Samstag, 28. April 2012

Ich bin dann mal weg
















Autor: Hape Kerkeling
Original: Ich bin dann mal weg (2006)
meine Bewertung: 2 von 5

Hape Kerkeling, deutscher Komiker, Fernseh- und Radiomoderator, hat gesundheitliche Rückschläge einstecken müssen. Er erkennt, dass er etwas drastisch ändern muss - daher beschließt er, inspiriert von Shirley MacLaines Buch über den Jakobsweg, selbst den Camino Fracés nach Santiago de Compostela zurück zu legen. Seine Reise, die er völlig alleine beginnt, führt ihn vom franzöischen St.-Jean-Pied-de-Port bis nach Santiago, es sind rund 600 km, die der da zurücklegen möchte.
Schon am Beginn der Reise hapert es ein wenig, so dass er im Laufe seiner Reise einige Kilometer durchaus auch per Bus und Bahn zurücklegt. Nachdem er einige Wochen in relativer Einsamkeit bewusst gewandert ist und sich viele Gedanken über sich, sein Leben und seine Religion gemacht hat, möchte er nicht mehr alleine wandern. Er erhofft sich nette Mitwanderer. Nachdem er schon Bekanntschaft mit lüsternen Wanderern, völlig verrückten Wanderern und wadernden Betrügern gemacht hat, ist er mehr als nur erleichtert, als er auf die Engländerin Anne und die Neuseeländerin Sheelagh trifft.Sie wandern gemeinsam weiter - zumindest mehr oder weniger - und verstehen sich auf Anhieb super.
Im Prinzip kann man über den Inhalt nicht wirklich ausführlich berichten, schließlich geht es darum, wie mehrere Menschen zu Fuß eine weite Strecke zurücklegen, was ihnen so begegnet und wie sie schließlich ankommen. Ich persönlich kann den riesigen Erfolg des Buches (über 100 Monate auf den Bestsellerlisten Sachbuch) nicht nachvollziehen. Es ist zwar ganz okay zu lesen, aber wer sich eine launige, lustige Abhandlung erwartet, wie man sie dem Autor am ehesten zutrauen würde, der wird enttäuscht.
Kerkeling erzählt aus seinem Leben - eher sachlich - und beschreibt die Mitpilger und Landschaft (eher sachlich) und sein persönliches Befinden während der Reise (eher wehleidig), die er nicht komplett zu Fuß zurückgelegt hat. Ein wenig kam mir persönlich das Buch selbst wie ein anstrengender und weiter Weg vor. Befremdlich fand ich auch die religiös-spirituellen Passagen. Es mag schon sein, dass der Weg einem Erkenntnisse bringt, die man sonst nicht hätte (sei es aus Dehydration oder tatsächlich göttlicher Eingebung...), allerdings bin ich persönlich der Meinung, dass Religion und Glaube etwas sehr Persönliches sind. Ich fühle mich da schnell belästigt.
Für mich persönlich also überhaupt nicht die richtige Lektüre, obwohl ich hin und wieder schon auch Lust hätte, eine weite Strecke zurückzulegen.

Piper Verlag
Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN: 978-3492251754

Dienstag, 24. April 2012

Es ist geschafft!

Ich habe lang, lang daran gearbeitet, hin und wieder mit mehr Einsatz, manchmal monatelang gar nicht. Aber jetzt habe ich es geschafft: Ich habe alle Blogbeiträge meines alten Blogs auf blogigo nun hierher übersiedelt. Jetzt fühle ich mich irgendwie befreit und weiß gar nicht, was ich jetzt nächtelang machen soll. Oh - ich könnte lesen :D

Viel Spaß hier beim Umsehen, bitte lasst es mich einfach wissen, wenn ihr irgendwo Links findet, die ins Nirgendwo führen oder Ähnlichen Quatsch, damit ich das beheben kann.

Liebe Grüße
die Blattclaus

PS: Man kann durch einige wenige Klicks auf gewisse gesponserte Links einen Blogbeitreiber indirekt in seiner Tätigkeit unterstützen... wenn ihr wisst, was ich meine... :D

Sonntag, 22. April 2012

The Twits















Autor: Roald Dahl
Illustratione: Quentin Blake
Original: The Twits (1980)
meine Bewertung: 5 von 5

