Montag, 24. Dezember 2012

Milly Lametta - Lauter Herzenswünsche



Autorin: Julia Winterstern
Original: Milly Lametta - Lauter Weihnachtswünsche (2012)
meine Bewertung: 3 von 5


Eigentlich sollte Amelie ganz glücklich sein. Weihnachten ist nicht mehr fern, es schneit, duftet überall nach Plätzchen und Kerzen und alle rund um sie sind in bester Weihnachtsstimmung. Allerdings ist da noch Carlotta. Carlotta ist neu in die Klasse von Amelie gekommen und hat sich gleich mir nix, dir nix deren Freundinnen geschnappt. Carlotta  wohnt in einer tollen Villa und hat einen Swimmingpool - was sie in den Augen von Amelies Freundinnen natürlich zur perfekten Freundin macht.
Amelie ist traurig und wünscht sich eigentlich nur, dass sie einmal ein tolles Weihnachtsfest mit Freunden verbringen kann und nicht, wie sonst üblich, einen langweiligen Abend mit ihrer Verwandtschaft. Sie ahnt ja gar nicht, wie nahe sie ihrem Wunsch bereits ist. In ihrem Haus hat sich nämlich die Weihnachtsfee Lilly Lametta eingefunden. Weihnachtsfeen sind dazu da, das Fest zu verzaubern und alles zu verfunkeln, und außerdem können sie Wünsche erfüllen. Eigentlich ist es nicht vorgesehen, dass sich die Weihnachtsfeen Menschen zeigen, aber Milly ist eine besondere Fee. 
Besonders tollpatschig nämlich. Sie stürzt sich nicht nur auf das Weihnachtsgebäck, sondern auch Amelies gesamte Familie ins Chaos. Glücklicherweise enstehen daraus aber die besten Weihnachten, die Amelie je hatte...

"Lauter Herzenswünsche" ist eine Weihnachtsgeschichte in 24 Kapitel. Die einzelnen Kapitel müssen aufgetrennt werden - wie üblich, bei Buch-Adventkalendern. Die Illustrationen von Axel Nicolai sind wirklich herzallerliebst und auch die Geschichte ist eine unschuldige, kindgerechte Story, die an Weihnachten Werte vor Ware stellt. Harmloser Lese-/Vorlesespaß für Kinder von 5 bis 10.


  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Arena (September 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3401068121
  • ISBN-13: 978-3401068121

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Letters from Father Christmas



Autor: J. R. R. Tolkien
Edited by: Baillie Tolkien
Original: Letters from Father Christmas (1976)
meine Bewertung: 4 von 5


Von 1920 bis 1943 erhielten jedes Jahr an Weihnachten die Kinder von J. R. R. Tolkien einen Brief vom Weihnachtsmann. Die Marke stammt vom Nordpol, die Geschichten, die der Weihnachtsmann in seinen Briefen den Tolkien-Kindern erzählt, handeln von einer Welt, in der ein ungeschickter Polarbär seinem Chef zur Hand geht, in der Elfen brav arbeiten und der Mann im Mond vom Mond fällt, weil der Mond in vier Teile zerbricht; von Goblins, die in Höhlen unter dem Haus des Weihnachtsmannes leben, von Rentieren und Ilbereth, dem Sekretär des Weihnachtsmannes.
In diesem Büchlein sind alle Briefe Tolkiens an seine Kinder transkribiert, außerdem gibt es von jedem Brief ein Faksimile. Es ist einfach unglaublich, wieviel Mühe und Zeit Tolkien in diese Briefe investiert hat; sie sind anrührend liebevoll gestaltet und geben einen kleinen Einblick in den Charakter Tolkiens, der wahrhaft faszinierend gewesen sein muss.

  • Taschenbuch: 159 Seiten
  • Verlag: Harpercollins UK (1. Oktober 2009)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 0007280491
  • ISBN-13: 978-0007280490

Dienstag, 18. Dezember 2012

Klappe, Santa



Herausgeber: Christoph und Ernst Grissemann
Original: Klappe, Santa (2011)
meine Bewertung: 3 von 5


Ernst Grissemann und dessen Sohn Christoph, bekannt aus der ORF-Show "Willkommen Österreich", haben in diesem Band Weihnachstgeschichten von namhaften Autoren versammelt, die alle eines gemeinsam haben: Weihnachten wird hier alles andere als bierernst genommen, Sarkasmus, Ironie, Zynismus und dunkelschwarzer Humor haben genauso Platz wie ein wenig Pathetik. Abgedruckt sind nicht nur Geschichten von Heinrich Böll und John Updike, auch Bertolt Brecht, Joachim Ringelnatz und Kurt Tucholsky finden hier ihren Platz. Wie auf dem Titel angekündigt wird es ernst. Und christoph.

  • Gebundene Ausgabe: 222 Seiten
  • Verlag: Residenz; Auflage: 1 (4. Oktober 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3701715815
  • ISBN-13: 978-3701715817

Freitag, 7. Dezember 2012

Dumm gelaufen




Autor: Jeff Kinney
Original: The Third Wheel (2012)
meine Bewertung: 4 von 5
Gregs Tagebuch 7


Greg Heffley steht wieder einmal vor einer Herausforderung. Jedes Jahr findet in seiner Schule ein Event statt und dieses Jahr hätte es ein Rockfestival mit Skateboardern und Motorrädern werden sollen. Irgendwie fanden die Lehrer die Vorstellung, Motorräder in der Turnhalle der Schule herumflitzen zu lassen aber nicht so prickelnd, also haben sie einige Adaptionen an der geplanten Veranstaltung vorgenommen. So kommt es, dass Greg nun nicht vor dem Problem steht, nicht Motorrad fahren zu können, sondern unbedingt eine Begleitung für den Valentinstags-Ball zu benötigen.
Denkbar unbeholfen nähert sich Greg dieser neuen Hürde in seinem Leben. Anfangs hat er wenigstens in seinem Freund Rupert noch einen Leidensgenossen, doch selbst dieser hat nach einiger Zeit ein Mädchen gefunden, das ihn begleitet. Da in Gregs Schule außerdem mehr Jungs als Mädchen sind, kann er sich schon ausrechnen, wie das wohl ausgehen wird.
Der Valentinstag nähert sich mit riesigen Schritten, eine Idee hat Greg aber natürlich auch nicht, und da daheim bleiben keine Option darstellt, muss er sich wohl oder übel mit einer Notlösung zufrieden geben ...
Auch der siebte Band aus Gregs Tagebüchern ist liebevoll gestaltet und witzig, der Autor erlaubt seinen Protagonisten eine Entwicklung, er gestattet ihnen, älter zu werden. Gerade deshalb ist es gut, dass Greg jetzt auch mit Mädchen in Berührung kommen muss; in den nächsten Bänden wird er wohl eher mit ihnen in Berührung kommen wollen. 
Nicht grundlos haben es die Bücher von Kinney in die Bestsellerlisten renommierter Tageszeitungen wie der New York Times gebracht - auch Erwachsene haben damit ihren hellen Spaß. Ideal natürlich aber für die eigentliche Zielgruppe der eben-noch-nicht Teenager.

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Baumhaus); Auflage: 1 (23. November 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3833936312
  • ISBN-13: 978-3833936319

Mord im Gurkenbeet



Autor: Alan Bradley
Original: The Sweetness at the Bottom of the Pie (2010)
meine Bewertung: 5 von 5
Teil 1 von Flavia de Luce


Als wäre Flavia nicht schon genug damit gestraft, die jüngste Schwester der beiden Gewitterziegen Daphne und Ophelia de Luce zu sein, ist sie auch noch damit gestraft, ihre Mutter Harriet schon kurz nach ihrer Geburt verloren zu haben und mit einem eher distanzierten Vater und ihren Schwestern im herrschaftlichen Landsitz Buckshaw leben zu müssen.
Während sich ihr Vater eher für Briefmarken als für alles andere auf der Welt interessiert, haben Ophelia und Daphne ihr Glück in Büchern und der Musik gefunden, Flavia hingegen widmet sich mit großer Leidenschaft der Chemie. Seit sie das alte Labor ihres Vorfahren Tar de Luce auf Buckshaw entdeckt hat, zieht sie sich dorthin oft zurück, um ihre Ruhe zu haben. Nicht einmal die Haushälterin Mrs Mullet oder der Gärtner Dogger stören sie hier droben.
Ansonsten führt Flavia ein eigentlich alltägliches Leben. Bewaffnet mit Zahnspange und Zöpfen stellt sie sich den Herausforderungen ihres noch relativ jungen Leben und ihren beiden Teenager-Schwestern. Eines Tages jedoch verlässt das Leben seine wohlgeordneten Bahnen. Dann nämlich, als Flavia eines Nachts nicht schlafen kann und deshalb im Garten herumstreunt. Zwar ist sie für Action immer zu haben, dass aber ausgerechnet sie inmitten des Gurkenbeets auf einen Sterbenden treffen würde, ist dann doch seltsam. Von kindlicher Neugierde und wissenschaftlichen Entdeckerzwang nähert sie sich dem Mann mit dem feuerroten Haar. Dieser haucht mit dem Wort "Vale!" sein Leben aus. Glücklicherweise kommt auch die treue Seele des Hauses, Dogger, hinzu. Die Polizei wird gerufen und Ermittlungen beginnen.

Inspektor Hewitt, nicht eben begeistert von der Anwesenheit des Kindes, schickt diese weg. Flavia fühlt sich dadurch dazu angesport - nein, sogar herausgefordert - mehr über den unbekannten Toten herauszufinden. Die Polizei kommt schnell zum Schluss, dass nur Colonel de Luce himself der Täter sein hat können, weshalb sie ihn verhaftet und mitnimmt. Flavia, überzeugt von der Unschuld ihres Vaters, beginnt nun ernsthaft mit den Ermittlungen. Sie muss den wahren Schuldigen unbedingt finden und ihren Vater retten.
Ihr messerscharfer Verstand, ihr Mut und ihr Fahrrad spielen in ihren Nachforschungen eine ebenso große Rolle wie ihr Wissen um die chemischen Zusammenhänge der Welt. Obwohl sie in große Gefahr gerät, gelingt ihr letztlich doch das schier Unmögliche.
Dieser Band ist der Auftakt einer mehrteiligen Serie rund um Flavia de Luce. Alan Bradley hat mit ihr eine witzige, sarkastische und heroische Figur geschaffen, die man ins Herz schließt. Naseweis, aber dennoch nicht nervig und vor allem ungewöhnlich ist diese kindliche Heldin, der Krimi spannend, obwohl etwas vorhersehbar für Erwachsene. Besonderen Reiz übt auch das Setting aus: eine dörfliche Idylle mit schrulligen Bewohnern, etwas am Rande der Landsitz und dazu die Nachkriegszeit als Zeitrahmen - besser hätte es die gute alte Agatha (Christie) auch nicht machen können.

