Sonntag, 29. April 2007

Wilbur und Charlotte

Autor: E. B. White
Original: Charlotte's Web (1952)
meine Bewertung: 5 von 5



Eines Tages hört die kleine Fern, wie ihr Vater ein Schweinchen töten will, weil es das kleinste aus dem Wurf ist. Fern redet auf ihren Vater ein und rettet so das kleine Schweinchen, dass sie fortan Wilbur nennt. Wilbur führt das perfekte Schweineleben. Fern füttert ihn und pflegt ihn, sie fährt mit ihm im Puppenwagen herum und geht nirgendwo ohne Wilbur hin. Als das Schweinchen allerdings immer größer wird, ist es Zeit, ein neues Heim für Wilbur zu finden. Was bietet sich da besser an, als der gemütliche Stall von Ferns Onkel, der gleich auf der anderen Seite der Straße liegt?
Wilbur liebt sein neues Zuhause. Fern kommt immer noch jeden Tag, um ihn zu besuchen. Das kleine Schweinchen findet im Stall viele neue Bekannte, doch nur eine wird zu einer wahren Freundin. Es ist die Spinne Charlotte. Sie ist klug und einfallsreich und kann Wilbur viel über das Leben erzählen. Die Zeiten ändern sich, es wird kühler und Fern kommt nicht mehr so oft zu Besuch. Wilbur fühlt sich trotzdem nicht allein, denn er hat ja Charlotte. Doch je kühler es wird, umso öfter kommen Wilbur schreckliche Dinge zu Ohren. Er hört, dass er um Weihnachten geschlachtet werden soll, wenn er ordentlich dick geworden ist, und so einen guten Weihnachtsschinken abgeben soll. Natürlich hat das Schwein Angst um sein Leben, doch da ist ja noch seine Freundin Charlotte.
Charlotte entwickelt einen klugen Plan, der am Ende Wilbur sogar das Leben rettet. Das Buch zeigt, dass man, egal wie klein und unbedeutend man sich vorkommen mag, für irgendjemanden auf der Welt ganz groß ist und dass auch die Kleinen einiges bewegen können, wenn sie nur wollen. Die Geschichte ist sehr liebenswert, genauso wie ihre Charaktere. Garth Williams hat bezaubernde Zeichnungen geliefert, um die Geschichte zu illustrieren. Leider hat die Geschichte ein Ende, das zwar als gut, aber keineswegs als happy bezeichnet werden kann, weshalb ich es meinen Kindern nicht allzu früh vorlesen bzw. zum Lesen geben würde. Sogar ich habe einige Tränen vergossen, so dermaßen lieb gewinnt man die Tiere in der Geschichte. Bezaubernd, aber auch traurig, jedoch mit Moral versehen und doch irgendwie voll Hoffnung. Ein Meisterwerk!


  • Broschiert: 213 Seiten
  • Verlag: Diogenes (November 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257235240

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    Jane Eyre

    Autorin: Charlotte Bronte
    Original: Jane Eyre. An Autobiography. (1847)
    meine Bewertung: 5 von 5