Die Twits sind ein seltsames Pärchen. Die beiden Alten stinken, sie sind gemein, böse und ekelhaft, waschen sich nicht und treiben sich gegenseitig zur Weißglut. Mr Twit lässt seine Frau mit Luftballons in die Luft gehen und hofft, sie so für immer aus den Augen zu haben. Mrs Twit serviert ihrem Mann Wurm-Spaghetti. Die beiden sind einfach eine Pest.
Sie bestreichen einmal in der Woche einen Baum mit Kleister, um Vögel zu fangen und diese zu verspeisen, außerdem halten sie sich im Garten eine Affen-Familie, der sie städig Zirkus-Kunststücke abverlangen.
Eines Tages hat Mr Muggle-Wump, genug von den schrecklichen Menschen. Gemeinsam mit den Vögeln hecken sie einen Plan aus, um die beiden für immer zu vertreiben. Ob ihnen der waghalsige Plan gelingt?
Roald Dahl ist und bleibt der Meister des Kinderbuchs. Gemeinsam mit Quentin Blake bildet er ein wunderbares Paar, das vielen Kindern Freude macht. Und auch vielen Erwachsenen!

Puffin, 76 Seiten
Taschenbuch
ISBN: 978-0-14-241039-4

Dienstag, 10. April 2012

Agatha Raisin and the Walkers of Dembley















Autorin: M. C. Beaton
Original: Agatha Raisin and the Walkers of Dembley (1994)
meine Bewertung: 4 von 5
Band 4 der Agatha-Raisin-Serie

Wieder einmal kehrt Agatha Raisin, die PR-Göttin in Frühpension, nach längerer Abwesenheit in ihr geliebtes Dörfchen Carsely in den Cotswolds zurück. Viel hat sich während ihrer Abwesenheit eigentlich dieses Mal nicht getan, außer, dass ihr Nachbar und gleichzeitig Obekt ihrer Begierde sowie Detektiv-Partner, eine Wandergruppe gegründet hat. Die Carsely Walkers  marschieren Samstags aus und erkunden ihre Umgbund zu  Fuß. Keine Frage, natürlich muss Agatha auch da die Nase mit dabei haben.
Sie ist noch gar nicht so lange zurück im Dorf, als auch schon wieder etwas passiert. Dieses Mal im gar nicht so weit entfernten Dembley. Die Leiterin der dortigen Wandergruppe wurde ermordet auf einem Feld aufgefunden. Deborah  Camden, ein Mitglied der Gruppe, hat von den Fähigkeiten Agathas und James gehört, weshalb sie sich hilfesuchend an die beiden wenden. Diese sollen für sie herausfinden, wer die junge Jessica Tarnick ermordet hat. Unter Tatverdacht steht nämlich Deborahs Angebeteter, Sir Charles. 
Agatha und James quartieren sich in Dembley ein, Sir Charles stellt ihnen eine Wohnung zur Verfügung, in der die beiden als Mr und Mrs James Lacey wohnen. Sie treten den Dembley Walkers bei und versuchen, herauszufinden, wer sich Jessicas entledigt haben könnte. Eine nicht allzu leichte Aufgabe, denn Jessica war wohl keine einfache Person.
Agatha genießt die Zeit, sie fühlt sich wie die echte Mrs Lacey und ist immer wieder aufs Neue enttäuscht, als ihr klar wird, dass James ihr in Wahrheit immer mehr aus dem Weg geht. Erst als sie ihn für immer abschreibt, geschieht das Unglaubliche...
Die Bücher rund um Agatha Raisin und James Lacey sind einfach herzig. Zwar kommt ihnen in diesem Band der Zufall auch mehr zu Hilfe als ihre einzigartige Kombinationsgabe, dennoch sind die Bücher wirklich nett und nie langweilig. Man muss diese Art von Krimis mögen - also fast keine Action, wenig Blut, eher wenig Rafinesse, dafür viel Lokalkolorit, nette Charaktere - aber wenn man sie mag, liebt man M. C. Beaton.

Constable & Robinson
Paperback, 220 Seiten
ISBN 978-1-84901-137-2


Agatha Raisin and the Potted Gardener















Autorin: M. C. Beaton
Original: Agatha Raisin and the Potted Gardener (1994)
meine Bewertung: 3 von 5
Band 3 der Agatha Raisin-Serie

