Samstag, 29. Oktober 2011

Produktkommunikation



Autor: Rainer Gries
Original: Produktkommunikation (2008)
meine Bewertung: 5 von 5

Univ. Prof. Dr. Rainer Gries geht in seinem Buch dem Mythos Coca Cola und Nivea auf den Grund. Spannend und verständlich, dennoch wissenschaftlich, beschreibt er die Erfolgsstrategie der beiden Supermarken, begründet ihre Beliebtheit und zeigt auch an anderen Beispielen auf, welche Geschichten Marken erzählen müssen, um dauerhaft auf dem Markt bestehen zu können.

Gries tut dies mit einer Begeisterung und Leidenschaft, die man aus jeder Zeile herausliest. Nicht nur klug und interessant, sondern auch humorvoll ist dieses Buch eine Pflichtlektüre für alle, die sich für Werbung, Marken und Publizistik interessierern.

  • Broschiert: 294 Seiten
  • Verlag: Utb; Auflage: 1., Aufl. (1. April 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3825230775
  • ISBN-13: 978-3825230777

Sonntag, 16. Oktober 2011

Digital natives, digital immigrants



Autor: Johann Günther
Original: Digital natives & Digital immigrants (2007)
meine Bewertung: TOTALFLOP!

Digital natives - das ist jene Generation, die komplett von digitaler Technik umgeben aufgewachsen ist. Der Originalautor dieses Konzepts, Marc Prensky, hat bereits 2001 die These formuliert, dass Digital Natives anders arbeiten, denken und leben als Digital Immigrants - jene Personen, die erst im Laufe ihres Lebens mit digitaler Technik in Berührung kommen. In Erwartung eines Buches über die Lebenskonzepte oder Theorien rund um Prenskys These, habe ich mir für meine Diplomprüfung an der Uni Wien auch dieses Buch von Johann Günther gekauft. Günther war bis 2006 Leiter der Fachhochschule St. Pölten.

Nun zum Dilemma dieses Buches: Darf man einem Fachhochschuldirektor ans Bein pinkeln, indem man sein Buch zerpflückt? Man muss, wenn es so schlecht ist, wie das vorliegende von Günther. Abgesehen davon, dass Günther keinen roten Faden verfolgt, sondern das Buch aus einer Art wirren Abfolge von Erzählungen und Einzeltheorien besteht, bezieht er sich kein einziges Mal wirklich auf das Konzept Prenskys. Es scheint überhaupt kein Lektorat gesehen zu haben und verwirrt einfach nur. Das Buch ist dermaßen schlecht, dass ich vom Verlag am liebsten mein Geld zurück verlangen möchte.

Beispiele gefällig?
S. 47: Günther fragt sich: "Können die Menschen heute schlechter Rechtschreiben, wo es Rechtschreibprüfprogramme im Computer gibt?" Damit scheint er zumindest in seinem eigenen Fall schon die Antwort mitgeliefert zu haben - schließlich schafft er es, in diesen Satz zwei Fehler einzubauen.

S. 63: "Früher hatte jeder ein Fahrrad und die Straßen sind eng. Heute mit Traktoren und Autos geht das nicht mehr. Die alten Dörfer werden verlassen und ziehen in Neubauten mit breiteren Straßen." Schön, ich hab noch nie gesehen, wie alte Dörfer ihre Sachen packen und umziehen. Und wozu eine Zeitenfolge einhalten?

S. 64: "China hat bald weltweit den höchsten Öl, Zement und Stahlbedarf. Das ist ein Faktor, der alle Länder dieser Welt beeinflussen. Als die Donau-Universität gebaut wurde musste der Bau für einige Wochen eingestellt war." Das ist der Originalwortlaut - die fehlenden Beistriche hab nicht ich vergessen, die fehlenden Auslassungszeichen stammen auch nicht von mir und die Verbindung "musste der Bau eingestellt war" finde ich auch sehr hübsch.

