Wunschloses Unglück



Autor: Peter Handke
Original: Wunschloses Unglück (1974)
meine Bewertung: 4 von 5

Die junge Maria, Peter Handkes Mutter, ist eine begabte und wissbegierige Schülerin. Gerne möchte sie mehr lernen, als nur das Stricken und Haushalten, doch ihr Vater lässt sie nicht länger als notwendig zur Schule gehen. Sie geht also von zu Hause weg in die Großstadt. Dort beginnt sie eine Lehre als Köchin und Zimmermädchen. Maria genießt das Leben und ihre Freiheit.

In der Großstadt lernt sie einen Parteigenossen kennen. Sie verliebt sich in ihn und wird von ihm schwanger. Noch bevor ihr Kind Peter das Licht der Welt erblickt, heiratet sie jedoch einen Unteroffizier, um Anspruch auf ein Ehestandsdarlehen zu erwerben. Es ist eine reine Zweckehe, die beiden Eheleute haben sich nichts zu sagen. Maria folgt ihrem Mann nach Berlin, in dessen Heimatstadt.

Ihr Ehemann, den sie sowieso nicht liebt, zieht in den Krieg. Sie bleibt alleine auf dem Land und erfüllt ihre Pflichten. Nach dem Krieg kommt ihr Ehemann zurück, der zwischenzeitlich eine Freundin hatte. Maria hasst ihn – scheinbar nicht nur ihn, sondern die Männerwelt an sich. Maria treibt zwei Kinder ab, bevor sie mit den bereits geborenen zwei und ihrem Mann Berlin verlässt und nach Österreich geht.

Die unglückliche Familie lebt wieder bei Marias Leuten, ihr Ehemann findet eine kurzzeitige Anstellung in der Werkstatt ihres Bruders. Doch schon bald erliegt er dem Alkohol, Maria hingegen wird immer selbstsicherer und hasst dafür den Säufer, den sie zum Mann hat, immer mehr. Tägliche Aufgaben sind nur noch lästige Pflichten, die lustlos erfüllt werden. Sie bekommt unerträgliche Kopfschmerzen und wird auf Kur nach Jugoslawien geschickt.

Als sie wieder zurück kommt, hat sie nur noch Kontakt mit ihrem Ältesten, Peter. Sie zieht sich immer mehr von der Welt zurück, bis sie schließlich beschließt, mit einem Mix aus Antidepressiva und Schlaftabletten Selbstmord zu begehen.

Sieben Wochen nach dem Selbstmord seiner Mutter hat Handke diese Erzählung geschaffen. Er hat sich mit dem Tod seiner Mutter auf eine sachliche Art auseinander gesetzt, die dennoch stark berührt. Handke beschreibt das Leben seiner Mutter als ein Hin und Her zwischen Liebe und Hass, Beständigkeit und Unbeständigkeit, Selbstsicherheit und absoluter Selbstaufgabe. Gerade wegen dieser Klarheit und Sachlichkeit ein einzigartiges Werk, das man doch mal lesen könnte.
Taschenbuch
Verlag: Suhrkamp (1974)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3518366467
ISBN-13: 978-3518366462

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