Dienstag, 29. Juni 2010

Die Straße der Ölsardinen



Autor: John Steinbeck
Original: Cannery Row (1945)
Übersetzung: Rudolf Frank
meine Bewertung: 5 von 5

Cannery Row, die „Straße der Ölsardinen“, liegt im amerikanischen Fischerdorf Monterey. Es sind dies die Straßen rund um die Konservenfabriken, ständig weht der Geruch von Fisch durch die Gegend. Die Menschen, die dort leben, sind ebenso speziell wie ihre Behausungen.

Häuser gibt es nämlich nicht wirklich. Mac und seine vier Freunde, alle gleichsam arbeitslos und arbeitswillig, aber durchaus nicht blöd, leben beispielsweise in einer alten Lagerhalle, andere hausen in leeren Dampfkesseln, Rohren oder auf einem seeuntüchtigen Boot.

Es gibt einen Amüsierbetrieb für die Fischer, „Doras Etablissement“, den vollgestopften Laden des kleinen Chinesen Lee Chong, das Laboratorium des Meeresbiologen Doc und ähnliches. Doc ist sowieso der beliebteste Einwohner der Cannery Row. Das ist auch der Grund, wieso Mac und seine vier Freunde eine Party für ihn organisieren wollen. Nicht nur, bis es soweit ist, erleben die Organisatoren so einiges, sondern auch die Party selbst wird zur großen Herausforderung. Auch für den Gefeierten.

John Steinbeck erzählt episodenhaft in 32 relativ kurzen Kapitel eine Geschichte über Menschen, die im Leben eigentlich nichts zu lachen hätten – wären sie nicht so zufrieden und ausgeglichen. Er erzählt von Lebensfreude in einer eigentlich unwirtlichen Gegend, in der Menschen leben, die eigentlich keine Hoffnung auf ein besseres Leben haben. Doch diese Menschen verstehen es, ihr Leben in Würde zu leben und mit viel Freude.

„Die Straße der Ölsardinen“ ist ein absolut empfehlenswertes Buch für alle, die gerne den großen Erzähler Steinbeck kennen lernen wollen, aber nicht gleich einen der umfangreicheren Romane lesen möchten. Schade, dass Steinbeck bei uns so wenig gelesen wird.
Sondereinband: 160 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag; Auflage: Ungekürzte Ausgabe (1. September 1986)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423106255
ISBN-13: 978-3423106252

Montag, 28. Juni 2010

Hörbe mit dem großen Hut



Autor: Otfried Preußler
Original: Hörbe mit dem großen Hut (1981)
meine Bewertung: 5 von 5

Hörbe ist ein Hutzelmann, der mit seinen zwölf Hutzelmann-Brüdern im Siebengiebel-Wald lebt. Er hat ein nettes kleines Häuschen unter einem Haufen Reisig und ist mit sich und der Welt eigentlich total zufrieden.

Eines Tages im Herbst allerdings, als es Zeit wird, die Früchte des Waldes für den Winter einzukochen, bemerkt Hörbe, wie nett das Licht aussieht, das durch den Reisighaufen auf den Waldboden fällt. Ihn überkommt der Wunsch, auf Wanderschaft zu gehen. Da keiner seiner Hutzelmann-Brüder seine Arbeit vernachlässigen möchte, packt sich Hörbe seinen Reiseproviant unter seinen Hutzelmannshut und zieht los.

Hörbe weiß, dass er sich in Acht nehmen muss, denn jenseits vom Siebengiebel-Wald lebt ein Monster, der schreckliche Plampatsch. Es dauert nicht lang, da trifft Hörbe tatsächlich jemanden…

„Hörbe mit dem großen Hut“ ist eine wunderbare Kindergeschichte über einen kleinen Hutzelmann, der auszieht, um die große Welt kennenzulernen und schließlich mit einem neuen Freund nach Hause kommt. Lustig, nett, toll zum Vorlesen und selbst Lesen, ein wirklich empfehlenswertes Kinderbuch.
Gebundene Ausgabe: 126 Seiten
Verlag: Thienemann Verlag (1. Januar 1981)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3522133609
ISBN-13: 978-3522133609

Samstag, 26. Juni 2010

Röslein rot



Autorin: Ingrid Noll
Original: Röslein rot (1998)
meine Bewertung: 3 von 5

Annerose hat es nicht leicht in ihrem Leben. Sie ist Hausfrau und Mutter, Ehefrau und Bürokraft ebenso wie Fußabstreifer und Dienerin ihres Mannes. Sie findet ein wenig Ruhe und Ablenkung wenn sie sich an ihre Hinterglasbilder setzt und malt oder Stillleben betrachtet und in den Details versinkt.