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (20. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442376246
  • ISBN-13: 978-3442376247
  • Originaltitel: The Sweetness at the Bottom of the Pie

Mittwoch, 21. November 2012

Verteidigung der Missionarsstellung



Autor: Wolf Haas 
Original: Verteidigung der Missionarsstellung (2012) 
meine Bewertung: 4 von 5 

Noch nie ist es mir zu einem Buch so schwer gefallen, eine Inhaltsangabe zu schreiben, wie zu diesem. "Verteidigung der Missionarsstellung" schafft es nämlich, sich auf wenigen Seiten mit so vielen Ebenen des menschlichen Daseins und vor allem: des Sich-Verliebens zu befassen, wie sonst kein anderes. Protagonist der Geschichte ist Benjamin Lee Baumgartner, ein junger Mann, der davon erzält, wie er sich immer wieder verliebt und gleichzeitig mit einer Seuche infiziert. War es zuerst BSE, folgten schließlich die Vogelseuche und die Schweinegrippe. Benjamin Lee begenet im Laufe seines Lebens nicht nur schönen Frauen, sondern auch einem gewissen Autor, dem er sein Leben erzählt und macht sich nebenher auf die Suche nach seinen Wurzeln; schließlich ist er das Resultat einer Verbindung aus seiner Mutter und einem Indianer. Was er auf dieser Suche findet, ist vor allem Einsicht...
Haas hat einen Roman geliefert, der so Vieles sein kann, so Vieles sein will und dabei fransig bleibt wie ein Shettie-Pony. Man hat das Gefühl, der Roman an sich würde hinter seine Form zurück treten. Haas experimentiert mit der Sprache wie der Namensvater seines Protagonisten Benjamin Lee (Whorf), der davon ausging, dass nicht nur die Sprache an sich, sondern auch die Form der Sprache unser Denken beeinlusse. Seitenweise liest man daher Sätze auf Chinesisch, verschwindend kleine Buchstaben und Sätze, die sich wie Spiralen über die Seiten ziehen. 
Nett, aber nicht neu. Jonathan Safran Foer und im deutschsprachigen Raum auch Walter Moers experimentieren schon lange auf diese Art mit der Sprache. Und trotzdem: Haas, der vielgelobte Verbalakrobatiker, schafft es dennoch, etwas Neues zu erschaffen. Der Phantasie des Lesers bleibt viel Freiraum, die Geschichte ist nicht abgeschlossen und lädt dazu ein, gedanklich fortgeführt zu werden.
Als Fazit kann man sagen: keine leichte Kost, aber einen Versuch wert. Zwar erkennt man Haas in seinen Sprachbildern wieder, vermisst aber eventuell die abgeschlossene Handlung. Also einfach darauf einlassen und abwarten, was das Buch mit einem macht.

  • Gebundene Ausgabe: 238 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (30. August 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455404189
  • ISBN-13: 978-3455404180

Samstag, 17. November 2012

Der Club der toten Dichter



Autorin: Nancy H. Kleinbaum
Original: Death Poets Society (1990)
meine Bewertung: 1 von 5


Die Jungs vom Welton Internat haben einen neuen Englisch-Lehrer bekommen: Mr. Keating. Dieser ist im Gegensatz zu seinen antiquierten Vorgängern und Kollegen ein aufgeschlossener Pädagoge, dem wichtig ist, dass die Schüler ihre eigenen Meinungen, Gedanken und Persönlichkeiten entwickeln. Durch sein Einfühlungsvermögen und seine ungewöhnlichen Unterrichtsmethoden wird Keating schnell zum Liebling seiner Schüler - und zum Feind seiner Kollegen.
Auf einen Hinweis Keatings hin gründen Todd Anderson und seine Kameraden einen "Club der toten Dichter", dessen Mitglieder sich in unregelmäßigen Abständen treffen, um sich Gedichte vorzulesen und selbst welche zu schreiben. Die Mitglieder, ihr Leben lang nur Anwärter, entdecken nach und nach ihre Persönlichkeiten, setzen sich mit Problemen auseinander und wachsen an ihnen - zumindest die meisten.
Einer der Anwärter zerbricht an seinen Problemen, die vor allem das Elternhaus verursacht hat, und nimmt sich das Leben. Im jungen und unkonventionellen Pädagogen Keating wird schnell ein Sündenbock gefunden.
Kleinbaum hat das schmale Bändchen als Buch nach dem gleichnamigen Disneyfilm geschaffen, es handelt sich daher nicht um eine genuine Idee der Autorin. Dennoch hätte diese zumindest versuchen können, dem Film auf irgendeine Art und Weise gerecht zu werden. Es handelt sich um eine lieblose Nacherzählung eines wirklich grandiosen Films mit einem legendären Robbin Williams in der Hauptrolle des Käpt'n, mein Käpt'n. Auslassen!
  • Taschenbuch: 160 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Verlag); Auflage: 42 (11. Mai 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 340411566X
  • ISBN-13: 978-3404115662

Donnerstag, 15. November 2012

Der Tod ist ein bleibender Schaden



Autor: Eoin Colfer
Original: Plugged (2011)
Übersetzerin: Conny Lösch
meine Bewertung: 3 von 5

Es ist kein besonders gutes Jahr für den Türsteher Dan McEvoy. Er hat sich gerade auf seinen immer kahler werdenden Schädel Haare transplantieren lassen, die unglaublich jucken. Außerdem ist jene Kellnerin aus seinem Club, in die er verliebt war, ermordet worden. Dan, ehemaliger Soldat, hat eine Idee, wer hinter dem fiesen Mord stecken könnte, weshalb er sich auf die Suche nach jenem schmierigen Anwalt macht, der Connie im Club näher getreten ist, als Connie und Dan lieb gewesen wäre. 
Auf seiner Suche nach Gerechtigkeit kommt dem Mann mit der entzündeten Kopfhaut, der harten Schale und dem weichen Kern dann schließlich auch noch die irische  Mafia in die Quere. Doch auch das ist kein Problem für den toughen und ebenso liebenswerten Danny. Er hinterlässt eine Schneise aus Blut und findet dabei nicht nur Connies wahren Mörder, sondern auch eine Frau, die es schafft, wieder etwas wie Zuneigung in ihm zu wecken.
Mit "Der Tod ist ein bleibender Schaden" verlässt Colfer erfolgreich das Genre der Kinder- und Jugendbücher, um sich einer anderen Art von Held zu versuchen. Danny ist ein typischer "hardboiled" Protagonist: innen zart, außen hart. Wie auch schon in seiner Artemis-Fowl Serie schafft es Colfer, einen Helden zu erschaffen, der trotz aller moralischen Verwerflichkeit wirklich sympathisch ist und von dem man gerne noch mehr lesen möchte.
Natürlich kommt auch der Humor und viel Situationskomik nicht zu kurz; alles in allem hat Colfer mit diesem Roman eine wirklich amüsante und rabenschwarze Dramödie vorgelegt, von der es sich lohnt, sie zu lesen. .

  • Broschiert: 288 Seiten
  • Verlag: List Hardcover (29. Februar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 347135073X
  • ISBN-13: 978-3471350737

Samstag, 3. November 2012

Der Metzger muss nachsitzen




Autor: Thomas Raab
Original: Der Metzger muss nachsitzen (2007)
meine Bewertung: 4 von 5
Band 1 der Metzger-Serie


Die Schulzeit des Restaurators Willibald Adrian Metzger ist nun schon einige Jahrzehnte her. Umso erstaunter ist er, als er eines Dezemberabends am Heimweg über seinen ehemaligen Schulkollegen Felix Dobermann stolpert. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, hat doch jemand den ermordeten Dobermann auf der Hundstrümmerlwiese vor dem Gymnasium abgelegt.
Der Metzger macht sich auf dem Weg zur Polizei, wo er erneut auf einen Ex-Schulkollegen, den Pospischil, trifft. Als die beiden schließlich gemeinsam zurück kommen, ist die Leiche verschwunden. Da der Metzger nicht ganz nüchtern war bei seiner Beobachtung, schenkt ihm Pospischil nur ein müdes Lächeln und den guten Rat, das Trinken sein zu lassen. Doch für den Restaurtor ist die Sache damit nicht erledigt.
Zwar erinnert er sich nicht gern zurück an seine Schulzeit im Gymnasium, weil er dort vom Anfang bis zum Ende nur gepiesackt wurde und eine wahrlich harte Zeit hatte. Sein erbittertster Feind damals war ausgerechnet Felix Dobermann. Der Metzger weint ihm keine Träne nach, doch irgendjemand scheint zu wollen, dass er sich auf die Suche nach dem Mörder seines Feindes macht. 
Seltsame Hinweise tauchen auf, die nur der Metzger erhält. Er findet es also an der Zeit, ein wenig Vergangenheitsbewältigung zu betreiben und zum Klassentreffen zu laden. Die meisten finden sich ein, wider Erwarten wird die Veranstaltung sogar recht nett. Und auf vielen Umwegen gelingt es dem Metzger schließlich nicht nur, einen rätselhaften Mordfall ohne Leiche aufzudecken, sondern auch, sein Herz zu verlieren.
"Der Metzger muss nachsitzen" ist das Debütwerk des österreichischen Autors Thomas Raab. Er hat sich damit die Latte selbst ziemlich hoch gelegt, denn die Figur des Restaurators Willibald Adrian Metzger ist wirklich gelungen. Er ist der Anti-Held, das Kind, das in der Schule gemobbt wurde, ein gesellschaftlicher Außenseiter, der es endlich schafft, in der Gesellschaft anzukommen und dabei auch noch herrlich unaufgeregt einen Mordfall löst. Raab jongliert mit der Sprache, dennoch gleitet er nicht ins Nichtssagende ab. Die Handlung ist zwar nicht spannend oder besonders ausgeklügelt, aber das gerät zur Nebensache. Der Nachfolgerband liegt schon am Must-Read Stapel!

