Freitag, 16. Juli 2010

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod



Autor: Bastian Sick
Original: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod (2004)
meine Bewertung: 4 von 5

Die deutsche Sprache ist eine schwere Sprache – das wissen nicht nur Menschen, die unsere Muttersprache als Fremdsprache lernen (müssen), sondern auch die Deutschen, Österreicher und Schweizer selbst. Gerade jene Menschen, von denen man aber eigentlich erwartet, dass sie – da sie ja ihr Geld mit ihr verdienen – mit der Sprache perfekt umgehen können und uns als leuchtende Vorbilder dienen, oft die geringste Ahnung haben und nur zu weiterer Verwirrung beitragen.

Journalisten und Nachrichtensprecher machen oft vor, wie es eben nicht geht. Neben blumigen Wortneuschöpfungen präsentieren sie immer wieder platte und abgedroschene Phrasen, Neoplasien und andere Unsinnigkeiten. Im Alltag sind wir umgeben von Deppenapostrophen und grammatischen Katastrophen, wer jedoch noch soviel Sprachgefühl behalten hat, dass ihm diese Dinge sauer aufstoßen oder zumindest auffallen oder einfach nur mal wissen möchte, wie man es eigentlich machen sollte, ist mit diesem Buch gut beraten.

Sick schreibt humorvoll und klug über die Irrungen und Wirrungen unserer Muttersprache, ist in diesem Band – dem ersten einer dreiteiligen Serie – aber noch sehr spezifisch. In den weiteren Bänden beantwortet er Fragen, die ihm die Leser eingesandt haben, weshalb ich davon ausgehe, dass diese Bände dann eher „alltagstauglich“ sind. Dennoch macht es Spaß, ein derart kluges Buch zu lesen und dabei auch noch dazu zu lernen.
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 29 (September 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462034480
ISBN-13: 978-3462034486

Donnerstag, 15. Juli 2010

Mut zur Lücke

Da fehlt doch was - nur was? Abermals gefunden auf der Homepage der österreichischen Qualitätszeitung "der Standard" (www.derstandard.at):

Mittwoch, 14. Juli 2010

Die Sache mit dem "scharfen S"

Entgegen anderslautender Meinungen wurde das "scharfe S" in Österreich und Deutschland nicht abgeschafft - lediglich die Schweiz hat sich des seltsamen Buchstabens generell entledigt. Eigentlich sind die Regeln für die Verwendung ja nicht schwierig. Als einfache Richtlinie gilt: Wird der Vokal vor "ss" lang gesprochen, wird ein "ß" draus. Wird er kurz ausgesprochen, darf "ss" bleiben.

So. Wer findet mit dieser Anleitung nun den Fehler? Gesehen auf www.derstandard.at (der Online-Ausgabe einer österreichischen Qualitätszeitung):


Dienstag, 13. Juli 2010

Preisfrage

Heute gehört in den Café Puls Austria News (Frühstücksfernsehen):

"Diese bemerkenswerte Zivilcourage musste der Mann mit dem Tod bezahlen."

Bezahlen tut man ja eigentlich nur mit etwas, das man danach nicht mehr hat: also Geld, Waren, dem Leben. Mit dem Tod bezahlen funktioniert eher nicht, schließlich ist der Mann immer noch tot (so tragisch es ist), er hat seinen Tod also nicht hergegeben - also kann er damit auch nicht bezahlen. Weit schönerer Stil wäre es gewesen, "diese bemerkenswerte Zivilcourage kostete den Mann das Leben" zu schreiben.

Der weiße Gorilla



Autor: Thomas Brezina
Original: Der weiße Gorilla (1993)
meine Bewertung: 2 von 5

Die Knickerbocker Bande, bestehend aus den Freunden Axel, Lieselotte, Dominik und Poppi, ist in Spanien. Sie wurden eingeladen, ein paar Tage im spanischen Castillo des Tierschützers Sebastian Fernandez und seiner Frau Isabella zu verbringen, um gemeinsam mit anderen Jugendlichen gegen die grausamen Stierkämpfe zu protestieren. Doch natürlich lässt ein neuer Fall für die Juniordetektive nicht lange auf sich warten.

Im Schlösschen der beiden Spanier ereignen sich seltsame Dinge. Es gibt Treppen, die im Nirgendwo enden, Türen, die nirgendwo hinführen und ständig hört man Schritte. Man fühlt sich verfolgt, Türklinken werden heiß, Blut erscheint und plötzlich liegt auch noch ein Toter auf dem Gang des Zimmers der Kinder.

Es dauert nicht lang, da bemerken die Kinder, dass mit ihnen wohl ein falsches Spiel gespielt wird – doch verdächtigen sie den wahren Schuldigen? Und was hat der weiße Gorilla, der in einem Käfig auf dem Anwesen wohnt, mit der ganzen Sache zu tun?

„Der weiße Gorilla“ ist ein gewohnt schnell erzähltes Buch mit wenig Tiefe, für die Zielgruppe aber ganz okay. Auch für Poppi kommt endlich mal eine Sternstunde, in der sie beweisen kann, dass sie als jüngstes und ängstlichstes Mitglied der Bande auch ihre Stärken mitbringt. Zielgruppengerecht, kann man sagen. Ganz aufregende Unterhaltung für Erstleser, Abenteurer und Hobby-Detektive.
Taschenbuch: 139 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 1., Aufl. (1. Februar 2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473562289
ISBN-13: 978-3473562282

Montag, 12. Juli 2010

aus dem Sprachdschungel

Immer wieder fällt sie einen heimtückisch an: die "neue" Rechtschreibung - die nicht mehr neu ist, weil die Rechtschreibreform bereits 1996 eingeführt wurde. Dennoch stehen viele noch auf Kriegsfuß mit ihr - oder erfinden einfach ihre eigenen Regeln. In der Kategorie "Sprachdschungel" werde ich posten, was mir so an besonders kreativen Schöpfungen im Alltag begegnet.

Wir fangen damit an:


Wer findet die meisten Fehler? Das Bild stammt übrigens aus einem großen Supermarkt.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte



Autor: Oliver Sacks
Original: The Man who mistook his Wife for a Hat (1985)
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
meine Bewertung: 4 von 5

In „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ erzählt der bekannte New Yorker Neuropsychologe Oliver Sacks aus seiner Praxis, in der ihm immer wieder Menschen begegnen, deren Realität bzw. Normalität sich etwas anders definiert als die der durchschnittlichen Menschen.

In zwanzig Geschichten beschreibt er durchwegs sympathische Menschen, die aufgrund eines Defekts im Gehirn (meist in den Schläfenlappen) mit besonderen Problemen zu kämpfen haben. Da ist beispielsweise der Musiker Dr. P. Er hat Prosopagnosie, dh. er hat Schwierigkeiten damit, Gesichter zu erkennen. Sein Gehirn schafft es, verschiedene Details des Gesichts wahrzunehmen, aber nicht, diese Details zu einem Ganzen zusammen zu setzen.

Sacks schafft es, die Geschichten zwar neutral, aber nicht in klinischem Ton zu schildern. Dennoch ist das Buch eher wissenschaftlich, es kommen teilweise Sachverhalte bzw. Worte vor, die man aus dem Alltagsgebrauch der Sprache vielleicht nicht unbedingt kennt, dazu gibt es aber ein recht gutes Glossar, den Rest findet man in den Weiten des Internets.

Mir persönlich hat das Buch sehr gefallen, einiges kam mir aus dem Psychologie-Studium bekannt vor, wieder anderes ist so seltsam, dass ich noch nie davon gehört habe. Das Buch hat mir auch zu einem Stück Selbsterkenntnis verholfen: Ich leide, sobald ich in einem Buchladen stehe, an akuter Abulie. Abulie bezeichnet Willenlosigkeit bzw. Entschlussschwäche…
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 31 (18. Februar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499187809
ISBN-13: 978-3499187803

Mittwoch, 7. Juli 2010

Das Skalpell



Autor: Paul Carson
Original: Scalpel (1997)
Übersetzung: Lore und Hubert Straßl
meine Bewertung: 2 von 5

In der Dubliner Zentralentbindungsklinik tut sich einiges. Die junge Sandra O’Brien, Ex-Model und Ehefrau des steinreichen Unternehmers Harry O’Brien, liegt im Kreißzimmer. Sie ist gerade dabei, ihr erstes Kind, den Stammhalter für Harry, zu gebären. Doch ab diesem Zeitpunkt scheint alles schief zu laufen. Komplikationen treten während der Geburt auf, doch die versierte Hebamme und der erfahrene Gynäkologe Dr. Dean Lynch kümmern sich um die Schwangere. Klein Harry kommt auf die Welt, natürlich verfolgt von den Argusaugen der Medien und Öffentlichkeit.

Am Tag, an dem die O’Briens mit ihrem kleinen Spross die Klinik verlassen und auf ihr Anwesen zurückkehren, geschieht das Unglaubliche. Eine Bande Ganoven steigt in das Haus ein, sie fesseln und knebeln den Body Guard, die Eltern und die Hebamme und verschwinden mit dem Baby.

Schauplatzwechsel. Der Gynäkologe, der das Baby der O’Briens während seiner schweren Geburt unterstützt hat, bemerkt eine seltsame Veränderung an sich. Er bekommt einen Pilz im Mund, seine Hände zittern, er hat Wallungen und verliert merklich an Gewicht. Anfangs lassen sich diese Anfälle noch ganz gut mit regelmäßigen Heroin-Schüssen unterdrücken, doch dann wird es immer schlimmer. Als Arzt wird ihm schnell klar, was er haben könnte: Aids.

Er nimmt eine Blutprobe von sich und lässt diese unter einem falschen Patientennamen im Labor der Klinik untersuchen. Als die Laborantin seinen Verdacht bestätigt und dabei gleichzeitig vermutet, dass der Arzt selbst die Patientin sein könnte, muss sie sterben. Lynch schlachtet sie auf brutale Weise ab, er verwendet dazu ein Skalpell, das schon bald zum Markenzeichen des verrückten Arztes werden soll, denn dies war nicht sein letzter Mord…

Zur gleichen Zeit wird die Öffentlichkeit mit dem Schicksal des kleinen O’Brien in Atem gehalten. Die Verbrecherbande fordert ein Lösegeld, hat sich aber in einer Hütte verschanzt, die eiskalt ist und in der die Lebensgeister des Babys merklich schwinden. Ob die Polizei noch rechtzeitig kommt?

Die Polizeibeamte Kate Hamilton ist mit der Aufklärung der Morde in der Klinik befasst, sie hat aber keine Ahnung, wie nahe sie dem Mörder und damit dem eigenen Tod immer wieder kommt. Denn Lynch ist ein gerissener Killer. Ihre Kollegen sind derweil mit der Ermittlung im Fall der Baby-Entführung befasst.

Das Buch beginnt recht spannend, allerdings werden darin zwei Erzählstränge ausgeführt, die sich nie treffen, was mit der Zeit ein wenig ermüdend wird. Es wirkt, als ob Carson eine Geschichte geschrieben hätte, die nicht besonders lang geworden ist und ihm selbst nicht genug war und deshalb mit der Geschichte der Kindesentführung aufgefettet wurde. Ein seltsames Gemisch, vielleicht wäre jede Geschichte für sich und in der nötigen Breite ganz okay gewesen, so aber ist das ganze Buch ein Griff ins Klo.
Taschenbuch: 431 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe; Auflage: 4., Aufl. (28. August 2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 340414595X
ISBN-13: 978-3404145959