Montag, 30. August 2010

Jenseits von Mitternacht



Autor: Sidney Sheldon
Original: The Other Side of Midnight (1973)
meine Bewertung: 2 von 5

Noelle, einst ein armes Mädchen aus Marseille, hat es geschafft. Sie hat sich mit viel Raffinesse, mit Männern und ihrer unvergleichlichen Schönheit ganz an die Spitze gearbeitet. Sie ist eine erfolgreiche Schauspielerin geworden und mit dem mächtigsten Mann Griechenlands – wenn nicht sogar Europas – liiert.

Catherine ist, im Gegensatz zu ihr, nur von mäßiger Schönheit. Sie hat sich einen Job in New York gesucht, wird erfolgreich auf dem Gebiet der Werbung und verliebt sich schon bald in ihren Chef, nur um dann dessen gerade eben aus dem Zweiten Weltkrieg zurück gekehrten besten Freund zu heiraten und mit diesem durchzubrennen.

Und genau dieser Mann ist es, der die beiden Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, miteinander verbindet. In Noelles frühem Erwachsenenalter hatten die beiden ein folgenschweres Intermezzo, nach dem sich der Mann – Larry Douglas mit Namen – aus dem Staub machte. Noelle hat ihn über die Jahre hinweg nicht aus den Augen verloren und jeden seiner Schritte überwachen lassen. Larry hingegen hat Noelle schnell vergessen und landete schließlich bei Catherine.

Als Larry, Cathrines Ehemann, eine Stelle als Privatflieger beim reichsten Mann Griechenlands angeboten bekommt, kann er nicht nein sagen. Er und seine Frau ziehen nach Griechenland. Lange Zeit kann sich Larry nicht erklären, weshalb die Freundin seines Chefs derart unhöflich und abweisend ihm gegenüber ist. Aber schon bald sorgt Noelle dafür, dass Larry sich erinnert.

Auch diese Begegnung bleibt nicht ohne Folgen und auch diese Begegnung fordert – wie schon beim ersten Mal – einen Toten. Der sensationelle Mordprozess, der daraufhin folgt, lockt alle ehemaligen Verbündeten Noelles in den Gerichtssaal. Der Showdown entpuppt sich schließlich als ausgeklügeltster und grausamster Racheplan schlechthin…

Was in einer Zusammenfassung kurz dargestellt durchaus sehr spannend klingen kann, ist in Wirklichkeit ein 450 Seiten umfassender Roman, der während des Lesens keine sonderlichen Höhen oder Spannungsbögen aufweist. Die Hauptfiguren sind einem großteils unsympathisch und verhalten sich irrational, es handelt sich um einen der für mich eher schwächeren Sheldon-Romane.
Taschenbuch: 429 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (1998)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548245250
ISBN-13: 978-3548245256

Sonntag, 29. August 2010

Geist der Venus



Autor: Wolfgang A. Gogolin
Titel: Geist der Venus (2010)
meine Bewertung: 4 von 5

„Never judge a book by its cover“ – dieser Satz trifft beinahe immer zu, aber im vorliegenden Fall von Gogolins „Geist der Venus“ ist es umso wichtiger, den ersten (nicht so prickelnden) Eindruck zu ignorieren, den Cover und Titel vermitteln. Das eher altmodisch geratene Cover verschleiert die Tatsache, dass in dem schmalen Bändchen moderne, heitere, amüsante, traurige, melancholische und nachdenkliche Kurzgeschichten versammelt sind.

Der Schreibstil ist locker und gespickt mit Wortspielen, die in ihrer Eleganz an Brandstetter erinnern. Die Themen reichen vom Leben übers Sterben, sinnliche Genüsse werden besonders wirkungsvoll eingesetzt und man ist wahrlich überrascht ob der Qualität der Geschichten. Als Anlesetipp sei die Geschichte „Blumen der Sünde“ erwähnt, die einem mehr als nur ein Lächeln entlockt.

