Freitag, 30. März 2007

Der Leumund des Löwen

Autor: Alois Brandstetter
Original: Der Leumund des Löwen (1978)
meine Bewertung: 5 von 5
Der österreichsiche Autor Alois Brandstetter ist bekannt für seine humorvollen und satirischen Werke, die weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Pichl (Oberösterreich) hinausgehen. In diesem Büchlein versammelt er alle namhaften Berufe und beschreibt aus seiner Sicht deren Berufsbild. Niemand bleibt verschont: Der Lehrer, Bürgermeister, Spitzensportler, Arzt, Jurist und viele andere, bekommen ihr literarisches Fett weg. Und das auf eine liebenswerte, herzliche Art. Nicht umsonst ist in manchen literarischen Kreisen der Begriff "brandesk" längst zum gebräuchlichen Vokabular geworden, um spitzfindige, witzige Begebenheiten zu beschreiben.
Zitat, S. 19: (Es geht um den Schifahrer Sigi)
"Sigi legt denlangen Schulweg ins Tal im Winter, der hier sehr lange dauert und fast nicht mehr aufhören will, mit den Schiern zurück. Ich kann keinen Schuhlbus nicht benutzen, sondern fahre ich immer zu Fuhs zur Schule, schreibt der Bub einmal in einem Schulaufsatz. Sigi ist auf dem Schulweg besser als in der Schule, aber die Anfahrt wird leider nicht benotet. Sigi kommt jedenfalls schnell und gut zur Schule, aber dort langsam voran und schlecht weg. Er fährt von Jahr zu Jahr schneller zur Schule, weiß aber von Jahr zu Jahr weniger, wozu und warum eigentlich. Als Schifahrer fällt er auf, als Schüler ab. Am Schluss, erinnert sich später einmal sein Lehrer, raste der Sigi praktisch nur noch zum Sitzenbleiben zur Schule."


  • Broschiert: 136 Seiten
  • Verlag: DTV Deutscher Taschenbuch (1991)
  • ISBN-10: 3423100214

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    Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart

    Autorin: Sarah Kuttner
    Original: Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart (2007)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Wer kennt sie nicht: Die schusselige TV-Quasseltante Sarah Kuttner, die zu alles und jedem eine Meinung hat. Egal, ob man die nun hören will, oder nicht. Meistens will man sie hören, vor allem, wenn es ihre Meinungen auf Fragen der SZ oder des Musikexpress sind, die sie in schöner Regelmäßigkeit beantwortet (hat). Denn da sind nicht nur Kuttners Ergüsse, sondern auch schon die Fragen den Kauf des Buches das Geld wert.
    Nicht immer politisch korrekt, meistens schräg, gegen den Mainstream und vor allem wortreich: Das ist die Kuttner, wie wir sie schon aus ihrer Show und aus dem Vorgängerwerk "Das oblattendünne Eis des halben Zweidrittelwissens" kennen - und lieben. Weiter so, Sarah!


  • Broschiert: 192 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (April 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 359617533X

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    Donnerstag, 29. März 2007

    Der Einfaltspinsel

    Autor: Tom Sharpe
    Original: Wilt in Nowhere (2004)
    meine Bewertung: 4 von 5
    Henry Wilt lebt ein beschauliches Leben als Berufsschullehrer in der kleinen Stadt Ipford in England. Total beschaulich ist Wilts Leben nur dann, wenn man die vier heftig pubertierenden Teenagertöchter Emmy, Penelope, Josephine und Samantha mal außer Acht lässt und auch seine stark beleibte Frau Eva, die sich nervtötend schnell und nervtötend intensiv für Dinge begeistern kann, auch nicht mitzählt.
    Diesen Sommer wird die ganze Familie Wilt von Evas Onkel Wally und Tante Joan nach Amerika eingeladen. Die beiden sind zwar nicht besonders liebenswürdige Charaktere, aber sie haben Geld. In Eva erwacht also der Plan, ihre Verwandten dazu zu bringen, die Vierlinge in ihrem Testament reich zu bedenken. Für Henry, der schon wenig erfreuliche Bekanntschaft mit dem konservativen Onkel Wally gemacht hat, könnte der Sommer nicht schrecklicher sein. Weil er sich auf keine langen Debatten mit Eva einlassen will, greift er zu einer List, um daheim bleiben zu können.
    Die Frauen machen sich alleine auf den Weg nach Amerika, Henry hingegen beschließt, zu Fuß das alte England zu erforschen. Er packt seinen Rucksack und marschiert los. Doch weder Evas, noch Henrys Reise sind von Erfolg gekrönt. Eva kommt schon im Flugzeug in Berührung mit einem Drogenkurier, der das Gepäck der Mädchen dazu benutzt, eine sehr wertvolle Fracht loszuwerden. Henry wandert durch Englands kleine Dörfer und Gaststätten, doch seine Reise wird zur Odysee, als er ausrutscht und sich den Kopf anschlägt. Daraufhin wacht er erst im Krankenhaus aus einer langen Ohnmacht auf, während der mysteriöse Dinge vorgefallen zu sein scheinen.
    Zum einen ist da ein abgefackeltes Herrenhaus, ein Wagen voll pädophilen Schundheftchen, eine Prostituierte mit Spezialgebiet SM und schließlich noch ein toter Schattenminister. Angesichts des Inspektors, der zu seiner ständigen Überwachung neben seinem Bett abgestellt wurde, scheint es Henry das Beste zu sein, sich an nichts erinnern zu können. Und das Problem ist: Er kann sich wirklich an nichts erinnern.
    Zur selben Zeit in Amerika sorgen die Vierlinge für ein richtiggehendes Chaos. Sie übertragen Onkel Wallys und Tante Joans Bettgeflüster per Lautsprecheranlage in den Garten, so dass die ganze Stadt über das Sexualleben ihres berühmtesten und erfolgreichsten Unternehmers Bescheid weiß, sie befragen die Dienstmädchen über ihren Lohn und die Arbeitsverhältnisse und erweisen sich auch sonst als alles andere als würdige Erben. In Folge der sich überschlagenden Ereignisse erleidet Onkel Wally mehrere Herzinfarkte, weshalb sich die Wilts schleunigst auf den Weg nach Hause machen.
    Zum Glück haben alle Beteiligten nichts vom Großeinsatz der DEA mitbekommen, die haben nämlich sogar das Abwasser des Anwesens auf Drogenspuren untersucht, mussten aber unverrichteter Dinge wieder abziehen. Und als die Familie wieder vereint und die Sache halbwegs aufgeklärt ist, schwören sie sich, ihren nächsten Urlaub wieder im Lake District zu verbringen.
    Die Geschichte um Familie Wilt ist amüsant und spannend und auf jeden Fall eine empfehlenswerte Lektüre. Als positiv zu erwähnen ist vor allem, dass in dieser Familie zwei wahrliche Anti-Helden die Protagonisten darstellen. Zum einen hätten wir da Henry, einen etwas unausgelasteten Berufsschullehrer, der an Sex eher wenig bis gar nicht interessiert ist und nicht gerade viel hermacht. Zum anderen ist da noch Eva, die mit ihren Kindern sichtlich überfordert ist und ziemlich beleibt zu sein scheint. Schade ist nur, dass vor allem diese Beleibtheit ständig thematisiert wird und Eva dadurch zur Zielscheibe von allerlei Spott wird - in einem Buch, in dem es eigentlich um etwas anderes geht.
    Auch dass das Verhältnis zwischen Henry und Eva nicht wirklich angesprochen wird, macht das ganze etwas vage. Liebt Henry seine Frau? Ist er prinzipiell nicht an Sex interessiert oder nur nicht an Sex mit seiner Frau? Wie ist die Beziehung zu seinen Kindern? Die beiden Handlungsstränge der Geschichte laufen so vor allem parallel und treffen sich nur am Anfang und am Ende, wodurch man durchaus das Gefühl haben könnte, da fehle etwas. Trotzdem kurzweilige Unterhaltung.


  • Broschiert: 256 Seiten
  • Verlag: Goldmann; Auflage: 1 (Dez. 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442463157

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    Dienstag, 27. März 2007

    Heiße Ware

    Autorin: Ursel Scheffler
    Original: Heiße Ware (1996)
    meine Bewertung: 3 von 5

    Es sind Sommerferien und die beiden Zwillinge Bill und Tom haben Ferien. Man sollte eigentlich meinen, die Ferien seien die schönste Zeit im Jahr, doch dieses Mal beginnen sie mit einem unheilvollen Omen: Bis auf Kitty Aplebee und Buddy Butterfinger sind alle ihre Freunde in Urlaub gefahren und dann werden auch noch die Fahrräder der beiden Jungs geklaut. Sie ärgern sich maßlos und erstatten gleich Anzeige bei der Polizei. Da erfahren sie, dass sie nicht die einzigen sind, deren Räder verschwunden sind. Eine ganze Bande scheint das verschlafene Dorf unsicher zu machen.
    Doch nicht nur die Diebstähle geben Anlass zur Sorge. Die Polizei hat den Verdacht, dass in letzer Zeit Drogen Binocle Village gerade zu überschwemmen. Alle Razzien in der verrufenen Disco "Tarantel" waren bis jetzt erfolglos. Klarerweise ist Inspektor Higgins schon ziemlich verzweifelt, weshalb er Sara Robins aufsucht. Die alte Dame hat schon mehrere Fälle für die Polizei gelöst, doch dieses Mal sind es vor allem die Kinder, die Licht in die dunkle Angelegenheit bringen können.
    Am Geburtstag der Zwillinge dürfen Kitty, Billy, Tom, Pam und Buddy am Fluss zelten. Vom Flussufer aus beobachten sie aber merkwürdige Vorgänge am anderen Ufer. Natürlich erwacht der Spürsinn der Kinder und so begeben sie sich auf die andere Seite und in Gefahr...
    Nachdem ich ja den ersten Band der "Sara R." Reihe (Schatten in Rockfort Castle) vor allem (und auch) deshalb kritisiert hatte, weil keine der Frauen, die vorkamen, als eigenständige Personen geführt wurden (zB "die Bäckersfrau", "die Fleischersfrau" etc.), gibt dieser Band Anlass zur Hoffnung. Sara R. vertritt die Ansicht, "selbst ist die Frau"! Schade nur, dass es am Ende doch der Vater von Billy und Tom ist, der ihr ihr neues Türschild montiert. Ansonsten aber ein recht nettes Buch für Kinder unter 10 Jahren, da gewaltfrei und doch spannend.


  • Gebundene Ausgabe: 122 Seiten
  • Verlag: Egmont Franz Schneider Verlag (1996)
  • ISBN-10: 3505104345

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    Sonntag, 25. März 2007

    About a Boy

    Autor: Nick Hornby
    Original: About a Boy (1998)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Der 36-jährige Londoner Will Freeman hat viel Freizeit. Eigentlich hat er nur Freizeit, er muss nämlich nicht arbeiten. Sein Vater hat vor vielen Jahren einen Weihnachts-Hit geschrieben, seit dem kann Will von den Tantiemen leben. Will macht nur, worauf er Lust hat. Dazu gehören vor allem diverse Trips aufgrund synthetischer Drogen, Party, Fernsehen, Schlafen und Frauen.
    Eines Tages bemerkt er, dass er viel bessere Karten bei alleinerziehenden Müttern hat, weshalb er kurzerhand einen zweijährigen Jungen mitsamt geschiedener Exfrau erfindet. Mit dieser Geschichte ausgerüstet geht Will zu einem Treffen der Alleinerziehenden. Dort gewinnt er viele Sympathien, als er von seinem kleinen Ned und seiner gemeinen Exfrau erzählt. Bei einem Picknick der Alleinerziehenden verstärkt er nicht nur seine Beziehung zu Angie, der Mutter von Ali, sondern auch zu einem zwölfjährigen Jungen namens Marcus. Marcus wurde von seiner Mutter zum Picknick geschickt, weil diese mal ausspannen wollte.
    Will kann mit Kindern eigentlich überhaupt nichts anfangen. Irgendwie ist Marcus aber anders. Er ist ernst und versteht keinen Humor, tut Will aber auch irgendwie leid. Die Mutter des Jungen ist eine Althippie-Frau mit einer Vorliebe für Vegetarier und Bob Marley Songs, dementsprechend ist Marcus alternativ gekleidet, seine Haare werden von seiner Mutter geschnitten und er kennt weder Tupac noch Nirvana. Durch einen tragischen Zwischenfall lernen sich Marcus und Will näher kennen. Marcus fällt auf, dass Will cool ist und weiß, was ein zwölfjähriger Junge wie er wissen muss, damit er nicht ständig gehänselt wird.
    Marcus beginnt, nach der Schule Will täglich zu besuchen. Dieser ist, genau wie Marcus' Mutter, anfangs überhaupt nicht davon begeistert, doch mit der Zeit werden der Erwachsene, der immer noch Kind ist, und das Kind, das nie Kind war, sowas wie Freunde. Es entwickelt sich eine eigenartige Symbiose, von der beide profitieren...
    Das Buch von Nick Hornby wurde mit Hugh Grant in der Rolle des Will Freeman verfilmt und zum Kinokassenschlager. Nicht unberechtigt, denn das Buch bietet alles, was eine gute Geschichte ausmacht. Es gibt Drama, Freundschaft, Liebe und Humor, ist aber auch eine leise Kritik an der Konsumgesellschaft und Partygesellschaft, zu der Will gehört. Es ist perfekt für einen regnerischen Tag im Herbst, Winter oder in dieser seltsamen Jahreszeit, die wir jetzt gerade haben.


  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Droemer Knaur (Mai 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426616904

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    Dienstag, 20. März 2007

    Brittannica und ich

    Autor: A. J. Jacobs
    Original: Know-it-all; the (2004)
    meine Bewertung: 4 von 5

    A. J. Jacobs schreibt für das Klatschmagazin Esquirer. Eines Tages wird ihm klar, dass die Ebbinghaus'sche Theorie der Gedächtniskurve auf erschütternde Weise zutrifft und er schon einen erheblichen Teil seines Schulwissens vergessen hat. Nicht nur dass - sein Schwager Eric ist noch dazu ein Klugscheißer, sein Vater eine Koryphäe auf dem Gebiet der Juristerei. So beschließt Jacobs, der klügste Mensch der Welt zu werden und besorgt sich die 2002er Ausgabe der Encyclopaedia Britannica, die er von A bis Z durchlesen will.
    Dieses ist ein ehrenwertes Vorhaben, schließlich ist die Britannica eins der umfassendsten Lexika. Es sind 33.000 Seiten, 65.000 Artikel, 24.000 Abbildungen und 32 jeweils knapp zwei Kilo schwere Bände, die gemeinsam rund 44 Millionen Wörter beinhalten. Aufgestapelt ergibt das rund 1 m 20 gestapeltes Wissen - und das alles liest Jacobs.
    In seinem Buch "Britannica & ich" findet man Anekdoten aus der Britannica, zu denen Jacobs immer wieder humorvolle Kommentare verfasst. Außerdem erfährt der Leser, was sonst noch so in Jacobs Leben passiert. Humorvoll und doch geistreich gestaltet sich Jacobs Werk, während dessen Lektüre man auch noch das eine oder andere lernen kann. Und wenn nicht, dann bleibt immer noch der Weisheit letzter Schluss: Wissen und Intelligenz sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Nicht dasselbe, aber doch verwandt. Eigentlich möchte man meinen, es sei nicht besonders interessant, wenn jemand ein Buch über ein Buch schreibt, das er gerade liest. Jacobs beweist das Gegenteil.


