Mittwoch, 10. November 2010

Elf Minuten



Autor: Paulo Coelho
Original: Onze Minutos (2003)
Übersetzung: Maralde Meyer-Minnemann
meine Bewertung: 2 von 5

Die junge Brasilianerin Maria arbeitet in einem Stoffgeschäft. Der Besitzer, ein weit älterer Mann als sie, hat sich unsterblich in sie verliebt, verhält sich aber wie ein Gentleman. Maria hat sich längst daran gewöhnt, dass ihr die bewundernden Blicke der Männer und die neidischen Blicke der Frauen auf Schritt und Tritt folgen. Sie hat schon früh erkannt, dass sie sich besser ihre Verehrer warm hält und sich auf nichts einlässt. Als Maria schließlich angesprochen wird, um als Tänzerin in die Schweiz zu kommen, packt sie sofort ihre Koffer. Im Hinterkopf behält sie schließlich immer die Möglichkeit, zurück zu kehren und den Stoffhändler heiraten zu können.

In der Schweiz arbeitet Maria als Prostituierte im „Copacabana“. Sie besorgt sich Literatur über Sex, findet aber nicht das, was sie sucht. Sie ist nicht mit dem Herzen bei der Sache, es ist ein Job wie jeder andere für sie. Und dennoch wird sie schon bald zu einer der Besten ihrer Zunft. Obwohl sich Maria immer vor Augen hält, dass sie nach spätestens einem Jahr wieder nach Hause zurückkehren wird, werden kurz vor ihrer Abreise ihre Pläne doch noch über den Haufen geworfen. Und das ausgerechnet von Männern.

Einer dieser Männer kommt als „spezieller Freier“ und führt Maria in die Geheimnisse der mit Schmerz verbundenen Lust ein. Maria, die nie durch einen Mann einen Orgasmus erlebt hatte, explodiert fast, als sie von diesem Kunden gedemütigt wird; Maria stößt an ihre Grenzen.

Das komplette Gegenteil dazu ist der Maler Ralf Hart. Dieser verliebt sich in die Prostituierte, will aber im Prinzip nicht ihren Körper, sondern bis zu ihrer Seele vordringen. Maria und er begeben sich auf eine Reise zum wahren Kern des Menschen, die beiden wollen die Seele des anderen finden und entdecken dabei sich selbst.

Coelho hat eine an sich recht lesbare Geschichte geschrieben, in der viel Sex vorkommt, ohne jedoch ins Niveaulose abzugleiten. Er wird dabei sehr spirituell, als Leser versteht man die Beweggründe der Protagonistin nicht immer, hin und wieder fragt man sich auch, ob es vielleicht noch ein bisschen weltfremder ginge, noch ein wenig schwülstiger und noch ein wenig dümmer, aber insgesamt handelt es sich um nette Unterhaltung. Allerdings, und das sei vorweg genommen: man muss sich definitiv auf das Buch einlassen und in Stimmung dafür sein. Ich für mich habe jedenfalls schon weit Besseres gelesen.
Taschenbuch: 284 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 2., Aufl. (Januar 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257234449
ISBN-13: 978-3257234442

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