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: rororo (1. Oktober 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499247739
  • ISBN-13: 978-3499247736

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Schutzpatron



Autoren: Klüpfel, Volker/Kobr, Michael
Original: Schutzpatron (2011)
meine Bewertung: 3 von 5
Band 6 der Kluftinger-Serie


Einst fand ein Mann auf der Suche nach seinem Hund des Nachts in der Nähe der Burgruine Kalden den verschollen geglaubten Burgschatz. Brav meldete er den Fund der Polizei, woraufhin sich Experten an die Behebung des Schatzes machten und diesen auf eine Jahrzehnte andauernde Ausstellungsreise durch fremde Länder schickten. Nun soll der Schatz endlich ins heimatliche Allgäu zurück kehren. Zu dessen Schutz wurde eigens eine Sonderkommission eingesetzt. Und ausgerechnet Kluftinger soll Teil dieser Kommission werden.
Eigentlich hat Klufti aber viel Wichtigeres zu tun: sein heißgeliebter Passat ist verschwunden und eine alte Frau mysteriöserweise ums Leben gekommen. Da hat der Kommissar wahrlich genug um die Ohren. Leider entkommt er der Sondereinheit nicht, auch wenn sich herausstellt, dass der Tod der Alten eher kein Zufall war und das Eine wohl doch mit dem Anderen zusammenhängt. Dass im Privatleben auch genug los ist, dafür sorgen die altbekannten Langhammers ebenso wie die Mitteilung seines Sohnes, heiraten zu wollen.
Nicht nur gewohnt lustig, sondern auch mit neuen Missverständnissen, bewährten Nebenfiguren und beliebten Hauptfiguren ist auch der sechste Band der Kluftinger Serie durchaus lesenswert.
Taschenbuch, 427 Seiten
Piper Verlag
ISBN: 978-3-492-27483-8

Shorty to go



Autorin: Susanne Henke
Original: Shorty to go: Mord in zwei Sätzen (2012)
meine Bewertung: 4 von 5

Susanne Henke, die bereits durch "Makellose Morde to go" (2009) überzeugen konnte, hat ein neues Büchlein abgeliefert, das nicht nur genauso gut wie der Vorgänger, sondern sogar um einiges ungewöhnlicher ist.
Es besteht zur Gänze aus Geschichten, die nur zwei Sätze lang sind und dennoch beim Leser eine gewaltige Flut an Bildern und dazugehörigen Geschichten auslöst. Dementsprechend schwer ist es auch, eine Inhaltsangabe zu machen. Eines ist aber garantiert: man hat die 60 Seiten nicht so schnell gelesen, wie man vielleicht denkt, weil man trotz der ultimativen Kürze der Geschichten lange an ihnen verdaut. Spannend und ungewöhnlich, daher wirklich ein Lesetipp!

Beispiel:
"Den Fallschirm hatte sie perfekt gepackt. So sehr er zog, nichts löste sich." (S. 17)

Taschenbuch, 60 Seiten
Verlag: Books on Demand
ISBN: 978-3-8482-1706-9

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Die Geheimnisse der Blutgräfin Elisabeth Bathory



Autor: Gerald Axelrod
Original: Die Geheimnisse der Blutgräfin Elisabeth Bathory (2001)
meine Bewertung: 2 von 5


Elisabeth Bathory (1560 - 1614) entstammt einer adeligen und angesehenen Familie, bereits im Alter von 14 Jahren wurde sie zur Gräfin. Ihre Bekanntheit verdankt sie allerdings nicht diesem Umstand oder kluger Politik, sondern eher der Mythen und Legenden, die sich um ihr Leben ranken.
Angeblich soll die Gräfin die größte Serienmörderin aller Zeiten gewesen sein. Mehr als 650 grausame Morden sollen auf ihr Konto gehen; alle begangen, weil Elisabeth angeblich im Blut von Jungfrauen gebadet haben soll, um sich ihre Jugend zu erhalten.
Tatsächlich wurde Elisabeth Bathory sogar wegen einiger Morde angeklagt und dafür trotz ihres Standes verurteilt - ob tatsächlich 650 junge Mädchen ihretwegen ihr Leben lassen mussten, ist jedoch bestritten. Axelrod möchte in der großformatigen Biografie, illustriert mit zahlreichen aktuellen Fotos aus Elisabeths ehemaligem Wirkungskreis, mit Mythen aufräumen und ein klares Bild der Gräfin zeichnen.
Zwar ist die Biografie durchaus interessant, enthüllt aber leider nichts, was nicht auch auf Wikipedia nachzulesen wäre. Leider macht Axelrods Stil das Lesen nicht unbedingt zur Freude. Man kämpft sich durch viele Wortwiederholungen und vermisst erzählerisches Geschick. Schade ums Geld.

  • Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
  • Verlag: Verlagshaus Würzburg - Stürtz; Auflage: 1. Auflage (7. April 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3800346036
  • ISBN-13: 978-3800346035

Sonntag, 23. September 2012

Ende eines Sommers















Autorin: Rosamunde Pilcher
Original: The End of Summer (1971)
Übersetzung: Claudia Preuschoft
meine Bewertung: 1 von 5


Nach dem frühen Tod ihrer Mutter zieht Jane als Kind mit ihrem Vater nach Kalifornien. Ihr Vater, ein Drehbuchautor mit wechselndem Erfolg, möchte sie nicht auf Elvie, dem schottischen Anwesen der Familie seiner Frau, lassen. Zwar wehrt sich Janes Großmutter dagegen, ihr liebstes Enkelkind in die USA gehen zu lassen, doch am Ende setzt sich Janes Vater durch.
Das Leben in den USA gefällt ihr. Sie lebt mit ihrem Vater am Strand und entwickelt sich zu einer hübschen jungen Frau, die davon überzeugt ist, nicht arbeiten zu müssen, da ihr Vater ihr den gesamten Haushalt überantwortet. Als eines Tages der attraktive Anwalt David bei ihr auftaucht, um sie davon zu überzeugen, ihre Großmutter in Schottland zu besuchen, zögert Jane zunächst. Sie macht sich Sorgen um ihren Vater, schließlich müsste der dann für sich selbst sorgen. Doch auch dieses Problem erledigt sich unerwartet schnell, da Janes Vater eine Frau mit ins Strandhaus bringt, die verspricht, sich um ihn zu kümmern.
Jane reist also mit David nach Schottland, wo sie ihre Großmutter und ihren Cousin Sinclair, in den sie als Kind schwer verliebt war, wieder trifft. Das Leben auf Elvie hat seinen eigenen Rhythmus, doch plötzlich beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen - Liebe, Tod, Tragik, Trauer... all das auf nur 190 Seiten.
"Ende eines Sommers" ist eine typische Pilcher-Geschichte, allerdings eine sehr kurze und wenig ausgereifte. Die Geschichte hätte durchaus das Potential, ein dicker Schmöker mit ausgefeilten Charakteren zu sein, doch so überzeugen weder Handlung noch Protagonisten. Es wirkt, als wär hier eine unfertige und unvollendete Skizze veröffentlicht worden. Insgesamt enttäuschend.

Rororo
Taschenbuch, 190 Seiten
ISBN: 3-499-12971-X

Dienstag, 11. September 2012

Zum Teufel mit Vampiren















Autorin: Mary Janice Davidson
Übersetzung: Barbara Först
Original: Undead and Unfinished (2010)
meine Bewertung: 2 von 5
Band 9 der Betsy-Reihe

Elizabeth Nennen-Sie-mich-Betsy Taylor ist die wunderhübsche, elegante, gut gekleidete und junge Königin der Vampire, die diese Sache so gar nicht auf die Reihe bekommt. Ihr unglaublich gut aussehender Mann Eric Sinclair übernimmt daher meistens den Papier- und Regierungskram, während Betsy sich um die wirklich essentiellen Schuhe Dinge im Leben kümmert. 
Momentan sind es vor allem ihr Stiefbruder Baby Jon und ihre Stiefschwester Laura, die ihres Zeichens die Tochter des Teufels ist, die ihr Leben so richtig spannend machen. 
Der Teufel persönlich beordert in diesem Band ihre Tochter (also Laura) und Betsy direkt in die Hölle - schließlich will auch sie (der Teufel) irgendwann in Pension gehen, weshalb von Laura erwartet wird, dass sie die gesamte Verwaltung der Hölle übernimmt.
Aus dem kleinen Ausflug werden einige Zeitreisen, auf die Betsy Laura begleiten muss. Die beiden werden während dieser Reisen mit ihrer eigenen Vergangenheit und der von Eric, Tina und den anderen Freunden konfrontiert - und wie sich herausstellt, gehen diese Ausflüge an keiner der handelnden Personen spurlos vorüber...
Dieser Band ist bereits Band 9 der Reihe rund um die schuhbesessene Vamprikönigin Betsy. Nun sind die Bücher natürlich trivialste Romane, die bisher zumindest immer ein wenig lustig waren und von ihren sympathischen Protagonisten lebten. Dieser Band jedoch ist irgendwie seltsam. Wenn man nicht die Vorgänger gerade eben gelesen hat, so sind die Ausflüge in die Vergangenheit eher verwirrend und die beiden Figuren der Betsy und Laura eher nervig. Eigentlich gilt auch hier: man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist...

Taschenbuch, Lyx Verlag
424 Seiten
ISBN: 978-3-8025-8461-9

Ein Spiel und ein Zeitvertreib















Autor: James Salter
Übersetzung: Beatrice Howeg
Original: A Sport and a Pastime (1967)
meine Bewertung: 4 von 5


Der Ich-Erzähler, ein junger Fotograf, hat sich in einem kleinen Dörfchen in Frankreich niedergelassen. Er möchte "das wahre Frankreich" erleben, das er auf seinen Erkundungstrips bis ins kleineste Detail in sich aufnimmt und beschreibt.
Eines Tages lernt er Philipp Dean kennen, einen ebenfalls jungen Amerikaner, der sich ebenfalls in Autun häuslich einrichtet. Der Erzähler und Philipp verstehen sich gut, weshalb sie ihre Abende gemeinsam verbringen. Während eines Ausflugs in eine Bar verliebt sich Philipp in die gerade 18 gewordene Anne-Marie. Auch Anne-Marie kann ihre Augen nicht mehr von dem adretten Amerikaner lassen; schon bald entspinnt sich eine Art Beziehung zwischen den Beiden, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Anne-Marie kommt aus ärmlichen Verhältnissen, während Philipp der Spross eines wohlhabenden Mannes ist und selbst nicht unbedingt zu arbeiten braucht. Da ist außerdem der Altersunterschied, die Sprachbarriere, die unterschiedliche Lebensauffassung... und dennoch fühlen sich die beiden wie magisch voneinander angezogen. Besonders in sexueller Hinsicht harmonieren die beiden.
Der Fotograf, durch seine Natur daran gewöhnt, jedes Detail seiner Umgebung wahrzunehmen, wird dazu verdammt, die Geschehnisse von außen zu beobachten. Er rekonstruiert daher die Geschehnisse zwischen Philipp und Anne-Marie aus den Erzählungen Philipps und seinen Wahrnehmungen. Er wird dadurch zum Voyeur eine Liebesgeschichte, die schon von Beginn an dazu verdammt ist, keine glückliche zu sein.
"Ein Spiel und ein Zeitvertreib" erschien erstmals 1967 - und erregte aufgrund seiner doch expliziten Beschreibung sexueller Handlungen naturgemäß einiges an Aufsehen. Dennoch ist die Erzählweise nicht platt oder obszön, sondern sprüht vor Erotik. Von Anbeginn an schwingt eine Verzweiflung in der Geschichte mit; die Detailgetreue des Erzählers macht den besonderen Reiz der Geschichte aus. So macht er den Leser nicht nur selbst zum Voyeur, sondern auch zu einem Gefährten. 
Das Buch landete ursprünglich auf meinem SUB weil es in John Irvings "Zirkuskind" ein zentrales Thema darstellt. Anfangs dauerte es etwas, bis ich in die Geschichte fand, aber kaum ist man das langsame Tempo gewöhnt, möchte man das Buch nicht mehr weglegen.