    Die kleine Jane Eyre wurde vom Schicksal alles andere, als reich bedacht. Sie verlor schon früh ihre Eltern und wurde deshalb in die Obhut ihres Onkels und ihrer Tante gegeben. Ihr Onkel kümmerte sich um die kleine Waise genauso, wie um seine drei eigenen Kinder. Die Tante jedoch hasst Jane geradezu, weshalb Janes Leben eine sehr traurige Wendung nimmt, als ihr Onkel stirbt. Sie wird von der Tante verachtet, weil sie nicht so ist, wie ihre eigenen Kinder. Jane liest und ist klug, allerdings gab es gewiss schon hübschere Kinder, als sie. Die Tante beschuldigt sie zu Unrecht, ein falsches Kind zu sein und einen verkommenen Charakter zu haben. Sobald es irgendwie geht, entledigt sich die Tante ihrer verhassten Ziehtochter, indem sie sie in ein Mädchenpensionat schickt.
    Jane bleibt zuerst vier Jahre als Schülerin dort, dann weitere zwei Jahre als Lehrerin. Anfangs sind die Zustände in der Schule sehr schlecht. Es wird an allem gespart, viele Mädchen erkranken und sterben. Doch Jane schafft es, sich den Anforderungen anzupassen und entwickelt sich zu einer ausgezeichneten Schülerin. Als Lehrerin schafft sie es, aus den Kindern viel herauszuholen. Als ihre Mentorin in der Schule heiratet und die Schule deshalb verlässt, muss sich Jane um eine neue Stelle umsehen. Sie setzt ein Inserat in die Zeitung.
    Nicht lange, nachdem Janes Inserat erschienen ist, erhält sie ein Angebot. Sie soll in einem Herrenhaus namens Thornfield als Hauslehrerin arbeiten. Jane nimmt die Stelle an und reist in die bezeichnete Grafschaft. Sie ist angenehm überrascht, als sie ihre Stelle antritt. Ihre Aufgabe ist es, sich um die Ziehtochter von Mr. Fairfax Rochester zu kümmern. Mr. Rochester ist selten auf Thornfield, seine französische Ziehtochter Adele hingegen immer. Und diese soll auf die gute alte englische Art erzogen werden. Als Mr. Rochester dann doch einmal in Thornfield auftaucht, traut Jane ihren Augen kaum. Sie ist Mr. Rochester schon einmal begegnet. Aus dieser Tatsache entwickelt sich eine Art Freundschaft, die Angestellte und der Herr unterhalten sich oft. Doch für Jane wird aus diesem rein freundschaftlichen Gefühl etwas mehr. Doch gerade zu dieser Zeit beschließt Mr. Rochester, zu heiraten und unheimliche Dinge geschehen auf Thornfield.
    Als Jane die Hintergründe dieser seltsamen Vorkommnisse entdeckt, wird es abermals Zeit, ihre Stelle zu verlassen. Ohne jemandem Bescheid zu sagen, flieht sie früh am Morgen vom Anwesen. Sie hat sich mit nichts auf dem Weg gemacht und ist beinahe am Verhungern, als sie schließlich in einem kleinen Häuschen aufgenommen wird. Man rettet ihr dort nicht nur ihr physisches Leben, sondern auch ihr Herzleid wird nach einiger Zeit gelindert.
    Charlotte Bronte hat einen wirklich bemerkenswerten Roman geschaffen. Es handelt sich um einen Schmöker, in dem man sich sehr schnell verliert, wenn man erst einmal gewagt hat, die ersten Schritte in diese Welt zu tun. Sie schafft es, die Lebensweise, die strengen Formvorschriften und die Langsamkeit des Lebens im England des 19. Jahrhunderts. Neben Charles Dickens ist sie wahrscheinlich eine der wenigen Autoren, die es vermögen, ein Lebensgefühl mit einer solchen Selbstverständlichkeit zu vermitteln, dass man meint, dabei gewesen zu sein.
    Freilich ist anzumerken, dass das Wenige, das eigentlich passiert, auf weniger Seiten hätte ebensogut untergebracht werden können, allerdings wäre dann auch die Stimmung verloren gegangen. Das Buch ist bis zum Ende spannend, man kann nicht wirklich im Voraus sagen, wie sie ausgehen wird, da ja die Heldin, die der Leser schon so ins Herz geschlossen hat, schon derart oft vom Schicksal heimgesucht wurde. Die Stärke der Geschichte ergibt sich nicht so sehr aus der Handlung, sondern aus der Wortwahl und den Beschreibungen Charlotte Brontes. Trotz dieser vielen Beschreibungen bleibt das Buch bis zum Ende lebendig, man reist mit Jane herum, drückt ihr die Daumen und hofft für sie.
    Das Buch ist geprägt vom Leben seines Verfassers, die Parallelen von Janes zu Charlotte Brontes Leben sind auffällig, wenn man die Biografie der Autorin kennt. Empfehlenswert ist also die Lektüre eines Werkes, in dem ein Essay über die Bedeutung des Buches und das Leben der Bronte-Geschwister enthalten sind, beispielsweise von Diogenes. Ein Klassiker nicht zu Unrecht und dabei doch so spannend, lebendig und lesenswert. Aufschlagen und sich darin verlieren!

  • Taschenbuch: 675 Seiten
  • Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 10., Aufl. (Januar 1988)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257215819

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    Sonntag, 22. April 2007

    Berts intime Katastrophen

    Autor: Olsson, Sören / Jacobsson, Anders
    Original: Berts första betraktelser (1992)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Bert ist in diesem zweiten Band der Bert-Serie 12-13 Jahre alt. Mädchen werden immer wichtiger für ihn und er ist mächtig stolz, endlich eine "Alte" zu haben. Seine "Alte" darf man ein Mädchen dann nennen, wenn man mindestens einen Monat mit ihr fest gegangen ist. Bert und seine Freundin Nadja sind schon vier Monate ein Paar, doch dann lernt Bert Paulina kennen. Paulina ist für ihn, ganz objektiv betrachtet natürlich, die schönste Frau der Welt. Er findet sie so toll, dass er sich sogar in der Ballettschule seiner Tante einschreibt, nur um seiner neuen Flamme näher zu sein.
    Auch sonst passiert im Leben des Teenagers so einiges, was er seinem Tagebuch anvertraut. Bert tut das in seiner eigentümlich witzigen Weise und mit einer gehörigen Portion Ironie. In diesem Band verabschiedet er sich von seinem Alter Ego "Treb Walker" und legt sich auch gleich ein Neues zu: "Milton". Milton ist ein Höhlenmensch, den Bert für alles verantwortlich macht, was er so anstellt.
    Die Bert-Reihe ist auf jeden Fall sehr lesenswert für Jungs im Alter von Bert, der im Verlauf der Serie immer älter wird. Seine tagebuchschreibende Odyssee durch das Leben eines Teenagers beginnt recht harmlos im Alter von 11 Jahren ("Berts gesammelte Katastrophen") und endet mit Band 11, in dem Bert bereits 16 Jahre alt ist ("Berts allerletzte Katastrophen"). Es ist nicht unbedingt notwendig, die Lesereihenfolge einzuhalten, allerdings ist es doch interessanter, da man so an der Entwicklung Berts teilhat und es in einigen der späteren Bände sehr eindeutig fast durchgehen um Sex dreht - also nicht unbedingt empfehlenswert für Elfjährige. Nicht nur für Heranwachsende, auch für Erwachsene durchaus ein Lesespaß.


  • Gebundene Ausgabe: 157 Seiten
  • Verlag: Oetinger Verlag; Auflage: 13., Aufl. (Februar 1992)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3789139025

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    Freitag, 20. April 2007

    Die Tonne mit dem Totenkopf

    Autor: Thomas Brezina
    Original: Die Tonne mit dem Totenkopf (1990)
    meine Bewertung: 3 von 5


