Todesmarsch
Autor: Stephen King
Original: The Long Walk (1979), als Richard Bachmann
meine Bewertung: 5 von 5
Einmal im Jahr lassen sich genau einhundert amerikanische Jungs auf ein gefährliches Spiel ein. Sie alle begeben sich auf den Langen Marsch, der am 1. Mai in Maine beginnt und so lange dauert, bis alle am Ende sind und nur noch ein Geher sich auf den Beinen halten kann. Und am Ende bedeutet nicht etwa, körperlich und geistig zu erschöpft, um weitergehen zu können - nein, am Ende bedeutet: tot.
Die Regeln sind genauso simpel wie grausam: Der Major, eine aus dem Fernsehen bekannte Figur (vielleicht so etwas wie der Präsident?), eröffnet jedes Jahr am 1. Mai um 9 Uhr vormittags den Marsch. Hundert junge Männer, die zuvor ausgewählt wurden, nehmen daran teil. Jeder hat eine Feldflasche und Nahrungsmittelkonzentrate bei sich. Am Straßenrand werden sie von mehreren Panzerfahrzeugen begleitet, die allesamt mit Radar ausgestattet sind. Die Mindestgeschwindigkeit beträgt 4 mph.
Sobald einer der Teilnehmer langsamer als vier Meilen pro Stunde geht, erhält er eine Verwarnung. Insgesamt kann ein Kandidat drei Verwarnungen bekommen. Diese Verwarnungen kann er abbauen, indem er eine ganze Stunde lang keine weitere Verwarnung bekommt.
Nach drei Verwarnungen ist die Sache gelaufen: Lesitet man sich erneut einen Fehltritt oder wird man langsamer als 4 mph wird man ohne weitere Verwarnung erschossen. Der Gewinner ist derjenige, der den Tod 99 anderer überlebt hat. Er darf sich alles wünschen, was er möchte und ist für den Rest seines Lebens ein reicher Mann. Übrigens darf man nicht einmal stehen bleiben, um zu urinieren oder seinen Darm zu entleeren.
Der Held dieser Geschichte ist Ray Garraty. Er findet unter den anderen 99 Teilnehmern schnell einige Freunde. Natürlich fällt einem so das Marschieren anfangs leichter, doch immer wieder holt ihn die Realität ein: es wird ihm klar, dass keine der Freundschaften Bestand haben wird, weil seine Freunde am Ende des Marsches alle tot sein werden, so wie er selbst wahrscheinlich auch.
King hat ein einmaliges Buch geschaffen. Obwohl ihm nicht viel Erzählbreite bleibt, weil er das Geschehen auf den Langen Marsch eingeschränkt hat, wird das Buch an keiner Stelle langweilig. Man fiebert mit den Jungs mit, man fragt sich, wie man so blöd sein kann, so etwas mitzumachen, man hat einfach keine Ruhe, bis die Sache durchgestanden ist.
Bei diesem Werk handelt es sich mehr um einen Psychothriller, eigentlich so gut wie gar nicht um einen Horrorroman. Ursprünglich wurde es unter Stephen Kings Pseudonym Richard Bachmann veröffentlicht und am Beginn der Neuauflage (die bereits mit Stephen King betitelt ist), gibt King ein sehr persönliches Vorwort, das seine Gefühle schildert, die er beim Lüften seines Pseudonyms hatte. Schon alleine deshalb ist die Geschichte lesenswert - allerdings ist auch die Haupthandlung des Romans einfach genial.
Wer "Todesmarsch" nicht kennt, hat definitiv etwas versäumt!
Broschiert: 362 Seiten
Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (Januar 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548263275
ISBN-13: 978-3548263274
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