Taschenbuch, BVT Verlag
217 Seiten
ISBN: 978-3-8333-0480-4

Donnerstag, 6. September 2012

Der Lügner
















Autor: Stephen Fry
Original: The Liar ( 1991)
meine Bewertung: 4 von 5

Adrian Healey ist 15 Jahre alt, als die Geschichte beginnt. Er lebt in einem Internat, wo er der wohl schillerndste Schüler aller ist. Arthur ist der geborene Lügner, lebt seine sexuellen Gelüste offen aus, egal, ob mit Mädchen oder Jungs und hat so gut wie keinen Respekt vor der Obrigkeit. Bereits in seiner Zeit als Internatsschüler lernt er seine persönliche Lebenschallenge in Form seines hübschen Mitschülers kennen; die beiden treffen im Laufe des Buches noch öfter aufeinander. Adrian inszeniert sich selbst als sehr extrovertiert, weltoffen und intellektuell. 
Später, als er auf die Universität kommt, spielt Professor Donald Trefusis eine tragende Rolle in seinem Leben, die sogar so weit geht, dass Adrian als dessen Begleiter in ein Spionageabenteuer verwickelt wird, das die beiden nach Salzburg führt und beinahe tödlich ausgeht.
Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt, sondern springt abwechselnd zwischen den drei wesentlichen "Epochen" in Adrians Leben, nämlich seiner Zeit im Internat, auf Cambridge und als Spion, hin und her. Meistens ist für die Leserin leicht zu erkennen, in welchem Teil seines Lebens sie sich gerade befindet. Der Inhalt an sich ist in wenigen Sätzen zusammenfassbar, das ganze Buch an sich ist jedoch nicht so leicht fassbar. 
Einerseits ist es spannend und humorvoll erzählt, voller intellektueller und sexueller Ausschweifungen und ein bisschen in die Vonnegut-/Wodehouse-Richtung gehend, andererseits gibt es mit Sicherheit Besseres und Lustigeres.  Kann man lesen, muss man aber nicht. Und dennoch hat's mir persönlich sehr gefallen. Adrian ist einfach ein lustiger Kerl, der seine Marotten frei von der Leber weg auslebt.

Paperback
Heyne Verlag, 333 Seiten
ISBN: 3-453-09287-2

Mittwoch, 5. September 2012

Gesammelte Schriften 3















Autor: Edgar Allan Poe 
Original: Gesammelte Werke 3 (1990) 
meine Bewertung: 5 von 5 

Dieser Band ist der dritte Teil einer sechsbändigen Werksausgabe von Edgar Allan Poe, zusammengestellt vom Weltbild Verlag. Dieser Band widmet sich den Kriminalgeschichten jenes Großmeisters der Erzählkunst, dem die "Erfindung" des modernen Kriminalromans zugeschrieben wird. Ausgewählt wurden dafür "Der Geist des Bösen", "Der schwarze Kater", "Das verräterische Herz", "Der Mann der Menge", "Der Mord in der Spitalgasse", "Das Geheimnis von Marie Rogets Tod", "Der entwendete Brief", "Du hast's getan", "Die längliche Kiste", "Der Goldkäfer", "Geheimschreibekunst" und "Das Schwindeln".

Besonders herausragend und deshalb wohl auch so bekannt ist die Geschichte rund um den entwendeten Brief und das verräterische Herz - nicht zu unrecht. Ebenso wie diese sind auch die anderen wirklich spanennd und in einer wunderschönen Sprache geschrieben. Poe ist für mich der Inbegriff des Gruselschriftstellers, jede einzelner seiner Geschichten hat den Charme seiner Zeit und ist ein kleines Juwel. Ungeschlagen ist dennoch sein "The Raven" - phänomenal!

Weltbild Verlag
Hardcover, 320 Seiten
ISBN:  3-89350-004-9

Mittwoch, 15. August 2012

Berliner Zimmer















Autor:Sepp Mall
Original: Berliner Zimmer (2012)
meine Bewertung: 4 von 5


Zwar war aufgrund der Krebserkrankung seines Vaters damit zu rechnen, doch als Johannes den Anruf seines Bruders Gregor erhält, der ihm vom Tod ihres Vaters erzählt, ist er dennoch überrascht. Immer wieder hatte er den Vater zur Therapie gefahren und danach wieder vom Krankenhaus abgeholt. Dass alles so schnell gehen würde, damit hatte er nicht gerechnet. Die Beerdigung wird organisiert, der Vater verabschiedet und eingegraben. Das Leben geht weiter.
Einige zögernde Fragen seiner Tochter Alma und ein verzweifelter Anruf seines Bruders Gregor, der sicher ist, der Vater sei wieder da, bringen auch Johannes dazu, nachzudenken. Wer war dieser Mensch, den er immer einfach nur als seinen Vater betrachtet hatte? Wie war er als junger Mann? Wen hat er geliebt, wofür gekämpft? Johannes versucht, auf all diese Fragen eine Antwort zu bekommen. Sein Weg führt ihn dazu nach Berlin, wo er nicht nur auf eine Frau, sondern auch auf seinen Vater stößt...
Mall zeichnet mit "Berliner Zimmer" ein zartes Familienporträt, dessen sanfte Zwischenfarben erst noch entdeckt werden müssen. Vor allem die Figuren der Alma, Angelina und die von Johannes sind sympathisch und trotz oder gerade wegen der wenigen Charakterbeschreibungen lebendig. Die Geschichte und die Lebensumstände der Familie entblättern sich nach und nach, auf den Leser wirkt die Erzählung wie ein Zoom mitten in eine Familie, langsam kommt man ihr näher, nur, um sie schließlich wieder zu verlassen und sich selbst zu überlassen. 
Mall schreibt ansprechend und reduziert, die Geschichte ist interessant und ungewöhnlich - auf jeden Fall eine Lektüre wert.


Hardcover, Haymon Verlag
ISBN: 978-3-85218-721-1
190 Seiten

Dienstag, 31. Juli 2012

Der Bahnhof von Zimpren















Autor: Heinrich Böll
Original: Der Bahnhof von Zimpren (1959)
meine Bewertung: 5 von 5

Ursprünglich war Zimpren ein kleiner Ort, in dem Bauern friedlich dahin lebten und nicht besonders viel passiert ist. Dann jedoch kommt die Ölgesellschaft "Terra Spes" und beginnt mit ihren Probebohrungen. Das Öl sprudelt in zentimeterdicken Fontänen aus der Zimpren'schen Erde, so dass von rundherum alle Arbeitskräfte herbeiströmen, um sich ebenfalls dem Rausch des schwarzen Goldes hinzugeben. Der Ort wird zur Stadt - man reagiert auf die neuen Gegebenheiten erstaunlich schnell. So verwundert es auch nicht, dass aus dem kleinen Bahnhöfchen schon bald ein großer Bahnhof wird, in dem auch D-Züge Halt machen.
Nach und nach wird das Öl weniger, schließlich versiegt es ganz. Lange Zeit wird den Einwohnern und Arbeitern vorgelogen, es sei noch immer genügend da. Man geht sogar dazu über, Öl des Nächtens in Lastwägen herbeizukarren, nur, um es dann als Öl aus Zimpren weiter zu verschicken. Irgendwann kann die Illusion nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die Ölfelder liegen brach, genauso der Bahnhof, der einst Zentrum hoffnungsfroher Geschäftsleute und Arbeitskräfte war. Ganz anders als zuvor reagiert man jedoch nun gar nicht mehr. Alle Posten bleiben besetzt, auch wenn die Züge in Zimpren nicht mehr halten. Was einst eine Beförderung war, gilt nun als Strafversetzung. 
Diese und 14 weitere Kurzgeschichten sind in der vorliegenden Kurzgeschichtensammlung enthalten. Jede von ihnen erzählt von alltäglichen Situationen einfacher Menschen; einige von Krieg gebeutelt, einige an den Nachwehen eines Wirtschaftswunders leidend, wieder andere von lang vergessenen Zeiten. Eines haben sie aber alle gemeinsam: die herrlich klare und schnörkellose Sprache Bölls, die es vermag, soviel mehr mit soviel weniger zu erzählen. Klar wird auch die kritische Position des Autors Politik und Wirtschaft gegenüber. 
Wenige Schriftsteller schaffen es, die kurzen Erzählaugenblicke so zu gestalten, dass der Leser/die Leserin einfach weiß, was davor und danach geschehen ist. Nüchterner und mit weniger Details als Steinbeck, allerdings genauso mitreißend und von Episoden lebend präsentieren sich die Geschichten dieser Sammlung - man sollte daher ruhig mal einen Blick in das Buch wagen.

Taschenbuch, 153 Seiten
List Verlag
ISBN: nV - List Bücher 138

Dienstag, 17. Juli 2012

Death of a Glutton















Autorin: M. C. Beaton
Original: Death of a Glutton (1988)
meine Bewertung: 3 von 5
Band 8 der Hamis-Macbeth-Serie


Es ist eine dieser seltenen perfekten Sommerwochen in Lochdubh. Hamish Macbeth, der örtliche Polizist, ist mit sich und der Welt völlig im Reinen. Er genießt die friedliche Zeit von ganzem Herzen, ist sich aber dessen bewusst, dass der Friede wohl nicht lange anhalten wird. Natürlich soll er damit recht behalten.
Im Tommel Castle Hotel, das den Eltern seiner angebeteten Miss Priscilla Halburton-Smythe gehört, hat eine Gruppe Londoner Singles eingecheckt. Diese haben über "Checkmates", einer Partneragentur, den Aufenthalt gebucht, um endlich den Partner fürs Leben zu finden. Dass es nicht so einfach wird, wie anfangs gedacht, ärgert vor allem die Organisatorin der Veranstaltung, Maria Worth. Zum einen gestalten sich die Paarungen nicht so, wie von ihr vorgesehen, zum anderen taucht auch noch völlig überraschend ihre absolut ekelhafte Geschäftspartnerin Peta Gore auf. 
Peta ist nicht nur unwahrscheinlich unhöflich und mühsam, sondern auch noch unglaublich fett und hat Tischmanieren, die allen das nackte Grauen ins Gesicht schreiben. Die Gruppe wird vor allem durch die Abscheu Peta gegenüber zusammengeschweißt, jeder äußert irgendwann im Laufe der Zeit den Wunsch, Peta für immer los zu werden.
Natürlich dauert es nicht besonders lange, bis Peta tatsächlich tot aufgefunden wird, mit einem Apfel tief in den Rachen geschoben. Hamishs Problem ist nun nicht, dass er keine Verdächtigen hätte, sondern, dass er so ziemlich jeden verdächtigt. 
Der Fall hält ihn dermaßen auf Trab, dass er auch auf seine Gefühlslage Priscilla betreffend wenig Rücksicht nehmen kann, er schafft es sogar, diese sehr abkühlen zu lassen. Aber ob Priscilla das akzeptieren kann? Eine der Checkmates-Kandidatinnen möchte sich als Detektivin hervortun und riskiert dafür sogar ihr eigenes Leben...
Wieder ist ein Ausflug ins meistens so beschauliche Lochdubh wie ein Nachhausekommen in einen bekannten und geschätzten Urlaubsort. Die Bewohner sind einem schon so ans Herz gewachsen, dass man fast ein wenig wehmütig wird, wenn man sie wieder verlässt. Ein netter Krimi für Zwischendurch.

