Die Cappuccino-Jahre



Autorin: Sue Townsend
Original: Adrian Mole, The Cappuccino Years (1999)
meine Bewertung: 5 von 5

Adrian Mole ist 30 Jahre alt. Er denkt von sich selbst, ein Intellektueller zu sein, haust in einem Lagerraum über dem Schmuddel-Restaurant "Hoi Polloi", in dem er als Chefkoch, will heißen: Chef-Auftauer von Fertiggerichten, arbeitet. Er verdient nur wenig und versucht sich deshalb als Schriftsteller. Zwei Romane hat er bereits fertiggestellt, nun arbeitet er an einem Radio-Hörspiel. Er wird nicht müde, es an verschieden Verlage zu schicken, auch wenn das Ergebnis meist niederschmetternd ist.

Genauso wenig glücklich entwickeln sich die weiteren Geschehnisse in seinem Leben. Da ist William, sein dreijähriger Sohn, der in Ashby-de-la-Zouch bei seinen Eltern lebt und seinen Vater kaum noch kennt, außerdem hat Adrian dem Geschlechtsverkehr abgeschworen, offiziell, weil sich das für einen Intellektuellen wie ihn nun mal schickt, in Wirklichkeit, weil er seit Ewigkeiten in die Politikerin Pandora Braithwaite verliebt ist und diese aber nichts von ihm wissen will. Er denkt, sein Leben sei vollkommen vorbei, als er aus seinem Zimmer geworfen wird, weil das "Hoi Polloi" geschlossen wird. Er verliert nicht nur Wohnstätte, sondern auch Arbeit.

Dem wackeren Adrian bleibt nichts anderes übrig, als in sein Elternhaus zurück zu kehren. Auch dort ist aber nichts so, wie es eigentlich sein sollte. Seine Eltern und die Braithwaites haben die Partner getauscht - Adrians Vater zieht aus und zu Pandoras Mutter, während Pandoras Vater ebenfalls das eheliche Heim verlässt und ins Haus zu Adrians Mutter zieht. Zwischenzeitlich wird auch noch Adrians fünfzehnjährige Schwester Rosie schwanger und er selbst wird mit einem Zwölfjährigen konfrontiert, dessen möglicher Vater er ist. Eine neue Arbeitstelle findet sich in der Fernsehshow "Alle schreien nach Innereien", doch auch die ist alles andere als das goldene Los. Zum Glück weiß Adrian nicht, dass am Ende des Buchs alles noch viel schlimmer kommt.

"Die Cappuccion Jahre" ist das fünfte der Adrian Mole-Reihe von Sue Townsend, allerdings das erste aus der Reihe, das ich gelesen habe. Man schlägt das Buch auf und ist erstmal enttäuscht, weil man sich durch fünf Seiten Namensregister inklusive kurzer Erklärung zur Person lesen muss. Alle Personen, die je in Adrians Tagebuch vorkommen, werden akribisch aufgezählt, doch was anfangs etwas öde und nervig wirkt, entpuppt sich schon gegen Mitte des Romans als wirkungsvolle Maßnahme, um den Leser die Übersicht behalten zu lassen.

Der sprachliche Stil von Townsend ist wunderbar erfrischend - man nimmt ihr einfach ab, das geheime Tagebuch eines dreißigjährigen Möchtegern-Intellektuellen zu lesen. Moles Charakter ist sehr menschlich, manches kann der Leser gut nachvollziehen. Man entwickelt schnell Sympathie für den vom Schicksal so Gebeutelten und weiß als Leser manchmal schon ein bisschen mehr als er selbst. Es handelt sich beim Adrian Mole Tagebuch um eine witzige, kurzweilige und mit britischem Humor durchzogene Geschichte, die man einfach gelesen haben sollte. Schade nur, dass Townsend ihrem Helden nicht etwas mehr Glück in seinem Leben gönnt!
Broschiert: 429 Seiten
Verlag: Heyne (20. Juni 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453810910
ISBN-13: 978-3453810914

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