Immer schon hatte sie den Verdacht, dass ihr Mann nicht ganz treu sein könnte. Als er dann auch noch stolz wie ein Pfau die Liebesbriefe herumzeigt und vorliest, die er von einer anderen, weit jüngeren, Frau erhalten hat, ist Annerose tief in ihrem Stolz gekränkt. Sie weiß, dass die Frau krank ist und noch nie ein Wort mit ihrem Mann gewechselt hat, doch so nach und nach kommen ihr immer mehr Dinge seltsam vor.

Als ihr Mann eine alte Freundin aus Studientagen wiedertrifft und für sein Architektur-Büro engagiert, ist Annerose plötzlich fest von der Schuld ihres Mannes überzeugt. Sie beginnt, sich zu rächen. Zuerst fallen die geliebten Tannen ihres Gatten Anneroses Wut zum Opfer, als sie schließlich mit ihrer Halbschwester nach Italien fährt, braut sich zuhause einiges zusammen – Annerose ist dabei nicht ganz unschuldig.

Natürlich kommt es auch noch zu dem Noll’schen Mord, doch der lässt in dieser Geschichte auf sich warten – und der Tod trifft noch dazu eher ein unerwartetes Opfer. Das Ende ist dann zwar nicht unbedingt happy, aber doch eines, mit dem sich der geneigte Leser anfreunden kann.

Witzig an dem Buch ist, dass es dazu ein kleines Heftchen gibt, in dem die Stillleben abgebildet sind, über die Annerose häufig sinniert. Der Leser kann so nachvollziehen, worüber Annerose schreibt und für sich selbst die Bilder betrachten. Das Buch ist nicht der allerbeste Krimi von Noll, aber man kann doch einige nette Stunden damit verbringen.
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 10., Aufl. (Mai 2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257231512
ISBN-13: 978-3257231519

Sonntag, 20. Juni 2010

Töchter des Feuers



Autorin: Nora Roberts
Übersetzerin: Uta Hege
Original: Born in Fire (1994)
meine Bewertung: 0 von 5


Maggie Concannon hat das Pech, die Tochter eines Mannes und einer Frau zu sein, die sich nicht lieben, aber dennoch aus Anstand ihr Leben miteinander verbringen. So sehr Maggies Mutter ihre Tochter hasst, so sehr wird diese von ihrem Vater geliebt, der all seine Ersparnisse zur Verfügung gestellt hat, damit seine älteste von zwei Töchtern eine Ausbildung zur Glasbläserin in Venedig machen kann.

Mittlerweile ist Maggie zurück und arbeitet in ihrem kleinen Häuschen und in ihrem bescheidenen Atelier an Vasen, Schalen, Kerzenständern und ähnlichem aus Glas. Ihr Vater ist vor fünf Jahren in ihren Händen gestorben, seither kümmert sich Maggies jüngere Schwester Brianna um die nicht eben geschätzte Mutter. Brianna hat aus ihrem Elternhaus eine kleine Pension gemacht, wird von ihrer Mutter herumkommandiert und benörgelt, während Maggie sich ganz ihrer Arbeit widmet und sich wenn, dann nur hitzige Wortwechsel mit ihrer Mutter liefert.

Der gegenseitige Hass ist tief begründet. Maggie wurde als uneheliches Kind gezeugt, weshalb ihre Mutter den Erzeuger heiratete, ihre Karriere als begnadete Sängerin aufgab und ihr Leben mit einem Mann verbrachte, mit dem sie nichts verband. Und Maggie fühlt sich deshalb ebenso schuldig, ihr wird von ihrer Mutter nichts gegönnt und sie selbst führt ein Einsiedlerleben im irischen Dörfchen Clare, nur wenige hundert Meter von ihrem Elternhaus entfernt.

Eines Tages beginnt der berühmte Galeriebesitzer Rogan Sweeney sich für die Kunstwerke der jungen, schönen und heißblütigen Irin zu begeistern. Er überredet sie zu einer Ausstellung, die von unglaublichem Erfolg gekrönt ist. Schnell wird Maggie zu einem international gefragten Star der Kunstszene und nicht nur die Zeitungen und Kritiker interessieren sich für sie, sondern auch Rogan Sweeney, der kultivierte Dubliner, hat es auf sie abgesehen.