Constable & Robinson
Paperback, 231 Seiten
ISBN: 978-1-84529-735-0

Freitag, 13. Juli 2012

Menschen unterwegs















Autor: John Steinbeck
Original: The Wayward Bus (1963)
Übersetzung: Rose Richter


Fährt man von San Ysidro zweiundvierzig Kilometer auf der Landstraße Richtung San Franzisko, so stößt man auf den berühmten Rebellenwinkel. Es handelt sich dabei um eine Raststätte, die sich besonders hübsch in die Landschaft schmiegt. Wunderschöne Bäume und solides Essen machen Rebels Corner zu einem beliebten Halt für Reisende.
Geführt wird die Raststätte, die außerdem als Tankstelle und Werkstatt sowie Bushaltestelle benutzt wird, vom mexikanischstämmigen Juan Chicoy und dessen Frau Alice, außerdem sind noch Kit "Pimples" Carson als Lehrjunge und Norma als Kellnerin. Eine weitere Besonderheit ist "Sweetheart", der Bus, mit dem Juan regelmäßig Passagiere kutschiert.
Die Geschichte beginnt, als eine Gruppe Reisender in Rebels Corner feststeckt, weil Sweetheart ein kleines technisches Gebrechen hat und erst noch repariert werden muss. Die Stammbesetzung der Raststätte hat die Nacht im Lunchraum verbracht, damit die Busgäste eine bequeme Nacht verbringen können. Die Reisenden versammeln sich am nächsten Morgen zum Frühstück und brechen dann auch auf. Allerdings hat es tagelang geregnet, weshalb die Straßen schlecht sind und die Brücke, die Juan mit Sweetheart überqueren muss, stark unterspült. Die Gäste beschließen demokratisch, eine andere, ebenso unwegsame Route zu nehmen. Ob das gut geht?
Die Gäste sind nämlich denkbar unterschiedlich, außerdem bringt die wunderschöne und geheimnisvolle Camille eine extreme Unruhe in die Partie. Die Männer verzehren sich nach ihr, während die Frauen in ihr große Konkurrenz sehen und sie deshalb gern aus dem Weg wüssten...
Steinbeck erzählt mit unglaublicher Detailgetreue eine Momentaufnahme aus dem Leben zahlreicher Menschen, die das Schicksal für eine kurze Zeit zusammengeführt hat. Er fängt die Stimmung des Amerika der 50er Jahre perfekt ein, schafft sympathische und eher nicht so liebenswerte Charaktere, begleitet diese ein Stück ihres Weges, um dann seinen Blick wieder von ihnen abzuwenden. Jede seiner Geschichten hätte das Potential, ein dicker Schmöker zu werden, doch Steinbeck begnügt sich mit den kurzen Augenblicken, die er mit seinen Figuren verbringen darf. 
Ich mag Steinbecks Romane sehr, auch diesen kann ich wirklich empfehlen. Ruhig, unaufgeregt und dennoch in einer gewissen Art und Weise spannend - so präsentiert sich "The Wayward Bus".


Fackel-Verlag, Sonderausgabe Buchklub
Hardcover
330 Seiten

Dienstag, 10. Juli 2012

Geaddet, gepostet, Webfail
















Autoren: Nenad Marjanovic, Manuel Iber
Original: Geaddet, gepostet, Webfail (2012)
meine Bewertung: 4 von 5


"Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, wieso werden dann nicht einfach mehr Geldscheine gedruckt?" ist nur ein Beispiel aus dem unerschöpflichen Fundus dummer, peinlicher und lustiger Facebook Postings, die Marjanovic und Iber in diesem Buch versammelt haben. Einige der Beiträge sind eher mäßig lustig, von manchen möchte man einfach nicht glauben, dass sie echt sind, dennoch wird man mit der Lektüre des Buches viel Spaß haben.

Riva Verlag, 204 Seiten
ISBN: 978-3-86883-202-0

Mittwoch, 20. Juni 2012

Letzter Gipfel















Autor: Herbert Dutzler
Original: Letzter Gipfel (2012)
meine Bewertung: 2 von 5

Das eigentlich recht beschauliche Leben des Altausseer Polizisten Franz Gasperlmaier und dessen Vorgesetzten Friedrich Kahlß findet ein jähes Ende, als sie an einem regnerischen und ungemütlichen Oktobertag auf den Loser rauf müssen. Jemand hat in der dortigen Hütte den Absturz einer Frau gemeldet, jedoch ohne sich vorzustellen oder Hinweise auf die Absturzstelle zu geben. Während Gasperlmaier und Kahlß damit beschäftigt sind, die Hüttenwirte zu befragen, macht sich die Bergrettung daran, die abgestürzte Frau zu suchen. Was sie schon nach kurzer Zeit zutage fördern lässt Gasperlmaier das Blut in den Adern gefrieren und die Schwarzbeernocken im Magen rumoren: es wird nicht nur eine kürzlich abgestürzte Tote gefunden, sondern auch die Leiche einer Frau, die bereits seit ungefähr einem Jahr unentdeckt geblieben war.
Da diese Sache um eine Nummer zu groß für die beiden Polizisten ist, müssen die Kriminaler her - in diesem Fall die resolute und nicht unhübsche Frau Dr. Kohlross, mit der Gasperlmaier bereits früher zu tun hatte. Gasperlmaier wird der Frau Doktor als Berater und Ermittler an die Seite gestellt, sehr zur Freude Gasperlmaiers. Die beiden beginnen mit ihren Ermittlungen und stoßen schon bald auf Gemeinsamkeiten der beiden Toten. Einen Mord, einen Selbstmord und einen Mordanschlag später sind die beiden dem/der TäterIn bereits gefährlich nahe gekommen...
"Letzter Gipfel" hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck bei mir. Als Fan der Kluftinger-Serie entdeckt man viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden verschrobenen Polizisten. Beide sind ihrer Frau treu und liebend ergeben, treffen im Zuge ihrer Ermittlungen auf ihre Kinder, sind vom Charakter her eher technologiekritisch, ungeschickt, traditionsbehaftet und ein wenig weltfremd, Kasspatzen bestreiten hier wie dort einen Großteil des Nahrungsangebots, haben eine etwas seltsame Phobie ihrem Vornamen gegenüber und werden mit sehr kompetenten Frauen zusammengespannt. Natürlich, hier spielt sich die Szenerie in Altaussee ab, dort im Allgäu. Bis auf den Namen des Berges ist der Schauplatz Dutzlers Buches allerdings austauschbar, gerade das so beliebte Lokalkolorit von Regionalkrimis fehlt gänzlich. 
Die Personen, selbst Gasperlmaier, bleiben leider ein wenig eindimensional, was vielleicht aber daran liegt, dass es einen Vorgänger-Band gibt, den ich nicht kenne. Man spart sich viele Beschreibungen der Hauptpersonen, dennoch wird aber dauernd im Zusammenhang mit der lästigen Reporterin, die überall auftaucht, auf frühere Ereignisse angespielt. Diese haben keinen wie auch immer gearteten Einfluss auf die Story, weshalb eine einmalige Erwähnung gereicht hätte. Einige Ungenauigkeiten im Lekorat (der Plural von Cappuccino ist in Österreich nunmal Cappuccinos, es macht einen Unterschied, ob man Sie oder sie schreibt, zB) kommen auch vor, sind aber im Rahmen des Vertretbaren; häufiger sind jedoch stilistische Schwächen mit Wortwiederholungen, die wirklich nicht sein müssten.
Eher schwach gestaltet sich der gesamte Plot, warum am Ende dann plötzlich eine regelrechte Versammlung am Loser stattfindet, bleibt beispielsweise völlig ungeklärt. Die Lektüre an sich ist zwar nicht langweilig, aber auch das Gegenteil von brilliant, meiner Meinung nach. Wer wirklich tolle Regionalkrimis sucht, sollte es mit Polt, Brenner oder Kluftinger versuchen. Etwas ungewöhnlicher, aber umso lesenswerter ist außerdem die Geschichte rund um Gustav von Karoly.

Haymon Verlag
Taschenbuch, 360 Seiten
ISBN: 978-3-85218-916-1

Dienstag, 5. Juni 2012

Fliegen, bis es schneit















Autor: Andreas Neeser
Original: Fliegen, bis es schneit (2012)
meine Bewertung: 5 von 5


Isabelle und Simon sind glücklich miteinander. Sie haben soeben den Hauskauf fixiert, denken an ein gemeinsames Kind, das Manuel heißen soll und auf seiner Schaukel im Garten des Hauses im Grünen Spaß haben soll. Es scheint so, als hätten beide genau das Leben, das sie sich wünschen. Als Isabelle auf den Zug wartet, der sie zu ihrer Tante und somit zur Verkäuferin des Hauses bringen soll, verändert sich ihr Leben jedoch schlagartig.
Sie sieht einen relativ gutaussehenden Mann, der sich im Zug dann auch zu ihr setzt. Anfangs scheint er nett zu sein, doch dann schlägt sein Redeschwall über Isabelle wie eine riesige Flutwelle zusammen. Sie ertrinkt in seinen Worten, er bedrängt sie verbal und befriedigt sich schließlich in ihrer Gegenwart selbst.
Isabelle ist wie betäubt. Immer wieder taucht Obermeier - zumindest hat er behauptet, so zu heißen - in ihrem Leben auf. Entweder auf Reklameplakaten, live, am Telefon oder auch in ihren Gedanken. Sie erbittet sich von Simon vor allem Ruhe und Verständnis. Dieser gibt ihr Zeit, wieder zu sich zu finden, allerdings treibt Isabelle gerade durch diese Tatenlosigkeit seinerseits immer weiter ab, sie findet sich in einem Gefühlsstrudel, der sie immer weiter hinab in die Tiefe zieht. 
"Fliegen, bis es schneit" ist ein Buch, das rundherum überzeugt. Einerseits ist die Sprache Neesers sehr gewählt, anschaulich, reich an Adverbien und Adjektiven und dennoch so klar und schnörkellos. Er verliert sich hin und wieder in Abstraktionen, seine Protagonisten landen allerdings immer wieder in der kalten Realität. Der Plot an sich ist spannend, abstoßend und faszinierend zugleich. Einerseits hat man Angst um Isabelle, man verachtet den Verrückten, fragt sich aber andererseits zugleich, wie ein Mensch wie er ticken mag.
Sicher, die Thematik ist ernst. Ohne ihr körperlich nahe zu kommen, schafft Obermeier es nämlich, in Isabelle einzudringen und sie von innen heraus zu zerstören. Die Vergewaltigung ist körperlos, sie betrifft die Seele und ist daher ebenso schwerwiegend. Wer sich gerne thematisch ernster Lektüre mit anregender Sprache widmet, dem sei "Fliegen, bis es schneit" ans Herz gelegt. Neeser kann was!

