Mittwoch, 9. März 2011

Mini Shopaholic



Autorin: Sophie Kinsella
Original: Mini Shopaholic (2010)
meine Bewertung: 4 von 5

Becky Brandon (neé Bloomwood) hat alle Hände voll zu tun: Es ist kurz vor Weihnachten und sie ist mit ihrer zweijährigen Tochter Minnie im Shoppingtaumel. Die Kleine hat viel von Mama, denn auch sie ist besessen von schönen Dingen. Dass Minnies Geschmack für eine Zweijährige ein wenig – nun – extravagant ist, ist für Beckys Kreditkarten kein Problem. Doch aus dem harmonischen Shoppingbummel mit der gesamten Familie, also auch mit Beckys Eltern, deren Nachbarn Janice und Martin und Luke, wird so schnell nichts. Es ist bereits die vierte Weihnachtsmann-Grotte, aus der Minnie rausgeworfen wird. Die Kleine ist eine wahre Herausforderung, doch als verzogen würde Becky sie auf keinen Fall bezeichnen.

PR Mann Luke hat hingegen alle Hände voll zu tun mit seinem Kunden Bank of England, die bankrott gegangen ist. Außerdem hat er einen geheimnisvollen neuen Kunden, mit dem er nicht über Becky sprechen möchte. Er ist also geheimniskrämerisch wie immer und gestresst wie immer. Doch auch Becky hat ihr Geheimnis. Es ist nicht mehr lang bis zu Lukes Geburtstag und sie plant dafür eine tolle Überraschungsparty. Sogar mit Lukes Sekretärin hat sie sich angefreundet. Allerdings hatte das ganze Land beschlossen, den Gürtel enger zu schnallen, in Anbetracht der Bankenkrise. Auch Becky hat geschworen, kein Geld mehr auszugeben. Wie aber kann sie da eine tolle Überraschungsparty für Luke auf die Beine stellen?

Zu allem Überfluss leben Becky, Luke und Minnie gemeinsam im Haus von Beckys Eltern, wo die Lage schon etwas beengt ist, da Becky natürlich eine kleine dezente Sammlung von Schuhen, Schmuck, Kleidung und Make-up vorweisen kann. Die beiden sind verzweifelt auf der Suche nach einem Haus, doch bisher war einfach noch nicht das richtige dabei. Und als ob das noch nicht genug wäre, hat sich der schrecklichste Mensch der Welt in den Kopf gesetzt, Minnie unbedingt kennenlernen zu wollen: das Schwiegermonster Elinor. Auch davon darf Luke nie etwas erfahren…

Auch im mittlerweile achten Band der Serie rund um Becky Bloomwood wimmelt es nur so von Geheimnissen und bizarren Situationen, in die sich Becky durch ihre Unfähigkeit, Schwächen zuzugeben, immer wieder hineinmanövriert. Eigentlich ist Becky eine Lügnerin – aber man verzeiht ihr, weil sie durch ihre Manöver in Lagen gerät, die sie schon genug strafen. Immer noch gibt es nichts Schöneres für sie als einkaufen zu gehen, Luke hat Stress und alles in allem sind die Charaktere einfach wie alte Freunde, die man gerne hat, egal wie verschroben sie sind.

Ein wenig nervt diese Lügerei zwar, oft versteht man einfach nicht, wie man nur so doof sein kann wie Becky – aber gerade das macht ihren Charme ja aus. Die Bücher sind sehr lustig, ohne platt zu sein, lediglich Minnie, um die es ja eigentlich hauptsächlich gehen sollte, kommt ein wenig zu kurz. Aber das kann man Kinsella verzeihen, schließlich ist dafür ein guter Schuss Spannung drin.
Broschiert: 392 Seiten
Verlag: Transworld Publishers; Auflage: Trade Paperback. (September 2010)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0593059808
ISBN-13: 978-0593059807

Dienstag, 1. März 2011

Morpheus



Autorin: Jilliane Hoffman
Original: Last Witness (2005)
Übersetzung: Sophie Zeitz
meine Bewertung: 3 von 5

Einige Jahre sind bereits vergangen, seit die berühmte Staatsanwältin CJ Townsend den berüchtigten und lang gejagten Serienmörder Bill Bantling hinter Gitter gebracht hat. Bantling konnte ursprünglich nur überführt werden, weil er bei einer rechtswidrigen Verkehrskontrolle aufgehalten wurde und dabei in seinem Kofferraum eine Mädchenleiche gefunden wurde. Das Problem: Die Kontrolle wurde aufgrund eines anonymen Hinweises durchgeführt, die Leiche dabei entdeckt. Hätte es keine Kontrolle gegeben, wäre die Leiche nicht entdeckt worden – damit könnte Bantling auch nicht verurteilt werden. Da er allerdings der berüchtigte Serienmörder, den man den Namen „Cupido“ gegeben hat, ist, muss er hinter Gitter. Deshalb machen die Staatsanwältin, zwei Polizeibeamte und sogar die Verteidigerin aus einer illegalen Kontrolle eine legale: indem im Nachhinein das Rücklicht beschädigt wird.

So weit so gut. Das alles ist vergangen, mittlerweile findet sich Staatsanwältin Townsend wieder halbwegs in ihrem Alltag, natürlich überarbeitet, aber ohne öffentlichem Aufsehen. Sie ist mit ihrem Freund Dominick glücklich und dabei, ihre seelischen Wunden zu lecken, die ihr Bantling einst zufügte. Als mitten in der Nacht ihr Pager piepst, weiß sie allerdings, dass die Ruhe vorbei ist. Ein Polizist wurde bestialisch in seinem Streifenwagen abgeschlachtet. Die Windschutzscheibe ist blutverschmiert, das Gesicht des Beamten verstümmelt. Und das Schlimmste daran: CJ kannte den Polizisten.

Dieser Mord ist jedoch nur der Auftakt für eine ganze Reihe an Polizistenmorden. „Morpheus“ wird der Täter von der Presse genannt – und als sich CJ die Reihe der ermordeten Polizisten ansieht, wird ihr klar: Jemand scheint alles daran zu setzen, dass das Geheimnis rund um Bantlings Verhaftung nicht auffliegt. Ist sie die nächste? Doch auch Bantling selbst macht ihr wieder zu schaffen: Dieser hat ein Berufungsverfahren angestrengt, das nun ansteht. Ob CJ diesen Psychoterror verkraftet?

Wie bereits erwähnt, ist „Morpheus“ die Fortsetzung von „Cupido“. Zwar nimmt die Autorin immer wieder Bezug auf den ersten Teil, so dass man bei „Morpheus“ auch ganz gut mitkommt, wenn man diesen nicht kennt, allerdings wird die Lektüre bei weitem spannender, wenn man „Cupido“ kennt. Und dann nerven einen leider die ständigen Rückblenden.

Im Großen und Ganzen hat Hoffman einen soliden Thriller abgeliefert: Anfangs ist er noch sehr spannend, gegen Ende hin hat man aber als Leser einen ziemlich starken Verdacht, wer der Cop-Killer sein könnte – und auch wie im ersten Teil bestätigt sich dieser Verdacht letztlich. So, wie dieser Band ausgeht, kann es durchaus sein, dass die beiden bisher erschienenen Bücher rund um Staatsanwältin CJ Townsend wohl nicht die letzten bleiben werden.

Wirklich interessant ist, dass unter der oberflächlichen Ebene des Thrillers ein tiefergehendes Problem schlummert: nämlich die moralische Seite der Angelegenheit. Bantling war ein Serienmörder – aber rechtfertigt das ein Komplott, in dem Beweise von Rechtsvertretern und Exekutive gefälscht werden? Solide Unterhaltung ,über die man noch ein bisschen nachdenken kann, wenn man möchte.
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 16 (1. November 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499236915
ISBN-13: 978-3499236914

Bunte Mischung

Eigentlich verspricht die Beschreibung meines Blogs ja, zu allen möglichen Genres der Literatur Rezensionen zu liefern - wenn ich mich aber hier so umsehe, muss ich zugeben, dass in letzter Zeit meine Lektüre sehr Kinderbuch-lastig war. Das kommt wahrscheinlich daher, dass die Bücher rund um Artemis Fowl einfach so spannend sind. Und so Kinderbücher auch schneller mal gelesen sind.