Praktischerweise verliebt sich Rogan bereits auf Seite 20 oder so in die rothaarige Maggie und sie sich in ihn. So dauert es dann noch eine gefühlte Ewigkeit, besser gesagt, rund 390 Seiten, bis die beiden endlich auch auf einer Gefühlsebene zusammen finden und nicht nur körperlich harmonieren.

Das Buch ist leider von außergewöhnlicher Fadesse. Die Sex-Szenen sind wenig prickelnd und überraschend emotionslos beschrieben, die irische Landschaft mit immer wiederkehrenden Allgemeinplätzen bedacht und auch die Hintergründe Maggies unglücklicher Mutter werden nur oberflächlich gestreift.
Es kommt einen so vor, als würde man eine dünne ungewürzte Suppe löffeln, die nicht ansatzweise zu begeistern vermag – aber man löffelt sie halt aus, weil man gerne wissen möchte, wie das Teller aussieht, das sich darunter verbirgt. In dieser Hinsicht wurde ich auch hier enttäuscht. Weder verbarg sich am Ende ein kleiner Twist, eine Überraschung oder gar ein Juwel am Grunde der langweiligen Suppe, noch war der Weg zu diesem nichtssagenden (und von Anfang an vorhersehbaren) Ende in irgend einer Art und Weise spannend. Von Roberts habe ich erstmal genug.

Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (1. Januar 1998)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442437806
ISBN-13: 978-3442437801

Fünf Freunde und das Burgverlies



Autorin: Enid Blyton
Übersetzerin: Marita Moshammer

Original: Five on Finniston Farm (1965)
meine Bewertung: 4 von 5

Julius, Richard und Anne machen gemeinsam mit ihrer Cousine Georgina, die von allen nur „Georg“ genannt werden möchte und sich auch sonst wie ein Junge gibt, und deren Hund Tim zwei Wochen Urlaub auf dem Funstein Hof. Bevor sie dort angelangen, fragen sie im kleinen Dorf Funstein nach dem Weg dorthin. Sie werden von der Tochter der Eisladenbesitzerin ein wenig vorgewarnt. Der Urgroßvater Jonathan sei eine furchterregende Gestalt, Frau Priller aber sehr nett und deren beiden Zwillinge, „die Harrys“ seien sehr bockig.

Mit gemischten Gefühlen begeben sich die Kinder und der Hund also auf den Weg zum Hof. Sie finden den etwas reparaturbedürftigen Hof genauso vor, wie ihnen das kleine Mädchen prophezeit hatte. Die beiden Zwillinge sind verstockt und blicken finster drein, Frau Priller freut sich über die jungen Gäste und der Urgroßvater ist ein polternder Mann mit langem weißem Rauschebart. Außer den Kindern wohnt auch noch ein Amerikaner mit seinem zehnjährigen Sohn am Hof.

Schon bald merken die Kinder, dass aus gutem Grund die beiden Amerikaner nicht gerade gerne gesehene Gäste sind. Von Frau Priller werden sie geduldet, weil das Geld am Hof recht knapp ist, die Zwillinge Harry und Harry, die so heißen, weil man sie kaum auseinanderhalten kann und einer Harald und einer Harriet heißt, zeigen ihre Feindschaft offen.

Erstaunlicherweise freunden sich die Kinder untereinander schnell an, der gemeinsame Feind, nämlich die beiden Amerikaner, verbindet. Julius und Richard helfen Harald und Harriet beim Ausbessern des Hühnerstalls und anderen Arbeiten, Georg und Anne helfen bei der Hausarbeit. Bald merken die Kinder, dass der Amerikaner unbedingt alte Stücke des Hofes kaufen möchte, um sie in Amerika gewinnbringend weiter zu verkaufen. Natürlich passt das niemandem, vor allem Urgroßvater Jonathan nicht.

Die Fünf Freunde hören zufällig von einer alten Burg, deren Keller noch irgendwo auf dem Grundstück der Prillers verschüttet liegen muss. Sie ahnen, dass sich darin alte Schätze befinden könnten und machen sich deshalb auf die Suche nach dem verborgenen und vergessenen Burgverlies.

Wie das Schicksal so spielt, erfährt auch der Amerikaner davon. Seine Gier ist geweckt und schon rückt er mit schwerem Gerät und seinem Scheckbuch an, um Grabungen vorzunehmen. Werden die Kinder schneller sein und die Schätze noch rechtzeitig in Sicherheit bringen?

