Donnerstag, 30. September 2010

Vater unser



Autorin: Jilliane Hoffman
Original: Plea of Insanity (2007)
Übersetzung: Nina Scheweling/Sophie Zeitz
meine Bewertung: 3 von 5

Julia Valenciano kann es nicht fassen. Eigentlich ist sie B-Anwältin und spielt daher noch in der untersten Liga der Staatsanwaltschaft, doch da kommt ein ebenso unvor-hergesehenes wie unverhofftes Angebot: Sie soll in einem wichtigen Mordfall die zweite Staatsanwältin neben Rick Bellido sein und dem Staat dabei helfen, den mutmaßlichen Vierfachmörder David Marquette anzuklagen und hinter Schloss und Riegel zu bringen. Dass sie erst kürzlich ein Verhältnis mit dem wesentlich älteren Rick Bellido begonnen hat, ist nicht der Grund, weshalb man sie ins Boot, zu dem auch noch die beiden amüsanten Detectives Latarrino und Brill gehören, wie sich Julia selbst immer wieder versichert.

Anfangs läuft auch alles halbwegs gut. Sie kommt gut mit dem Team klar, trifft sich weiterhin in unregelmäßigen Abständen auch privat mit Rick und arbeitet wie ein Tier, da sie ihre eigenen Pflichten als Staatsanwältin auch nicht vernachlässigen darf. Doch nach und nach wird immer klarer, dass der Grund für ihre zunehmende Nervosität nicht alleine mit Arbeits- oder Beziehungsstress zu tun hat. Ihre Sorgen reichen weit in die Vergangenheit zurück, in der ein Killer ihre Eltern auf grausame Weise abschlachtete, während sie bei einer Freundin übernachtete und so dem tödlichen Massaker entging.

Als der Fall weiter voranschreitet und sich immer mehr Parallelen zwischen ihrem Leben und den vier Opfern des Angeklagten auftun, brechen die Erinnerungen wie ein Tsunami über ihrem Kopf zusammen, Teile lang verdrängter Puzzlesteine der Erinnerung fügen sich plötzlich nahtlos aneinander, Julia merkt, dass sie so nicht weiter machen kann. In ihr schlummert eine tickende Zeitbombe, sie hat außer ihrem Onkel und ihrer Tante keine Verwandten mehr – denkt sie.

Der Medienrummel rund um den Fall, ihre Vergangenheit sowie die wackelige Zukunft mit Rick Bellido werden einfach zuviel. Hilfe naht von unerwarteter Seite, doch wird diese rechtzeitig eintreffen, um sie aufzufangen und vor dem Totalabsturz zu bewahren?

„Vater unser“ ist das zweite Buch von Jilliane Hoffman, das ich gelesen habe. Die Parallelen zu „Cupido“ sind so verblüffend, dass man sich als Leser anfangs schon ein wenig – äh – in seiner Intelligenz gering geschätzt fühlt, schließlich handeln beide Bücher von einer hübschen, jungen und aufstrebenden Staatsanwältin, die mit einem Mordfall zu tun bekommt, der grausam ist und gleichzeitig eine Saite in ihr zum Klingen bringt, die bislang schwieg. Hier wie da haben die Mordfälle Ähnlichkeit mit Episoden aus ihrem Leben, ein bisschen Romantik kommt ebenso vor wie falsche Namen und Identitäten.

Dennoch schafft Hoffmann es irgendwie, dass man diese Ähnlichkeiten der Bücher nicht krumm nimmt und sogar mit Spannung den Ausgang des Prozesses und der persönlichen Misere der Staatsanwältin erwartet. Gut, zwar ist in meinem Fall die Ähnlichkeitsquote 100 % , da es sich dabei aber nur um zwei Bücher der Autorin handelt und ich die restlichen noch nicht kenne, kann man wohl schwerlich von einer Serientäterin sprechen.

Als Fazit kann man sagen, dass das Buch ganz gute Unterhaltung liefert, auch wenn die Geschwister-Situation des Angeklagten soviel mehr Stoff für einen interessanten Twist gegeben hätte, der erst auf den letzten Seiten des Epilogs kommt und dadurch irgendwie fehl am Platz wirkt. Für weibliche John Grisham Fans vielleicht eine Empfehlung wert – viel weniger tiefsinnig, viel weniger moralisch, viel weniger spannend, dafür aber mit einer kleinen Portion Liebe, einem Schuss Erotik und ein bisschen menscheln tut’s auch.
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 6 (1. November 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349924456X
ISBN-13: 978-3499244568

Dienstag, 28. September 2010

Das kleine Frau. Mein Tagebuch



Autorin: Christine Nöstlinger
Original: Das kleine Frau. Mein Tagebuch (1991)
meine Bewertung: 3 von 5

Christine Nöstlinger versammelt im Büchlein „Das kleine Frau. Mein Tagebuch“ humoristische Geschichten rund um Alltagssituationen der Frau in den 90ern. Natürlich ist das Buch ein Kind seiner Zeit, dennoch verwundert es, wie sie heute, fast zwanzig Jahre nach Erscheinen der Geschichtensammlung, immer noch den Nerv der Zeit trifft. Viel hat sich nicht verändert, leider muss man wohl sagen. Nöstlinger schreibt flott und amüsant, hintergründig und tiefsinnig und als kleinen Zusatzbonus sozusagen streut sie immer wieder typisch österreichische Wörter ein, die selbst Original-Österreicher wenn, dann wohl von ihrer Oma gehört haben.
Broschiert: 145 Seiten
Verlag: Dtv (1991)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423114525
ISBN-13: 978-3423114523

