Dienstag, 21. September 2010

Ein Fremder im Spiegel



Autor: Sidney Sheldon
Original: A Stranger in the Mirror (1971)
Übersetzung: Egon Strohm
meine Bewertung: 4 von 5


Die Mutter des kleinen Toby Temple ist schon bei dessen Geburt davon überzeugt, dass ihr Sohn einmal ein Star wird, sie ist deshalb streng, aber liebevoll zu ihm. Sie fordert ihn immer wieder, kümmert sich um die Geschäfte ihres Mannes, weil sich dieser nach der Hochzeit als Schlappschwanz entpuppt hat und sorgt so für das Auskommen der Familie. Als Toby alt genug ist, geht er fort von daheim, um die Bretter der Welt als Komiker zu bereisen. Er beginnt dabei seine Karriere ganz unten. Toby tritt in heruntergekommenen Bars auf, lässt sich von biertrinkenden Arbeitern beschimpfen und ausbuhen, behält dabei aber immer das Kinn oben. Seine Mutter ist überzeugt davon, dass ihr Sohn es schafft. Und seine Mutter hat sich bisher noch nie geirrt.

Viele tausend Meilen von ihm entfernt lebt Josephine, die Tochter einer polnischen Näherin. Als Kind hat sie viele Freundinnen unter den reichen Kindern, obwohl sie selbst in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Sie ist hübsch und nett, die anderen Kinder haben sie gern. Und sie hat sich unsterblich in David verliebt, einen ebenfalls sehr reichen Jungen. Als sie gerade vierzehn geworden ist, ereignet sich jedoch ein traumatisches Erlebnis für die junge Polin, das sie dazu veranlasst, den Kontakt mit den reichen Kindern abzubrechen. Mit achtzehn jobbt sie schließlich in einem Fastfood Restaurant als Kellnerin, als sie nach langer Zeit David wieder einmal begegnet. In all der langen Zeit hat auch er sie nicht vergessen.

Die beiden treffen sich regelmäßig und wollen schließlich heiraten. Doch dazu sollte es nicht kommen, dafür sorgt seine reiche Mutter, die es nicht zulassen kann, dass ihr Sohn mit einer Arbeitertochter liiert ist. Wieder hat Josephine ein traumatisches Erlebnis, an dem sie beinahe zerbricht. Sie packt ihre Koffer und geht nach Hollywood, weil auch sie ein Star werden möchte.

In der Zwischenzeit ist aus dem einst so erfolglosen Toby Temple der berühmteste und beliebteste Komiker Amerikas geworden. Man liebt und bewundert ihn. Toby hat allerdings ein Problem. Je berühmter er wird und je mehr Menschen sich um ihn scharen und ihn bewundern, desto einsamer fühlt er sich. Und da trifft er eines Tages auf die junge Jill Castle, vormals Josephine Cszinski und schon nimmt das Schicksal seinen Lauf. Ein Schicksal, das am Ende jedem zuteil werden lässt, was er verdient hat.

„Ein Fremder im Spiegel“ ist interessant aufgebaut. Im Prinzip beginnt das Buch mit dem Vorwort, das den Leser verwirrt zurück lässt, weil es sich um das Ende der Geschichte handelt. Zur Erklärung des vorangestellten Schlusses wird die ganze Geschichte der Hauptdarsteller von Kindesbeinen an aufgerollt, man erlebt, wie sich die Charaktere entwickeln und wie oft sich das Schicksal in verschlungenen Pfaden zeigt.

Es ist eine unterhaltsame und teilweise auch spannende Geschichte, zum Großteil handelt es sich allerdings um eine mehr als tragische Liebesgeschichte. Wenn man zum Ende kommt und die bereits aus dem Vowort bekannten Worte liest, wird alles klar, man ist direkt ein wenig überrascht, weil man diesen Aspekt ja schon längst wieder verdrängt hatte…
Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Goldmann Wilhelm GmbH; Auflage: N.-A. (Dezember 1995)
ISBN-10: 3442063140
ISBN-13: 978-3442063147

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