Der Autor, von Berufs wegen Rechtspfleger, macht mit seinen Kurzgeschichten richtig neugierig darauf, wie es wäre, auch einmal einen Roman von ihm zu lesen. Sicher ist jedoch, dass ich bei Gelegenheit auch noch seine anderen bereits erschienenen Kurzgeschichtenbände lesen werde.
Broschiert: 93 Seiten
Verlag: Mohland Verlag (1. März 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866751176
ISBN-13: 978-3866751170

Montag, 23. August 2010

Von Mäusen und Menschen



Autor: John Steinbeck
Original: Of Mice and Men (1932)
Übersetzung: Georg Hofer
meine Bewertung: 5 von 5

Kalifornien, in irgendeinem Sommer der 1920er Jahre. Die beiden Freunde Lennie Small und George Milton ziehen gemeinsam durchs Land und verdienen sich ihre Brötchen als Wanderarbeiter. Sie sind ein eher seltsam anzusehendes Paar. Lennie ist groß und ungeschlacht, er verfügt aber leider über einen ziemlich niedrigen IQ, ist kindlich und naiv. Deshalb besorgt George meistens das Reden und Denken für die beiden. George gibt auf Lennie acht, weil er das Lennies Tante versprochen hatte, bevor diese starb. Und dieses Versprechen nimmt George ernst.

Trotz all der Schwierigkeiten, in die die beiden ständig geraten, weil Lennie nunmal so ist, wie er ist, nimmt George Lennie immer noch unter seine Fittiche und träumt gemeinsam mit ihm sogar von einem besseren Leben auf einer eigenen kleinen Farm. Obwohl George das Aufpassen auf Lennie als ziemliche Bürde empfindet und dies Lennie immer wieder sagt, weiß er doch, dass die beiden nicht mehr haben, als sich selbst. Keine Familie und keine Freunde und nichts Erspartes. Bevor sie sich bei ihrem nächsten Arbeitgeber vorstellen, muss Lennie George versprechen, sich im Hintergrund zu halten und nicht viel zu sagen – und vor allem: keine Schwierigkeiten zu machen. Sollte er doch wieder Probleme bekommen, soll er zu einer verabredeten Stelle kommen, sich verstecken und dort auf George warten.

Von ihrem letzten Job mussten die beiden fliehen, weil sich George in den Kopf gesetzt hatte, den schönen Stoff eines Mädchenkleides zu berühren. Blöd nur, dass das Mädchen noch drin steckte und wie am Spieß zu brüllen begann. Lennie wurde panisch und packte noch fester zu, zum Glück kam aber George, schnappte seinen minderbemittelten Freund und machte sich erneut auf die Socken mit ihm. Solche Unfälle sollen dieses Mal nicht passieren.

Leider entpuppt sich Curley, der Sohn des Chefs, als Boxfan. Er schlägt gerne Krawall und sucht häufig körperliche Auseinandersetzungen. Von Anfang an hat es Lennie nicht besonders leicht mit ihm, obwohl er ihm immer wieder aus dem Weg geht. Die beiden Männer verstehen sich mit dem Vorarbeiter Slim, dem alten Candy und dem Arbeiter Carlson ganz gut, obwohl es unter den Arbeitern rau zugeht. Weil Carlson den Gestank des alten Hundes von Candy nicht mehr aushält, überredet er Candy, seinen Hund erschießen zu dürfen. Candy gibt nach, ist aber danach nicht mehr derselbe. Er möchte ebenso wie Lennie und George sesshaft werden und sein Leben nicht damit beenden, für Fremde gearbeitet zu haben. Er bietet George und Lennie an, mit seinem ersparten Geld in ihre Farm zu investieren.