Schneesturm im Frühling



Autorin: Rosamunde Pilcher
Übersetzung: Christiane Buchner
Original: Snow in April (1972)
meine Bewertung: 4 von 5

Die gerade mal zwanzigjährige Caroline und ihr elfjähriger Bruder Jody leben in einem Londoner Haus in einer wohlhabenden Familie, die im Grunde genommen aber nicht ihre eigene ist. Die beiden Kinder lebten ursprünglich mit ihren Eltern und dem älteren Bruder Angus auf der Insel Aphros, als ihnen eine Schicksalsschlag ihre Mutter schon früh nahm. Ihr Vater lernte daraufhin Diana kennen und lieben. Die beiden heirateten, Diana wurde von den Kindern in ihr Herz geschlossen – auch umgekehrt entwickelte sich eine enge Bindung.

Als dann auch noch der leibliche Vater von Caroline und Jody stirbt und sich ihre Stiefmutter Diana mit ihrem neuen Mann zurück nach London begibt, ist Angus bereits volljährig. Er geht als schwarzes Schaf der Familie nach Indien, während Caroline und Jody ihrer Stiefmutter und deren neuen Mann nach London folgen. Immer an ihrer Seite ist dabei Hugh, Dianas Bruder – also genau genommen der Stiefonkel der beiden Kinder. Wie es das Schicksal, oder besser: Diana, so will, verlieben sich Hugh und Caroline nach Carolines Teenagerzeit und beschließen zu heiraten.

Kurz nach der Hochzeit möchten Diana und ihr neuer Mann nach Kanada gehen und Jody mitnehmen, da in Carolines neuem Heim mit Hugh kein Platz für den Jungen sein wird. Doch als es immer ernster zu werden beginnt und es nur noch eine Woche bis zur Hochzeit und zur Abreise nach Kanada ist, bekommt Jody kalte Füße. Er hat erfahren, dass der ältere Bruder der beiden in Schottland in einem Hotel arbeitet. Jody möchte nicht mehr nach Kanada, er hat sich in den Kopf gesetzt, Angus zu suchen und bei ihm in Schottland zu bleiben. Caroline lässt sich dazu breit schlagen, nach Schottland zu fahren.

Die beiden Geschwister brechen also auf, ohne ihren Stiefeltern und Hugh etwas von ihrem Plan zu erzählen. Die Fahrt entpuppt sich als schwierig und lang, doch die beiden schaffen es bis kurz vors Ziel. Da werden sie von einem Schneesturm überrascht – mitten in April, in den schottischen Highlands allerdings keine Seltenheit. Es ist Nacht und es ist kalt, als Caroline die Kontrolle über den Wagen verliert. Sie schlittern in eine Schneewehe, in der das Auto stecken bleibt. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als auszusteigen und Hilfe zu suchen.

Glücklicherweise sind sie nicht weit vom nächsten Anwesen gestrandet. Es handelt sich um das riesige Anwesen Cairney. Sie läuten – ihnen wird tatsächlich geöffnet und vom Hausherren Oliver Cairney ohne viel Fragen auch noch geholfen. Oliver ist ganz froh über die Ablenkung, die die beiden in sein trauriges Heim bringen, das eigentlich seinem eben verstorbenen Bruder gehörte. Während er sich mit einer Verehrerin und seinen Sorgen um das Anwesen herumschlägt, tut ihm die Gesellschaft der beiden unerwarteten Besucher sichtlich gut.

Bis die Straßen zum Hotel von Angus wieder vom Schnee befreit sind, vergehen einige Tage – genügend Zeit allerdings für Caroline, um ihre Heiratspläne ernsthaft zu hinterfragen und sich näher mit dem überaus charismatischen Oliver Cairney zu beschäftigen. Dabei bleibt das Interesse nicht nur einseitig und auch für den kleinen Jody scheint sich die Zukunft überaus prächtig zu entwickeln…

Ich muss gestehen, dass die Romane von Rosamunde Pilcher eher zufällig auf meinen Leselisten gelandet sind, ich mittlerweile aber hin und wieder sehr gerne auf eines ihrer überaus romantischen Bücher zurück greife. Sie sind keineswegs tiefsinnig oder anspruchsvoll, aber Pilcher schafft es, aus einer Realistin wie mir für die Dauer der Lektüre eine heißblütige Schottin, eine hübsche Farmerin, eine betrogene Ehefrau oder ein ungeliebtes Stiefkind zu machen.

Pilchers Romane sind voll Leben und Atmosphäre, sie sind die idealen Begleiter für warme Bäder an kalten Herbsttagen, für die Lektüre am kuscheligen Sofa, während draußen der Schnee fällt oder für herrliche Altweibersommer. Hin und wieder kann man sich gute Unterhaltung mit einem Schuss Romantik und viel Landidylle schon mal gönnen. „Schneesturm im Frühling“ ist einer der kürzeren Pilcher Romane, etwas mehr Länge hätte der Tiefe der Charaktere vielleicht ganz gut getan.
Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 18 (1. März 1993)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499129981
ISBN-13: 978-3499129988