Haymon Verlag
Hardcover, 205 Seiten
ISBN 978-3-85218-731-0

Agatha Raisin and the Wellspring of Death
















Autorin: M. C. Beaton
Original: Agatha Raisin and the Wellspring of Death (1998)
meine Bewertung: 3 von 5
Band 7 der Agatha-Raisin-Serie

Agatha und ihr Nachbar James Lacey sind beide unabhängig voneinander wieder aus ihrem Abenteuer in Zypern (Band 6) zurückgekehrt. Die Stimmung zwischen den beiden befindet sich auf dem Gefrier-punkt. Wieder einmal fühlt sich Agatha im kleinen Dörfchen Carsely in den britischen Cotswolds denkbar allein. Lediglich ihre Katzen Hodge und Boswell vermitteln ihr ein gewisses Gefühl von Sesshaftigkeit. Natürlich kümmern sich Mrs Bloxby und die anderen Damen der Carsely Ladies Society rührend um sie, doch das nimmt sie gar nicht wirklich zur Kenntnis.
Etwas Action kehrt schließlich wieder ins ruhige Leben von Agatha ein, als sich Roy Silver, einer ihrer ehemaligen Mitarbeiter der längst verkauften PR-Agentur, bei ihr meldet. Roy, ungefähr halb so alt wie Agatha, wird von seinem Boss immer wieder dazu angestachelt, die Queen of PR zurück ins Boot zu holen. Agatha weiß um diesen Umstand und lässt sich von Roy dazu überreden, die PR Agenden für ein Unternehmen zu übernehmen, das vor hat, Wasser aus einer Quelle im Nachbardorf abzufüllen und zu verkaufen. 
Agatha läuft in PR-Fragen zu Höchstform auf - vor allem, da es in Verbindung mit der Quelle einen Todesfall gab. Einen gewaltsamen Tod. Natürlich juckt es Agatha in den Fingern, diesen Fall aufzuklären, doch James gibt sich immer noch unnahbar. Erst als ein zweiter Mord passiert, taut er ein wenig auf. Weiter verkompliziert wird die ganze Sache durch den Firmenchef des Wasserunternehmens. Dieser hat mehr als nur ein Auge auf Agatha geworfen. Ob das mal gut geht?
 Mittlerweile sind rund 20 Bände rund um die ehemalige PR-Agentin Agatha Raisin erschienen, in jedem kommt man der Anti-Heldin mit den etwas exzentrischen Ansichten und dem mangelnden Sozialverhalten etwas näher. Man fiebert mit ihr mit und wünscht ihr das Beste - was vermutlich ein James Lacey in der Hölle sein würde. Die restlichen Einwohner Carselys sind bereits alte Bekannte, die man gerne wieder trifft. Wenig actionreich, aber kontinuierlich lesenswert!

Constable & Robinson
270 Seiten, Paperback
ISBN: 978-1-84901-1402

Montag, 28. Mai 2012

Agatha Raisin and the Terrible Tourist














Autorin: M. C. Beaton
Original: Agatha Raisin and the Terrible Tourist (1997)
meine Bewertung: 3 von 5
Teil 6 der Agatha Raisin-Serie 


James Lacey hat sich nach Zypern abgesetzt, um sich dort von den Strapazen der letzten Zeit (siehe Band 5) zu erholen. Er hat dabei die Rechnung natürlich ohne seine Nachbarin, Agatha Raisin, gemacht. Diese beschließt, das beschauliche Carsely in den Cotswolds ebenfalls zu verlassen und Zypern auch einen Besuch abzustatten. Eigentlich hat sie vor, James zu suchen und mit ihm wieder ins Reine zu kommen, aber wie immer kommt es anders, als Agatha es gerne hätte.
Die Suche nach James ist etwas schwierig, dafür stößt sie auf zwei Reisegruppen, die sich zusammen tun, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Zum einen sind da Rose, Trevor und Angus. Rose, etwas ordinär, aber schön und Trevor sind verheiratet, der Schotte Angus ist ein Freund der beiden und mit ihnen nach Zypern gekommen. Außerdem sind da zum anderen Olivia, Harry und George, die einer gänzlich anderen Klasse angehören. Man hat sich auf einem Bootsausflug kennen gelernt und angefreundet. Auch Agatha wird schnell in die illustre Runde aufgenommen.
Natürlich dauert es nicht lang, bis ein Mord passiert. Hobby Detektiven Agatha Raisin ist in ihrem Element und beginnt mit ihren Schnüffeleien. Bald taucht auch James wieder auf - und Sir Charles, der zwar ein komischer Kautz ist, aber Agatha sehr schätzt. Neben ihrer privaten Sorgen und Verwicklungen muss sich Agatha auch mit dem Gedanken anfreunden, dass sie einem Mörder auf der Spur ist - schließlich geschehen zwei Anschläge auf ihr Leben. Dass schließlich James verschwindet und Agathas Herz erneut bricht, ist nur das Tüpfelchen auf dem i. Ob sie aus diesem Schlamassel wieder rauskommt?
Die Serie um Agatha Raisin besticht durch eine Heldin, die so gar nicht liebenswert ist (anfangs) und in jedes soziale Fettnäpfchen tritt, das es gibt. Außerdem ist sie ziemlich bemitleidenswert in ihrer Jagd auf James - aber dennoch schließt man sie irgendwie ins Herz und verflucht James. Da die Bücher aufeinander Bezug nehmen und sich die Figuren weiter entwicklen, ist es wichtig, die Bände der Reihe nach zu lesen, um in den maximalen cozy mystery Genuss zu kommen.
Denn genau das sind die Bücher. Sie sind nicht actionreich, der Plot der Krimihandlung ist zwar gut, aber nicht überragend, dafür sind die Bücher Sozialstudien von kleinen Dörfern, in der Tradition von Agatha Christie gehalten und witzig. Man lernt die Dorfbewohner kennen und mögen und will immer wieder ins gemütliche Carsely zurückkommen.

Constable & Robinson,
292 Seiten, Paperback
ISBN: 978-1-84901-139-6


Dienstag, 22. Mai 2012

Das Tier-ABC















Autor: Paul Maar
Illustration: Tina Schulte
Original: Das Tier-ABC (2004), Aufl. 2010
meine Bewertung: 5 von 5

Bilder- und Lese-Lern-Bücher haben leider immer noch dne Ruf, keine Literatur zu sein, sie werden abgetan und nicht besonders beachtet. Allerdings sind gerade das jene Bücher, die für die Lesesozialisation eine große Bedeutung haben, gleichzeitig von der Form her außerdem besondere Ansprüche an die Autoren und Illustratoren stellen. Auf begrenztem Platzangebot muss ein Buch geschaffen werden, das unterhält, den Lesehorizont des Lesers nicht überschreitet, die Illustrationen müssen ansprechen und auch der pädagogische Anspruch ist nicht zu unterschätzen.
Paul Maars "Das Tier-ABC" ist ein Lese-Lern-Buch, das all diese Ansprüche formidabel erfüllt und dabei auch noch witzig ist - selbst der erwachsene Leser findet daran seinen Spaß. In Versform ermöglicht Maar zu jedem Buchstaben einem Tier, aufzutreten. In insgesamt 26 Szenen werden kuriose Begebenheiten aus dem Leben von Auerhahn bis Zebra erzählt und mit Bildern illustriert.
Das Alphabet gibt dabei den Rahmen und die Reihenfolge der Verse vor. Jedem der dreiteiligen Verse ist eine ganze Seite gewidmet, die Verse sind kumulierend aufgebaut und mit drei Bildern, die sich ebenfalls steigern, illustriert.
Das Buch eignet sich wunderbar zum Vorlesen und für die ersten Schritte zum Selberlesen, außerdem kann man damit wirklich gut weiterarbeiten. Mein Lieblingsvers daraus:

"Die Fledermaus,
die Fledermaus,
zieht sich abends ihre Fledern aus."


Hardcover
Oetinger Verlag, 50 Seiten
ISBN: 978-3-7891-1197-6

Samstag, 19. Mai 2012

Seriously... I'm kidding















Autorin: Ellen Degeneres
Original: Seriously... I'm kidding (2012)
meine Bewertung: 5 von 5

Ellen Degeneres, Autorin, Comedian, Talkshow-Host und Oscar-Moderatorin, hat mit "Seriously, I'm kidding" bereits das dritte Buch vorgelegt und beweist damit, dass es tatsächlich Menschen gibt, die nicht nur in einem Job gut sind, sondern manche wahre Multitalente sind. Das Buch selbst ist eine Mischkulanz aus mehreren Genres und eigentlich genauso facettenreich wie seine Autorin. Es gibt Kapitel, die nur für Erwachsene sind, es gibt Lebensweisheiten, Tagebucheinträge, Politisches und Biografisches.
Das Buch ist dabei genau so, wie man Ellen aus ihrer Talkshow kennt: Oft schweifen die Gedanken ein wenig ins Absurde, sie sagt viel und scheint kaum Atem zu holen - aber es ist sympathisch und sehr, sehr lustig. Es geschieht viel zu selten, dass man beim Lesen wirklich laut auflachen muss - "Seriously, I'm kidding..." ist eine wohltuende Ausnahme und wirklich lesenswert!
Noch nicht überzeugt? Dann will ich mal einen Teil des Klappentextes zitieren - Ellen meint, der Platz am Buchrücken sollte eigentlich nicht dazu dienen, das Buch zu preisen, sondern den Leser: "I love the way you're holding this book. It's like you were born to buy it and hold it forever." oder "That is a beautyful blouse you're wearing. It goes so nicely with this book." What else can I say?

