Freitag, 4. Juni 2010

Dreizehn bei Tisch



Autorin: Agatha Christie
Original: Lord Edgware Dies (1933)
Übersetzung: Dr. Otto Albrecht van Bebber

meine Bewertung: 4 von 5

Lady Jane Edgware, die ebenso schöne wie begabte Schauspielerin, ist verzweifelt. Sie ist mit dem Tyrannen Lord Edgware verheiratet, hat sich aber frisch verliebt und möchte sich scheiden lassen. Der Lord, ein erzkonservativer Brite, möchte das jedoch nicht und weigert sich schlichtweg. Lady Jane sieht ihren einzigen Ausweg in Hercule Poirot. Sie bittet den berühmten belgischen Detektiv darum, ein gutes Wort für sie beim Lord einzulegen, da sie ihn sonst eigenhändig umbringen müsste, wie sie mehrmals in Gegenwart anderer Menschen scherzhaft sagt.

Dann wird Lord Edgware tot in seiner Bibliothek aufgefunden. Der Butler schwört, die Lady beim Betreten und Verlassen des Hauses gesehen zu haben, doch Jane Edgware hat ein beinahe wasserfestes Alibi. Natürlich mischt sich Hercule Poirot in die Ermittlungen, da er aus sicherer Quelle weiß, dass der Lord bereits in die Scheidung eingewilligt hatte. Vor längerer Zeit, wie der Lord Poirot gegenüber bei einem persönlichen Gespräch erwähnte. Begleitet von seinem treuen Freund Hastings nimmt er gemütlich, wie man ihn kennt, die Ermittlungen in einem sehr komplizierten Fall auf.

Poirot begibt sich dazu nicht mitten ins Geschehen, sondern zieht es vor, von Informationen auf- und heimgesucht zu werden. So kommen ihm die genialsten Einfälle mit halb geschlossenen Augen in seinem Sessel. Schon bald gelingt es ihm, die einzelnen Puzzleteile zu einem halbwegs vollständigen Bild zusammenzufügen, und was ihm noch fehlt, entdeckt er durch kluge Kombination.

Christies Bücher entführen ins England des beginnenden 20. Jahrhunderts, wo Lords und Ladies noch zu einer abendlichen Dinnerparty luden, Schauspielerinnen noch ein Hauch Anrüchigkeit umwehte und der Fünfuhr-Tee ein Pflichttermin war. Man fühlt sich sofort gefangen in dieser Welt, geht in den schmutzigen Gassen Londons ebenso ein und aus wie in hochherrschaftlichen Mansions und darf dabei einem Genie auf seinem Gebiete über die Schulter schauen. Und damit ist nicht Poirot allein gemeint, sondern auch Christie selbst, deren Arbeit für das Genre des Krimis hohe Maßstäbe gesetzt hat.

Man möchte wissen, wer der Mörder war, noch interessanter findet man, wie Poirot es wieder schafft, diesem auf die Schliche zu kommen und spätestens ab dem zweiten Kapitel freut man sich auf die obligatorische Enthüllungs-Szene. Wer diese Art von klassischem whodunnit und solide Erzählkunst schätzt, ist mit Agatha Christie sowieso immer gut beraten.
Broschiert: 224 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (13. Mai 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596170710
ISBN-13: 978-3596170715

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