Samstag, 7. Oktober 2006

Der Rabbi



Autor: Noah Gordon
Original: The Rabbi (1965)
meine Bewertung: 3 von 5

Dieses Werk von Noah Gordon erzählt die Geschichte von Michael Kind, einem jüdischen Rabbi. Wie gewohnt, springt die Erzählung in der Zeit hin und her. Man beginnt seine Zeitreise in der Gegenwart, bzw. in den 1960er Jahren - die Zeit, in der das Buch entstand. Michael Kind ist bereits Rabbi, allerdings lasten persönliche Probleme zur Zeit schwer auf seiner Seele. Seine Frau Leslie befindet sich seit einiger Zeit im Krankenhaus, weil sie in tiefste Depressionen verfallen ist. Rabbi Kind fühlt sich einsam, außerdem fehlt die Mutter auch den beiden Kindern Max und Rachel.

Gerade zu dieser Zeit kommt die Einladung zum Klassentreffen seines College-Abschlussjahrganges. Er wird darin gebeten, kurz über sein Leben zu berichten. Michael setzt sich also hin und beginnt zu schreiben. Er beginnt dabei mit seiner Kindheit, die geprägt von seinem Großvater ist. Der kleine Junge verehrt den streng gläubigen Juden und verbringt viel Zeit mit ihm, da der alte Mann bei seiner Familie wohnt. Allerdings gibt es seinetwegen immer Streit. Michaels Mutter ist zwar Jüdin, allerdings nicht orthodox. Dem Großvater ist dies ein Dorn im Auge - was schließlich dazu führt, dass ihn Michaels Eltern ins Altersheim umsiedeln und ihm so seinen geliebten Großvater nehmen.

Als Michael Physik zu studieren beginnt, sieht er seinen Großvater immer seltener, auch seine Familie. Er geht weg, um als Küchenhilfe zu arbeiten, lernt dort ein Mädchen kennen, erfährt dann vom Tod des Großvaters und geht wieder zurück zu seiner Familie. Michael, der schon längst bemerkt hat, dass das Studium der Physik nicht das ist, was ihn ausfüllt, steht vor der schwierigen Situation, seinen Eltern klar zu machen, dass er Rabbi werden möchte. Was er auch wird.

Das Erwachsenenleben von Rabbi Kind gestaltet sich kompliziert. Die Welt ist antisemitischer als je zuvor eingestellt, er wird außerdem als Wanderprediger durch die Staaten geschickt, um abgelegene Dörfer zu besuchen und als seelischer Beistand zu fungieren. Auf einer dieser Touren lernt er ein katholisches Mädchen kennen - die Tochter eines Pfarrers. Fatalerweise verliebt er sich in dieses Mädchen, wissend, dass sein Großvater sich im Grabe umdrehen würde, wüsste er von Michaels Verhältnis mit einer schiksse...

Auch dieses Werk von Noah Gordon widmet sich dem Judentum, zeigt die Probleme der jüdisch-gläubigen Menschen auf, die sich einer immer feindseliger werdenden Welt gegenübersehen und übt nicht zu geringe Gesellschaftskritik. Gordon versteht es außerdem wie kein anderer, Einblick in eine so komplexe und alte Religion zu geben. Erzählerisch ist die Geschichte makellos, auch die Charaktere der Personen sind dreidimensionale Akteure, nicht nur Namen. Leider liegt die Schwäche dieses Werkes für mich in der Handlung selbst. Es mangelt ihr an jeder Spannung, jeder Überraschung. Es ist ein Buch, von dem leider nicht besonders viel übrig bleibt, sobald man erst einmal die letzte Seite umgeblättert hat.

Anders als in anderen Büchern von Noah Gordon hat man außerdem darauf verzichtet, ein Glossar mit der Erklärung der wichtigsten jiddischen Ausdrucke und Feste anzuhängen. Dies ist schade, denn als Christ, Moslem, Buddhist etc. kann man sich in der Regel zwar unter Begriffen wie Chanukka oder Jom Kippur aus Schulzeiten noch etwas vorstellen, anders verhält es sich allerdings mit ganzen Gebeten oder Redwendungen. An Werke wie "Der Medicus" oder "Der Diamant des Salomon" kann "Der Rabbi" also nicht herannreichen, trotzdem ist es keine Zeitverschwendung, auch dieses Buch von Gordon zu lesen.




  • Taschenbuch: 541 Seiten
  • Verlag: Goldmann (November 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442448425
  • ISBN-13: 978-3442448425
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