S. 68: "Jene, die Angst vor Veränderung haben sind die Looser." An die fehlenden Beistriche gewöhnt man sich halbwegs schnell, die Beistrichsetzung ist durchgehend falsch. Aber ich persönlich finde ja, die wahren Loser sind jene, die Loser falsch schreiben.

S. 85: "wie es die Amerikaner nennen: White-Coloured und Blue-Coloured Workers..." Nein. Die Amerikaner nennen es white collar und blue collar worker. Nicht von colour (Farbe), sondern collar (Kragen).

S. 108: "Wird er weder Boing noch Airbus fliegen..." - Boing? Bong? oder doch Boeing?

S. 125: Günther zitiert sogar falsch: "...by twisted pairs of cooper phone lines...". Nun kenne ich das Originalzitat nicht, gehe allerdings davon aus, dass phone lines aus Kupfer (copper) sind...

S. 152: "Dass Jemand ohne Mobiltelefon leben kann ist fast nicht mehr vorstellbar." Erneut: Beistrich (die erwähne ich schon gar nicht mehr extra), aber auch Jemand wird dauernd in falschem Zusammenhang groß geschrieben. Ich wundere mich, dass jemand ohne Orthographie-Kenntnisse und ohne Lektorat ein Buch herausbringen kann.

S. 172: "Das Buch ist zweidimensional, flach und hat Blättern." Mhm, Blättern. Blätters? Wie war noch mal der Plural?

S. 173: "Die Wertschöpfung eines Unternehmens passiert auf drei Prozessen..." Basiert vielleicht?

S. 173: "Gute Ingenieure bitten auch die weniger entwickelten Länder..." Bieten?

S. 179: "In den postkommunistischen Ländern, wo doch die Demokratie noch neu und verbraucht sein sollte, ist das politische Desinteresse am Größten." Neu und verbraucht? Widerspricht sich das nicht ein bisschen? Und am größten heißt es. Nicht: am Größten.

S. 196: "So wie ... Sekretärinnen zu Sachbearbeitern avisierten, werden immer mehr Menschen "Fernarbeiten"." Avancierten wäre das richtige Wort gewesen und zu einer Fernarbeit werden, will wohl auch niemand. Wohl eher zu einem Fernarbeiter.

Abgesehen von den äußerlichen Unzulänglichkeiten des Buches, was die Grammatik, Rechtschreibung und Interpunktion betrifft, macht es auch wenig Sinn, ein Buch mit wissenschaftlichem Anspruch zu schreiben/schreiben zu wollen, und dann Grafiken zu verwenden, die unerklärt da stehen und sich selbst ad absurdum führen, wenn sie im Original mit unterschiedlichen Farben arbeiten und dann in schwarzweiß abgebildet werden. Die Aussagekraft liegt bei Null, weil Linien und Trends nicht unterscheidbar sind. Außerdem sind mache Grafiken so klein, dass nichtmal die Zahlenwerte lesbar sind. Und der Plural von "native" heißt "natives" und nicht "nativs". Phu.

Als Fazit bleibt: 24 Euro rausgeschmissen, das war der Flop der letzten 20 Jahre. Finger weg - lieber die Originalaufsätze von Prensky lesen!


  • Broschiert: 216 Seiten
  • Verlag: Studienverlag Gmbh; Auflage: 1., zahlreiche s/w-Abbildungen (August 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3706544091
  • ISBN-13: 978-3706544092

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Laienspiel



Autoren: Klüpfel/Kobr
Original: Laienspiel (2009)
meine Bewertung: 2 von 5
Teil 4 der Serie rund um Kluftinger


