Samstag, 23. Oktober 2010

Der Fall des Lemming



Autor: Stefan Slupetzky
Original: Der Fall des Lemming (2004)
meine Bewertung: 2 von 5

Leopold Wallisch, von seinen Kollegen bei der Polizei auch „Lemming“ genannt, passiert eines Tages ein kleines Malheur, das mit viel nackter Haut und Alkohol zu tun hat. Aus diesem Grund wird ihm der Dienst bei der Wiener Polizei gekündigt, nicht ganz unschuldig an der ganzen Sache damals war sein unmittelbar Vorgesetzter, der Kotzbrocken Krotznig. Der Lemming hat sich nach einem neuen Brötchengeber umgesehen und ist nun bei einer Privatdetektei gelandet.

Sein aktueller Auftrag beginnt relativ harmlos, hat es aber in sich. Er soll den Lateinlehrer Grinzinger beschatten, es handelt sich um eine Liebesgeschichte, denkt Wallisch. Doch als er seinem Opfer auf den Kahlenberg folgt und ihn kurzzeitig aus den Augen verliert, wird klar, dass der Fall sogar richtig grauslich wird – wie die Wiener sagen.

Als der Lemming auf die Lichtung kommt und den Grinzinger das nächste Mal sieht, ist der nämlich tot. Und die Polizei bereits auf dem Weg, denn der Lateinlehrer hat sie selbst noch vor seinem grausamen Tod verständigt. Da der Lemming am Tatort gefunden wird, ist er der Hauptverdächtige. Ein seltsames Gefühl für ihn, schließlich kennt er die Menschen, die ihm seine Rechte erklären ganz gut: Krotznig gehört zu seinen Hauptanklägern. Als der Lemming jedoch aus dem Kreis der Verdächtigen scheidet, beginnt ein Wettrennen zwischen dem Lemming und Krotznig. Beide wollen den Mord aufklären und geben dafür alles.

Dem Lemming kommt ein riesengroßer, mit Kokain gefüllter Hund auf ungeahnte Art und Weise zu Hilfe. Die Ermittlungen führen in die Vergangenheit, in die aktive Zeit des Lateinlehrers und zu seinen ehemaligen Schülern, die alle nichts Gutes über ihn zu berichten haben – dafür sind die Mordmotive umso vielfältiger.

„Der Fall des Lemming“ ist der erste Band von mehreren Lemming-Fällen aus der Feder von Stefan Slupetzky. Er hat seinen Ermittler in Wien angesiedelt und schafft es tatsächlich, die Wiener Mentalität einzubauen, seine Figuren sind tatsächlich glaubhaft. Der Fall ist teilweise spannend und hat durchaus auch romantische Anklänge, insgesamt allerdings erinnert der Aufbau sehr stark an die Bücher von Wolf Haas – Slupetzky kommt jedoch weder in Spannung noch im Ausdruck an Haas heran. Zwar bemüht er sich, doch dessen Figurenkomplexität sowie die Wiener Stimmung bleiben bei Slupetzky eher oberflächlich – vom Humor Haas‘ ist er meilenweit entfernt.

An sich ist es ein netter Krimi, der sich jedoch nicht mit Haas messen kann – was nicht schlimm wäre, würde er es nicht so offensichtlich versuchen. Momentan muss ich die Serie nicht unbedingt fortsetzen, denn auch Komarek schreibt ähnlich und dabei aber auch viel besser. Vielleicht irgendwann mal wieder.
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 9 (1. Juni 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499239787
ISBN-13: 978-3499239786

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