99 heiße Spuren



Autor: Thomas Brezina
Original: 99 heiße Spuren (1991)
meine Bewertung: 3 von 5

„99 heiße Spuren“ ist ein Knickerbocker Bande Ratekrimi-Buch. In 99 kleinen Geschichten zum Mitraten und Tüfteln erwerben die kleinen Leserdetektive Punkte, die am Ende des Buches Aufschluss darüber geben, ob man ein echter Knickerbocker ist. Die Ratekrimis sind dabei mal leichter und mal wieder etwas kniffliger, für Kinder zwischen 8 und 10 Jahren bietet das Buch allerlei Spaß und Spannung. Dieser Band stellt ein weiteres Stück meiner Kindheitserinnerungen dar, den ich nun wieder aufgetrieben habe und das meine Sammlung vervollständigt.
Gebundene Ausgabe: 310 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 1 (1. Juni 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473345504
ISBN-13: 978-3473345502

Dienstag, 21. September 2010

Ein Fremder im Spiegel



Autor: Sidney Sheldon
Original: A Stranger in the Mirror (1971)
Übersetzung: Egon Strohm
meine Bewertung: 4 von 5


Die Mutter des kleinen Toby Temple ist schon bei dessen Geburt davon überzeugt, dass ihr Sohn einmal ein Star wird, sie ist deshalb streng, aber liebevoll zu ihm. Sie fordert ihn immer wieder, kümmert sich um die Geschäfte ihres Mannes, weil sich dieser nach der Hochzeit als Schlappschwanz entpuppt hat und sorgt so für das Auskommen der Familie. Als Toby alt genug ist, geht er fort von daheim, um die Bretter der Welt als Komiker zu bereisen. Er beginnt dabei seine Karriere ganz unten. Toby tritt in heruntergekommenen Bars auf, lässt sich von biertrinkenden Arbeitern beschimpfen und ausbuhen, behält dabei aber immer das Kinn oben. Seine Mutter ist überzeugt davon, dass ihr Sohn es schafft. Und seine Mutter hat sich bisher noch nie geirrt.

Viele tausend Meilen von ihm entfernt lebt Josephine, die Tochter einer polnischen Näherin. Als Kind hat sie viele Freundinnen unter den reichen Kindern, obwohl sie selbst in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Sie ist hübsch und nett, die anderen Kinder haben sie gern. Und sie hat sich unsterblich in David verliebt, einen ebenfalls sehr reichen Jungen. Als sie gerade vierzehn geworden ist, ereignet sich jedoch ein traumatisches Erlebnis für die junge Polin, das sie dazu veranlasst, den Kontakt mit den reichen Kindern abzubrechen. Mit achtzehn jobbt sie schließlich in einem Fastfood Restaurant als Kellnerin, als sie nach langer Zeit David wieder einmal begegnet. In all der langen Zeit hat auch er sie nicht vergessen.

Die beiden treffen sich regelmäßig und wollen schließlich heiraten. Doch dazu sollte es nicht kommen, dafür sorgt seine reiche Mutter, die es nicht zulassen kann, dass ihr Sohn mit einer Arbeitertochter liiert ist. Wieder hat Josephine ein traumatisches Erlebnis, an dem sie beinahe zerbricht. Sie packt ihre Koffer und geht nach Hollywood, weil auch sie ein Star werden möchte.

In der Zwischenzeit ist aus dem einst so erfolglosen Toby Temple der berühmteste und beliebteste Komiker Amerikas geworden. Man liebt und bewundert ihn. Toby hat allerdings ein Problem. Je berühmter er wird und je mehr Menschen sich um ihn scharen und ihn bewundern, desto einsamer fühlt er sich. Und da trifft er eines Tages auf die junge Jill Castle, vormals Josephine Cszinski und schon nimmt das Schicksal seinen Lauf. Ein Schicksal, das am Ende jedem zuteil werden lässt, was er verdient hat.

„Ein Fremder im Spiegel“ ist interessant aufgebaut. Im Prinzip beginnt das Buch mit dem Vorwort, das den Leser verwirrt zurück lässt, weil es sich um das Ende der Geschichte handelt. Zur Erklärung des vorangestellten Schlusses wird die ganze Geschichte der Hauptdarsteller von Kindesbeinen an aufgerollt, man erlebt, wie sich die Charaktere entwickeln und wie oft sich das Schicksal in verschlungenen Pfaden zeigt.

Es ist eine unterhaltsame und teilweise auch spannende Geschichte, zum Großteil handelt es sich allerdings um eine mehr als tragische Liebesgeschichte. Wenn man zum Ende kommt und die bereits aus dem Vowort bekannten Worte liest, wird alles klar, man ist direkt ein wenig überrascht, weil man diesen Aspekt ja schon längst wieder verdrängt hatte…
Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Goldmann Wilhelm GmbH; Auflage: N.-A. (Dezember 1995)
ISBN-10: 3442063140
ISBN-13: 978-3442063147

Freitag, 17. September 2010

Ich und Klara und der Dackel Schnuffi



Autor: Dimiter Inkiow
Original: Ich und Klara und der Dackel Schnuffi (1978)
meine Bewertung: 5 von 5

Ich und Klara und der Dackel Schnuffi erleben so Einiges, und ihre Eltern gezwungenermaßen mit ihnen, denn Klara geht gerade erst in die erste Klasse Volksschule und ihr Bruder ist sogar noch im Kindergarten. Da kann es schon passieren, dass der Dackel Schnuffi gebadet wird, der Staubsaugervertreter dazu überredet wird, die Wohnung schnell mal durchzusaugen und mit Schwimmärmelchen schlafen gegangen wird.