Lennies Leben wird ein wenig aufgeheitert, als ihm Slim einen Hundewelpen schenkt, um den er sich rührend kümmert. Diese Freude hält jedoch nicht allzu lange an, denn Lennie streichelt den kleinen Welpen so ausgiebig und fest, dass er ihm dabei das Genick bricht. Er ahnt schon, dass George das nicht besonders gut finden wird, beschließt aber, den toten Welpen im Stroh zu verstecken und George nichts davon zu erzählen.

Da taucht aber die Frau von Curley auf, die schon vorher immer wieder für Ärger gesorgt hat, indem sie mit den Arbeitern anbändelte – was natürlich ihrem streitsüchtigen Mann Curley nicht besonders gut in den Kram passte und ihm immer wieder Grund für Streit gibt. Und nun hat die ehemalige Prostituierte beobachtet, wie Lennie das tote Hundebaby versteckt. Sie rückt Lennie ziemlich auf die Pelle und lässt ihn schließlich ihr samtiges Haar berühren. Als Lennie etwas gröber wird, beginnt sie zu schreien. Lennie ahnt, dass er es mal wieder versiebt hat und bittet die Frau, doch nicht zu schreien. Er verleiht seiner Bitte Nachdruck, indem er ihr den Mund zuhält. Es kommt, wie es kommen muss: Lennie hat soviel Kraft, dass er ihr unabsichtlich das Genick bricht.

Er flieht zur verabredeten Stelle und wartet auf George. Und der kommt auch, begleitet von der fuchsteufelswilden Meute der Arbeiter und Curley. Was dann passiert, damit rechnet der Leser nicht – und er glaubt es auch kaum.

„Von Mäusen und Menschen“ ist eine unglaublich gefühlvolle Geschichte, die trotz ihrer Kürze aus den handelnden Personen für den Leser Freunde macht, die trotz ihrer Kürze es vermag, den Leser auf die Seite der beiden Wanderarbeiter zu ziehen und viele Gefühl zu vermitteln. Ein wunderbares Buch, das zeigt, wie beharrlich man den American Dream verfolgen und verfehlen kann. Sehr, sehr empfehlenswert. Steinbeck gehört sowieso mittlerweile zu meinen Favourites.
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Oktober 1987)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423107979
ISBN-13: 978-3423107976

Samstag, 21. August 2010

Elefanten tragen keine Spitzen



Autor: Max Kruse
Original: Elefanten tragen keine Spitzen (1994)
meine Bewertung: 2 von 5


Es sind endlich Sommerferien und die Pizza-Bande, bestehend aus Schräubchen, Milli, Tommy und TH, ist schon wieder drauf und dran, ihr neues Abenteuer zu erleben. In der Stadt hat sich ein Zirkus angesiedelt und natürlich müssen die Kinder sich das ganz genau ansehen. Schnell schließen sie Freundschaft mit Moni, der Tochter des Zirkusdirektors.

Moni erzählt ihnen, dass es dem Zirkus nicht besonders gut geht, es gibt keine Winter-Unterkunft für die Tiere und Menschen des Zirkus und vor kurzem musste außerdem auch ein neues Zelt gekauft werden. Und ausgerechnet dann verschwindet die Geldkasse mit den Einnahmen eines ganzen Wochenendes.

Die Pizza-Bande beginnt zu ermitteln. Schnell haben die Kinder erste Ideen – aber ob sie den Zirkus wirklich retten können?

Die Bücher der Pizza-Bande Serie werden abwechselnd von unterschiedlichen mehr oder weniger namhaften Kinderbuchautoren geschrieben. Die Abenteuer der Kinder sind ungefährlicher als jene der Knickerbocker Bande, die Rollenverteilung weniger chauvinistisch als bei TKKG. Die Bücher sprechen wohl etwas jüngere Kinder an, sind also ganz gut geeignet für die ambitionierten Volksschüler.
Gebundene Ausgabe: 118 Seiten
Verlag: Schneiderbuch (1994)
ISBN-10: 3505081671
ISBN-13: 978-3505081675