mich bringen die nicht wirklich was. Wahrscheinlich sind sie als Werbung gedacht, aber mich nervts einfach nur. So fehlt dem Buch merklich ein wenig Tiefe, die man halt auf ein paar Seiten mehr ganz gut entwickeln hätte können und andererseits wird man mit einer Geschichte angeteast, die nur dazu verleiten soll, noch eine Serie anzufangen. Gut, wers mag. Ich mags nicht.

Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Lyx (15. Februar 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3802582764
ISBN-13: 978-3802582769

Dienstag, 4. Mai 2010

Herz Dame sticht



Autorin: Rita Mae Brown
Original: Murder, she meowed (1996)
meine Bewertung: 3 von 5

Im kleinen beschaulichen Städtchen Crozet herrscht Aufregung. Es ist November geworden und damit steht der Monat der wichtigen Pferderennen an. Postmeisterin Mary Minor Harristeen, auch „Harry“ genannt, ist natürlich mit von der Partie. Als Rennbahnrichterin ist sie an vorderster Front, überwacht an ihrem Hindernis, ob sich auch alle Jockeys fair verhalten und kennt natürlich alle Anwesenden, vom Stallbesitzer bis hin zum Trainer und Jockey. Und natürlich den Tierarzt, der zufällig Harrys Exmann ist.

Doch nicht nur Harry hält sich in diesen Tagen ständig auf der Rennbahn auf, auch ihre Corgi-Hündin Tee Tucker darf dabei sein. Sie muss daheim natürlich sofort alles Mrs. Murphy, Harrys grauer Tigerkatze, erzählen. Besonders spannend wird es, als wieder einmal die Menschen beschließen, sich gegenseitig umzubringen. Der Jockey Nigel wird ermordet im Stall aufgefunden, auf dem Brust eine Spielkarte, durchbort mit einem Stilett.

Natürlich ist der Schrecken groß und schon bald wird klar, dass dies nicht der einzige Mord bleiben wird. Schließlich sind in einem Kartenspiel insgesamt vier Damen vertreten. Die Tiere sind mal wieder im Vorteil und wissen schon bald von den Rennpferden, dass etwas ganz und gar nicht stimmt – und in einer der Pferdeboxen eine lang vermisste Person begraben liegt. Doch auch Harry und ihre Freundinnen haben bald einen Verdacht und der Mörder wird langsam nervös…

Die Krimis von Rita Mae Brown sind nett, unaufgeregt und erhalten eine besonders sympathische Note durch die Konversationen, die die Tiere miteinander führen und deren Involvement. Außerdem sind die Charaktere der Serie sehr sympathisch und werden schon nach einem Buch wie alte Bekannte. Das Flair ist kleindörflich, fast ein wenig Agatha Christie, die Geschichten spielen aber in Amerika. Nett, nicht weltbewegend, sympathisch – wie ein Kurzbesuch bei den Großeltern.
Taschenbuch
Verlag: Rowohlt Tb. (1999)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499225964
ISBN-13: 978-3499225963

Sonntag, 2. Mai 2010

Der Vorleser



Autor: Bernhard Schlink
Original: Der Vorleser (1995)
meine Bewertung: 5 von 5

Michael Berg ist gerade fünfzehn, als ihm am Heimweg von der Schule furchtbar schlecht wird. Er übergibt sich zum ersten Mal in seinem Leben und schämt sich natürlich furchtbar, als eine Frau herbeieilt, ihm das Gesicht säubert und ihn nach Hause begleitet. Sie zieht sich dafür in ihrer Wohnung um, Michael erhascht einen Blick auf sie, als sie sich die Strümpfe anzieht. Der Anblick gräbt sich in sein Gedächtnis. Als Michael zuhause ist, begibt er sich ins Bett und bleibt dort mehrere Monate. Er hat sich Gelbsucht eingefangen. Während seiner Erkrankung muss er immer wieder an die Frau denken, die Bewegung, mit der sie sich die Strümpfe angezogen hat.

Als es ihm nach Monaten etwas besser geht, beschließt er, sich bei der Frau zu bedanken, die ihm damals geholfen hat. Etwas nervös legt er sich zurecht, was er sagen will, trifft sie dann aber nicht an. Michael wartet auf der Treppe vor ihrer Tür, er hat mittlerweile herausgefunden, dass sie Schmitz heißt. Wenig später kommt also Frau Schmitz die Treppe herauf, Kohlenschütten schleppend. Sie freut sich ihn zu sehen und bittet ihn, die restlichen beiden Schütten aus dem Keller z holen.

Michael schleppt sich damit hinauf in die Wohnung, hat sich aber über und über mit Kohlenstaub beschmutzt. Frau Schmitz, die um mehr als 20 Jahre älter ist als Michael, lässt ihm ein Bad ein. Michael fühlt sich mehr als nur hingezogen zu Frau Schmitz und schon bald nimmt das Unglück seinen Lauf. Es entsteht eine Affaire, die im Wesentlichen daraus besteht, dass Michael nach der Schule zu ihr kommt, sie gemeinsam Baden, miteinander schlafen und er ihr aus Büchern vorliest – das hat sie nämlich besonders gern.

Zwar äußert sich das Unglück zuerst in großem Glück, doch das ist nur die Oberfläche. Eines Tages ist Michael mit seinen Freunden im Schwimmbad. Er sieht in der Ferne eine Frau stehen, die zu ihm hinsieht. Es ist Hanna, wie Frau Schmitz mit Vornamen heißt, die er noch nie außerhalb seiner Wohnung gesehen hat. Sie wirkt falsch in diesem Setting, so wendet sich Michael ab. Er ahnt nicht, dass er Hanna für lange Zeit zum letzten Mal gesehen hat. Und dass, wenn er sie wieder trifft, sein gesamtes Bild von ihr ineinander zusammen fällt. Hanna lebt mit zwei Geheimnissen, mit denen sie sich wohl arrangiert hat, die für Michael aber umso schlimmer wiegen.

„Der Vorleser“ ist ein spannendes Buch, man fiebert dem Ende entgegen, obwohl man ahnt, dass es wohl kein gutes sein wird. Bis kurz vor dem Ende wiegt einen der Autor in Sicherheit, doch dann enttäuscht er die Hoffnung des Lesers mit der einzig logischen Wendung, die die Geschichte nehmen muss. Durch die Erzählperspektive aus der Sicht Michaels kann man das Wachsen der jungen Liebe von Anfang an gut nachvollziehen, man versteht Michaels Beweggründe, auch wenn die Beziehung noch so aussichtslos scheint, so hofft man doch mit ihm.

Als Michael schließlich vor einer tief philosophischen Frage steht und beinahe kapituliert, beginnt sich der Leser ebenfalls mit der Frage nach Würde und Ehre des Menschen auseinander zu setzen. Hannas Frage: „Was hätten Sie denn gemacht?“ klingt noch lange im Leser nach. Ein fantastisches Buch, eine ungewöhnliche Liebe und viel Stoff zum Nachdenken. Unbedingt lesen!
Taschenbuch: 206 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 6 (Juni 1999)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257229534
ISBN-13: 978-3257229530