Die Bücher der „Fünf Freunde“-Serie sind einfach sehr zu empfehlen. Zwar sind sie schon sehr angejahrt, was man daran merkt, dass die Hauptfiguren weder über das Fernsehen sprechen, noch Handys besitzen oder im Internet surfen, aber sie führen zurück in eine Zeit, in der die Kindheit noch unbeschwert war und man sich auch ohne elektronischer Spielzeuge zu beschäftigen wusste.

Traditionelle Rollenklischees werden vor allem in diesem Band überhaupt nicht transportiert. Es ist okay, dass Harriet den drei Jungs Richard, Julius und Harald dabei hilft, das Hühnerstall-Dach zu reparieren, während Georg, die sich eigentlich immer gerne burschikos gibt, vollkommen zufrieden damit ist, Anne in der Küche zu helfen. Anne ist ein eher ängstliches Mädchen, ist aber auch die jüngste der Freunde und die älteren vermitteln ihr immer wieder das Gefühl, dennoch ein vollwertiges Mitglied der „Bande“ zu sein.

Blyton achtet darauf, Frau Priller und die Kinder immer wieder erwähnen zu lassen, dass Amerikaner nicht grundsätzlich ungehobelt, unhöflich und gierig seien und auch sonst ist das Buch erfrischend unbelastet und einfach nett zu lesen. Wahrlich ein Tipp für alle Leser zwischen 8 und 12 Jahren, die noch nicht ganz vergessen haben, dass man sich auch außerhalb des Wohnzimmers amüsieren kann oder es sich mal wieder in Erinnerung rufen sollten.
Gebundene Ausgabe: 186 Seiten
Verlag: CBJ; Auflage: 68. Aufl. (1. Juli 1988)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570033287
ISBN-13: 978-3570033289

Das Phantom der Schule



Autor: Thomas Brezina
Original: Das Phantom der Schule (1990)
meine Bewertung: 2 von 5

Es ist die letzte Ferienwoche für die Wiener Schüler. Die Knickerbocker Bande, deren Mitglieder ja bis auf Dominik, alle nicht aus der Hauptstadt kommen, machen in dieser Ferienwoche alle gemeinsam Urlaub in Wien bei Dominiks Eltern. Eigentlich haben die vier Kinder vor, diesen heißen August mit der Erkundung Wiens zuzubringen, aber wie immer wird nichts daraus.

Alles beginnt damit, dass Poppis Vater, ein berühmter Chemiker, von einer Zeitungsreporterin aufgefordert wird, eine geheimnisvolle Flüssigkeit zu untersuchen, die angeblich Denkmäler zersetzen kann. Die Erpresserbande „Basilisk“ droht damit, die Säure über Wien zu versprühen, wenn nicht eine beachtliche Summe gezahlt wird. Poppi erfährt von diesem Auftrag und erzählt alles ihren Knickerbocker Kumpels weiter. Sofort sind die Juniordetektive auch schon mitten in ihrem nächsten Abenteuer.

Blöd nur, dass für Dominik die Schule schon wieder beginnt. Was sich da allerdings abspielt, wollen die restlichen Knickerbocker, die inzwischen der Erpresserbande nachspionieren, nicht so recht glauben. Am ersten Schultag kommen Blitze aus den Steckdosen, das Fußballtor beginnt zu sprechen, im Turnsaal hat es über 40 Grad, der ausgestopfte Bär in der Biologie-Sammlung beginnt sich zu bewegen und über Lautsprecher meldet sich eine geheimnisvolle Stimme, die sich als „Phantom der Schule“ ausgibt.

Ein weiterer Fall für die Knickerbocker Bande oder nur ein Puzzlestein, der mit der Erpressung zu tun hat? Was hat der kleine italienische Junge Marco damit zu tun? Und wieso wird Poppi plötzlich von einer unheimlichen schwarzen Kutsche entführt? Die Grübelzellen arbeiten auf Hochtouren, so liegt es auf der Hand, dass auch dieser Fall nicht lange ungeklärt bleibt…

„Das Phantom der Schule“ gehört zu einem der früheren Knickerbocker Bande Abenteuern und kommt ein wenig „zerfleddert“ daher. Anfangs liest man von geheimnisvollen Vorgängen in der Schule, die der Schulwart bemerkt, als die Knickerbocker Bande dann ins Spiel kommt, dreht sich alles nur noch um die Aufklärung des Falles „Basilisk“, mittendrin kommt wieder das Phantom vor und am Ende gehört alles zusammen – sehr, sehr weit hergeholt und ein wenig konfus. Störend wirkt auch die Erklärung von österreichischen Wörtern für die deutschen Leser. Kann man machen, keine Frage. Aber wieso wird dann „Würstelstand“ in einer Fußnote mit „Würstchenbude“ übersetzt, das typisch österreichische Wort „Trafik“ jedoch findet keine Beachtung. Einheitlich oder gar nicht wäre da wohl die bessere Variante.