Einige Monate sind ins Land gezogen, seit Agatha Raisin ihr kleines Häuschen in den Cotswolds verlassen hat, um Urlaub zu machen. Zwar hat sie sich fernab des Dörfchens Carsely nicht besonders wohl gefühlt, sie hat ihre Katzen und Freunde in Carsely vermisst. Sie ist voll Vorfreude, besonders auf ihren Junggesellen-Nachbarn James Lacey freut sie sich. 
Es tut ihr umso mehr weh, als sie mitbekommt, dass in der Zwischenzeit die mondäne Mary ins Dorf gekommen ist. Diese ist eine passionierte Gärtnerin, genauso wie James, auf den Agatha ja sehr abfährt. Schnell kommt ihr jedoch zu Ohren, dass in der Zeit, in der sie selbst auf Urlaub war, James kein Kind von Traurigkeit war und mit Mary noch viel mehr geteilt hat als nur die Vorliebe für Grünpflanzen. Die hübsche und schlanke Mary ist Agatha ein Dorn im Auge, aber dennoch befreunden sie sich ein bisschen.
Als James und Agatha jedoch eines Tages Mary besuchen möchten, finden sie diese in ihrem Glashaus. Jemand hat sie an den Knöcheln aufgehängt und mit dem Kopf voran in einen Topf gepflanzt. Bill Wong, der örtliche Polizeichef, ist natürlich gleich vor Ort und warnt die beiden Hobby-Detektive davor, wieder einmal ihre Nase in die Arbeit der Polizei zu stecken. Es wären aber nicht James und Agatha, würden sie diesen Rat auch befolgen. Mit gefährlichen Folgen...
Band 3 der Serie steht den beiden Vorgängern um nichts nach. Es ist mal wieder ein gemütlicher Krimi, durchaus interessant, aber vor allem auch amüsant. Agathas Bemühungen, James näher zu kommen, haben mal wieder genau die umgekehrte Wirkung, aber sie gibt nicht auf. Und auch dieses Mal möchte sie sich durch eine schier haarsträubende Aktion in das Herz der Dorfbewohner schummeln - ohne mitzubekommen, dass diese sie schon längst akzeptiert haben und sie gerne haben. 
Keine Ahnung, warum die Serie mich so süchtig macht, wahrscheinlich ist es die Kombination aus idyllischem Dorf und regelmäßigen Morden, gewürzt mit einer fast aussichtslosen Liebesgeschichte.

Constable & Robsinson
Paperback, 220 Seiten
ISBN 978-1-84901-136-5



Agatha Raisin and the Vicious Vet















Autorin: M. C. Beaton
Original: Agatha Raisin and the Vicious Vet (1993)
meine Bewertung: 4 von 5
Band 2 der Agatha Raisin-Serie

Gerade hat sich die Aufregung rund um die mörderische Quiche von Agatha Raisin gelegt, da wird auch schon das kleine Dörfchen Carsely erneut heimgesucht. Der gerade neu in den Ort gezogene Tierarzt, Dr. Paul Bladen, stirbt, während er an einem von Lord Pendleburys Pferden eine Operation vornehmen möchte. Was anfangs noch wie ein Unfall aussieht, entpuppt sich schnell als Mord.
Natürlich ruft das die beiden Amateurdetektive Agatha Raisin und James Lacey auf den Plan. Zuerst ist es wirklich schwierig, die Wand aus Schweigen zu durchbrechen, vor der sich die beiden finden. Schließlich war Bladen Junggeselle und gar nicht so unattraktiv. Die Aufmerksamkeit der weiblichen Bevölkerung von Carsely war ihm also sicher. Mehr mit Glück kommen Agatha und James letztlich auf mögliche Motive und Täter, auch dieses Mal nicht, ohne selbst in Gefahr zu geraten.
Auch die Beziehung zwischen Agatha und James entwickelt sich - zwar nicht unbedingt weiter, aber James ergreift wenigstens nicht immer gleich die Flucht, wenn er Agatha die Straße herunter kommen sieht. Doch ob das reicht, um Agathas Traum von der Ehe mit James näher zu kommen? Wohl kaum.
Auch der zweite Band der Agatha-Raisin-Serie besticht durch eine Heldin, die herrlich unglamourös ist, ein wenig ungeschickt und dennoch liebenswert, eine kleine Gemeinde an handelnden Personen und malerische Landschaftsbeschreibungen. I like! Wer Cozy Mysteries mag und nicht unbedingt Blut und Gedärme braucht, liegt mit M. C. Beaton richtig!

