Dienstag, 14. September 2010

Das unvollendete Bildnis



Autorin: Agatha Christie
Original: Five Little Pigs (1942)
Übersetzung: ?
meine Bewertung: 5 von 5


Der berühmte belgische Detektiv Hercule Poirot konnte noch nie jungen Mädchen widerstehen – so kommt es, dass er sich eines sehr verzwickten Falles annimmt. Eine junge Dame möchte heiraten, sie hat allerdings vor kurzem erst erfahren, dass ihre leibliche Mutter hingerichtet werden sollte, weil sie angeblich ihren leiblichen Vater, einen berühmten Maler, vergiftet haben soll. Ihre Mutter ist dem Tod durch den Strang entkommen, aber im Gefängnis verstorben. Ihre letzte Nachricht an ihre mittlerweile in einem anderen Land lebende Tochter war die Beteuerung, nicht am Tod ihres Vaters Schuld zu sein.

Da die junge Miss Carla den Worten ihrer Mutter glaubt, bittet sie Hercule Poirot inständig, die Wahrheit ans Licht zu bringen, schließlich will sie ohne diesen verwandtschaftlichen Makel in die Ehe übertreten. Poirot nimmt sich des Falles an, der sich als besonders schwierig und verzwickt erweist, da er schon mehr als sechzehn Jahre zurückliegt.

Zuerst befragt Poirot persönlich all jene Menschen, die damals im Haus des Malers anwesend waren, pikanterweise auch die Geliebte des Künstlers, die die vermeintliche Mörderin ihres Geliebten immer noch hasst und verflucht, mit all der Leidenschaft, zu der sie nach so langer Zeit noch fähig ist. Die Nachbarn, das Kindermädchen – niemand entkommt der Vergangenheit.

Nach der Befragung erhält Poirot von allen Augenzeugen einen schriftlichen Bericht, angefertigt von jedem angeblich nach bestem Wissen und Gewissen. Und schließlich versammelt er nach alter Manier die Verdächtigen – nun ja, dieses Mal nicht in einer Bibliothek rund um einen knackenden Kamin, aber doch – um schließlich bis ins kleinste Detail auszuführen, wer den Mord an Amyas Crale begangen hat.

Christie entführt, egal wie oft man ihre Bücher schon gelesen hat, immer wieder in ein längst vergangenes England voller Geheimnisse, reicher Menschen, Bibliotheken, Herrenhäuser, Dienstmädchen und Köchinnen. Die Gärtner streunen durch riesige Anwesen und Mord hat Hochkonjunktur. Poirot ist ein witziger Detektiv, der nichts davon hält, sich zu bücken, wenn er genauso gut seine kleinen grauen Zellen anstrengen kann.

In diesem Buch verwendet Christie eine recht unübliche Erzählform. Das Buch ist dreigeteilt. Im ersten Abschnitt erfährt man die Hintergründe der Tochter und die Tatsachen, im zweiten liest man von jedem Verdächtigen den Bericht – was schließlich dazu führt, dass man im Prinzip ständig dieselben Fakten und Abläufe liest, seltsamerweise stört man sich aber nicht daran, wahrscheinlich, weil man weiß, dass irgendwo in diesen Berichten und Erzählungen der Schlüssel zum Geheimnis liegen muss. Ich zumindest habe versucht, schneller als Poirot zu sein – ein scheinbar unmögliches Unterfangen.

„Das unvollendete Bildnis“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern von Agatha Christie, es ist spannend, die Auflösung nachvollziehbar und irgendwie die ganze Zeit so offensichtlich, dass man sie nicht sieht. Poirot wie immer sympathisch arrogant und unsympathisch und England immer noch das Zentralheizungsfreie Königreich.
Broschiert: 220 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (20. Juni 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596175844
ISBN-13: 978-3596175840

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