Der Rabbi
Autor: Noah Gordon
Original: The Rabbi (1965)
meine Bewertung: 3 von 5
Dieses Werk von Noah
Gordon erzählt die Geschichte von Michael Kind, einem jüdischen Rabbi.
Wie gewohnt, springt die Erzählung in der Zeit hin und her. Man beginnt
seine Zeitreise in der Gegenwart, bzw. in den 1960er Jahren - die Zeit,
in der das Buch entstand. Michael Kind ist bereits Rabbi, allerdings
lasten persönliche Probleme zur Zeit schwer auf seiner Seele. Seine Frau
Leslie befindet sich seit einiger Zeit im Krankenhaus, weil sie in
tiefste Depressionen verfallen ist. Rabbi Kind fühlt sich einsam,
außerdem fehlt die Mutter auch den beiden Kindern Max und Rachel.
Gerade zu dieser Zeit
kommt die Einladung zum Klassentreffen seines
College-Abschlussjahrganges. Er wird darin gebeten, kurz über sein Leben
zu berichten. Michael setzt sich also hin und beginnt zu schreiben. Er
beginnt dabei mit seiner Kindheit, die geprägt von seinem Großvater ist.
Der kleine Junge verehrt den streng gläubigen Juden und verbringt viel
Zeit mit ihm, da der alte Mann bei seiner Familie wohnt. Allerdings gibt
es seinetwegen immer Streit. Michaels Mutter ist zwar Jüdin, allerdings
nicht orthodox. Dem Großvater ist dies ein Dorn im Auge - was
schließlich dazu führt, dass ihn Michaels Eltern ins Altersheim
umsiedeln und ihm so seinen geliebten Großvater nehmen.
Als Michael Physik zu
studieren beginnt, sieht er seinen Großvater immer seltener, auch seine
Familie. Er geht weg, um als Küchenhilfe zu arbeiten, lernt dort ein
Mädchen kennen, erfährt dann vom Tod des Großvaters und geht wieder
zurück zu seiner Familie. Michael, der schon längst bemerkt hat, dass
das Studium der Physik nicht das ist, was ihn ausfüllt, steht vor der
schwierigen Situation, seinen Eltern klar zu machen, dass er Rabbi
werden möchte. Was er auch wird.
Das Erwachsenenleben
von Rabbi Kind gestaltet sich kompliziert. Die Welt ist antisemitischer
als je zuvor eingestellt, er wird außerdem als Wanderprediger durch die
Staaten geschickt, um abgelegene Dörfer zu besuchen und als seelischer
Beistand zu fungieren. Auf einer dieser Touren lernt er ein katholisches
Mädchen kennen - die Tochter eines Pfarrers. Fatalerweise verliebt er
sich in dieses Mädchen, wissend, dass sein Großvater sich im Grabe
umdrehen würde, wüsste er von Michaels Verhältnis mit einer schiksse...
Auch dieses Werk von
Noah Gordon widmet sich dem Judentum, zeigt die Probleme der
jüdisch-gläubigen Menschen auf, die sich einer immer feindseliger
werdenden Welt gegenübersehen und übt nicht zu geringe
Gesellschaftskritik. Gordon versteht es außerdem wie kein anderer,
Einblick in eine so komplexe und alte Religion zu geben. Erzählerisch
ist die Geschichte makellos, auch die Charaktere der Personen sind
dreidimensionale Akteure, nicht nur Namen. Leider liegt die Schwäche
dieses Werkes für mich in der Handlung selbst. Es mangelt ihr an jeder
Spannung, jeder Überraschung. Es ist ein Buch, von dem leider nicht
besonders viel übrig bleibt, sobald man erst einmal die letzte Seite
umgeblättert hat.
Anders als in anderen
Büchern von Noah Gordon hat man außerdem darauf verzichtet, ein Glossar
mit der Erklärung der wichtigsten jiddischen Ausdrucke und Feste
anzuhängen. Dies ist schade, denn als Christ, Moslem, Buddhist etc. kann
man sich in der Regel zwar unter Begriffen wie Chanukka oder Jom Kippur
aus Schulzeiten noch etwas vorstellen, anders verhält es sich
allerdings mit ganzen Gebeten oder Redwendungen. An Werke wie "Der
Medicus" oder "Der Diamant des Salomon" kann "Der Rabbi" also nicht herannreichen, trotzdem ist es keine Zeitverschwendung, auch dieses Buch von Gordon zu lesen.
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