Donnerstag, 30. September 2010

Vater unser



Autorin: Jilliane Hoffman
Original: Plea of Insanity (2007)
Übersetzung: Nina Scheweling/Sophie Zeitz
meine Bewertung: 3 von 5

Julia Valenciano kann es nicht fassen. Eigentlich ist sie B-Anwältin und spielt daher noch in der untersten Liga der Staatsanwaltschaft, doch da kommt ein ebenso unvor-hergesehenes wie unverhofftes Angebot: Sie soll in einem wichtigen Mordfall die zweite Staatsanwältin neben Rick Bellido sein und dem Staat dabei helfen, den mutmaßlichen Vierfachmörder David Marquette anzuklagen und hinter Schloss und Riegel zu bringen. Dass sie erst kürzlich ein Verhältnis mit dem wesentlich älteren Rick Bellido begonnen hat, ist nicht der Grund, weshalb man sie ins Boot, zu dem auch noch die beiden amüsanten Detectives Latarrino und Brill gehören, wie sich Julia selbst immer wieder versichert.

Anfangs läuft auch alles halbwegs gut. Sie kommt gut mit dem Team klar, trifft sich weiterhin in unregelmäßigen Abständen auch privat mit Rick und arbeitet wie ein Tier, da sie ihre eigenen Pflichten als Staatsanwältin auch nicht vernachlässigen darf. Doch nach und nach wird immer klarer, dass der Grund für ihre zunehmende Nervosität nicht alleine mit Arbeits- oder Beziehungsstress zu tun hat. Ihre Sorgen reichen weit in die Vergangenheit zurück, in der ein Killer ihre Eltern auf grausame Weise abschlachtete, während sie bei einer Freundin übernachtete und so dem tödlichen Massaker entging.

Als der Fall weiter voranschreitet und sich immer mehr Parallelen zwischen ihrem Leben und den vier Opfern des Angeklagten auftun, brechen die Erinnerungen wie ein Tsunami über ihrem Kopf zusammen, Teile lang verdrängter Puzzlesteine der Erinnerung fügen sich plötzlich nahtlos aneinander, Julia merkt, dass sie so nicht weiter machen kann. In ihr schlummert eine tickende Zeitbombe, sie hat außer ihrem Onkel und ihrer Tante keine Verwandten mehr – denkt sie.

Der Medienrummel rund um den Fall, ihre Vergangenheit sowie die wackelige Zukunft mit Rick Bellido werden einfach zuviel. Hilfe naht von unerwarteter Seite, doch wird diese rechtzeitig eintreffen, um sie aufzufangen und vor dem Totalabsturz zu bewahren?

„Vater unser“ ist das zweite Buch von Jilliane Hoffman, das ich gelesen habe. Die Parallelen zu „Cupido“ sind so verblüffend, dass man sich als Leser anfangs schon ein wenig – äh – in seiner Intelligenz gering geschätzt fühlt, schließlich handeln beide Bücher von einer hübschen, jungen und aufstrebenden Staatsanwältin, die mit einem Mordfall zu tun bekommt, der grausam ist und gleichzeitig eine Saite in ihr zum Klingen bringt, die bislang schwieg. Hier wie da haben die Mordfälle Ähnlichkeit mit Episoden aus ihrem Leben, ein bisschen Romantik kommt ebenso vor wie falsche Namen und Identitäten.

Dennoch schafft Hoffmann es irgendwie, dass man diese Ähnlichkeiten der Bücher nicht krumm nimmt und sogar mit Spannung den Ausgang des Prozesses und der persönlichen Misere der Staatsanwältin erwartet. Gut, zwar ist in meinem Fall die Ähnlichkeitsquote 100 % , da es sich dabei aber nur um zwei Bücher der Autorin handelt und ich die restlichen noch nicht kenne, kann man wohl schwerlich von einer Serientäterin sprechen.

Als Fazit kann man sagen, dass das Buch ganz gute Unterhaltung liefert, auch wenn die Geschwister-Situation des Angeklagten soviel mehr Stoff für einen interessanten Twist gegeben hätte, der erst auf den letzten Seiten des Epilogs kommt und dadurch irgendwie fehl am Platz wirkt. Für weibliche John Grisham Fans vielleicht eine Empfehlung wert – viel weniger tiefsinnig, viel weniger moralisch, viel weniger spannend, dafür aber mit einer kleinen Portion Liebe, einem Schuss Erotik und ein bisschen menscheln tut’s auch.
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 6 (1. November 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349924456X
ISBN-13: 978-3499244568

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