Montag, 28. Mai 2012

Agatha Raisin and the Terrible Tourist














Autorin: M. C. Beaton
Original: Agatha Raisin and the Terrible Tourist (1997)
meine Bewertung: 3 von 5
Teil 6 der Agatha Raisin-Serie 


James Lacey hat sich nach Zypern abgesetzt, um sich dort von den Strapazen der letzten Zeit (siehe Band 5) zu erholen. Er hat dabei die Rechnung natürlich ohne seine Nachbarin, Agatha Raisin, gemacht. Diese beschließt, das beschauliche Carsely in den Cotswolds ebenfalls zu verlassen und Zypern auch einen Besuch abzustatten. Eigentlich hat sie vor, James zu suchen und mit ihm wieder ins Reine zu kommen, aber wie immer kommt es anders, als Agatha es gerne hätte.
Die Suche nach James ist etwas schwierig, dafür stößt sie auf zwei Reisegruppen, die sich zusammen tun, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Zum einen sind da Rose, Trevor und Angus. Rose, etwas ordinär, aber schön und Trevor sind verheiratet, der Schotte Angus ist ein Freund der beiden und mit ihnen nach Zypern gekommen. Außerdem sind da zum anderen Olivia, Harry und George, die einer gänzlich anderen Klasse angehören. Man hat sich auf einem Bootsausflug kennen gelernt und angefreundet. Auch Agatha wird schnell in die illustre Runde aufgenommen.
Natürlich dauert es nicht lang, bis ein Mord passiert. Hobby Detektiven Agatha Raisin ist in ihrem Element und beginnt mit ihren Schnüffeleien. Bald taucht auch James wieder auf - und Sir Charles, der zwar ein komischer Kautz ist, aber Agatha sehr schätzt. Neben ihrer privaten Sorgen und Verwicklungen muss sich Agatha auch mit dem Gedanken anfreunden, dass sie einem Mörder auf der Spur ist - schließlich geschehen zwei Anschläge auf ihr Leben. Dass schließlich James verschwindet und Agathas Herz erneut bricht, ist nur das Tüpfelchen auf dem i. Ob sie aus diesem Schlamassel wieder rauskommt?
Die Serie um Agatha Raisin besticht durch eine Heldin, die so gar nicht liebenswert ist (anfangs) und in jedes soziale Fettnäpfchen tritt, das es gibt. Außerdem ist sie ziemlich bemitleidenswert in ihrer Jagd auf James - aber dennoch schließt man sie irgendwie ins Herz und verflucht James. Da die Bücher aufeinander Bezug nehmen und sich die Figuren weiter entwicklen, ist es wichtig, die Bände der Reihe nach zu lesen, um in den maximalen cozy mystery Genuss zu kommen.
Denn genau das sind die Bücher. Sie sind nicht actionreich, der Plot der Krimihandlung ist zwar gut, aber nicht überragend, dafür sind die Bücher Sozialstudien von kleinen Dörfern, in der Tradition von Agatha Christie gehalten und witzig. Man lernt die Dorfbewohner kennen und mögen und will immer wieder ins gemütliche Carsely zurückkommen.

Constable & Robinson,
292 Seiten, Paperback
ISBN: 978-1-84901-139-6


Dienstag, 22. Mai 2012

Das Tier-ABC















Autor: Paul Maar
Illustration: Tina Schulte
Original: Das Tier-ABC (2004), Aufl. 2010
meine Bewertung: 5 von 5

Bilder- und Lese-Lern-Bücher haben leider immer noch dne Ruf, keine Literatur zu sein, sie werden abgetan und nicht besonders beachtet. Allerdings sind gerade das jene Bücher, die für die Lesesozialisation eine große Bedeutung haben, gleichzeitig von der Form her außerdem besondere Ansprüche an die Autoren und Illustratoren stellen. Auf begrenztem Platzangebot muss ein Buch geschaffen werden, das unterhält, den Lesehorizont des Lesers nicht überschreitet, die Illustrationen müssen ansprechen und auch der pädagogische Anspruch ist nicht zu unterschätzen.
Paul Maars "Das Tier-ABC" ist ein Lese-Lern-Buch, das all diese Ansprüche formidabel erfüllt und dabei auch noch witzig ist - selbst der erwachsene Leser findet daran seinen Spaß. In Versform ermöglicht Maar zu jedem Buchstaben einem Tier, aufzutreten. In insgesamt 26 Szenen werden kuriose Begebenheiten aus dem Leben von Auerhahn bis Zebra erzählt und mit Bildern illustriert.
Das Alphabet gibt dabei den Rahmen und die Reihenfolge der Verse vor. Jedem der dreiteiligen Verse ist eine ganze Seite gewidmet, die Verse sind kumulierend aufgebaut und mit drei Bildern, die sich ebenfalls steigern, illustriert.
Das Buch eignet sich wunderbar zum Vorlesen und für die ersten Schritte zum Selberlesen, außerdem kann man damit wirklich gut weiterarbeiten. Mein Lieblingsvers daraus:

"Die Fledermaus,
die Fledermaus,
zieht sich abends ihre Fledern aus."


Hardcover
Oetinger Verlag, 50 Seiten
ISBN: 978-3-7891-1197-6

Samstag, 19. Mai 2012

Seriously... I'm kidding















Autorin: Ellen Degeneres
Original: Seriously... I'm kidding (2012)
meine Bewertung: 5 von 5

Ellen Degeneres, Autorin, Comedian, Talkshow-Host und Oscar-Moderatorin, hat mit "Seriously, I'm kidding" bereits das dritte Buch vorgelegt und beweist damit, dass es tatsächlich Menschen gibt, die nicht nur in einem Job gut sind, sondern manche wahre Multitalente sind. Das Buch selbst ist eine Mischkulanz aus mehreren Genres und eigentlich genauso facettenreich wie seine Autorin. Es gibt Kapitel, die nur für Erwachsene sind, es gibt Lebensweisheiten, Tagebucheinträge, Politisches und Biografisches.
Das Buch ist dabei genau so, wie man Ellen aus ihrer Talkshow kennt: Oft schweifen die Gedanken ein wenig ins Absurde, sie sagt viel und scheint kaum Atem zu holen - aber es ist sympathisch und sehr, sehr lustig. Es geschieht viel zu selten, dass man beim Lesen wirklich laut auflachen muss - "Seriously, I'm kidding..." ist eine wohltuende Ausnahme und wirklich lesenswert!
Noch nicht überzeugt? Dann will ich mal einen Teil des Klappentextes zitieren - Ellen meint, der Platz am Buchrücken sollte eigentlich nicht dazu dienen, das Buch zu preisen, sondern den Leser: "I love the way you're holding this book. It's like you were born to buy it and hold it forever." oder "That is a beautyful blouse you're wearing. It goes so nicely with this book." What else can I say?

Hachette Book Group
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN 978-1-0869-3

Sonntag, 13. Mai 2012

Agatha Raisin and the Murderous Marriage
















Autorin: M. C. Beaton
Original: Agatha Raisin and the Murderous Marriage (1996)
meine Bewertung: 4 von 5
Teil 5 der Agatha Raisin-Serie

Die pensionierte PR-Lady Agatha Raisin hat es sich in den Cotswolds nun schon recht gemütlich gemacht. Sie hat ihren Angebeteten James Lacey herumgekriegt und ist bereits in dessen Cottage gezogen. Die Hochzeit steht kurz bevor. Mit Hilfe ihrer Trauzeugin Mrs. Bloxby schmeißt sich Agatha in Schale und fährt zum Standesamt, wo bereits James auf sie wartet. Von einem Traum, der sich erfüllt, ist jedoch keine Spur.
Kurz vor der Eheschließung taucht nämlich Jimmy Raisin auf. Jener Mann, mit dem Agatha vor fast einer Ewigkeit verheiratet war. Sie hatte sich nie die Mühe gemacht, sich von ihm scheiden zu lassen, sie hatte angenommen, der Schweralkoholiker hätte sich längst zu Tode getrunken.
Die Hochzeit kann natürlich nicht stattfinden, Lacey ist zutiefst beschämt und Agatha wütend. Dennoch muss sie bei ihm wohnen, bis sie etwas Neues gefunden hat. Agathas Cottage wurde von einer gewissen Mrs. Hardy gekauft, dahin kann Agatha also nicht zurück. Die Stimmung ist gereizt.
Schon bald nimmt sich jemand allerdings des Problems Jimmy Raisin an - er wird stranguliert aufgefunden. Selbstverständlich hätte Agatha jeden Grund zu dieser Tat, sie ist daher auch die Verdächtige Nummer Eins (wieder einmal). Das kann sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen, weshalb Agatha mit Nachforschungen beginnt. James ist natürlich auch wieder mit von der Partie, auch wenn er die Enttäuschung über Agathas versuchte Bigamie kaum zu verbergen mag.
Der fünfte Band der Serie steht den Vorgängern in nichts nach. Auch hier schafft es Agatha immer wieder, sich von einem Fettnäpfchen ins andere zu manövrieren, sie ist aber in ihrem Vorgehen schon ein bisschen dörflich-sozialer geworden und hat ein wenig ihrer rüden Art abgelegt. Sie wird einem langsam immer sympathischer, ebenso wie der Polizist Bill Wong, der James und Agatha vergeblich davor warnt, sich einzumischen.

