Mittwoch, 20. Juni 2012

Letzter Gipfel















Autor: Herbert Dutzler
Original: Letzter Gipfel (2012)
meine Bewertung: 2 von 5

Das eigentlich recht beschauliche Leben des Altausseer Polizisten Franz Gasperlmaier und dessen Vorgesetzten Friedrich Kahlß findet ein jähes Ende, als sie an einem regnerischen und ungemütlichen Oktobertag auf den Loser rauf müssen. Jemand hat in der dortigen Hütte den Absturz einer Frau gemeldet, jedoch ohne sich vorzustellen oder Hinweise auf die Absturzstelle zu geben. Während Gasperlmaier und Kahlß damit beschäftigt sind, die Hüttenwirte zu befragen, macht sich die Bergrettung daran, die abgestürzte Frau zu suchen. Was sie schon nach kurzer Zeit zutage fördern lässt Gasperlmaier das Blut in den Adern gefrieren und die Schwarzbeernocken im Magen rumoren: es wird nicht nur eine kürzlich abgestürzte Tote gefunden, sondern auch die Leiche einer Frau, die bereits seit ungefähr einem Jahr unentdeckt geblieben war.
Da diese Sache um eine Nummer zu groß für die beiden Polizisten ist, müssen die Kriminaler her - in diesem Fall die resolute und nicht unhübsche Frau Dr. Kohlross, mit der Gasperlmaier bereits früher zu tun hatte. Gasperlmaier wird der Frau Doktor als Berater und Ermittler an die Seite gestellt, sehr zur Freude Gasperlmaiers. Die beiden beginnen mit ihren Ermittlungen und stoßen schon bald auf Gemeinsamkeiten der beiden Toten. Einen Mord, einen Selbstmord und einen Mordanschlag später sind die beiden dem/der TäterIn bereits gefährlich nahe gekommen...
"Letzter Gipfel" hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck bei mir. Als Fan der Kluftinger-Serie entdeckt man viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden verschrobenen Polizisten. Beide sind ihrer Frau treu und liebend ergeben, treffen im Zuge ihrer Ermittlungen auf ihre Kinder, sind vom Charakter her eher technologiekritisch, ungeschickt, traditionsbehaftet und ein wenig weltfremd, Kasspatzen bestreiten hier wie dort einen Großteil des Nahrungsangebots, haben eine etwas seltsame Phobie ihrem Vornamen gegenüber und werden mit sehr kompetenten Frauen zusammengespannt. Natürlich, hier spielt sich die Szenerie in Altaussee ab, dort im Allgäu. Bis auf den Namen des Berges ist der Schauplatz Dutzlers Buches allerdings austauschbar, gerade das so beliebte Lokalkolorit von Regionalkrimis fehlt gänzlich. 
Die Personen, selbst Gasperlmaier, bleiben leider ein wenig eindimensional, was vielleicht aber daran liegt, dass es einen Vorgänger-Band gibt, den ich nicht kenne. Man spart sich viele Beschreibungen der Hauptpersonen, dennoch wird aber dauernd im Zusammenhang mit der lästigen Reporterin, die überall auftaucht, auf frühere Ereignisse angespielt. Diese haben keinen wie auch immer gearteten Einfluss auf die Story, weshalb eine einmalige Erwähnung gereicht hätte. Einige Ungenauigkeiten im Lekorat (der Plural von Cappuccino ist in Österreich nunmal Cappuccinos, es macht einen Unterschied, ob man Sie oder sie schreibt, zB) kommen auch vor, sind aber im Rahmen des Vertretbaren; häufiger sind jedoch stilistische Schwächen mit Wortwiederholungen, die wirklich nicht sein müssten.
Eher schwach gestaltet sich der gesamte Plot, warum am Ende dann plötzlich eine regelrechte Versammlung am Loser stattfindet, bleibt beispielsweise völlig ungeklärt. Die Lektüre an sich ist zwar nicht langweilig, aber auch das Gegenteil von brilliant, meiner Meinung nach. Wer wirklich tolle Regionalkrimis sucht, sollte es mit Polt, Brenner oder Kluftinger versuchen. Etwas ungewöhnlicher, aber umso lesenswerter ist außerdem die Geschichte rund um Gustav von Karoly.

Haymon Verlag
Taschenbuch, 360 Seiten
ISBN: 978-3-85218-916-1

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen