Das Salz der Erde und das dumme Schaf
Autorin: Sheila Och
Original: Das Salz der Erde (1995)
meine Bewertung: 5 von 5
Jana
hat nichts. Naja, nichts stimmt auch nicht. Sie hat sehr wenig.
Beispielsweise hat sie keine Eltern, kein Geld, keine Freunde, keine
neue Kleidung. Aber die Sechzehnjährige hat noch ihren Großvater. Der
ist etwas schrullig und der Mittelpunkt der Welt (denkt er halt). Jana
lebt mit ihm in einer Kellerwohnung und hat sich an das anarchische,
chaotische und doch irgendwie geregelte Leben mit ihrem Großvater schon
längst gewöhnt, auch weil sie nichts anderes kennt.
Doch langsam wird
Jana älter und auch rebellischer. In der Schule gibt es einen Neuen,
Jirka heißt er. Der interessiert sich für Jana, was für diese eine
komplett neue Erfahrung ist. Aber auch sie findet Jirka nicht gerade
grässlich, deshalb geht sie mit ihm aus und lernt dabei eine völlig neue
Welt kennen. Es ist eine Welt, zu der sie nicht gehört. Kaffee mit
Schlagsahen und Kino - das war ihr bisher verwehrt geblieben. Der
Großvater findet dies natürlich gar nicht gut. Er hat seiner Jana doch
immer erklärt, warum es besser ist, nichts zu haben und warum Geld nicht
glücklich macht.
Der Großvater war
immer schon ein lustiger Kerl, doch eines Tages treibt er seine Scherze
zu weit. Er gibt auf dem Hauptplatz vom Stiefel eines Steindenkmals
herunter eine Kundgebung. Es versammeln sich immer mehr Menschen, um
dem Alten zuzuhören, ein richtiger Aufruhr entsteht, der von der Polizei
mit Wasserwerfern beendet werden muss. Der Großvater erhält daraufhin
eine Vorladung vors Gericht, worauf er sich tierisch freut. Er liebt
Gelegenheiten, bei denen er sich selbst so richtig in Szene setzen kann.
Das Gericht ist von
diesem komischen Alten gar nicht begeistert und schickt ihn deshalb ins
Altersheim. Jana muss in eine Gymnasium mit Internat, da sie ja noch
minderjährig ist und sich jetzt niemand um sie kümmert. Eigentlich ist
Jana fest davon überzeugt, dass der Großvater im Heim todtraurig sein
würde und auch sie bald wieder heimholen würde, doch als sie ihn mit
seinen beiden Freunden eines Tages besucht, merkt sie, welchen Spaß ihr
Opa im Altersheim hat und gibt schon fast die Hoffnung auf. Allerdings
etwas zu früh - denn der Großvater steckt voller Überraschungen...
Sheila Ochs Buch
erzählt von der Pubertät eines Mädchens, dass sich mit dem zunehmenden
Frauwerden gegen das System wendet - allerdings ist dies ein wenig
schwierig für die Hauptdarstellerin, da sie gegen eine Autorität
rebellieren will, die anarchisch und schrullig ist wie sonst niemand:
ihr Großvater. Jana möchte mit zunehmenden Alter auch etwas von ihrer
Vergangenheit, ihren Eltern und dem Grund, warum sie beim Großvater
aufgewachsen ist, erfahren. Doch der Großvater schweigt eisern und tut
ihr damit sogar einen großen Gefallen.
Erschwert wird das
sowieso schon chaotische Leben eines pubertierenden Teenagers bei Jana
noch durch die Tatsache, dass sie aus einem sehr sozialschwachen Umfeld
stammt und sie nicht nur gegen Pickel und Hormone, sondern auch gegen
ihren knurrenden Magen und ihre löchrigen Strümpfe kämpfen muss. Ein
wirklich sehr, sehr empfehlenswertes Buch für Jugendliche!
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