In kurzen, nett illustrierten Geschichten, die durchwegs humorvoll und von großer Geschwisterliebe geprägt sind, erfährt der Leser, was der kleine „Ich“ im Alltag beobachtet, anstellt und erlebt. Erzählt werden diese Episoden in einer sehr kindlich-sympathischen Art, es handelt sich um ein sehr nettes Vorlesebuch für Kinder im Alter der Protagonisten oder für Erstleser.
Broschiert: 96 Seiten
Verlag: Dtv; Auflage: N.-A. (Juli 2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423074183
ISBN-13: 978-3423074186

Agatha Christie Lesebuch



Autorin: Agatha Christie
Original: ?
Übersetzung: ?
meine Bewertung: 2 von 5

In diesem Agatha Christie Lesebuch finden sich kurze Szenen aus einigen ihrer berühmtesten Krimis, ein Steckbrief von Poirot und Miss Marple, Kurzgeschichten, Texte von Christie über sich selbst – die Inhalte sind natürlich sehr toll, da sie ja von der Grand Dame stammen. Allerdings ist dieses Lesebuch für echte Fans wohl eher vernachlässigbar, da darin eigentlich nichts Neues vorkommt, zwei Sterne gibt es aber trotzdem, weil man einiges von ihr einfach nicht oft genug lesen kann.
Taschenbuch
Verlag: Scherz Verlag, Frankfurt (1986)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3502510547
ISBN-13: 978-3502510543

Mittwoch, 15. September 2010

Erntedank



Autoren: Volker Klüpfel, Michael Kobr
Original: Erntedank (2006)
meine Bewertung: 5 von 5

Im beschaulichen Allgäu gehen schreckliche Dinge vor sich. Eine männliche Leiche wird gefunden – an sich ist das selbst im Allgäu nichts Ungewöhnliches, allerdings wurde die Leiche gar grausig zugerichtet. Ein Rabe wurde kunstvoll auf der Brust des Opfers drapiert, ein Auge wurde ihm ausgehackt und den Tod fand der ehemalige Kaffee-Fahrten-Veranstalter mittels eines gekonnt geführten Schnittes einer Sense.

Nun ist Kommissar Kluftinger an sich schon nicht mit dem stärksten Magen ausgerüstet, was den Anblick von Leichen betrifft. Allerdings ist ihm das nun fast zuviel. Dennoch funktioniert sein fast fotografisches Gedächtnis und er entdeckt, als er sich schon längst von dem Fund weggedreht hat, ein wichtiges Detail: In der Halswunde des Opfers steckt ein kleines Zettelchen.

Der Mord hat etwas Ritualhaftes an sich und als eine weitere Leiche, dieses Mal von der Abtreibungsärztin Heiligenfeld, gefunden wird, hat die Polizei es auch noch mit einem Serientäter zu tun. Die Ärztin wurde ebenfalls mit einer Sense hingerichtet, auf ihrer Stirn wurde die Zahl elf eingeritzt. Bei sich trägt sie das Foto einer Kirchenfigur. Kluftinger und seine Kollegen stehen nicht nur vor dem Problem, einen Mörder finden zu müssen, sondern auch noch, weitere Morde verhindern zu müssen.

Hilfe bekommt Kluftinger dieses Mal aus einer eher unerwarteten Ecke. Sein Sohn Markus, seines Zeichens Psychologie-Student, und seine Frau Erika erweisen sich als wertvolle Hilfe. So kommt es, dass das gesamte Kommissariat schließlich damit beschäftigt ist, alte Sagenbücher zu wälzen.

Schon bald hat man auch einen Verdächtigen, auf den alle Hinweise nur zu gut passen. Da verschwindet plötzlich der Bruder von Staatsanwalt Möbius. Nun zählt jede Sekunde, der Mörder muss gefasst werden, bevor er sein irres Werk fortsetzt. Wird Kluftinger noch rechtzeitig kommen?

Ich oute mich hiermit als Kluftinger-Fan. Für mich hat er etwas von Kommissar Kugelblitz, den ich als Kind schon verehrt habe (und der in meiner Phantasie sowieso aussieht wie Altmeister Hercule Poirot). Ein wenig brummelig, dicklich, unbeholfen und gemütlich. Lustig nur unabsichtlich und umgänglich auch nur zufällig. Kluftinger ist ein griesgrämig-sympathischer Ermittler, der nicht nur im Job ziemlich viel um die Ohren hat, sondern auch immer wieder sein Auskommen mit Doktor Lodenbacher finden muss, dessen Ehefrau die beste Freundin von Kluftingers Erika ist. In diesem Band sind die Kluftingers sogar dazu gezwungen, kurzzeitig bei den Lodenbachers zu wohnen. Und dass das nicht gut geht, kann man sich leicht vorstellen.