Constable & Robinson
Paperpack, 220 Seiten
ISBN 978-1-84901-135-8

Donnerstag, 5. April 2012

Notes from a Big Country















Autor: Bill Bryson 

Original: Notes from a Big Country (1998)
meine Bewertung: 3 von 5

Bill Bryson, gebürtiger Amerikaner, der zwanzig Jahre lang in England gelebt hat, hat beschlossen, sich und seine Familie zurück nach Amerika zu übersiedeln. Es verschlägt sie nach New Hampshire. Bryson wird gebeten, für eine Zeitung eine wöchentliche Kolumne zu schreiben, die zum Thema hat, wie sich England und Amerika unterscheiden.
Bryson thematisiert in dieser Kolumne die Einstellung zur Umwelt, zu Sport, zu Essen - einfach zu allem. Er tut dies mit spitzer Feder und gewohnt amüsant. Ich hatte früher ja schon mal kritisiert, dass Bryson oberflächlich, klischeehaft und gemein ist in seinen Beobachtungen, wahrscheinlich war mir das besonders aufgefallen, als es um Europa ging. Nun schreibt er aber über zwei Länder, in denen er jeweils mehr als 20 Jahre seines Lebens verbracht hat, also gestehe ich ihm zu, Land, Leute und Kultur tatsächlich zu kennen.
"Notes from a Big Country" ist witzig und fies zugleich, die Amerikaner kommen nicht gerade gut weg. Es würde mich ja interessieren, was die Landsleute von Bryson so von seinen Büchern halten. Ich fand dieses hier jedenfalls kurzweilig und recht lustig. Man muss ja auch nicht jedes Wort glauben, das er da so über Amerikaner verliert...

Paperback
Black Swan, 398 Seiten
ISBN 0-552-99786-2

Dienstag, 3. April 2012

Hysterie des Körpers
















Autor: Joey Kelly 
Original: Hysterie des Körpers (2011) 
meine Bewertung: 5 von 5

900 km quer durch Deutschland und das zu Fuß: von Wilhelmshaven bis zur 2962 Meter hohen Zugspitze - dieses ehrgeizige Ziel hat sich der Extremsportler Joey Kelly gesetzt. Dieses Mal allerdings nicht aus Charity-Gründen oder für eine verrückte TV-Show. Nein, dieses Mal macht er das nur für sich und sein Ego, begleitet nur von seinem Inneren Schweinehund und hin und wieder TV-Kameras, die das unglaubliche Projekt abschnittsweise dokumentieren.
Nun ist schon die Strecke an sich der pure Horror für den Durchschnittsbürger, doch Kelly wär nicht er, würde er dem Ganzen nicht noch ein Sahnehäubchen aufsetzen. Seine selbstauferlegten Regeln beinhalten nämlich: geschlafen wird nur unter einer Plastikplane, gegessen nur, was er am Wegesrand findet. Spenden oder Essen von anderen Menschen darf er dabei nicht annehmen. Außerdem möchte er den Rekord von Rüdiger Nehberg brechen, der dieselbe Strecke vor mehr als zwanzig Jahren ebenfalls zu Fuß unterwegs war.
Kelly frisst sich also 18 Kilo Extragewicht an, packt seine Sachen und marschiert los. Nach 17 Tagen und 23 Stunden Kampf gegen sich selbst und die Wettergewalten steht er schließlich auf der Zugspitze. Um 15 Kilo leichter und überglücklich. 
"Hysterie des Körpers" ist ein wunderbares Buch, auch für all jene, die mit Ausdauersport oder gar Extremsport überhaupt nichts zu tun haben. Es zeigt nämlich sehr anschaulich und mit dem typischen Humor des ehemaligen Teenie-Idols, dass es im Leben vor allem eines gibt, was uns entweder zu Höchstleistungen bringt oder davor bewahrt: die Psyche. Der Rest ist einfach Hysterie des Körpers.
Die Erzählung ist witzig und spannend, obwohl so ein Marsch an sich ja nicht besonders spektakulär zu erzählen wäre. Doch während so eines Marsches ist natürlich auch viel Zeit zum Nachdenken. Und die füllt Joey damit, über sein Leben während des Hypes rund um die Kelly Family zu erzählen und aus dem Nähkästchen zu plaudern. Amüsant, spannend, motivierend - kann man durchaus lesen!

Rororo
Taschenbuch, € 9,99 (D) bzw. € 10,30 (A)
211 Seiten
ISBN 978-3-499-62810-8

Ein paar Takte aus dem Nähkästchen

Vielleicht hat sich der ein oder andere regelmäßige Besucher schon gefragt, warum ich in letzter Zeit keine Amazon-Links mehr verwende. Die Sache ist relativ einfach: ich will keine Buchhandelskonzerne mehr unterstützen. Weder Amazon noch Thalia. Zum einen, weil ich die gemütliche Atmosphäre einer "richtigen" Buchhandlung sehr schätze, zum anderen aufgrund diverser krümmlichen Machenschaften, die leider viel zu selten an die Medien gelangen. Demnächst werde ich hier eine eigene Kategorie "unabhängige Buchhandlungen" eröffnen, wofür ich natürlich um zahlreiche Hinweise bitte :D

In der Zwischenzeit zum Nachdenken: