Freitag, 13. Juli 2012

Menschen unterwegs















Autor: John Steinbeck
Original: The Wayward Bus (1963)
Übersetzung: Rose Richter


Fährt man von San Ysidro zweiundvierzig Kilometer auf der Landstraße Richtung San Franzisko, so stößt man auf den berühmten Rebellenwinkel. Es handelt sich dabei um eine Raststätte, die sich besonders hübsch in die Landschaft schmiegt. Wunderschöne Bäume und solides Essen machen Rebels Corner zu einem beliebten Halt für Reisende.
Geführt wird die Raststätte, die außerdem als Tankstelle und Werkstatt sowie Bushaltestelle benutzt wird, vom mexikanischstämmigen Juan Chicoy und dessen Frau Alice, außerdem sind noch Kit "Pimples" Carson als Lehrjunge und Norma als Kellnerin. Eine weitere Besonderheit ist "Sweetheart", der Bus, mit dem Juan regelmäßig Passagiere kutschiert.
Die Geschichte beginnt, als eine Gruppe Reisender in Rebels Corner feststeckt, weil Sweetheart ein kleines technisches Gebrechen hat und erst noch repariert werden muss. Die Stammbesetzung der Raststätte hat die Nacht im Lunchraum verbracht, damit die Busgäste eine bequeme Nacht verbringen können. Die Reisenden versammeln sich am nächsten Morgen zum Frühstück und brechen dann auch auf. Allerdings hat es tagelang geregnet, weshalb die Straßen schlecht sind und die Brücke, die Juan mit Sweetheart überqueren muss, stark unterspült. Die Gäste beschließen demokratisch, eine andere, ebenso unwegsame Route zu nehmen. Ob das gut geht?
Die Gäste sind nämlich denkbar unterschiedlich, außerdem bringt die wunderschöne und geheimnisvolle Camille eine extreme Unruhe in die Partie. Die Männer verzehren sich nach ihr, während die Frauen in ihr große Konkurrenz sehen und sie deshalb gern aus dem Weg wüssten...
Steinbeck erzählt mit unglaublicher Detailgetreue eine Momentaufnahme aus dem Leben zahlreicher Menschen, die das Schicksal für eine kurze Zeit zusammengeführt hat. Er fängt die Stimmung des Amerika der 50er Jahre perfekt ein, schafft sympathische und eher nicht so liebenswerte Charaktere, begleitet diese ein Stück ihres Weges, um dann seinen Blick wieder von ihnen abzuwenden. Jede seiner Geschichten hätte das Potential, ein dicker Schmöker zu werden, doch Steinbeck begnügt sich mit den kurzen Augenblicken, die er mit seinen Figuren verbringen darf. 
Ich mag Steinbecks Romane sehr, auch diesen kann ich wirklich empfehlen. Ruhig, unaufgeregt und dennoch in einer gewissen Art und Weise spannend - so präsentiert sich "The Wayward Bus".


Fackel-Verlag, Sonderausgabe Buchklub
Hardcover
330 Seiten

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