Mittwoch, 21. November 2012

Verteidigung der Missionarsstellung



Autor: Wolf Haas 
Original: Verteidigung der Missionarsstellung (2012) 
meine Bewertung: 4 von 5 

Noch nie ist es mir zu einem Buch so schwer gefallen, eine Inhaltsangabe zu schreiben, wie zu diesem. "Verteidigung der Missionarsstellung" schafft es nämlich, sich auf wenigen Seiten mit so vielen Ebenen des menschlichen Daseins und vor allem: des Sich-Verliebens zu befassen, wie sonst kein anderes. Protagonist der Geschichte ist Benjamin Lee Baumgartner, ein junger Mann, der davon erzält, wie er sich immer wieder verliebt und gleichzeitig mit einer Seuche infiziert. War es zuerst BSE, folgten schließlich die Vogelseuche und die Schweinegrippe. Benjamin Lee begenet im Laufe seines Lebens nicht nur schönen Frauen, sondern auch einem gewissen Autor, dem er sein Leben erzählt und macht sich nebenher auf die Suche nach seinen Wurzeln; schließlich ist er das Resultat einer Verbindung aus seiner Mutter und einem Indianer. Was er auf dieser Suche findet, ist vor allem Einsicht...
Haas hat einen Roman geliefert, der so Vieles sein kann, so Vieles sein will und dabei fransig bleibt wie ein Shettie-Pony. Man hat das Gefühl, der Roman an sich würde hinter seine Form zurück treten. Haas experimentiert mit der Sprache wie der Namensvater seines Protagonisten Benjamin Lee (Whorf), der davon ausging, dass nicht nur die Sprache an sich, sondern auch die Form der Sprache unser Denken beeinlusse. Seitenweise liest man daher Sätze auf Chinesisch, verschwindend kleine Buchstaben und Sätze, die sich wie Spiralen über die Seiten ziehen. 
Nett, aber nicht neu. Jonathan Safran Foer und im deutschsprachigen Raum auch Walter Moers experimentieren schon lange auf diese Art mit der Sprache. Und trotzdem: Haas, der vielgelobte Verbalakrobatiker, schafft es dennoch, etwas Neues zu erschaffen. Der Phantasie des Lesers bleibt viel Freiraum, die Geschichte ist nicht abgeschlossen und lädt dazu ein, gedanklich fortgeführt zu werden.
Als Fazit kann man sagen: keine leichte Kost, aber einen Versuch wert. Zwar erkennt man Haas in seinen Sprachbildern wieder, vermisst aber eventuell die abgeschlossene Handlung. Also einfach darauf einlassen und abwarten, was das Buch mit einem macht.

  • Gebundene Ausgabe: 238 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (30. August 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455404189
  • ISBN-13: 978-3455404180

Samstag, 17. November 2012

Der Club der toten Dichter



Autorin: Nancy H. Kleinbaum
Original: Death Poets Society (1990)
meine Bewertung: 1 von 5


Die Jungs vom Welton Internat haben einen neuen Englisch-Lehrer bekommen: Mr. Keating. Dieser ist im Gegensatz zu seinen antiquierten Vorgängern und Kollegen ein aufgeschlossener Pädagoge, dem wichtig ist, dass die Schüler ihre eigenen Meinungen, Gedanken und Persönlichkeiten entwickeln. Durch sein Einfühlungsvermögen und seine ungewöhnlichen Unterrichtsmethoden wird Keating schnell zum Liebling seiner Schüler - und zum Feind seiner Kollegen.
Auf einen Hinweis Keatings hin gründen Todd Anderson und seine Kameraden einen "Club der toten Dichter", dessen Mitglieder sich in unregelmäßigen Abständen treffen, um sich Gedichte vorzulesen und selbst welche zu schreiben. Die Mitglieder, ihr Leben lang nur Anwärter, entdecken nach und nach ihre Persönlichkeiten, setzen sich mit Problemen auseinander und wachsen an ihnen - zumindest die meisten.
Einer der Anwärter zerbricht an seinen Problemen, die vor allem das Elternhaus verursacht hat, und nimmt sich das Leben. Im jungen und unkonventionellen Pädagogen Keating wird schnell ein Sündenbock gefunden.
Kleinbaum hat das schmale Bändchen als Buch nach dem gleichnamigen Disneyfilm geschaffen, es handelt sich daher nicht um eine genuine Idee der Autorin. Dennoch hätte diese zumindest versuchen können, dem Film auf irgendeine Art und Weise gerecht zu werden. Es handelt sich um eine lieblose Nacherzählung eines wirklich grandiosen Films mit einem legendären Robbin Williams in der Hauptrolle des Käpt'n, mein Käpt'n. Auslassen!
  • Taschenbuch: 160 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Verlag); Auflage: 42 (11. Mai 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 340411566X
  • ISBN-13: 978-3404115662

Donnerstag, 15. November 2012

Der Tod ist ein bleibender Schaden



Autor: Eoin Colfer
Original: Plugged (2011)
Übersetzerin: Conny Lösch
meine Bewertung: 3 von 5