    Axel verbringt einige Tage in seinen Sommerferien bei seiner Tante Fee. Er genießt das schöne Wetter und bricht eines Tages zu einem Waldlauf auf. Dieser Waldlauf hat es in sich, denn plötzlich wird Axel von einer wilden Bestie verfolgt. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die wilde Bestie allerdings als zornige Kuh, die Axel mit geblähten Nüstern verfolgt und schreckliche Laute ausstößt. Nur ein Sprung in den kalten Waldsee kann Axel vor dem Monster retten.
    Als er wieder bei seiner Tante ankommt, ist für ihn eines klar: Seine Freunde und somit die restlichen Mitglieder der Knickerbockerbande müssen her, denn nur gemeinsam können sie herausfinden, was die Kuh dazu gebracht hat, so durchzudrehen. Lilo kommt aus Salzburg nach Linz, Poppi aus Graz und Domink aus Wien. Es dauert nicht lange, bis die vier eine heiße Spur verfolgen können und herausfinden, was der Nachbarbauer mit der ganzen Sache zu tun hat und weshalb im Wald gefährlich aussehende Tonnen gebunkert werden.
    Gerade noch können die vier Juniordetektive einen schrecklichen Plan verhindern und begeben sich dabei aber in allerhand Gefahr. Doch wie heißt es so schön im Motto der Knickerbockerbande? "Vier Knickerbocker lassen niemals locker!"
    Thomas Brezina ist in den letzten Jahren zu einer wahren Größe auf dem Kinderbuchsektor gelangt, er gehört zu den Vielschreibern in diesem Genre. Diese Geschichte ist der siebte Band aus der Reihe der Knickerbockerbande und gehört leider nicht zu den stärksten der Bücher. Es gibt besonders unter den späteren Abenteuern spannendere, allerdings werden sie meist auch immer unrealistischer und unwahrscheinlicher.
    Es ist nett zu lesen, dass Brezina seinen Wurzeln treu geblieben ist und in diesem Band (ich las eine Erstausgabe) einige Austriazismen zu finden sind, beispielsweise der "Plafond" und die "Stellage". Allerdings muss man anmerken, dass in Österreich die Mehrzahl von "Block" immer noch "Blöcke" heißt und nicht "Blocks" und man "Haken" schlägt und keine "Hacken". Trotzdem kann man das Buch (und auch alle anderen Bände der Reihe) getrost seinen Kindern überlassen. Sie kommen meist ohne Gewalt aus und sind spannend. Kann man also lesen, muss man aber nicht.

  • Taschenbuch: 140 Seiten
  • Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 1 (August 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3473562114