  • Gebundene Ausgabe: 427 Seiten
  • Verlag: List (August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3471795138

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    Samstag, 17. März 2007

    Ein Porträt des Künstlers als junger Mann

    Autor: James Joyce
    Original: A Portrait of the Artist as a young Man (1917)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Die Hauptfigur dieses ersten Romans von James Joyce ist Stephen Dedalus. Stephen wächst in Irland auf und geht dort in eine katholische Schule. Im Laufe der Erzählung entwickelt sich Stephen von einem Kind zum Erwachsenen, der sich viele Gedanken macht, vor allem über die Religion und die innenpolitische Situation Irlands seiner Zeit. Immer wieder sieht er sich mit elementaren Fragen konfrontiert, auch denen des Heranwachsens. Während des Lesens entwickelt sich der Leser gleichsam mit Stephen mit, dessen Sprache immer komplexer wird - genauso wie seine Gedanken.
    Als Leser findet man doch recht gut in die wunderbare Sprache Joyces hinein, es ist halt kein Werk, das man neben dem Fernsehen oder in der U-Bahn lesen sollte. Man sollte sich Zeit nehmen und in das Leben Dublins eintauchen. Allerdings muss ich gestehen, dass das Werk in mir keine Euphorie wecken konnte, da ich die Handlung an sich nicht besonders ansprechend fand und für mich einige Ansichten Stephens die Religion betreffend sehr radikal sind. Aber das ist eine Glaubenssache, im wahrsten Sinne des Wortes. Weiters würde ich empfehlen, vor der Lektüre ein wenig in die Geschichte Irlands hineinzulesen, so versteht man viele Anspielungen, die einem sonst entgingen. Auf Amazon.de kann man übrigens in das Buch reinlesen, wenn man sich ein eigenes Bild machen möchte.


  • Gebundene Ausgabe: 285 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (19. Juni 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937793151

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    Freitag, 9. März 2007

    Beweise, dass es böse ist

    Autorin: Donna Leon
    Original: Doctored Evidence (2005)
    meine Bewertung: 4 von 5

    Maria Battestini, eine alte Venzianerin, ist eine wahre Plage. Sie ist geizig, nörgelig und dreht ihren Fernseher auch nachts nicht leiser, so dass alle ihre Nachbarn sich gestört fühlen. Da die Alte unausstehlich war, wundert es auch niemanden, dass sie eines Tages ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wird. Die Polizei vermutet, dass das illegale Dienstmädchen mit der Sache zu tun hat, da sie kurz nach dem Mord spurlos verschwunden ist. Die Behörden greifen sie in einem Zug auf dem Weg außer Landes auf. Die Rumänin flieht und wird dabei von einem Zug überrollt. Für die italienische Polizei ist die Schuld der jungen Frau erwiesen, der Fall wird zu den Akten gelegt.
    Drei Wochen danach kommt eine junge Frau aus dem Urlaub in England zurück, die die Rumänin entlasten kann. Sie gerät dabei an Brunetti, der ebenfalls von einem Auslandsaufenthalt zurück gekehrt ist. Brunetti glaubt der jungen Frau und nimmt die Ermittlungen in diesem Fall wieder auf. Natürlich muss er sich abermals seinen Vorgesetzten Patta und Scarpa durchsetzten und die Dienste von Signorina Elettra in Anspruch nehmen, die nicht unbedingt legal sind. Ein treuer Gefährte auf der Suche nach der Wahrheit ist ihm wieder einmal Vianello. Das Trio stößt schon bald auf vier verschiedene Bankkonten, auf die regelmäßig höhere Beträge überwiesen wurden. Nach dem Tod der Battestini verschwindet das Geld auf den Konten plötzlich ins Ausland. Was hat der bereits verstorbene Sohn mit der ganzen Sache zu tun? Wer überweist weshalb monatlich diese Summen? Welche Rolle spielen die Anwältin von Maria Battestini und Battestinis Nichte in dieser Geschichte?
    Natürlich soll an dieser Stelle nicht zuviel verraten werden, allerdings sei der besorgte Leser beruhigt: Natürlich löst Brunetti den Fall, allerdings hat Donna Leon dieses Mal eine gehörige Portion Glück mitspielen lassen, das Ende ist also alles andere als spannend, überraschend oder gar aufsehenerregend. Deshalb auch der Abzugspunkt. Allerdings ist die Geschichte durchwegs spannend und wieder einmal hat es Leon geschafft, den Leser auf eine Reise mit nach Venedig zu nehmen. Man meint fast, die Kanäle der Lagunenstadt zu riechen und bei einem Glas Weißwein die Sicht auf den Markusplatz zu genießen. Schade allerdings, dass Donna Leon, die eigentlich ja US-Amerikanerin ist, aber in Venedig lebt, eine derart negative Einstellung Touristen gegenüber durchblitzen zu lassen. Letztlich ist sie ja auch nichts anderes - und gerade sie sollte wissen, dass "jeder, der nicht in Hörweite der Lagune geboren ist, praktisch als Ausländer gilt..."