Die österreichische Polizei hat einen Mann bis ins Einsatzgebiet von Kluftinger verfolgt, doch dieser erschießt sich in seiner Wohnung, bevor die Polizei ihn zu fassen bekommt. Nach einigen Nachforschungen wird schnell klar, dass der Unbekannte mit seinem Leben sowieso bereits abgeschlossen hatte. Er gehört nämlich einer Terrorzelle an, die sich im eigentlich so friedlichen Altusried angesiedelt hat.
Was weit beängstigender ist: am Laptop des Toten wird ein Countdown gefunden, der von 12 Tagen, 2 Stunden, 14 Minuten und 38 Sekunden dem Ende entgegenläuft. Schnell wird eine Sondereinheit gegründet, der auch Kluftinger und einige seiner Kollegen angehören. Geleitet wird die Sondereinheit vom türkischstämmigen Faruk Yildrim, der Kluftinger aufgrund seines Auftretens und seiner Führungsqualitäten schwer beeindruckt.
Im Job ist es also sehr brenzlig. Alle arbeiten fieberhaft daran, herauszufinden, wer die weiteren Mitglieder der Terrorzelle sind und vor allem: wo der geplante Anschlag stattfinden soll. Doch auch im Privatleben ist Kommissar Kluftinger keine Ruhe vergönnt. Er macht wie jedes Jahr beim Laientheater mit und soll deshalb regelmäßig bei den Proben erscheinen und sich auch da engagieren. Dass dieses Jahr erstmals auch Langhammer dabei ist, macht ihm das Leben natürlich nicht leichter.
"Laienspiel" ist der vierte Fall aus der Serie rund um den Allgäuer Kommissar Kluftinger. Wie auch in den Vorgängerbänden bekommt man viel Lokalkolorit mit, doch was dieses Mal sehr stark nervt: die Darstellung des österreichischen Kollegen, die sehr klischeehaft dem Wiener Kiwara entspricht, andererseits aber der erhobene moralische Zeigefinger, mit dem immer wieder betont wird, dass Äußerlichkeiten nicht wichtig sind und nicht alle Moslems fundamentalistisch eingestellt sind.
Ein erwachsener Leser mit zumindest durchschnittlicher Bildung sollte das wissen, aber auch eher bildungsfernen reicht ein einziger Hinweis. Das Buch liest sich - abgesehen davon, dass es schon recht spannend ist - wie ein einziger Anti-Diskriminierungs-Akt. So etwas möchte man wahrscheinlich nicht unbedint in dieser Länge, wenn man das Buch in Erwartung eines Krimis gekauft hat.
Außerdem ist das Buch weit weniger komisch als seine Vorgänger (vor allem "Seegrund") und wenn, dann nur sehr unbeholfen. Kluftingers Erlebnisse geraten eher zu schlechtem Slapstick, die Komik wirkt zu gewollt. "Laienspiel" eignet sich überhaupt nicht als Einsteigerbuch in die Kluftinger-Serie, weil es einen eher schlechten Eindruck der Reihe vermittelt. Lieber bei Band 1 ("Milchgeld") beginnen und diesen vierten Band schnell hinter sich lassen. Band fünf wird wieder um einiges besser!

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 12 (August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492254829
  • ISBN-13: 978-3492254823

Dienstag, 11. Oktober 2011

Death of a Gossip



Autorin: M. C. Beaton
Original: Death of a Gossip (1985)
meine Bewertung: 3 von 5
Serie: Hamish Macbeth, Band 1


John und Heather Cartwright betreiben eine kleine Fischereischule in Lochdubh. Jeden Sommer kommen kleine Grüppchen an Menschen aus allen Teilen des Landes, um ein paar kapitale Fische zu fangen. John und Heather unterweisen die angehenden Fischer dabei nach bestem Wissen und Gewissen.

Wieder einmal ist es soweit: ein neuer Kurs beginnt. Die beiden sind gespannt, aus welchen Menschen sich die Gruppe dieses Mal zusammensetzt. Es ist durchaus eine bunte Mischung: ein Colonel, die dicke und ständig quasselnde Lady Jane Winters, ein kleiner Junge, zwei junge Damen, ein junger Herr und ein amerikanisches Ehepaar. Abgesehen davon, dass sich die beiden jungen Frauen schon bald ein bisschen um den durchaus attraktiven Single-Mann streiten, scheint es eine erholsame Zeit zu werden.