Der Fall ist spannend konstruiert und als Leser hat man schon ca. 100 Seiten vor Kluftinger ein Aha-Erlebnis und den Mörder dingfest gemacht, dann allerdings kann man mitfiebern, wie lange es noch dauern wird, bis auch Klufti auf den Trichter kommt und wie er ihn schließlich fassen wird. Für Fans von Lokalkolorit, niederbairischen Einwürfen und klassiche Krimihandlungen ist Kluftinger wirklich empfehlenswert. Dieses Buch sollte der Stimmung halber Mitte Oktober/Anfang November lesen.
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 17 (Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492245110
ISBN-13: 978-3492245111

Dienstag, 14. September 2010

Das Geheimnis der Schnallenschuhe



Autorin: Agatha Christie
Original: One, Two, Buckle my Shoe (1940)
Übersetzung: ? (Donauland-Ausgabe)
meine Bewertung: 3 von 5


Eigentlich wollte Hercule Poirot nur zum Zahnarzt gehen. Aber selbst da wird er mit einem Mord konfrontiert. Sein Besuch bei Dr. Morley verläuft Ereignislos, beschwingt und erleichtert verlässt er nach seinem Termin das Haus. Er hat wieder einmal seinen halbjährlichen Vorsorgetermin ohne wesentliche Schmerzen überstanden. Als Poirot sich vom Doktor verabschiedet, lebte dieser noch. Doch kurz darauf wird der Zahnarzt tot in seinem Behandlungszimmer aufgefunden.

Morley hat sich scheinbar erschossen, die Polizei glaubt an einen Selbstmord, vor allem auch deshalb, weil niemand ein Motiv für den Mord am Arzt hat, keine Fremden im Haus gesehen wurden und er an diesem Tag einen folgenschweren Fehler gemacht hat: Ein Patient starb in seinem Hotelzimmer nach seinem Zahnarztbesuch, aufgrund einer überdosierten Beruhigungsspritze, wie sie beim Zahnarzt verabreicht wird.

Obwohl Inspektor Japp, ein persönlicher Freund des kleinen belgischen Detektivs, fest an seine Selbstmord-Theorie glaubt, ist Poirot nicht ganz seiner Meinung. Zu viele Ungereimtheiten hat er entdeckt, außerdem taucht eine weitere Leiche auf – macht insgesamt drei. Eine Frau wird eindeutig ermordet in der Wohnung einer anderen Frau aufgefunden, eindeutig ermordet. Und ebenso wie der ausländische Mann, der tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden wurde, war auch diese Dame eine Patientin des Zahnarztes.

Der Kreis der Verdächtigen ist nicht groß, eigentlich ist er gar nicht vorhanden. Poirot stochert deshalb im Dunklen, auf die Unterstützung Japps ist er glücklicherweise nicht angewiesen, denn der weigert sich lange, eine Morduntersuchung einzugestehen. Der Fall ist verwirrend, doch vor Poirots kleine grauen Zellen ist kein Mörder sicher…

Tatsächlich ist diese Geschichte mit dem belgischen Detektiv Hercule Poirot eine sehr verwirrende, für den Leser ist es nahezu nicht möglich, den Mörder noch vor dem Superschnüffler zu identifizieren. Insgesamt kommt etwas sehr viel Spionage vor, die Auflösung ist weniger schlüssig als man dies von Christie gewohnt ist. Dennoch ist es eine unterhaltsame und spannende Lektüre, die sich ein Christie-Fan natürlich nicht entgehen lassen darf, um Christie kennen zu lernen gibt es wohl weit geeignetere (und auch bekanntere) Werke.
Broschiert: 206 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (16. November 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596173094
ISBN-13: 978-3596173099

Das unvollendete Bildnis



Autorin: Agatha Christie
Original: Five Little Pigs (1942)
Übersetzung: ?
meine Bewertung: 5 von 5


Der berühmte belgische Detektiv Hercule Poirot konnte noch nie jungen Mädchen widerstehen – so kommt es, dass er sich eines sehr verzwickten Falles annimmt. Eine junge Dame möchte heiraten, sie hat allerdings vor kurzem erst erfahren, dass ihre leibliche Mutter hingerichtet werden sollte, weil sie angeblich ihren leiblichen Vater, einen berühmten Maler, vergiftet haben soll. Ihre Mutter ist dem Tod durch den Strang entkommen, aber im Gefängnis verstorben. Ihre letzte Nachricht an ihre mittlerweile in einem anderen Land lebende Tochter war die Beteuerung, nicht am Tod ihres Vaters Schuld zu sein.

Da die junge Miss Carla den Worten ihrer Mutter glaubt, bittet sie Hercule Poirot inständig, die Wahrheit ans Licht zu bringen, schließlich will sie ohne diesen verwandtschaftlichen Makel in die Ehe übertreten. Poirot nimmt sich des Falles an, der sich als besonders schwierig und verzwickt erweist, da er schon mehr als sechzehn Jahre zurückliegt.

Zuerst befragt Poirot persönlich all jene Menschen, die damals im Haus des Malers anwesend waren, pikanterweise auch die Geliebte des Künstlers, die die vermeintliche Mörderin ihres Geliebten immer noch hasst und verflucht, mit all der Leidenschaft, zu der sie nach so langer Zeit noch fähig ist. Die Nachbarn, das Kindermädchen – niemand entkommt der Vergangenheit.

Nach der Befragung erhält Poirot von allen Augenzeugen einen schriftlichen Bericht, angefertigt von jedem angeblich nach bestem Wissen und Gewissen. Und schließlich versammelt er nach alter Manier die Verdächtigen – nun ja, dieses Mal nicht in einer Bibliothek rund um einen knackenden Kamin, aber doch – um schließlich bis ins kleinste Detail auszuführen, wer den Mord an Amyas Crale begangen hat.

Christie entführt, egal wie oft man ihre Bücher schon gelesen hat, immer wieder in ein längst vergangenes England voller Geheimnisse, reicher Menschen, Bibliotheken, Herrenhäuser, Dienstmädchen und Köchinnen. Die Gärtner streunen durch riesige Anwesen und Mord hat Hochkonjunktur. Poirot ist ein witziger Detektiv, der nichts davon hält, sich zu bücken, wenn er genauso gut seine kleinen grauen Zellen anstrengen kann.