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    Sonntag, 15. April 2007

    Blind

    Autor: Joe Hill
    Original: Heart-Shaped Box (2007)
    meine Bewertung: 4 von 5
    Judas Coyne ist ein alternder Heavy-Metal-Star, der seine besten Tage zwar schon hinter sich hat, aber immer noch eine Berühmtheit darstellt. Er lebt etwas zurückgezogen auf einer Farm mit seiner (viel jüngeren) Freundin Marybeth und seinen beiden Hunden Angus und Bonnie. Außerdem ist da noch Danny, sowas wie Judes persönlicher Assistent.
    Es gibt einige Dinge, für die Jude eine Art Sammelleidenschaft entwickelt hat. Zum einen sind da die jungen Goth-Girls, die den Musiker glühend verehren und die er nur so nennt, wie der Staat, in dem er sie augerissen hat. Seine aktuelle Freundin ist daher Georgia, die davor war Florida. Zum anderen hat er eine kleine Sammlung ein wenig ungewöhnlicher - andere würden sagen abartiger - Dinge. Da ist beispielsweise dieser Snuff-Film, den er von einem Fan zugeschickt bekam oder auch das echte Sündebekenntnis mit der Unterschrift einer Hexe. Selten muss er sich solche Dinge selbst besorgen, meist werden sie ihm zugetragen.
    Als sein Assistent Danny ihm dann eines Tages davon erzählt, dass im Internet eine Frau den Geist ihres toten Stiefvaters zur Versteigerung anbiete, zögert er nicht lange und kauft ihn. Geliefert wird der Geist in einer herzförmigen, schwarzen Schachtel. Der materielle Beweis für die Anwesenheit des Geistes soll sein Totenanzug sein, der sich in der Schachtel befindet. Gleich beim Auspacken verletzt sich Georgia an etwas, das ebenfalls in der Schachtel gewesen sein muss ziemlich schmerzhaft am Daumen. Georgia misst der Sache nicht viel Bedeutung bei und ist der Meinung, sie müsse sich an einer Nadel gestochen haben. Jude entwickelt eine Art Antipathie gegen den Anzug und packt deshalb die Schachtel ganz hinten in den Schrank.
    Dass in der Schachtel wirklich ein Geist geliefert wurde, wird Georgia und Jude schnell klar. Jude bemerkt eine Gestalt, die im Gang auf einem Sessel sitzt, den Anzug trägt und in seiner Hand eine sichelförmige Klinge an einer Kette baumeln hat. Dort, wo das Licht auf die Gestalt fällt, ist sie praktisch unsichtbar und vor den Augen befinden sich seltsame schwarze Flecken - so, als ob jemand auf einem Foto die Augen des Mannes mit Filzstift ausgemalt hätte. Was anfangs nur eine stille Bedrohung darstellt, entwickelt sich nach und nach zum Problem. Der Geist ist nämlich nicht nur da, weil er sich nett unterhalten möchte, nein. Er führt Böses im Schilde und hat einen privaten Rachefeldzug gegen Jude und alle, die mit ihm zu tun haben, geplant. Sein erstes Opfer wird Danny, woraufhin Georgia und Jude beschließen, die Farm zu verlassen. Die Hunde nehmen sie mit - ihnen schwant, dass sie eine besondere Bedeutung in dieser Geschichte haben.
    Natürlich bleibt der Geist nicht auf der Farm, sondern verfolt die beiden Fliehenden durch das ganze Land in den Süden, wo die Reise an einem Ort aus Judes Kindheit, wo er vor dreißig Jahren seinen wahren Namen Justin Cowcynszki abgelegt und sein altes Ich hinter sich gelassen hat. Der alles entscheidende Kampf findet also auf bekanntem Boden statt und die Gegner schenken sich einander wirklich nichts.
    Wie wahrscheinlich jetzt schon allgemein bekannt ist, handelt es sich bei Joe Hill um niemand anderen, als Joseph Hillstrom King, dem zweiten Kind von Tabitha und Stephen King. Versuchen wir einmal, das außer Acht zu lassen - auch wenn es schwierig, weil offensichtlich ist. Die Geschichte ist gut durchdacht, hat eine innere Logik und baut sich langsam auf, erreicht seinen Spannungshöhepunkt kurz vor Ende und löst sich nachvollziehbar auf. Auch bei der Zeichnung seiner Figuren hat Hill solide Arbeit geleistet. Die Hauptfiguren haben eine Vergangenheit und Charakter, sie sind vielschichtig und interessant. Man hofft mit Jude und Georgia mit und wünscht ihnen das Beste - was will man mehr?
    Man könnte kritisieren, dass Hill in seinen Sätzen vor allem am Beginn der Geschichte viele Adverben und Adjektive verwendet und manche Schilderungen sehr minutiös sind. Da sich das aber im Laufe der Geschichte mehr und mehr verliert, kann man darüber wohl auch hinweg sehen. Wie jeder Autor dieses Genres bedient sich auch er allerhand Klischees, die Geister betreffen. Beispielsweise wird es kalt, wenn der Geist im Zimmer ist, mit den seltsamen Flecken vor den Augen hat er aber, soweit ich im Bilde bin, etwas Neues zum Geister-Mythos hinzugefügt.
    Nun wenden wir uns der Tatsache zu, dass Hill der Sohn von King ist. Wie schon erwähnt schimmert das durch einige Details der Geschichte durch. Zum Beispiel wäre da die Kindheit von Jude. Dieser hatte eine gestörte Beziehung zu seinem Vater, wurde verprügelt und daran gehindert, das zu tun, was ihm Spaß macht: Musik. Dann wäre da noch Scott, der Protagonist auch Kings neuerem Werk "Love" (Lisey's Story). Auch seine Kindheit war gestört, auch er wurde von seinem Vater geschlagen und daran gehindert, das zu tun, was er wollte: Schreiben. Was die beiden noch gemeinsam haben, ist die Verknüpfung von Horror und Sex, allerdings ist Hills Buch insgesamt spritziger und etwas humorvoller (wenn auch sehr hintergründig und schwarz) als die meisten Bücher seiner Vater.
    Hill verwendet insgesamt weniger Protagonisten in seiner Geschichte. Diese Tatsache würde ich weder positiv, noch negativ bewerten. Durch diese Konzentration auf einige wenige Hauptdarsteller wird das Schicksal jener in den Fokus gerückt und die Geschichte gestaltet sich weniger "aufgeblasen". Andererseits können durch mehrere Personen auch mehrere Handlungsstränge zusammengeführt werden, die in vielen Fällen dazu führen, Spannung über einen längeren Zeitraum aufzubauen und zu halten. Kein Kritikpunkt also - vielleicht eher ein Resultat aus der Tatsache, dass es sich um Hills Erstlingswerk handelt.
    Zusammenfassend kann man also sagen, dass Hill ein durchaus ernstzunehmender Newcomer am Firmament der Horrorliteratur ist. Natürlich gibt es da und dort noch einige Schwächen, diese sind allerdings nicht so offensichtlich, dass man sich darüber wirklich ärgern könnte. Wenn man das Buch zum ersten Mal liest, sollte man nicht den "Nachfolger" von King erwarten, sondern einen Kollegen, der seine ersten (sicheren) Schritte macht. Einen Kollegen, der noch dazu sein Herz in diese Geschichte gesteckt hat, wie man am Nachwort erkennen kann (das Vorwort ist übrigens seinem Vater gewidmet - mit den Worten "Er ist einer von den Guten").
    Ob es ein Nachteil oder Vorteil für Hill ist, wessen Mannes Kind er ist, ist schwer zu beurteilen. Vielleicht öffnet es ihm Türen, vielleicht wird er dasselbe Problem haben, wie viele Kinder berühmter Eltern: Es werden ihm eher Türen verschlossen. Es ist keinesfalls hinausgeworfenes Geld, wenn man auf eine spannende Geschichte steht und auch was mit Geistern anfangen kann. Hill hat definitiv eine Chance verdient.