Hachette Book Group
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN 978-1-0869-3

Sonntag, 13. Mai 2012

Agatha Raisin and the Murderous Marriage
















Autorin: M. C. Beaton
Original: Agatha Raisin and the Murderous Marriage (1996)
meine Bewertung: 4 von 5
Teil 5 der Agatha Raisin-Serie

Die pensionierte PR-Lady Agatha Raisin hat es sich in den Cotswolds nun schon recht gemütlich gemacht. Sie hat ihren Angebeteten James Lacey herumgekriegt und ist bereits in dessen Cottage gezogen. Die Hochzeit steht kurz bevor. Mit Hilfe ihrer Trauzeugin Mrs. Bloxby schmeißt sich Agatha in Schale und fährt zum Standesamt, wo bereits James auf sie wartet. Von einem Traum, der sich erfüllt, ist jedoch keine Spur.
Kurz vor der Eheschließung taucht nämlich Jimmy Raisin auf. Jener Mann, mit dem Agatha vor fast einer Ewigkeit verheiratet war. Sie hatte sich nie die Mühe gemacht, sich von ihm scheiden zu lassen, sie hatte angenommen, der Schweralkoholiker hätte sich längst zu Tode getrunken.
Die Hochzeit kann natürlich nicht stattfinden, Lacey ist zutiefst beschämt und Agatha wütend. Dennoch muss sie bei ihm wohnen, bis sie etwas Neues gefunden hat. Agathas Cottage wurde von einer gewissen Mrs. Hardy gekauft, dahin kann Agatha also nicht zurück. Die Stimmung ist gereizt.
Schon bald nimmt sich jemand allerdings des Problems Jimmy Raisin an - er wird stranguliert aufgefunden. Selbstverständlich hätte Agatha jeden Grund zu dieser Tat, sie ist daher auch die Verdächtige Nummer Eins (wieder einmal). Das kann sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen, weshalb Agatha mit Nachforschungen beginnt. James ist natürlich auch wieder mit von der Partie, auch wenn er die Enttäuschung über Agathas versuchte Bigamie kaum zu verbergen mag.
Der fünfte Band der Serie steht den Vorgängern in nichts nach. Auch hier schafft es Agatha immer wieder, sich von einem Fettnäpfchen ins andere zu manövrieren, sie ist aber in ihrem Vorgehen schon ein bisschen dörflich-sozialer geworden und hat ein wenig ihrer rüden Art abgelegt. Sie wird einem langsam immer sympathischer, ebenso wie der Polizist Bill Wong, der James und Agatha vergeblich davor warnt, sich einzumischen.

Es sind wirkliche Cozy-Mysteries mit einer netten Handlung in wunderbarer Kulisse und einigen Originalen, was die Charaktere-Ausstattung betrifft. Für mich einfach immer wieder eine Lektüre wert, weil besonders die Entwicklung der Protagonisten so spannend ist.

Constable & Robinson
Paperback, 280 Seiten
ISBN 978-1-84901-138-9

Samstag, 12. Mai 2012

Fox in Socks
















Autor: Dr. Seuss
Original: Fox in Socks (1957)
meine Bewertung: 4 von 5

Fox und Knox sind zwei Freunde, die ausprobieren, was man mit Socken, Kisten, Bausteinen, Weckern und anderen Freunden so alles anstellen kann. Anfangs sind diese Übungen noch ganz einfach: "Fox in Socks in Box on Fox" aber zum Ende hin steigern sich die beiden und es wird ein erbitterter Kampf aus dem Spiel, so lange, bis es Knox reicht und er Fox in eine Flasche sperrt:

"When a fox is
in the bottle where
the tweetle beetles battle
with their paddles
in a puddle on a
noodle-eating poodle,
this is what they call:
a tweetle beetle
noodle poodle bottled
paddled muddled duddled
fuddled wouddled
fox i socks, sir!"

Der Macher von "How the Grinch stole Christmas"  hat sich ganz der Kinderlektüre verschrieben. Die Bücher aus seiner Feder sind in englischsprachigen Kinderzimmern längst schon Pflichtlektüre. Das Spiel mit Worten, lustigen Bildern und absurden Reimen macht Spaß und sogar Lust darauf, Teile auswendig zu lernen. Einfach lustig und lustig einfach aber nie anspruchslos!

Harper Collins,
Paperback, 64 Seiten
ISBN:  9780007158478

Freitag, 11. Mai 2012

Der Tod fährt Riesenrad



Autorin: Edith Kneifl
Original: Der Tod fährt Riesenrad (2012)
meine Bewertung: 5 von 5

Wien im Jahr 1897. Es ist das Jahr, in dem das Riesenrad im Wiener Prater, jenem Ort, an dem sich immer schon die Klassen vermischt haben, eröffnet wird. Die bessere Gesellschaft vergnügt sich im "Venedig im Wien", dem ersten Themenpark der Welt, während sich Zigeuner und einfaches Volk in den Praterauen und Wirtshäusern tummeln. Man winkt jedem Tag dem Kaiser zu, wenn er in seiner Kutsche von Schönbrunn über die Mariahilfer Straße in die Hofburg fährt, die bessere Gesellschaft bewegt sich in Fiakern fort und es ist in Mode, zu diesem neuen Nervenarzt, Dr. Freud, zu gehen.
Der Protagonist des Buches, Gustav von Karoly, seines Zeichens Privatdetektiv, wird in jenen Tagen von Margarete von Leiden beauftragt, ihre 15-jährige Tochter Leonie zu suchen. Diese ist zwar schön öfter ausgerissen, aber so lange wie dieses Mal war sie noch nie verschwunden. Gustav nimmt den Auftrag nicht nur des vielen Geldes wegen an, das ihm seine adelige Auftraggeberin verspricht, sondern auch, weil er sich unsterblich in die Dame verliebt hat.

Gustavs Ermittlungen führen ihn immer wieder in den Prater, genauer: zu den Zigeunern, die dort ihr Lager aufgeschlagen haben. Die gehören zu den Freunden Leonies, auch wenn deren Großvater diesen unschicklichen Umgang gar nicht billigt. Kurz nach Leonies Entführung wird einer ihrer Freunde, ebenfalls Mitglied der illustren Pratergesellschaft, ermordet in einer Gondel des neu eröffneten Riesenrades aufgefunden. Gustav ist sich sicher, dass es einen Zusammenhang geben muss. Doch Gustav stößt immer wieder auf Mauern des Schweigens und muss zwischen den Welten ermitteln. Und dann taucht erneut eine Leiche auf. Ob Gustav Leonie findet, bevor auch ihr etwas passiert?

"Der Tod fährt Riesenrad" ist ein wunderbares Buch. Die Krimi-Handlung an sich ist nicht nervenzerfetzend oder besonders ausgetüftelt, aber dafür ist die Rahmenhandlung sympathisch, sehr wienerisch und entführt einen in vergangene Zeiten. Besonders, wenn man Wien kennt, wird man seine wahre Freude an dem Buch haben - und wenn man Wien nicht kennt, so bekommt man spätestens nach der Lektüre Lust drauf, die Stadt zu besuchen. Nicht nur geografische Gegebenheiten und historische Geschehnisse hat Kneifl korrekt wiedergegeben, sie hat auch einen Teil der Wiener Seele eingefangen.

Haymon Verlag
Taschenbuch, 238 Seiten
ISBN 978-3-85218-878-2

Sonntag, 6. Mai 2012

Fantastic Mr Fox















Autor: Roald Dahl
Illustrationen: Quentin Blake
Original: Fantastic Mr Fox (1970)
meine Bewertung: 3 von 5


In einem Tal leben drei reiche Bauern: Bunce, Bean und Boggis. Boggis ist Hühnerzüchter und isst zu jeder Mahlzeit drei gebratene Hühner, Bunce züchtet Enten und Gänse und verspeist auch genug davon, während Bean Truthähne hält und sich selbst nur von Cider ernährt. Die Farmer sind allesamt ekelhaft und gemein. Als sie daher bemerken, dass sich Mr Fox, der Vater einer dreiköpfigen Fuchsfamilie und liebender Ehemann, hin und wieder aus ihren Ställen bedient. Mr Fox kommt zugute, dass er eine ausgezeichnete Nase hat, so riecht er schon von weitem, ob sich einer der stinkenden Bauern nähert.
Als sich die drei Bauern allerdings zusammenschließen und Mr Fox direkt vor seiner Höhle auflauern, wird es brenzlig. Der Wind weht in die andere Richtung, also riecht Mr Fox Bunce, Bean und Boggis nicht. Die schießen auf ihn, erwischen ihn aber nicht. Nachdem sich Mr Fox wieder in die Höhle zu seiner Frau und zu seinen Kindern zurückgezogen hat, müssen sie um ihr Leben graben, denn die Bauern  geben nicht auf. Sie wollen die Familie ausgraben. Wieder wird es brenzlig, aber Mr Fox wäre nicht der fantastische Mr Fox, fiele ihm nicht auch da eine Lösung ein - eine Lösung, die nebenbei zu einem lustigen Festmahl führt, an dem auch die Familie Dachs, Hase und Wiesel teilnehmen.
Das Buch ist so, wie man es von Roald Dahl gewohnt ist. Die Bösewichte sind klar zu erkennen, schließlich handeln sie nicht nur gemein, sondern sind auch äußerlich alles andere als nett. Sie stinken und haben seltsame Figuren, außerdem handeln sie egoistisch und schießen sozusagen mit Kanonen auf Spatzen. 
Der Leser freut sich mit den Tieren und drückt ihnen die Daumen. Als Vegetarierin und Tierliebhaberin war mir anfangs allerdings nicht ganz klar, wie es zu erklären ist, dass die einen Tiere die Guten sind (Fuchs, Hase, Wiesel, Dachs) und man auf die anderen (Hühner, Truthähne, Enten, Gäse) getrost verzichten kann. Ein bisschen gestört hat mich das schon, denn schließlich sind auch diese Tiere welche mit Gefühl, mit Kindern und Eltern. Ganz schöne Klassengesellschaft. Aber - und das fiel mir zum Glück noch rechtzeitig ein ;) - das ist die Natur. Fuchs, Wiesel und Dachs haben das Recht, das Flattergetier zu fressen, die Nahrungskette sieht es schließlich so vor.
"Fantastic Mr Fox" ist für Kinder gedacht, die selbst schon lesen können oder es vorgelesen bekommen, es ist eine durchgehende Geschichte mit rund 80 Seiten und vielen Illustrationen.

Puffin Books
Paperback, 82 Seiten
ISBN: 978-0-141-32265-0

Samstag, 28. April 2012

Ich bin dann mal weg
















Autor: Hape Kerkeling
Original: Ich bin dann mal weg (2006)
meine Bewertung: 2 von 5

Hape Kerkeling, deutscher Komiker, Fernseh- und Radiomoderator, hat gesundheitliche Rückschläge einstecken müssen. Er erkennt, dass er etwas drastisch ändern muss - daher beschließt er, inspiriert von Shirley MacLaines Buch über den Jakobsweg, selbst den Camino Fracés nach Santiago de Compostela zurück zu legen. Seine Reise, die er völlig alleine beginnt, führt ihn vom franzöischen St.-Jean-Pied-de-Port bis nach Santiago, es sind rund 600 km, die der da zurücklegen möchte.
Schon am Beginn der Reise hapert es ein wenig, so dass er im Laufe seiner Reise einige Kilometer durchaus auch per Bus und Bahn zurücklegt. Nachdem er einige Wochen in relativer Einsamkeit bewusst gewandert ist und sich viele Gedanken über sich, sein Leben und seine Religion gemacht hat, möchte er nicht mehr alleine wandern. Er erhofft sich nette Mitwanderer. Nachdem er schon Bekanntschaft mit lüsternen Wanderern, völlig verrückten Wanderern und wadernden Betrügern gemacht hat, ist er mehr als nur erleichtert, als er auf die Engländerin Anne und die Neuseeländerin Sheelagh trifft.Sie wandern gemeinsam weiter - zumindest mehr oder weniger - und verstehen sich auf Anhieb super.
Im Prinzip kann man über den Inhalt nicht wirklich ausführlich berichten, schließlich geht es darum, wie mehrere Menschen zu Fuß eine weite Strecke zurücklegen, was ihnen so begegnet und wie sie schließlich ankommen. Ich persönlich kann den riesigen Erfolg des Buches (über 100 Monate auf den Bestsellerlisten Sachbuch) nicht nachvollziehen. Es ist zwar ganz okay zu lesen, aber wer sich eine launige, lustige Abhandlung erwartet, wie man sie dem Autor am ehesten zutrauen würde, der wird enttäuscht.
Kerkeling erzählt aus seinem Leben - eher sachlich - und beschreibt die Mitpilger und Landschaft (eher sachlich) und sein persönliches Befinden während der Reise (eher wehleidig), die er nicht komplett zu Fuß zurückgelegt hat. Ein wenig kam mir persönlich das Buch selbst wie ein anstrengender und weiter Weg vor. Befremdlich fand ich auch die religiös-spirituellen Passagen. Es mag schon sein, dass der Weg einem Erkenntnisse bringt, die man sonst nicht hätte (sei es aus Dehydration oder tatsächlich göttlicher Eingebung...), allerdings bin ich persönlich der Meinung, dass Religion und Glaube etwas sehr Persönliches sind. Ich fühle mich da schnell belästigt.
Für mich persönlich also überhaupt nicht die richtige Lektüre, obwohl ich hin und wieder schon auch Lust hätte, eine weite Strecke zurückzulegen.

Piper Verlag
Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN: 978-3492251754

Dienstag, 24. April 2012

Es ist geschafft!

Ich habe lang, lang daran gearbeitet, hin und wieder mit mehr Einsatz, manchmal monatelang gar nicht. Aber jetzt habe ich es geschafft: Ich habe alle Blogbeiträge meines alten Blogs auf blogigo nun hierher übersiedelt. Jetzt fühle ich mich irgendwie befreit und weiß gar nicht, was ich jetzt nächtelang machen soll. Oh - ich könnte lesen :D

Viel Spaß hier beim Umsehen, bitte lasst es mich einfach wissen, wenn ihr irgendwo Links findet, die ins Nirgendwo führen oder Ähnlichen Quatsch, damit ich das beheben kann.

Liebe Grüße
die Blattclaus

PS: Man kann durch einige wenige Klicks auf gewisse gesponserte Links einen Blogbeitreiber indirekt in seiner Tätigkeit unterstützen... wenn ihr wisst, was ich meine... :D

Sonntag, 22. April 2012

The Twits















Autor: Roald Dahl
Illustratione: Quentin Blake
Original: The Twits (1980)
meine Bewertung: 5 von 5

Die Twits sind ein seltsames Pärchen. Die beiden Alten stinken, sie sind gemein, böse und ekelhaft, waschen sich nicht und treiben sich gegenseitig zur Weißglut. Mr Twit lässt seine Frau mit Luftballons in die Luft gehen und hofft, sie so für immer aus den Augen zu haben. Mrs Twit serviert ihrem Mann Wurm-Spaghetti. Die beiden sind einfach eine Pest.
Sie bestreichen einmal in der Woche einen Baum mit Kleister, um Vögel zu fangen und diese zu verspeisen, außerdem halten sie sich im Garten eine Affen-Familie, der sie städig Zirkus-Kunststücke abverlangen.
Eines Tages hat Mr Muggle-Wump, genug von den schrecklichen Menschen. Gemeinsam mit den Vögeln hecken sie einen Plan aus, um die beiden für immer zu vertreiben. Ob ihnen der waghalsige Plan gelingt?
Roald Dahl ist und bleibt der Meister des Kinderbuchs. Gemeinsam mit Quentin Blake bildet er ein wunderbares Paar, das vielen Kindern Freude macht. Und auch vielen Erwachsenen!

Puffin, 76 Seiten
Taschenbuch
ISBN: 978-0-14-241039-4

Dienstag, 10. April 2012

Agatha Raisin and the Walkers of Dembley















Autorin: M. C. Beaton
Original: Agatha Raisin and the Walkers of Dembley (1994)
meine Bewertung: 4 von 5
Band 4 der Agatha-Raisin-Serie

Wieder einmal kehrt Agatha Raisin, die PR-Göttin in Frühpension, nach längerer Abwesenheit in ihr geliebtes Dörfchen Carsely in den Cotswolds zurück. Viel hat sich während ihrer Abwesenheit eigentlich dieses Mal nicht getan, außer, dass ihr Nachbar und gleichzeitig Obekt ihrer Begierde sowie Detektiv-Partner, eine Wandergruppe gegründet hat. Die Carsely Walkers  marschieren Samstags aus und erkunden ihre Umgbund zu  Fuß. Keine Frage, natürlich muss Agatha auch da die Nase mit dabei haben.
Sie ist noch gar nicht so lange zurück im Dorf, als auch schon wieder etwas passiert. Dieses Mal im gar nicht so weit entfernten Dembley. Die Leiterin der dortigen Wandergruppe wurde ermordet auf einem Feld aufgefunden. Deborah  Camden, ein Mitglied der Gruppe, hat von den Fähigkeiten Agathas und James gehört, weshalb sie sich hilfesuchend an die beiden wenden. Diese sollen für sie herausfinden, wer die junge Jessica Tarnick ermordet hat. Unter Tatverdacht steht nämlich Deborahs Angebeteter, Sir Charles. 
Agatha und James quartieren sich in Dembley ein, Sir Charles stellt ihnen eine Wohnung zur Verfügung, in der die beiden als Mr und Mrs James Lacey wohnen. Sie treten den Dembley Walkers bei und versuchen, herauszufinden, wer sich Jessicas entledigt haben könnte. Eine nicht allzu leichte Aufgabe, denn Jessica war wohl keine einfache Person.
Agatha genießt die Zeit, sie fühlt sich wie die echte Mrs Lacey und ist immer wieder aufs Neue enttäuscht, als ihr klar wird, dass James ihr in Wahrheit immer mehr aus dem Weg geht. Erst als sie ihn für immer abschreibt, geschieht das Unglaubliche...
Die Bücher rund um Agatha Raisin und James Lacey sind einfach herzig. Zwar kommt ihnen in diesem Band der Zufall auch mehr zu Hilfe als ihre einzigartige Kombinationsgabe, dennoch sind die Bücher wirklich nett und nie langweilig. Man muss diese Art von Krimis mögen - also fast keine Action, wenig Blut, eher wenig Rafinesse, dafür viel Lokalkolorit, nette Charaktere - aber wenn man sie mag, liebt man M. C. Beaton.

Constable & Robinson
Paperback, 220 Seiten
ISBN 978-1-84901-137-2


Agatha Raisin and the Potted Gardener















Autorin: M. C. Beaton
Original: Agatha Raisin and the Potted Gardener (1994)
meine Bewertung: 3 von 5
Band 3 der Agatha Raisin-Serie

Einige Monate sind ins Land gezogen, seit Agatha Raisin ihr kleines Häuschen in den Cotswolds verlassen hat, um Urlaub zu machen. Zwar hat sie sich fernab des Dörfchens Carsely nicht besonders wohl gefühlt, sie hat ihre Katzen und Freunde in Carsely vermisst. Sie ist voll Vorfreude, besonders auf ihren Junggesellen-Nachbarn James Lacey freut sie sich. 
Es tut ihr umso mehr weh, als sie mitbekommt, dass in der Zwischenzeit die mondäne Mary ins Dorf gekommen ist. Diese ist eine passionierte Gärtnerin, genauso wie James, auf den Agatha ja sehr abfährt. Schnell kommt ihr jedoch zu Ohren, dass in der Zeit, in der sie selbst auf Urlaub war, James kein Kind von Traurigkeit war und mit Mary noch viel mehr geteilt hat als nur die Vorliebe für Grünpflanzen. Die hübsche und schlanke Mary ist Agatha ein Dorn im Auge, aber dennoch befreunden sie sich ein bisschen.
Als James und Agatha jedoch eines Tages Mary besuchen möchten, finden sie diese in ihrem Glashaus. Jemand hat sie an den Knöcheln aufgehängt und mit dem Kopf voran in einen Topf gepflanzt. Bill Wong, der örtliche Polizeichef, ist natürlich gleich vor Ort und warnt die beiden Hobby-Detektive davor, wieder einmal ihre Nase in die Arbeit der Polizei zu stecken. Es wären aber nicht James und Agatha, würden sie diesen Rat auch befolgen. Mit gefährlichen Folgen...
Band 3 der Serie steht den beiden Vorgängern um nichts nach. Es ist mal wieder ein gemütlicher Krimi, durchaus interessant, aber vor allem auch amüsant. Agathas Bemühungen, James näher zu kommen, haben mal wieder genau die umgekehrte Wirkung, aber sie gibt nicht auf. Und auch dieses Mal möchte sie sich durch eine schier haarsträubende Aktion in das Herz der Dorfbewohner schummeln - ohne mitzubekommen, dass diese sie schon längst akzeptiert haben und sie gerne haben. 
Keine Ahnung, warum die Serie mich so süchtig macht, wahrscheinlich ist es die Kombination aus idyllischem Dorf und regelmäßigen Morden, gewürzt mit einer fast aussichtslosen Liebesgeschichte.

Constable & Robsinson
Paperback, 220 Seiten
ISBN 978-1-84901-136-5