In diesem Buch verwendet Christie eine recht unübliche Erzählform. Das Buch ist dreigeteilt. Im ersten Abschnitt erfährt man die Hintergründe der Tochter und die Tatsachen, im zweiten liest man von jedem Verdächtigen den Bericht – was schließlich dazu führt, dass man im Prinzip ständig dieselben Fakten und Abläufe liest, seltsamerweise stört man sich aber nicht daran, wahrscheinlich, weil man weiß, dass irgendwo in diesen Berichten und Erzählungen der Schlüssel zum Geheimnis liegen muss. Ich zumindest habe versucht, schneller als Poirot zu sein – ein scheinbar unmögliches Unterfangen.

„Das unvollendete Bildnis“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern von Agatha Christie, es ist spannend, die Auflösung nachvollziehbar und irgendwie die ganze Zeit so offensichtlich, dass man sie nicht sieht. Poirot wie immer sympathisch arrogant und unsympathisch und England immer noch das Zentralheizungsfreie Königreich.
Broschiert: 220 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (20. Juni 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596175844
ISBN-13: 978-3596175840

Montag, 13. September 2010

Der Schatz in der Drachenhöhle



Autor: Stefan Wolf
Original: Der Schatz in der Drachenhöhle (1982)
meine Bewertung: 3 von 5

Endlich sind die Sommerferien angebrochen! Die vier Freunde Tim, Karl, Klößchen und Gaby haben sich schon so lange darauf gefreut, schließlich haben die vier Kinder, die gemeinsam unter dem Namen TKKG-Bande bekannt ist, etwas Besonderes vor: Sie möchten mit einem Kanu den nahe an der Stadt vorbei führenden Fluss bereisen. Ihre Eltern haben es erlaubt, die Vorräte sind bereits gepackt und lediglich ein paar Einkäufe müssen noch gemacht werden.

Als sich Tim, der auch Tarzan genannt wird, weil er so gut klettern kann und auch sonst eine wahre Sportskanone ist, gerade darum kümmert, die wasserfesten Gummisäcke für ihre Kleidung zu besorgen, kommt er einem Polizeieinsatz beinahe in die Quere. Ein fliehender Mann wird von Kommissar Lukas, den der Junge nicht besonders gut ausstehen kann, verfolgt. Tarzan macht sich ebenfalls an die Verfolgung und sieht gerade noch, wie der Fliehende im Park einen Zettel entsorgt, bevor er von der Polizei verhaftet wird.

Aus reiner Neugier schnappt sich Tarzan den Zettel, der sich schnell als Plan zur Beute des Diebes entpuppt. Tarzan wird beobachtet, wie er den Plan an sich nimmt, weshalb er schnell den Zorn des Komplizen des Verhafteten auf sich zieht. So wird die gemütliche Kanufahrt zu einem Spießrutenlauf. Die Kinder werden von einer ganzen Schar Rocker auf Motorrädern verfolgt, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Wird der nette Ferienausflug zu einem Höllentrip?

Wie schon öfter angemerkt, ist die Lektüre als erwachsener Mensch mit vielen Ambivalenzen verbunden. Einerseits werden „die Bösen“ immer auch mit körperlichen Makeln versehen beschrieben (fleischige Nase, buschige Augenbrauen, Tätowierungen, Motorräder etc.), Zugehörige anderer Volksgruppen kommen meist nicht besonders gut weg („die brutalen Zigeuner“ in diesem Band), ebenso wie Mädchen meist als das sehr schwache Geschlecht dargestellt werden. Auch in diesem Band haben Klößchen und Karl so gut wie keine Funktion, außer eben auch dabei zu sein.

Andererseits kann ich mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, als Kind die Bücher der TKKG Bande zu lesen. Damals faszinierten sie mich und unterhielten mich gut. Und was auch heute noch wirklich nett zu lesen ist: Es gab mal eine Zeit ohne Computer, Handy und Apps. Und die hatte auch ihre Vorzüge. Das Fazit wie immer bei den Büchern der TKKG Bande: angeleitetes und besprochenes Lesen ist für Kinder hier wichtig.
Broschiert: 181 Seiten
Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann (7. November 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 357021589X
ISBN-13: 978-3570215890

Das Leben und Sterben im Uncle Sam Hotel



Autor: Charles Bukowski
Übersetzung: Carl Weissner
Original: Erections, Ejaculations, Exhibitions... (1972)
meine Bewertung: 4 von 5

Sex, saufen, Schwerenöter sein – Bukowski in Reinkultur erlebt man in diesen Kurzgeschichten. Sie erzählen aus dem nahezu verzweifelt lebensfrohen Leben von Charles Bukowski und zeigen nicht nur, wie kaputt er selbst ist, sondern auch, wie kaputt der amerikanische Traum ist.

An Bukowski fasziniert seine Zartheit, die er in wilden und boshaften Worten meisterlich versteckt, in den Szenen, in denen er seine Zuneigung zu Linda beschreibt, blitzt diese andere Seite Bukowskis jedoch durch.

Was Bukowski von Kritikern gehalten hat, ist ja bekannt. Darum sei hier nur gesagt: Man kann den alten Hank lieben oder hassen, aber mögen kann man ihn nicht. Etwas mehr Gefühlsregung hat er sich schon verdient.
Broschiert: 118 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 12 (1. Dezember 1990)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596104793
ISBN-13: 978-3596104796

Sonntag, 12. September 2010

Wo fahren wir hin, Papa?