Es ist kein besonders gutes Jahr für den Türsteher Dan McEvoy. Er hat sich gerade auf seinen immer kahler werdenden Schädel Haare transplantieren lassen, die unglaublich jucken. Außerdem ist jene Kellnerin aus seinem Club, in die er verliebt war, ermordet worden. Dan, ehemaliger Soldat, hat eine Idee, wer hinter dem fiesen Mord stecken könnte, weshalb er sich auf die Suche nach jenem schmierigen Anwalt macht, der Connie im Club näher getreten ist, als Connie und Dan lieb gewesen wäre. 
Auf seiner Suche nach Gerechtigkeit kommt dem Mann mit der entzündeten Kopfhaut, der harten Schale und dem weichen Kern dann schließlich auch noch die irische  Mafia in die Quere. Doch auch das ist kein Problem für den toughen und ebenso liebenswerten Danny. Er hinterlässt eine Schneise aus Blut und findet dabei nicht nur Connies wahren Mörder, sondern auch eine Frau, die es schafft, wieder etwas wie Zuneigung in ihm zu wecken.
Mit "Der Tod ist ein bleibender Schaden" verlässt Colfer erfolgreich das Genre der Kinder- und Jugendbücher, um sich einer anderen Art von Held zu versuchen. Danny ist ein typischer "hardboiled" Protagonist: innen zart, außen hart. Wie auch schon in seiner Artemis-Fowl Serie schafft es Colfer, einen Helden zu erschaffen, der trotz aller moralischen Verwerflichkeit wirklich sympathisch ist und von dem man gerne noch mehr lesen möchte.
Natürlich kommt auch der Humor und viel Situationskomik nicht zu kurz; alles in allem hat Colfer mit diesem Roman eine wirklich amüsante und rabenschwarze Dramödie vorgelegt, von der es sich lohnt, sie zu lesen. .

  • Broschiert: 288 Seiten
  • Verlag: List Hardcover (29. Februar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 347135073X
  • ISBN-13: 978-3471350737

Samstag, 3. November 2012

Der Metzger muss nachsitzen




Autor: Thomas Raab
Original: Der Metzger muss nachsitzen (2007)
meine Bewertung: 4 von 5
Band 1 der Metzger-Serie


Die Schulzeit des Restaurators Willibald Adrian Metzger ist nun schon einige Jahrzehnte her. Umso erstaunter ist er, als er eines Dezemberabends am Heimweg über seinen ehemaligen Schulkollegen Felix Dobermann stolpert. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, hat doch jemand den ermordeten Dobermann auf der Hundstrümmerlwiese vor dem Gymnasium abgelegt.
Der Metzger macht sich auf dem Weg zur Polizei, wo er erneut auf einen Ex-Schulkollegen, den Pospischil, trifft. Als die beiden schließlich gemeinsam zurück kommen, ist die Leiche verschwunden. Da der Metzger nicht ganz nüchtern war bei seiner Beobachtung, schenkt ihm Pospischil nur ein müdes Lächeln und den guten Rat, das Trinken sein zu lassen. Doch für den Restaurtor ist die Sache damit nicht erledigt.
Zwar erinnert er sich nicht gern zurück an seine Schulzeit im Gymnasium, weil er dort vom Anfang bis zum Ende nur gepiesackt wurde und eine wahrlich harte Zeit hatte. Sein erbittertster Feind damals war ausgerechnet Felix Dobermann. Der Metzger weint ihm keine Träne nach, doch irgendjemand scheint zu wollen, dass er sich auf die Suche nach dem Mörder seines Feindes macht. 
Seltsame Hinweise tauchen auf, die nur der Metzger erhält. Er findet es also an der Zeit, ein wenig Vergangenheitsbewältigung zu betreiben und zum Klassentreffen zu laden. Die meisten finden sich ein, wider Erwarten wird die Veranstaltung sogar recht nett. Und auf vielen Umwegen gelingt es dem Metzger schließlich nicht nur, einen rätselhaften Mordfall ohne Leiche aufzudecken, sondern auch, sein Herz zu verlieren.
"Der Metzger muss nachsitzen" ist das Debütwerk des österreichischen Autors Thomas Raab. Er hat sich damit die Latte selbst ziemlich hoch gelegt, denn die Figur des Restaurators Willibald Adrian Metzger ist wirklich gelungen. Er ist der Anti-Held, das Kind, das in der Schule gemobbt wurde, ein gesellschaftlicher Außenseiter, der es endlich schafft, in der Gesellschaft anzukommen und dabei auch noch herrlich unaufgeregt einen Mordfall löst. Raab jongliert mit der Sprache, dennoch gleitet er nicht ins Nichtssagende ab. Die Handlung ist zwar nicht spannend oder besonders ausgeklügelt, aber das gerät zur Nebensache. Der Nachfolgerband liegt schon am Must-Read Stapel!

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: rororo (1. Oktober 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499247739
  • ISBN-13: 978-3499247736