  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Heyne (Februar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453265467

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    Donnerstag, 12. April 2007

    Das Welpenbuch

    Autorin: Katharina von der Leyen
    Original: Das Welpenbuch (3. Aufl. 2007)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Katharina von der Leyen hat einen Ratgeber geschrieben, der jedem angehenden Welpenbesitzer sehr ans Herz gelegt sei. Erfrischend locker und mit überraschend humorvollem Stil lässt sich dieses Buch wunderbar lesen. Auch sie scheut sich nicht, eindrückliche Warnungen auszusprechen. Wenn man nicht bereit ist, sich auch bei strömendem Regen oder Hagel, Blitz und Donner um drei Uhr nachts in den Garten zu stellen und darauf warten, dass der kleine Hund sich löst, sollte man keinen Welpen anschaffen. Gut, man bekommt zwar dadurch einen strahlend frischen Teint, aber man muss sich halt bewusst sein, was man sich da anschafft. Und für welche Dauer.
    Die Kapitel sind übersichtlich gegliedert, das Wichtigste findet sich am Ende noch einmal als Zusammenfassung. Behandelt werden
    * Entwicklungsstadien des Welpen
    * Hundesuche
    * Persönlichkeit der Welpen
    * Ankunft zu Hause
    * Die ersten Wochen zu Hause
    * Die Ernährung des Welpen
    * Gesundheit
    * Erziehung
    Im Anhang finden sich noch nützliche Adressen und ein Verzeichnis weiterführender Literatur. Für den Anfänger ist dieses Werk sicherlich eines der Standardwerke. Ausführlich genug, aber nicht zu detailliert, um den Hundebesitzer-Novizen zu überfordern. Als einziges Manko lässt sich nur sagen, dass es sich hierbei um die 3. "durchgesehene" Auflage aus dem Jahr 2007 handelt. Besonders sorgfältig kann es allerdings nicht durchgesehen worden sein, wenn immer noch Markpreise angegeben werden. Aber solange das der einzige Fehler ist, hat Katharina von der Leyen ein perfektes Buch für Welpen-Beginner geschaffen.