Autor: Jean-Louis Fourniere
Original: Où on va, papa? (2008)
Übersetzung: Nathalie Mälzer-Semlinger
meine Bewertung: 5 von 5

Jean-Louis Fournier, Schriftsteller, Humorist und Fernsehregisseur, hat zwei körperlich und geistig schwer behinderte Kinder, Mathieu und Thomas. Er hat sich immer Kinder gewünscht, natürlich hätte er es in vielen, fast allen, Situationen vorgezogen, gesunde Kinder zu haben, aber er hat die beiden ins Herz geschlossen – schließlich sind sie seine Kinder und können am wenigsten dafür, dass sie so sind, wie sie sind.

Schonungslos ehrlich beschreibt Fournier die Gedanken und Gefühle eines Vaters, der seinen Kindern gerne auch einmal ein Buch vorgelesen hätte oder mit ihnen Türme aus Bauklötzen gebaut hätte, der gerne mit den Kindern Fußball gespielt hätte oder einfach nur reden hätte wollen. Doch all das blieb ihm verwehrt, stattdessen hat er zwei Söhne in den Körpern von Teenagern und mit dem Gemüt von Kleinstkindern.

Fournier beschönigt absolut nichts, er stellt sich als sehr realer Mensch dar, der seinen Kindern ein Denkmal in Form eines humorvollen, liebevollen und erschreckenden Buches gewidmet hat. Episodenhaft erzählt er von Begebnissen aus dem Leben mit seinen beiden Söhnen, die ihm oft Grund zum Lachen gegeben haben, oft aber auch Grund zum Heulen.


Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. November 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423247452
ISBN-13: 978-3423247450

The Graveyard Book



Autor: Neil Gaiman
Original: The Graveyard Book (2009)
meine Bewertung: 3 von 5


Kaltblütig und grausam verrichtet „The man Jack“ seinen Auftrag. Er beseitigt eine gesamte Familie eines Nachts in deren Haus. Lediglich der Säugling der Familie schafft es, zu entkommen. Er flieht ausgerechnet auf den nahegelegenen Friedhof, wo sich die beiden Geister Owens um ihn annehmen und für ihn eintreten. Sie möchten den Säugling gerne behalten und versorgen. Die gesamte Gemeinde der bereits Verstorbenen versammelt sich, um zu entscheiden, wie es mit dem Kleinen weitergehen soll. Als sich schließlich die Graue Frau ebenfalls für ihn einsetzt, ist es beschlossene Sache: Das Baby bleibt bei den beiden Owens-Geister, die zu Lebzeiten nie ein Kind hatten, aber immer eines wollten.

Die beiden nennen den Kleinen Nobody, abgekürzt auch „Bod“. Bod wird von allen Bewohnern des Friedhofes geschätzt und beschützt, sie ahnen, dass der Junge in Gefahr schwebt, sobald er sich außerhalb der Friedhofsmauern bewegt. Da die Geister Bod nicht berühren können oder den Friedhof verlassen können, um Essen für den Jungen zu besorgen, übernimmt der Vampir Silas, der sich unter den Lebenden ebenso bewegen kann wie unter den Toten, die Patenschaft für den Jungen.

Verschiedene Geister werden zu Bods Lehrern, der Junge entwickelt sich prächtig und hat viele – wenn auch tote – Freunde. Zwischenzeitlich wagt er das Experiment, in eine Schule zu gehen, aber das wird eher zu einem Debakel. Schließlich ist es wichtig für Bod, dass er unauffällig lebt. „The man Jack“ ist ihm nämlich schon gefährlich nah. Dieser möchte seinen Auftrag, der sich aus einer alten Prophezeiung ergibt, endlich vollständig erfüllen und auch Bod beiseite schaffen.

Allerdings hat Bod durch sein Leben am Friedhof einige der Fähigkeiten von Geistern angenommen und genießt den speziellen Schutz des Friedhofes. Als eine alte (lebendige) Freundin aus Kindertagen plötzlich wieder auftaucht, fasst Bod einen Entschluss. Er will sein Leben unbedroht leben, weshalb er „The man Jack“ zuvor kommen möchte. Er muss ihn aus der Welt schaffen, um selbst weiterleben zu können. Zu diesem Zeitpunkt weiß Bod noch nicht, dass er sich nicht mit einem einzelnen Gegner, sondern mit einer ganzen Organsation von „Jacks“ anlegt…

„The Graveyard Book“ ist eine fantasievolle Geschichte, die man als Erwachsener genauso gut lesen kann wie als Kind. Die Figuren sind halbwegs komplex, die Welt der Geister wird einen vertraut und auch die Idee ist zumindest für mich doch eher eine ungewöhnliche. Was meine Lesefreude allerdings getrübt hat, war die Tatsache, dass viele Dinge Schlag auf Schlag passieren und nicht wirklich umfassend abgehandelt werden. Für mich also durchaus eine Geschichte, die man auf etwas mehr als 290 Seiten ausbreiten hätte können.
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Bloomsbury Publishing; Auflage: Children's ed (5. Oktober 2009)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0747594805
ISBN-13: 978-0747594802

Dienstag, 7. September 2010

The Lost Symbol



Autor: Dan Brown
Original: The Lost Symbol (2009)
meine Bewertung: 5 von 5

Der berühmte Symbologe Professor Robert Langdon erhält einen Anruf vom Sekretär seines besten Freundes. Dieser befindet sich in der Bedrouille, denn am Abend soll eine Tagung stattfinden, für die der Redner kurzfristig ausgefallen ist. Der Sekretär bittet also Robert, statt diesem Redner einzuspringen und einen Vortrag zu halten. Der Vortrag soll das Capitol behandeln, da die Tagung in den Räumen des berühmten Washingtoner Capitols stattfinden soll. Robert sagt zu, schnappt sich seine Notizen und macht sich auf den Weg nach Washington.

Als er jedoch im Vortragssaal ankommt, erlebt er eine herbe Enttäuschung: er ist leer. Als in der Rotunde des Capitols genau an dem Augenblick eine abgetrennte menschliche Hand auftaucht, die der von Roberts Freund Peter verblüffend ähnlich sieht, ist Langdon klar, dass er wieder einmal mitten in das Auge eines Hurricanes geraten ist. Sofort wird die Rotunde abgeriegelt, verblüffenderweise ist auch die CIA sofort zur Stelle, als hätte es nur darauf gewartet, einzugreifen.

Direktor Inoue Sato und Langdon scheinen zwar am selben Strang zu ziehen, aber die beiden geraten sich immer wieder in die Haare. Für Langdon ist die Sorge um seinen Freund Peter Solomon vorrangig, welche Ziele Sato verfolgt, wird lange nicht klar. Sicher ist, dass sich Peter Solomon in höchster Gefahr befindet, ebenso wie dessen Schwester Katherine, die gerade dabei ist, wichtige Durchbrüche in der Noetik zu verzeichnen – Ergebnisse, die Welt in Atem versetzen und keinen Stein auf dem anderen lassen würden, würden sie an die Öffentlichkeit geraten.

Es entbrennt eine Schnitzeljagd. Peters unbekannter aber gefährlicher Entführer erwartet von Peter Langdon, die Zeichen zu entschlüsseln, die ihn zu geheimen Pyramide der Freimaurer führen soll, die angeblich die Treppe zu einem Portal erhält. Langdon hielt diese Legende immer für ein Gerücht, doch vor langer Zeit hatte ihm Peter Solomon, einer der höchsten Freimaurer in seiner Loge, ein kleines Paket anvertraut, das laut seiner Aussagen unglaublich wertvoll sein soll und den Weg zum Portal weisen kann. Langdon hat dieses Paket auf Anordnung des Sekretärs mitgebracht – und schwebt nun ebenfalls in höchster Lebensgefahr, da er für den Entführer nur so lange von Wert ist, wie die Jagd nach Hinweisen zum Portal andauert.

Brown hat wieder einmal einen absolut spannenden Roman geschaffen, der Tatsachen und Fiktion ebenso gekonnt miteinander verwebt wie subtile Liebesgeschichten, urbane Legenden und Verschwörungstheorien. Dieses Mal sind es die Freimaurer, die Brown mit Hilfe der Figur des Symbologen Langdon auseinanderpflückt. Es ist dabei egal, wie „wahr“ seine Aussagen sind, einfach deshalb, weil es sich um einen Roman handelt, dessen Handlung man Brown abnimmt. Mir persönlich ist es auch egal, wie sehr Brown behauptet, sich mit seinen Romanen auf Tatsachen zu stützen – schließlich ist das ja auch nichts anderes als ein literarischer Kunstgriff (man denke nur an die „Zeitungsberichte“ in Stephen Kings „Carrie“).

Wahrscheinlich handelt es sich bei Browns Werken tatsächlich um trivialste Trivialliteratur, die mit viel Halbwissen angereichert ist, um sich den Anschein intelligenter Lektüre zu geben; das kann durchaus sein. Allerdings stellt sich hier schon die Frage: Was erwartet man? Liest man Brown im Bewusstsein um dessen Unterhaltungscharakter, so ist es ein durchaus sinnvoller Zeitvertreib. Besonders dumm kann Brown auch nicht sein – immerhin liefert der Mann einen Bestseller nach dem anderen ab. Und selbst wenn diese, wie von Jeffrey Eugenides behauptet, immer nach dem selben Muster funktionieren: Auch das Prinzip von Sex ist im Grunde immer gleich – was aber niemanden davon abhält, es immer wieder zu tun und immer wieder mit den Möglichkeiten der vorgegebenen Grenzen zu experimentieren.

Was ich mit Sicherheit behaupten kann: Die Geschichte war spannend, obwohl mir viel zu früh ein wesentliches Detail aufgefallen ist, das einen wichtigen Punkt in der Geschichte schon lange vorweg genommen hat. Aber nichts destotrotz eine unterhaltsame, kurzweilige Lektüre. Schade, dass der Tätowierte der Böse ist – das ist nun doch ein wenig viel Klischee. Robert Langdon Fans werden ihren Spaß daran haben. Für 2012 (oh, welch symbolhaftes, schicksalhaftes Jahr!) ist eine Verfilmung geplant, in der Hauptrolle soll wieder Tom Hanks zu sehen sein. Dieser hat seine Sache in „DaVinci Code“ und „Illuminati“ gut gemacht, seither trägt Langdon für mich unweigerlich Hanks Gesichtszüge, sodass man sich auch auf die Verfilmung freuen kann.
Broschiert: 670 Seiten
Verlag: Transworld Publishers (Juli 2010)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0552161233
ISBN-13: 978-0552161237