Aber ich gelobe Besserung: In der Zukunft werde ich versuchen, auch mal wieder mehr Erwachsenenbücher zu rezensieren. Das erste kommt wahrscheinlich heute noch: Eine Rezension zu Jilliane Hoffmans "Morpheus", der spannenden Fortsetzung von "Cupido".

Versprochen!
Chil

Das Zeitparadox



Autor: Eoin Colfer
Original: The Time Paradox (2008)
Übersetzung: Claudia Feldmann
meine Bewertung: 4 von 5

Das Leben von Artemis Fowl bleibt weiterhin bewegt. Nachdem er nach seinem letzten Abenteuer rund drei Jahre lang vermisst war, hat sich viel getan: mittlerweile ist Artemis der Bruder von dreijährigen Zwillingen, Butler hat seine Arbeit bei den Fowls aufgegeben und Artemis‘ Vater ist erfolgreicher Geschäftsmann, der sich für das Gute einsetzt. Eine ziemliche Überraschung für Artemis, als er wieder zurückkehrt. Natürlich muss er sein Verschwinden und vor allem sein Auftauchen seinen Eltern irgendwie erklären. Nach seiner Reise hat er einen kleinen Rest Magie behalten, die verwendet er dazu, um seine Eltern mit dem magischen Blick zu bearbeiten. Für sie ist jegliche Erinnerung an Artemis‘ Verschwinden gelöscht.

Dann erkrankt Angeline Fowl an einer seltsamen Krankheit, die sie innerhalb weniger Tage sterben lassen wird. Er holt seine unterirdischen Freunde zu Rat. Die Diagnose, die Holly, die Elfe, stellt, ist vernichtend: Artemis‘ Mutter scheint an Funkenpest zu leiden. Einer Krankheit, die bei den Unterirdischen eigentlich als ausgerottet gilt und in direktem Zusammenhang mit Magie steht. Das einzige Gegenmittel wird aus der Gehirnflüssigkeit von Lemuren gewonnen. Allerdings sind die seit längerem ausgestorben.

Was besonders bitter für Artemis ist: Er weiß genau, wer den letzten Seidenlemur umgebracht hat – oder zumindest für seinen Tod verantwortlich war: Es war er selbst. Um die Suche nach seinem damals verschollenen Vater finanzieren zu können, hat er den letzten seiner Art gegen Bargeld einem verrückten Extinktionisten verkauft, der sich seinen Kick durch die systematische Ausrottung von Tieren holt. Jetzt hat Artemis nicht nur ein schlechtes Gewissen, sondern hat auch einen Plan.

Der Zaubererdämon Nummer Eins öffnet erneut für ihn und Holly den Zeittunnel. Die beiden begeben sich direkt an den Tag, an dem Artemis den Lemur gestohlen hat, um ihn von Artemis dem Jüngeren zurück zu holen. Das große Problem dabei ist: Nicht einmal Minerva war in ihrer überintelligenten Art dem Jungen überlegen. Doch was, wenn dieser Junge gegen sich selbst antreten muss? Zu allem Überfluss taucht als Wurzel allen Übels auch noch eine alte Bekannte auf. Ob das mal gut geht?

„Das Zeitparadox“ ist der sechste Band der Artemis Fowl Reihe und steht an Einfallsreichtum und Spannung den anderen Bänden um nichts nach. Allerdings ist irgendwie schade, dass der Minerva-Strang aus dem fünften Band nicht weiter geführt wurde – aber wer weiß, vielleicht kommt das ja noch im nächsten Band („Der Atlantis-Komplex“, erscheint am 2. März 2011 als Hardcover). Zugegebenermaßen habe ich als erwachsene Leserin sogar Schwierigkeiten mit der Logik des Buches. Was aber nicht an Colfer liegt, sondern daran, dass das Zeitparadox ja ein Problem ist, an dem sich selbst große Philosophen bereits ihre Zähne ausgebissen haben.

Das beste ist in diesem Fall wohl, einfach zurück lehnen und die Dinge so akzeptieren, wie sie eben daher kommen und danach ein fettes Philosophiebuch wälzen! Man darf gespannt sein, was Artemis‘ Zukunft so bringen mag – seine Vergangenheit war ja bisher mehr als bewegt!
Broschiert: 380 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (12. Februar 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548281826
ISBN-13: 978-3548281827