Ganz nettes Kinderbuch, wahrscheinlich wird es bei der Zielgruppe auch gar nicht so schlecht ankommen, verhauen kann man damit jedenfalls nicht allzuviel.
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: Neuauflage. (1. Februar 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473470821
ISBN-13: 978-3473470822

Samstag, 5. Juni 2010

Skullduggery Pleasant



Autor: Derek Landy
Original: Skullduggery Pleasant (2007)
meine Bewertung: 4 von 5

Es ist ein trauriger Tag für Stephanie Edgley. Sie ist erst zwölf, als sie ihren geliebten Onkel Gordon verliert. Beim Begräbnis fällt ihr zum ersten Mal ein etwas seltsam gekleideter Mann auf und wenn dieser nicht auch bei der Testamentseröffnung Gordons aufgetaucht wäre, hätte sie ihn wahrscheinlich auch gleich wieder vergessen. Er ist groß und schlaksig, versteckt sich hinter einem Schal, einer riesigen Sonnenbrille und einem Hut. Von Gordon erbt er nur einen guten Ratschlag, bedankt sich aber höflich und verschwindet.

Gordons Schwester Beryl und deren Mann Fergus, die sich zu Lebzeiten nicht besonders gut mit Gordon verstanden und ihn sowieso immer für einen Spinner hielten, erben eine Brosche, Stephanies Vater erbt eine Villa seines wohlhabenden Bruders und den ganzen Rest, also die zweite Villa und alles, was sich in ihr befindet, sowie Gordons ganzes Vermögen gehen an seine geliebte Nichte. Nur von ihr hat sich der exzentrische Schriftsteller schon immer verstanden und geliebt gefühlt.

So richtig freuen kann sich Stephanie natürlich nicht, schließlich musste sie erst ihren Onkel verlieren, um zu all dem Besitz zu kommen. Dennoch fährt sie eines Tages mit ihrer Mutter zur Villa, um diese in Augenschein zu nehmen. Als die beiden wieder fahren wollen, regnet es in Strömen und der Wagen springt nicht an. Im Abschleppwagen hat nur eine Person Platz, also fährt Stephanies Mutter mit in die Werkstatt, während Stephanie in der Villa bleibt. Sie liest sich durch Gordons letztes Manuskript und ist sofort wieder fasziniert von der Erzählgabe ihres verstorbenen Onkels.

Sie merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht. Als ihre Mutter dann anruft, um ihr mitzuteilen, dass die Straßen unpassierbar geworden seien, beunruhigt das Stephanie nicht besonders. Erst als es an der Tür klopft und ein Typ Einlass von ihr fordert, wird ihr ein wenig unheimlich. Der ungebetene Gast verschafft sich gewaltsam Eintritt und stürzt sich auf Stephanie. Er faselt etwas von einem Schlüssel, von dem Stephanie natürlich keine Ahnung hat. Fast erwürgt der Angreifer sie, wäre da nicht plötzlich die seltsame Gestalt von Friedhof und Testamentsverlesung.

Er befördert den Eindringling ins jenseits, allerdings fliegt dabei auch seine Tarnung auf. Er verliert während des Kampfes seinen Hut und seine Sonnenbrille. Da erkennt Stephanie die beunruhigende Wahrheit: Sie hat es mit einem quasi lebendigen Skelett zu tun!

Der Mann stellt sich ihr als Skullduggery Pleasant vor, seines Zeichens Detektiv in der magischen Welt. Weil Gordons Nichte keine Ruhe gibt, weiht er sie in die Geheimnisse dieser Welt ein, erzählt ihr von einem zurückliegenden Krieg und einem gegenwärtigen Waffenstillstand, der in Gefahr scheint. Skullduggery glaubt nämlich nicht eine Sekunde an einen natürlichen Tod seines besten Freundes Gordon. Stephanie gibt nicht auf und überzeugt den Detektiv schließlich, sie mitzunehmen auf die Jagd nach Gordons Mörder…

Dieser erste Band von Derek Landy über eine magische Parallelwelt mit einem Ältestenrat, über deren Bewohner und deren Probleme, lässt sehr zarte Anspielungen auf die Welt Harry Potters erkennen, diese sind aber tatsächlich nur zu erahnen. Mit viel Wortwitz und Situationskomik führt er die Hauptdarsteller ein, stellt sein Dream-Team zusammen, gibt einen Überblick über die Welt und schafft es, auf die weiteren Bände neugierig zu machen.

