Jane Eyre
Autorin: Charlotte Bronte
Original: Jane Eyre. An Autobiography. (1847)
meine Bewertung: 5 von 5
Die kleine Jane Eyre wurde vom Schicksal alles andere, als reich bedacht. Sie verlor schon früh ihre Eltern und wurde deshalb in die Obhut ihres Onkels und ihrer Tante gegeben. Ihr Onkel kümmerte sich um die kleine Waise genauso, wie um seine drei eigenen Kinder. Die Tante jedoch hasst Jane geradezu, weshalb Janes Leben eine sehr traurige Wendung nimmt, als ihr Onkel stirbt. Sie wird von der Tante verachtet, weil sie nicht so ist, wie ihre eigenen Kinder. Jane liest und ist klug, allerdings gab es gewiss schon hübschere Kinder, als sie. Die Tante beschuldigt sie zu Unrecht, ein falsches Kind zu sein und einen verkommenen Charakter zu haben. Sobald es irgendwie geht, entledigt sich die Tante ihrer verhassten Ziehtochter, indem sie sie in ein Mädchenpensionat schickt.
Jane bleibt zuerst vier Jahre als Schülerin dort, dann weitere zwei Jahre als Lehrerin. Anfangs sind die Zustände in der Schule sehr schlecht. Es wird an allem gespart, viele Mädchen erkranken und sterben. Doch Jane schafft es, sich den Anforderungen anzupassen und entwickelt sich zu einer ausgezeichneten Schülerin. Als Lehrerin schafft sie es, aus den Kindern viel herauszuholen. Als ihre Mentorin in der Schule heiratet und die Schule deshalb verlässt, muss sich Jane um eine neue Stelle umsehen. Sie setzt ein Inserat in die Zeitung.
Nicht lange, nachdem Janes Inserat erschienen ist, erhält sie ein Angebot. Sie soll in einem Herrenhaus namens Thornfield als Hauslehrerin arbeiten. Jane nimmt die Stelle an und reist in die bezeichnete Grafschaft. Sie ist angenehm überrascht, als sie ihre Stelle antritt. Ihre Aufgabe ist es, sich um die Ziehtochter von Mr. Fairfax Rochester zu kümmern. Mr. Rochester ist selten auf Thornfield, seine französische Ziehtochter Adele hingegen immer. Und diese soll auf die gute alte englische Art erzogen werden. Als Mr. Rochester dann doch einmal in Thornfield auftaucht, traut Jane ihren Augen kaum. Sie ist Mr. Rochester schon einmal begegnet. Aus dieser Tatsache entwickelt sich eine Art Freundschaft, die Angestellte und der Herr unterhalten sich oft. Doch für Jane wird aus diesem rein freundschaftlichen Gefühl etwas mehr. Doch gerade zu dieser Zeit beschließt Mr. Rochester, zu heiraten und unheimliche Dinge geschehen auf Thornfield.
Als Jane die Hintergründe dieser seltsamen Vorkommnisse entdeckt, wird es abermals Zeit, ihre Stelle zu verlassen. Ohne jemandem Bescheid zu sagen, flieht sie früh am Morgen vom Anwesen. Sie hat sich mit nichts auf dem Weg gemacht und ist beinahe am Verhungern, als sie schließlich in einem kleinen Häuschen aufgenommen wird. Man rettet ihr dort nicht nur ihr physisches Leben, sondern auch ihr Herzleid wird nach einiger Zeit gelindert.
Charlotte Bronte hat einen wirklich bemerkenswerten Roman geschaffen. Es handelt sich um einen Schmöker, in dem man sich sehr schnell verliert, wenn man erst einmal gewagt hat, die ersten Schritte in diese Welt zu tun. Sie schafft es, die Lebensweise, die strengen Formvorschriften und die Langsamkeit des Lebens im England des 19. Jahrhunderts. Neben Charles Dickens ist sie wahrscheinlich eine der wenigen Autoren, die es vermögen, ein Lebensgefühl mit einer solchen Selbstverständlichkeit zu vermitteln, dass man meint, dabei gewesen zu sein.
Freilich ist anzumerken, dass das Wenige, das eigentlich passiert, auf weniger Seiten hätte ebensogut untergebracht werden können, allerdings wäre dann auch die Stimmung verloren gegangen. Das Buch ist bis zum Ende spannend, man kann nicht wirklich im Voraus sagen, wie sie ausgehen wird, da ja die Heldin, die der Leser schon so ins Herz geschlossen hat, schon derart oft vom Schicksal heimgesucht wurde. Die Stärke der Geschichte ergibt sich nicht so sehr aus der Handlung, sondern aus der Wortwahl und den Beschreibungen Charlotte Brontes. Trotz dieser vielen Beschreibungen bleibt das Buch bis zum Ende lebendig, man reist mit Jane herum, drückt ihr die Daumen und hofft für sie.
Das Buch ist geprägt vom Leben seines Verfassers, die Parallelen von Janes zu Charlotte Brontes Leben sind auffällig, wenn man die Biografie der Autorin kennt. Empfehlenswert ist also die Lektüre eines Werkes, in dem ein Essay über die Bedeutung des Buches und das Leben der Bronte-Geschwister enthalten sind, beispielsweise von Diogenes. Ein Klassiker nicht zu Unrecht und dabei doch so spannend, lebendig und lesenswert. Aufschlagen und sich darin verlieren!
mariaR schreibt am 15.07.2007 um 17:03 Uhr:Hey!! Endlich mal wer, der Jane Eyre zu schätzen weiß. Jeder, den ich frage, sagt: Kenn i ned.
AntwortenLöschenDieses Buch ist soooo romantisch! Obwohl der Held in dieser Geschichte alt und blind ist. Für diese (wie sagt man?) viktorianischen Geschichten hab ich sowieso viel über.
Mädchen in dieser Zeit sind erst in einer Schule, dann zuhause um sich einen Mann zu suchen. Und wenn eine arbeiten geht, zählt sie gleich nicht mehr zur besseren Gesellschaft.
Ein bißchen stört mich an den Bronte-Romanen, daß die Protagonisten alle gar sooo heilig sind. Aber das liegt wohl daran, daß die Bronteschwestern so aufgewachsen sind.
Baba. Maria