    • Broschiert
    • Verlag: Diogenes, 1. Auflage 2005
    • Sprache: Deutsch
     

    Sonntag, 4. März 2007

    Mrs. Nans Rezept

    Autorin: Frances Fyfield
    Original: 2003
    meine Bewertung: 3 von 5


    Dieses dünne Büchlein von Frances Fyfiel beinhält 2 mysteriöse Geschichten. In der ersten Geschichte lernt der Leser die gutmütige Mrs. Nan kennen. Sie ist Inderin und sehr stolz auf ihre Kochkünste. Ihr Mann und ihre Kinder essen jeden Tag ihr Essen, die Kinder kommen immer noch zum Essen heim, obwohl beide schon erwachsen sind. Eines Tages allerdings erkranken der Mann und die Kinder an einer Salmonellenvergiftung. Mrs. Nan geht es gut, sie hat aber auch nicht soviel gegessen. Sie isst immer nur, was ihre Lieben übrig lassen. Und das war an diesem Tag wenig. Nachdem sich die Familie wieder erholt hat, beschuldigen sie - eher scherzhaft -- ihre Mutter, sie absichtlich vergiftet haben zu wollen.
    Dem ist aber nicht so. Auch das Gesundheitsamt beginnt sich mittlerweile dafür zu interessieren, denn mittlerweile sind in London schon mehrere Fälle von Salmonellenvergiftung bekannt geworden. Seltsamerweise ist immer nur eine bestimmte ethnische Gruppen betroffen...
    Die zweite Geschichte handelt vom Weihnachtsabend einer reichen Familie. Die Familie scheint perfekt zu sein, Maria, die Mutter und Ehefrau, hält sich für ihren Mann schlank und pflegt das Haus ordentlich, damit ihr Gatte allen Grund hat, auf sie stolz zu sein. Maria möchte die perfekte Hausfrau sein.
    Allzuviel vom Inhalt kann man hier nicht preisgeben, da beide Geschichten sehr kurz sind und das Büchlein nur 91 Seiten umfasst. Die Geschichten sind spannend und stimmungsvoll, erstere fällt tatsächlich in die Kategorie "mysteriöse" Geschichte, zweitere eher nicht. Dennoch sind beide spannend und lassen sich leicht in einer halben Stunde weglesen, wenn man auf den Zug etc. wartet. Ansonsten nicht wirklich etwas Besonderes.


  • Gebundene Ausgabe: 91 Seiten
  • Verlag: Europa, Hamburg; Auflage: 1 (November 2004)
  • ISBN-10: 320385211X

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