  • Gebundene Ausgabe: 159 Seiten
  • Verlag: Blv Buchverlag; Auflage: 3., durchges. Aufl. (Januar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3835402374

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    Dienstag, 10. April 2007

    Welpe

    Autorin: Brigitte Harries
    Original: Welpe - halten, pflegen, verstehen, beschäftigen (2007)
    meine Bewertung: 4 von 5

    In diesem aktuellen Ratgeber gibt Brigitte Harries erste Anleitung zum Umgang mit einem Welpen. Sie tut dies in einer liebevollen Art und Weise, erklärt, was sie weshalb für den Umgang mit einem Junghund als für wichtig erachtet und wie man die natürliche Rudelanhängigkeit des Hundebabys dazu nutzt, einen umweltverträglichen Erwachsenen aus ihm zu machen. Die Autorin geht darauf ein, worauf man bei der Anschaffung achten sollte, woran man einen seriösen Züchter und einen gesunden Welpen erkennt. Sie beschreibt die ersten Tage im neuen Heim, wie man das neue Familienmitglied zur Stubenreinheit erzieht und gibt Pflege- und Fütterungsratschläge. Illustriert wird der Ratgeber von 136 Farbfotos.
    Brigitte Harries wuchs bereits mit Hunden auf, studierte Pädagogik und Verhaltensbiologie und gibt in bekannten Hundezeitschriften Expertenratschläge. Dieses zugegebenermaßen eher dünne Ratgeberchen ist sehr gut geeignet, um sich einen ersten, eher oberflächlichen Eindruck zu verschaffen, am besten noch, bevor man sich einen Welpen ins Haus holt. Für die Hundeaufzucht sollte dieses Werk nicht das einzige Nachschlagewerk darstellen, sondern kann lediglich einen groben Überblick geben.


  • Broschiert: 72 Seiten
  • Verlag: Kosmos (Franckh-Kosmos); Auflage: 1 (Februar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3440103862

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    Montag, 9. April 2007

    Wie man mit einem Lachs verreist

    Autor: Umberto Eco
    Original: Il secondo diario minimo (1992)
    meine Bewertung: 3 von 5

    Umberto Eco, wahrscheinlich vor allem für seinen Roman "Der Name der Rose" bekannt, hat in diesem relativ dünnen Büchlein zahlreiche nützliche Ratschläge versammelt - die zwar alles andere als nützlich sind, dafür aber umso amüsanter. Er klärt uns auf, woran man einen Pornofilm erkennt, wie man im Flugzeug speist, wie man seine Zeit nutzt und sogar, wie man die "vermaledeite Kaffeekanne" benutzt. Eco tut dies nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern stets mit einem Zwinkern und durch schwarzen Humor und dem Witz der Ironie.
    Die ersten Kapitel sind durchaus lesenswert und beiten ein gewisses Maß an Unterhaltung, in einigen Fällen sogar eine Art Déja-vu Erlebnis. Was das Buch wirklich etwas zäh macht und ihm eine doch relativ mittelmäßige Bewertung beschert, ist das Kapitel der "Wahren Geschichten", hier vor allem die erste ("Sterne und Sternchen"). Streckenweise sehr trocken liest sich eine Geschichte, die subtil auf Probleme der "Überintegration", bzw. zunehmenden Konformität, aufmerksam macht. Schade, dass dies nicht auch im charmanten Stil der ersten Kapitel geschehen ist. An der Sprache kann man nicht viel aussetzen, auch das Prinzip des Buches ist durchaus sympathisch. Wie gesagt, es sind die Längen, die das "wütende Handbuch" (Henning Klüver, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt) zu einem eher mittelmäßigen Werk machen.


