Montag, 23. August 2010

Von Mäusen und Menschen



Autor: John Steinbeck
Original: Of Mice and Men (1932)
Übersetzung: Georg Hofer
meine Bewertung: 5 von 5

Kalifornien, in irgendeinem Sommer der 1920er Jahre. Die beiden Freunde Lennie Small und George Milton ziehen gemeinsam durchs Land und verdienen sich ihre Brötchen als Wanderarbeiter. Sie sind ein eher seltsam anzusehendes Paar. Lennie ist groß und ungeschlacht, er verfügt aber leider über einen ziemlich niedrigen IQ, ist kindlich und naiv. Deshalb besorgt George meistens das Reden und Denken für die beiden. George gibt auf Lennie acht, weil er das Lennies Tante versprochen hatte, bevor diese starb. Und dieses Versprechen nimmt George ernst.

Trotz all der Schwierigkeiten, in die die beiden ständig geraten, weil Lennie nunmal so ist, wie er ist, nimmt George Lennie immer noch unter seine Fittiche und träumt gemeinsam mit ihm sogar von einem besseren Leben auf einer eigenen kleinen Farm. Obwohl George das Aufpassen auf Lennie als ziemliche Bürde empfindet und dies Lennie immer wieder sagt, weiß er doch, dass die beiden nicht mehr haben, als sich selbst. Keine Familie und keine Freunde und nichts Erspartes. Bevor sie sich bei ihrem nächsten Arbeitgeber vorstellen, muss Lennie George versprechen, sich im Hintergrund zu halten und nicht viel zu sagen – und vor allem: keine Schwierigkeiten zu machen. Sollte er doch wieder Probleme bekommen, soll er zu einer verabredeten Stelle kommen, sich verstecken und dort auf George warten.

Von ihrem letzten Job mussten die beiden fliehen, weil sich George in den Kopf gesetzt hatte, den schönen Stoff eines Mädchenkleides zu berühren. Blöd nur, dass das Mädchen noch drin steckte und wie am Spieß zu brüllen begann. Lennie wurde panisch und packte noch fester zu, zum Glück kam aber George, schnappte seinen minderbemittelten Freund und machte sich erneut auf die Socken mit ihm. Solche Unfälle sollen dieses Mal nicht passieren.

Leider entpuppt sich Curley, der Sohn des Chefs, als Boxfan. Er schlägt gerne Krawall und sucht häufig körperliche Auseinandersetzungen. Von Anfang an hat es Lennie nicht besonders leicht mit ihm, obwohl er ihm immer wieder aus dem Weg geht. Die beiden Männer verstehen sich mit dem Vorarbeiter Slim, dem alten Candy und dem Arbeiter Carlson ganz gut, obwohl es unter den Arbeitern rau zugeht. Weil Carlson den Gestank des alten Hundes von Candy nicht mehr aushält, überredet er Candy, seinen Hund erschießen zu dürfen. Candy gibt nach, ist aber danach nicht mehr derselbe. Er möchte ebenso wie Lennie und George sesshaft werden und sein Leben nicht damit beenden, für Fremde gearbeitet zu haben. Er bietet George und Lennie an, mit seinem ersparten Geld in ihre Farm zu investieren.

Lennies Leben wird ein wenig aufgeheitert, als ihm Slim einen Hundewelpen schenkt, um den er sich rührend kümmert. Diese Freude hält jedoch nicht allzu lange an, denn Lennie streichelt den kleinen Welpen so ausgiebig und fest, dass er ihm dabei das Genick bricht. Er ahnt schon, dass George das nicht besonders gut finden wird, beschließt aber, den toten Welpen im Stroh zu verstecken und George nichts davon zu erzählen.

Da taucht aber die Frau von Curley auf, die schon vorher immer wieder für Ärger gesorgt hat, indem sie mit den Arbeitern anbändelte – was natürlich ihrem streitsüchtigen Mann Curley nicht besonders gut in den Kram passte und ihm immer wieder Grund für Streit gibt. Und nun hat die ehemalige Prostituierte beobachtet, wie Lennie das tote Hundebaby versteckt. Sie rückt Lennie ziemlich auf die Pelle und lässt ihn schließlich ihr samtiges Haar berühren. Als Lennie etwas gröber wird, beginnt sie zu schreien. Lennie ahnt, dass er es mal wieder versiebt hat und bittet die Frau, doch nicht zu schreien. Er verleiht seiner Bitte Nachdruck, indem er ihr den Mund zuhält. Es kommt, wie es kommen muss: Lennie hat soviel Kraft, dass er ihr unabsichtlich das Genick bricht.

Er flieht zur verabredeten Stelle und wartet auf George. Und der kommt auch, begleitet von der fuchsteufelswilden Meute der Arbeiter und Curley. Was dann passiert, damit rechnet der Leser nicht – und er glaubt es auch kaum.

„Von Mäusen und Menschen“ ist eine unglaublich gefühlvolle Geschichte, die trotz ihrer Kürze aus den handelnden Personen für den Leser Freunde macht, die trotz ihrer Kürze es vermag, den Leser auf die Seite der beiden Wanderarbeiter zu ziehen und viele Gefühl zu vermitteln. Ein wunderbares Buch, das zeigt, wie beharrlich man den American Dream verfolgen und verfehlen kann. Sehr, sehr empfehlenswert. Steinbeck gehört sowieso mittlerweile zu meinen Favourites.
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Oktober 1987)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423107979
ISBN-13: 978-3423107976

Kommentare:

  1. Ich find den Film so toll, hab das Buch aber noch nicht gelesen. Da ich es schon sehr lange besitze, und es mir zufällig kurz bevor ich Deine Rezension gelesen habe wieder in die Hände gefallen ist, werde ich es mir bald vornehmen.
    Liebe Grüße
    Melanie

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  2. Oh, viel Spaß damit! Ich wusste gar nicht, dass es einen Film dazu gibt! Den werde ich mir wohl im Gegenzug besorgen. Obwohl ich es mir arg vorstelle, die Geschichte als Film zu sehen - sie ist so traurig!
    LG
    Chil

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