Montag, 14. Januar 2008

Der wunde Punkt



Autor: Mark Haddon
Original: A Spot of Bother (2006)
Übersetzung: Anke Caroline Burger
meine Bewertung: 5 von 5

Eigentlich ist die Familie Hall ja eine Familie wie jede andere. Sie besteht aus dem gerade erst pensionierten George Hall, seiner Frau Jean, seinem Sohn Jamie und seiner Tochter Katie. Natürlich gibt es wie in jeder Familie ein paar Kleinigkeiten, die nicht unbedingt optimal sind. Die beiden Kinder sind längst erwachsen und außer Haus, da langweilt sich so eine brave Ehefrau wie Jean natürlich. Und was tut man in so einer Situation? Richtig, sie beginnt ein Verhältnis mit dem ehemaligen Arbeitskollegen ihres Mannes. Und ihr Mann? Der ahnt davon nichts, genauso wie seine Frau nicht weiß, dass er vor kurzem an seiner Hüfte einen besorgniserregenden wunden Punkt entdeckt hat, den er für Krebs hält und deshalb selbst mit der Küchenschere entfernen will.

Und die Kinder? Katie hat den Vater ihres vierjährigen Sohnes verlassen und lebt nun mit ihrem Sohn bei Ray, der sie liebt und heiraten möchte. Blöd nur, dass Katie sich ganz und gar nicht sicher ist, ob sie ihn auch liebt – oder ist es nur sein Haus und die Art, wie sich Ray mit ihrem Sohn versteht? Dann ist da noch Jeans und Georges Sohn Jamie. Ein ganz netter Kerl, der als Immobilienmakler sein Geld verdient und gerade ärgste Schwierigkeiten mit seinem Freund Tony hat.

Mark Haddon hat eine dramatische Familiengeschichte geschrieben, die einem zu Herzen geht. Natürlich wird man in seiner eigenen Familie nicht dieselben „Probleme“ so geballt haben, wie die Halls, aber keine Familie ist perfekt. Man findet sehr schnell in die Geschichte, die Charaktere sind sympathisch und es entwickelt sich sogar soetwas wie Spannung. Zwar empfand ich persönlich „Supergute Tage“ als noch besseres Werk, aber auch gegen „Der Wunde Punkt“ spricht nichts – fantastische Unterhaltung mit einem gewaltigen Schuss schwarzem, britischem Humor und tragischer Komik.
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (1. Juli 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453433165
ISBN-13: 978-3453433168

Kommentare:

  1. tinius schreibt am 15.01.2008 um 19:04 Uhr:
    Das Buch hat mir auch ausnehmend gut gefallen. Allerdings habe ich auf einen Vergleich beider Romane verzichtet, weil "Der wunde Punkt" denn doch vollkommen anders ist als dessen Vorgänger. Und genau das fand ich sehr angenehm. Schlimm wäre es, wenn Haddon einfach ein Erfolgsrezept kopiert und zu einer Serie ausgebaut hätte. LG tinius von "ReadingEase".

    AntwortenLöschen
  2. chil schreibt am 23.01.2008 um 23:01 Uhr:
    Ja, ein Vergleich ist ja auch wirklich schwierig. Obwohl sich beide Bücher irgendwie mit Menschen beschäftigen, die in einer Art "Ausnahmesituation" sind, also nicht ganz "gesellschaftskonform".

    AntwortenLöschen