Für die Zielgruppe der 12-14 jährigen Leser sicher sehr spaßig, auch für erwachsene Leser ganz in Ordnung, aber anders als bei Harry Potter wird man als Erwachsener nicht wirklich in die Geschichte gesaugt, dazu ist sie zu wenig komplex. Aber meine Serien-Sammelsucht ist ja berühmt berüchtigt und sobald ich meine Abscheu vor der absurden Preisgestaltung (Band 1 ist für 9,90 zu haben, Band 2 kostet dann schon 10,80 und Band 3 bekommt man für schlappe 11,20) überwunden habe (oder sich die ändert), wird zumindest auch Band 2 in meinem Regal stehen.
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Harpercollins (3. September 2007)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0007241623
ISBN-13: 978-0007241620

Freitag, 4. Juni 2010

Dreizehn bei Tisch



Autorin: Agatha Christie
Original: Lord Edgware Dies (1933)
Übersetzung: Dr. Otto Albrecht van Bebber

meine Bewertung: 4 von 5

Lady Jane Edgware, die ebenso schöne wie begabte Schauspielerin, ist verzweifelt. Sie ist mit dem Tyrannen Lord Edgware verheiratet, hat sich aber frisch verliebt und möchte sich scheiden lassen. Der Lord, ein erzkonservativer Brite, möchte das jedoch nicht und weigert sich schlichtweg. Lady Jane sieht ihren einzigen Ausweg in Hercule Poirot. Sie bittet den berühmten belgischen Detektiv darum, ein gutes Wort für sie beim Lord einzulegen, da sie ihn sonst eigenhändig umbringen müsste, wie sie mehrmals in Gegenwart anderer Menschen scherzhaft sagt.

Dann wird Lord Edgware tot in seiner Bibliothek aufgefunden. Der Butler schwört, die Lady beim Betreten und Verlassen des Hauses gesehen zu haben, doch Jane Edgware hat ein beinahe wasserfestes Alibi. Natürlich mischt sich Hercule Poirot in die Ermittlungen, da er aus sicherer Quelle weiß, dass der Lord bereits in die Scheidung eingewilligt hatte. Vor längerer Zeit, wie der Lord Poirot gegenüber bei einem persönlichen Gespräch erwähnte. Begleitet von seinem treuen Freund Hastings nimmt er gemütlich, wie man ihn kennt, die Ermittlungen in einem sehr komplizierten Fall auf.

Poirot begibt sich dazu nicht mitten ins Geschehen, sondern zieht es vor, von Informationen auf- und heimgesucht zu werden. So kommen ihm die genialsten Einfälle mit halb geschlossenen Augen in seinem Sessel. Schon bald gelingt es ihm, die einzelnen Puzzleteile zu einem halbwegs vollständigen Bild zusammenzufügen, und was ihm noch fehlt, entdeckt er durch kluge Kombination.

Christies Bücher entführen ins England des beginnenden 20. Jahrhunderts, wo Lords und Ladies noch zu einer abendlichen Dinnerparty luden, Schauspielerinnen noch ein Hauch Anrüchigkeit umwehte und der Fünfuhr-Tee ein Pflichttermin war. Man fühlt sich sofort gefangen in dieser Welt, geht in den schmutzigen Gassen Londons ebenso ein und aus wie in hochherrschaftlichen Mansions und darf dabei einem Genie auf seinem Gebiete über die Schulter schauen. Und damit ist nicht Poirot allein gemeint, sondern auch Christie selbst, deren Arbeit für das Genre des Krimis hohe Maßstäbe gesetzt hat.

Man möchte wissen, wer der Mörder war, noch interessanter findet man, wie Poirot es wieder schafft, diesem auf die Schliche zu kommen und spätestens ab dem zweiten Kapitel freut man sich auf die obligatorische Enthüllungs-Szene. Wer diese Art von klassischem whodunnit und solide Erzählkunst schätzt, ist mit Agatha Christie sowieso immer gut beraten.
Broschiert: 224 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (13. Mai 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596170710
ISBN-13: 978-3596170715