Freitag, 7. Dezember 2012

Mord im Gurkenbeet



Autor: Alan Bradley
Original: The Sweetness at the Bottom of the Pie (2010)
meine Bewertung: 5 von 5
Teil 1 von Flavia de Luce


Als wäre Flavia nicht schon genug damit gestraft, die jüngste Schwester der beiden Gewitterziegen Daphne und Ophelia de Luce zu sein, ist sie auch noch damit gestraft, ihre Mutter Harriet schon kurz nach ihrer Geburt verloren zu haben und mit einem eher distanzierten Vater und ihren Schwestern im herrschaftlichen Landsitz Buckshaw leben zu müssen.
Während sich ihr Vater eher für Briefmarken als für alles andere auf der Welt interessiert, haben Ophelia und Daphne ihr Glück in Büchern und der Musik gefunden, Flavia hingegen widmet sich mit großer Leidenschaft der Chemie. Seit sie das alte Labor ihres Vorfahren Tar de Luce auf Buckshaw entdeckt hat, zieht sie sich dorthin oft zurück, um ihre Ruhe zu haben. Nicht einmal die Haushälterin Mrs Mullet oder der Gärtner Dogger stören sie hier droben.
Ansonsten führt Flavia ein eigentlich alltägliches Leben. Bewaffnet mit Zahnspange und Zöpfen stellt sie sich den Herausforderungen ihres noch relativ jungen Leben und ihren beiden Teenager-Schwestern. Eines Tages jedoch verlässt das Leben seine wohlgeordneten Bahnen. Dann nämlich, als Flavia eines Nachts nicht schlafen kann und deshalb im Garten herumstreunt. Zwar ist sie für Action immer zu haben, dass aber ausgerechnet sie inmitten des Gurkenbeets auf einen Sterbenden treffen würde, ist dann doch seltsam. Von kindlicher Neugierde und wissenschaftlichen Entdeckerzwang nähert sie sich dem Mann mit dem feuerroten Haar. Dieser haucht mit dem Wort "Vale!" sein Leben aus. Glücklicherweise kommt auch die treue Seele des Hauses, Dogger, hinzu. Die Polizei wird gerufen und Ermittlungen beginnen.

Inspektor Hewitt, nicht eben begeistert von der Anwesenheit des Kindes, schickt diese weg. Flavia fühlt sich dadurch dazu angesport - nein, sogar herausgefordert - mehr über den unbekannten Toten herauszufinden. Die Polizei kommt schnell zum Schluss, dass nur Colonel de Luce himself der Täter sein hat können, weshalb sie ihn verhaftet und mitnimmt. Flavia, überzeugt von der Unschuld ihres Vaters, beginnt nun ernsthaft mit den Ermittlungen. Sie muss den wahren Schuldigen unbedingt finden und ihren Vater retten.
Ihr messerscharfer Verstand, ihr Mut und ihr Fahrrad spielen in ihren Nachforschungen eine ebenso große Rolle wie ihr Wissen um die chemischen Zusammenhänge der Welt. Obwohl sie in große Gefahr gerät, gelingt ihr letztlich doch das schier Unmögliche.
Dieser Band ist der Auftakt einer mehrteiligen Serie rund um Flavia de Luce. Alan Bradley hat mit ihr eine witzige, sarkastische und heroische Figur geschaffen, die man ins Herz schließt. Naseweis, aber dennoch nicht nervig und vor allem ungewöhnlich ist diese kindliche Heldin, der Krimi spannend, obwohl etwas vorhersehbar für Erwachsene. Besonderen Reiz übt auch das Setting aus: eine dörfliche Idylle mit schrulligen Bewohnern, etwas am Rande der Landsitz und dazu die Nachkriegszeit als Zeitrahmen - besser hätte es die gute alte Agatha (Christie) auch nicht machen können.

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (20. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442376246
  • ISBN-13: 978-3442376247
  • Originaltitel: The Sweetness at the Bottom of the Pie

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