Es sind wirkliche Cozy-Mysteries mit einer netten Handlung in wunderbarer Kulisse und einigen Originalen, was die Charaktere-Ausstattung betrifft. Für mich einfach immer wieder eine Lektüre wert, weil besonders die Entwicklung der Protagonisten so spannend ist.

Constable & Robinson
Paperback, 280 Seiten
ISBN 978-1-84901-138-9

Samstag, 12. Mai 2012

Fox in Socks
















Autor: Dr. Seuss
Original: Fox in Socks (1957)
meine Bewertung: 4 von 5

Fox und Knox sind zwei Freunde, die ausprobieren, was man mit Socken, Kisten, Bausteinen, Weckern und anderen Freunden so alles anstellen kann. Anfangs sind diese Übungen noch ganz einfach: "Fox in Socks in Box on Fox" aber zum Ende hin steigern sich die beiden und es wird ein erbitterter Kampf aus dem Spiel, so lange, bis es Knox reicht und er Fox in eine Flasche sperrt:

"When a fox is
in the bottle where
the tweetle beetles battle
with their paddles
in a puddle on a
noodle-eating poodle,
this is what they call:
a tweetle beetle
noodle poodle bottled
paddled muddled duddled
fuddled wouddled
fox i socks, sir!"

Der Macher von "How the Grinch stole Christmas"  hat sich ganz der Kinderlektüre verschrieben. Die Bücher aus seiner Feder sind in englischsprachigen Kinderzimmern längst schon Pflichtlektüre. Das Spiel mit Worten, lustigen Bildern und absurden Reimen macht Spaß und sogar Lust darauf, Teile auswendig zu lernen. Einfach lustig und lustig einfach aber nie anspruchslos!

Harper Collins,
Paperback, 64 Seiten
ISBN:  9780007158478

Freitag, 11. Mai 2012

Der Tod fährt Riesenrad



Autorin: Edith Kneifl
Original: Der Tod fährt Riesenrad (2012)
meine Bewertung: 5 von 5

Wien im Jahr 1897. Es ist das Jahr, in dem das Riesenrad im Wiener Prater, jenem Ort, an dem sich immer schon die Klassen vermischt haben, eröffnet wird. Die bessere Gesellschaft vergnügt sich im "Venedig im Wien", dem ersten Themenpark der Welt, während sich Zigeuner und einfaches Volk in den Praterauen und Wirtshäusern tummeln. Man winkt jedem Tag dem Kaiser zu, wenn er in seiner Kutsche von Schönbrunn über die Mariahilfer Straße in die Hofburg fährt, die bessere Gesellschaft bewegt sich in Fiakern fort und es ist in Mode, zu diesem neuen Nervenarzt, Dr. Freud, zu gehen.
Der Protagonist des Buches, Gustav von Karoly, seines Zeichens Privatdetektiv, wird in jenen Tagen von Margarete von Leiden beauftragt, ihre 15-jährige Tochter Leonie zu suchen. Diese ist zwar schön öfter ausgerissen, aber so lange wie dieses Mal war sie noch nie verschwunden. Gustav nimmt den Auftrag nicht nur des vielen Geldes wegen an, das ihm seine adelige Auftraggeberin verspricht, sondern auch, weil er sich unsterblich in die Dame verliebt hat.

Gustavs Ermittlungen führen ihn immer wieder in den Prater, genauer: zu den Zigeunern, die dort ihr Lager aufgeschlagen haben. Die gehören zu den Freunden Leonies, auch wenn deren Großvater diesen unschicklichen Umgang gar nicht billigt. Kurz nach Leonies Entführung wird einer ihrer Freunde, ebenfalls Mitglied der illustren Pratergesellschaft, ermordet in einer Gondel des neu eröffneten Riesenrades aufgefunden. Gustav ist sich sicher, dass es einen Zusammenhang geben muss. Doch Gustav stößt immer wieder auf Mauern des Schweigens und muss zwischen den Welten ermitteln. Und dann taucht erneut eine Leiche auf. Ob Gustav Leonie findet, bevor auch ihr etwas passiert?

"Der Tod fährt Riesenrad" ist ein wunderbares Buch. Die Krimi-Handlung an sich ist nicht nervenzerfetzend oder besonders ausgetüftelt, aber dafür ist die Rahmenhandlung sympathisch, sehr wienerisch und entführt einen in vergangene Zeiten. Besonders, wenn man Wien kennt, wird man seine wahre Freude an dem Buch haben - und wenn man Wien nicht kennt, so bekommt man spätestens nach der Lektüre Lust drauf, die Stadt zu besuchen. Nicht nur geografische Gegebenheiten und historische Geschehnisse hat Kneifl korrekt wiedergegeben, sie hat auch einen Teil der Wiener Seele eingefangen.

Haymon Verlag
Taschenbuch, 238 Seiten
ISBN 978-3-85218-878-2

Sonntag, 6. Mai 2012

Fantastic Mr Fox















Autor: Roald Dahl
Illustrationen: Quentin Blake
Original: Fantastic Mr Fox (1970)
meine Bewertung: 3 von 5


In einem Tal leben drei reiche Bauern: Bunce, Bean und Boggis. Boggis ist Hühnerzüchter und isst zu jeder Mahlzeit drei gebratene Hühner, Bunce züchtet Enten und Gänse und verspeist auch genug davon, während Bean Truthähne hält und sich selbst nur von Cider ernährt. Die Farmer sind allesamt ekelhaft und gemein. Als sie daher bemerken, dass sich Mr Fox, der Vater einer dreiköpfigen Fuchsfamilie und liebender Ehemann, hin und wieder aus ihren Ställen bedient. Mr Fox kommt zugute, dass er eine ausgezeichnete Nase hat, so riecht er schon von weitem, ob sich einer der stinkenden Bauern nähert.
Als sich die drei Bauern allerdings zusammenschließen und Mr Fox direkt vor seiner Höhle auflauern, wird es brenzlig. Der Wind weht in die andere Richtung, also riecht Mr Fox Bunce, Bean und Boggis nicht. Die schießen auf ihn, erwischen ihn aber nicht. Nachdem sich Mr Fox wieder in die Höhle zu seiner Frau und zu seinen Kindern zurückgezogen hat, müssen sie um ihr Leben graben, denn die Bauern  geben nicht auf. Sie wollen die Familie ausgraben. Wieder wird es brenzlig, aber Mr Fox wäre nicht der fantastische Mr Fox, fiele ihm nicht auch da eine Lösung ein - eine Lösung, die nebenbei zu einem lustigen Festmahl führt, an dem auch die Familie Dachs, Hase und Wiesel teilnehmen.
Das Buch ist so, wie man es von Roald Dahl gewohnt ist. Die Bösewichte sind klar zu erkennen, schließlich handeln sie nicht nur gemein, sondern sind auch äußerlich alles andere als nett. Sie stinken und haben seltsame Figuren, außerdem handeln sie egoistisch und schießen sozusagen mit Kanonen auf Spatzen. 
Der Leser freut sich mit den Tieren und drückt ihnen die Daumen. Als Vegetarierin und Tierliebhaberin war mir anfangs allerdings nicht ganz klar, wie es zu erklären ist, dass die einen Tiere die Guten sind (Fuchs, Hase, Wiesel, Dachs) und man auf die anderen (Hühner, Truthähne, Enten, Gäse) getrost verzichten kann. Ein bisschen gestört hat mich das schon, denn schließlich sind auch diese Tiere welche mit Gefühl, mit Kindern und Eltern. Ganz schöne Klassengesellschaft. Aber - und das fiel mir zum Glück noch rechtzeitig ein ;) - das ist die Natur. Fuchs, Wiesel und Dachs haben das Recht, das Flattergetier zu fressen, die Nahrungskette sieht es schließlich so vor.
"Fantastic Mr Fox" ist für Kinder gedacht, die selbst schon lesen können oder es vorgelesen bekommen, es ist eine durchgehende Geschichte mit rund 80 Seiten und vielen Illustrationen.

Puffin Books
Paperback, 82 Seiten
ISBN: 978-0-141-32265-0