Doch dann fährt Lady Jane Winters die Krallen aus. Sie macht spitze Bemerkungen und Anspielungen und hat schon bald so ziemlich jeden aus der Gruppe bloßgestellt. Sie weiß viel aus der Vergangenheit der anderen Teilnehmer und spart nicht damit, dieses Wissen gegen ihre Mit-Fischer zu verwenden. Selbst der ortsansässige Polizist, Hamish Macbeth, bekommt ihre spitze Zunge zu spüren. Er wundert sich daher nicht, dass es schon bald Lady Jane Winters ist, die wie ein dicker Karpfen im Fluss treibt.

Besonders traurig ist Hamish nicht, jedoch gehört es zu seiner Pflicht, auch diesen Mord aufzuklären. Er macht sich also in guter alter Highland-Manier daran, die Menschen zu befragen und ein bisschen Klatsch zu sammeln.

Die Hamish-Macbeth-Bücher sind wie Agatha Christies Miss Marple Reihe: schon sehr bald schätzt man den Polizisten und findet ihn sympathisch, die Handlung ist weder besonders spannend noch ausgeklügelt, aber die Bücher überzeugen durch starke Charakterzeichnungen und viel Lokalkolorit. Im Endeffekt sind sie wie ausgeleierte Schlabberpullis: nicht besonders hübsch oder raffiniert, aber immer bequem und zum Wohlfühlen. "Death of a Gossip" ist der erste Band aus der Reihe rund um den kauzigen Highland-Polizisten und das kleine Städtchen Lochdubh, in dem man sich schon bald zuhause fühlt. Etwas für verregnete November-Abende!


Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag:
Constable & Robinson (24. April 2008)
Sprache: Englisch
ISBN-10:
1845296656
ISBN-13: 978-1845296650

Freitag, 7. Oktober 2011

Der ganze Franz



Autorin: Christine Nöstlinger
Original: Der ganze Franz (2011)
meine Bewertung: 5 von 5

Franz Fröstl geht in die zweite Klasse der Volksschule. Er hat dort einen Vormittagsfreund, den Eberhard Most. Am Nachmittag ist die Gabi Gruber seine Freundin, die geht in die Parallelklasse, wohnt aber in der Wohnung neben dem Franz. Nach der Schule kommt Franz immer mit zur Gabi, deren Mama kocht für ihn Essen und er bleibt bei ihr, bis seine Eltern von der Arbeit zurück kommen. Sehr schade ist, dass sich der Eberhard und die Gabi nicht besonders gut verstehen, so muss Franz immer versuchen, die beiden unter einen Hut zu bekommen.

Doch das ist nicht das einzige Problem vom Franz. Er ist außerdem der kleinste Schüler in der Klasse und alle Menschen halten ihn für ein Mädchen. Noch dazu wird seine Stimme immer piepsig, wenn er sich aufregt. Mit dem Alter wird das zwar alles ein wenig besser, aber das ärgert ihn trotzdem.

"Der ganze Franz" enthält alle 19 Franz-Bücher, beispielsweise die Fußballgeschichten, Hundegeschichten und auch die Feriengeschichten. Die einzelnen Bücher sind farblich unterschiedlich gestaltet, alle Geschichten haben ein paar sehr nette Illustrationen und sind meistens lustig. Christine Nöstlinger hat mit Franz einen ewigen Zweitklässler geschaffen, der bei fast allen Volksschülern Österreichs bekannt ist und wirklich Lust aufs Lesen macht. Einfach nur empfehlenswert, zum Vorlesen oder Selberlesen.

  • Gebundene Ausgabe: 508 Seiten
  • Verlag: Oetinger; Auflage: 1 (1. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3789143359
  • ISBN-13: 978-3789143359