Der Liebhaber
Autorin: Marguerite Duras
Original: L'Amant (1984)
meine Bewertung: 1 von 5
Marguerite
Duras hat einen Liebesroman geschrieben, der durch die Erlebnisse ihrer
Jugend autobiografisch inspiriert ist. Sie erzählt dabei von der Jugend
eines französischen Mädchens in Indochina, ihren beiden Brüdern und
ihrer Mutter. Der ältere Bruder ist ein Mörder und Schläger, der jüngere
Bruder der Sanftere, dem jedoch ein kurzes Leben beschieden ist. Die
Familie ist sich untereinander fremd, so etwas wie Zärtlichkeiten gibt
es nicht, man spricht nicht miteinander und sieht sich auch kaum an. Die
Geschichte wird von der französischen Schriftstellerin erzählt, die in
die Jahre gekommen ist - ihr Gesicht vom Alter und Alkohol gezeichnet.
Auf einer
Flussüberquerung lernt das damals 15-jährige Mädchen einen reichen
chinesischen Geschäftsmann kennen. Dieser verliebt sich in sie, gegen
den Willen seiner Eltern, schließlich ist das Mädchen weiß. Die Mutter
des Mädchens toleriert die Liebschaft, weil sie auf Geld aus ist. Diese
Liebe ist auch gegen den Willen des Mädchens. Sie möchte nicht als
Geliebte, sondern als Prostituierte behandelt werden, weil sie weiß,
dass sie nie bei dem Chinesen bleiben kann, sondern wieder nach
Frankreich zurück muss. Auf ihr Verlangen hin weiht sie jedoch der
Chinese in die Künste der körperlichen Liebe ein. Sie genießt diese
Stunden, wonach er sie immer wieder in ihr Mädchenpensionat zurück
bringt. Als nun der Tag kommt, an dem sie zurück in ihr Heimatland geht,
wird ihr bewusst, dass sie einen Fehler gemacht hat...
Die Geschichte Duras'
ist verwirrend. Durch viele Zeitsprünge und das Einführen von Personen,
die nicht weiter erklärt werden, wird der Lesefluss aufgehalten und
umgeleitet, was meiner Meinung nach auch dem sprachlichen Talent der
Erzählerin Einiges nimmt. Eigentlich ist die Geschichte sehr
stimmungsvoll, man sieht direkt den Mekong vor sich hinplätschern. Aber
eben jene untalentiert (Wiener würden sagen "patschert") ausgeführten
Zeitsprünge legen eher den Schluss nahe, eine geistig verwirrte
Erzählerin vor sich zu haben, die sich selbst nicht im Klaren ist, wie
alt sie eigentlich ist und was sie erzählen möchte. Nichtmal die
Geschichte selbst kann begeistern - obwohl das Potential dazu durchaus
da wäre.
1984 wurde das Buch ein Bestseller, erhielt sogar den "Prix Grancourt".
Nicht nachvollziehbar für mich. Wahrscheinlich hat man sich saftige
Sex-Szenen erwartet und das Buch deshalb gekauft. Die kann man aber lang
suchen.
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