  • Broschiert: 226 Seiten
  • Verlag: Dtv (1999)
  • ISBN-10: 3423084782

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    Freitag, 6. April 2007

    Der stille Amerikaner

    Autor: Graham Greene
    Original: The quiet American (1955)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Fowler ist ein in Indochina stationierter, etwas ältlicher Journalist, der als Kriegsberichterstatter arbeitet. Es ist eine unruhige Zeit; doch noch gelingt es den Franzosen, die Stellung zu halten. Es sind die frühen Fünfzigerjahre. Fowler lebt in Saigon, gemeinsam mit seiner viel jüngeren, vietnamesischen Freundin Phuong. Eigentlich ist sein Leben geruhsam, doch dann lernt er den jungen Alden Pyle, einen Amerikaner, kennen. Pyle verliebt sich in Phuong und gibt dies auch offen vor Fowler zu. Um die Etikette zu wahren, wirbt Pyle in Gegenwart Fowlers um die Gunst Phuongs. Da Fowler immer noch verheiratet ist und sich seine Frau nicht scheiden lassen will, zieht es Phuong immer mehr zu dem jungen Amerikaner hin, der sie heiraten möchte und sie mit nach Amerika nehmen will.
    Irgendwann sieht Fowler ein, dass er eine denkbar schlechte Ausgangsposition dem jungen und unabhängigen Amerikaner gegenüber hatte und er gibt Phuong frei. So ganz findet er sich aber mit seiner Niederlage nicht ab. Mehr zufällig setzt sich in seinem Kopf ein immer genaueres Bild von Pyle zusammen, und Fowler muss erkennen, was für ein Mensch der sonst so korrekte Amerikaner in Wirklichkeit ist und welche Abgründe sich hinter einem so glatten Äußeren verbergen. Wird Fowler es schaffen, sich aus diesem Krieg herauszuhalten? Oder wird er - vielleicht, um Phuong wieder zurück zu gewinnen - seine Grundsätze verraten?
    Greene hat eine klassische Dreiecks-Geschichte in die Kriegswirren der Fünfzigerjahre versetzt. Nicht nur die Liebe, sondern auch das wahre Gesicht des Krieges werden aufgezeigt, allerdings muss man trotz der stellenweise spannenden Handlung viele, viele Längen in Kauf nehmen, die dem Buch nicht gerade einträglich sind. Die Sprache Greenes ist unumstritten faszinierend, sein Bericht erhellend. Schade also, dass sich das Buch dennoch schleppend liest.


  • Taschenbuch: 234 Seiten
  • Verlag: Dtv (Mai 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423131292

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    Montag, 2. April 2007

    Paul Watzlawick verstorben


    Bildquelle: www.aeiou.at
    (*25.07.1921, +31.03.2007)
    Paul Watzlawick verstarb am 31. März 2007 in Palo Alta in Kalifornien. Geboren und aufgewachsen ist Watzlawick in Villach (Kärnten), einen Namen hat er sich als Kommunikationswissenschafter, Psychotherapeut, Psychiater und Autor gemacht. Zu seiner wichtigsten Kommunikationstheorie zählte das Axiom "Man kann nicht nicht kommunizieren", außerdem zählt er zu einem der bekanntesten Vertretern des Radikalen Konstruktivismus.
    Sein Studium der Philologie und Philosophie schloss er 1949 an der Universität Venedig ab, kurz darauf erlangte er sein Analytikerdiplom der Psychotherapie am G.C. Jung-Institut in Zürich. Von 1954 bis 1960 unterrichtete und forschte Watzlawick an der Universität von San Salvador (El Salvador). Sein weiterer Lebensweg führte ihn 1960 nach Palo Alto (Kalifornien) als Forscher ans "Mental Research Institute", 1967 erhielt er einen Lehrauftrag an der Stanford University.
    Populär wurde Watzlawick nicht nur durch sein oben erwähntes Axiom der Kommunikation, sondern auch durch seine amüsant lesbaren Bücher, darunter die "Anleitung zum Unglücklichsein" und "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?".