Montag, 25. Juni 2007

Schöne neue Welt



Autor: Aldous Huxley
Original: Brave New World (1932)
meine Bewertung: 4 von 5

Die Geschichte spielt im Berlin des Jahres 632 n. F. Die Zeitrechnung wurde umgestellt auf „nach Ford“, Menschen werden nicht mehr geboren, sondern aus Flaschen entkorkt, man fliegt mit Lufttaxis in die Arbeit, der liebste Freizeitsport ist Elektromagnetisches Golf, man ist in seiner Partnerwahl flexibel, Monogamie ist ein Frevel und die Welt wird vom Weltaufsichtsrat beherrscht. Gott gibt es längst nicht mehr, genauso wie Bücher. Man hat die Menschheit in Kasten eingeteilt und führt Normungen durch, damit jeder in seiner Kaste glücklich werde. Überhaupt ist Glück das höchste Ziel in der schönen neuen Welt.

Was aber, wenn man nicht mehr glücklich ist? Die Protagonisten Sigmund und Lenina machen einen Ausflug ins Wildenreservat, wo man noch nichts von Ford gehört hat und auf primitivste Art und Weise haust. Sigmund nimmt Michel, einen jungen Wilden, vom Reservat mit in die Hauptstadt, vorrangig, weil er sich dadurch Ruhm und Aufmerksamkeit erwartet. Einige Zeit lang ist dem auch so, doch dann trifft Michel auf Sigmunds Freund Helmholtz, der sich zum Dichter berufen fühlt und in dem Wilden, der sämtliche Werke Shakespeares gelesen hat (in der schönen neuen Welt stehen diese auf dem Index). Es entwickelt sich eine Freundschaft, auf die Sigmund eifersüchtig reagiert. Auch Lenina wird immer aufgebrachter. Was ist nur mit diesem Wilden los, dass er nicht mit ihr schlafen will?

Huxley hat vor mehr als 70 Jahren diese düstere Zukunftsvision geschaffen. Zwar ist es noch nicht so weit, dass die Menschen genormt werden, bevor man sie entkorkt und es Kasten gibt, denen nicht erlaubt wird, zu denken, allerdings geht der Trend in der heutigen Unterhaltungsgesellschaft schon dazu, einsame Zerstreuungen fast nicht mehr zuzulassen. Die Geschichte hat einige Schwächen, wie Huxley in seinem Vorwort zugibt. Es passieren einige Dinge, die nicht konsistent in die Geschichte passen, es gibt keine wirkliche Erklärung für den Zustand der Welt und auch die philosophischen Schlussbetrachtungen am Ende kommen ein bisschen konstruiert daher.

Es gibt bessere Utopien/Dystopien, beispielsweise Orwells „1984“ oder „Farm der Tiere“. Dennoch ist die Geschichte spannend und doch die Zeit wert, die man zum Lesen braucht.

  • Taschenbuch: 252 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 63., Aufl. (1981)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596200261
  • Donnerstag, 21. Juni 2007

    Journalismus



    Autorin: Dagmar Lorenz
    Original: Journalismus (2002)
    meine Bewertung: 5 von 5

    „Es gibt so vieles, was geschieht, und so ungeheuer vieles, was nicht geschieht, dass es einem ehrlichen Zeitungsschreiber nie an Neuigkeiten fehlen darf“ wird Gustav Freytag am Cover des Buches zitiert. Lorenz hat ein nicht zu theorieüberladenes Werk über den Journalismus verfasst, das zur Einführungslektüre aller gehören sollte, die sich mit Medien bzw. Journalismus beschäftigen wollen oder müssen. Kurz angerissen werden die Geschichte des Journalismus, der Weg von der Massenpresse zu den Massenmedien, journalistische Berufsrollen, Theoriekonzepte und journalistische Praxis. Empfehlenswert, wenn man einen ersten Überblick bekommen möchte (oder sich um die Print-Prüfung bei Prof. Haas an der Uni Wien vorzubereiten), will man aber ausführlich zu einem Thema Bescheid wissen, sollte man vertiefendere Literatur wählen.


  • Taschenbuch: 205 Seiten
  • Verlag: Metzler (September 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3476103374
  • ISBN-13: 978-3476103376
  • Sonntag, 17. Juni 2007

    Dilettanten unterwegs



    Autorin: Sibylle Hamann
    Original: Dilettanten unterwegs (2006)
    meine Bewertung: 5 von 5


    Im Rahmen der Theodor Herzl Dozentur hielt Sibylle Hamann im Sommersemester 2006 vier Vorlesungen an der Universität Wien zum Thema Printjournalismus. Sie ist selbst erfolgreiche Journalistin, für „Profil“ und andere renommierte Nachrichtenmagazine tätig und Mutter von zwei Kindern. In diesem Buch finden sich ihre vier Vorlesungen und aus ihrer Werkstatt einige Beiträge, die sie im Rahmen der Vorlesung einige Male erwähnte.

    Spannend, mit einem besonderen Sinn für Humor und mit einer Leidenschaft für ihren Beruf, die man aus jeder Zeile herauslesen kann, erzählt sie, welche Probleme man als Journalistin in Afghanistan bekommen kann, weil man eben eine westliche Frau ist, sieversucht zu ergründen, wieviel Mitleid der Wahrheit gut tut und verschweigt auch nicht die offensichtlichen Nachteile ihrer Profession.

    Nicht nur für jene lesenswert, die sich aus beruflichen oder studientechnischen Gründen für den Bereich des Journalismus interessieren, sondern auch für den Zeitungsleser und Nachrichtenkonsument eine empfehlenswerte Lektüre.



    Gebundene Ausgabe: 175 Seiten
    Verlag: Picus Verlag; Auflage: 1 (Februar 2007)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3854526202

    Mittwoch, 13. Juni 2007

    Ein Winter auf Mallorca



    Autorin: George Sand
    Original: Un Hiver à Majorce (1848)
    meine Bewertung: 5 von 5

    George Sand ist eigentlich Amantine-Aurore-Lucile Dupin und war die Geliebte von Frédéric Chopin. Gemeinsam mit ihm und ihren beiden Kindern hat sie drei Monate im Winter 1838/39 auf Mallorca verbracht. Weil sie nirgends ein Quartier finden konnten, bezogen sie im Kloster in Valldemossa eine Zelle aus drei Räumen mit Garten. Die Mallorquiner waren ihr gegenüber misstrauisch und skeptisch. Zum einen waren sie Fremde, zum anderen fanden es die Mallorquiner seltsam, dass die Dame mit einem männlichen Namen unterschrieb und ihre Tochter in Hosen herumlaufen ließ. Mit viel Humor und Ironie beschreibt die Französin ihre Erlebnisse mit den Einheimischen und die wunderbare Natur, die sie beinahe für alles entschädigen sollte.


    Ich habe mir das Buch direkt in Valldemossa gekauft, nachdem ich das Kloster besichtigt hatte. Schon auf dem Weg zum Flughafen nach Hause hatte ich es fast durch. Es ist witzig, spritzig und überhaupt nicht langweilig. Gerade wenn man von Mallorca mehr kennt, als nur S’Arenal, kann man das Schöne in diesem Buch wiederentdecken. Wenn man nur den Ballermann kennt, wird’s Zeit, dieses Buch zu lesen. Gut, dass von der Falschheit und Unhöflichkeit Fremden gegenüber, die George Sand beschreibt, nicht mehr viel übrig geblieben ist. Wirklich eine Empfehlung. Und ein kleiner Tipp am Rande: Wenn man schon auf Mallorca ist, sollte man sich nicht nur Valldemossa ansehen, sondern auch La Granja!


    Taschenbuch: 220 Seiten

    Verlag: Insel, Frankfurt; Auflage: 4., Aufl. (Juli 1999)

    Sprache: Deutsch

    ISBN-10: 3458338020

    Montag, 11. Juni 2007

    Tod eines Sachverständigen



    Autor: P. D. James
    Original: Death of an Expert Witness (1979)
    meine Bewertung: 1 von 5

    Das Hoggart-Institut ist eine renommierte Stelle für Gerichtsmedizin. Zahlreiche Experten auf den Gebieten der Biologie, Dokumentenprüfung und Kriminalistik. Doch was passiert, wenn ausgerechnet in diesem Institut, das normalerweise hochgesichert ist, ein Mord passiert? Lorrimer, ein wichtiger Sachverständiger, wird eines Morgens erschlagen in seinem Büro aufgefunden. Da die Zahl seiner Feinde sehr groß war, gestaltet es sich nicht gerade leicht, den Mörder zu finden. Inspektor Dalgliesh hat allerhand zu tun, doch einen zweiten Mord kann auch er nicht verhindern.


    Von der „Welt am Sonntag“ wird P. D. James als Englands „Queen of Crime“ gepriesen. Ein Titel, der ihr, zumindest was dieses Buch betrifft, zu Unrecht gegeben wurde. Unbestrittene Königin des Krimis bleibt immer noch Agatha Christie, und gerade im Vergleich zu ihren Werken, werden James‘ Schwächen noch offensichtlicher. Schon in den ersten Kapiteln werden viel zu viele Personen in die Handlung eingeführt, die sich am Ende als komplett unwichtig herausstellen, da sie nicht wirklich nach dieser Einführung noch mit der Handlung in Berührung kommen. Die Geschichte ist zu großen Teilen vorhersehbar, keinesfalls spannend und auch sonst eher lasch und lustlos. Schade um die Zeit, die man mit diesem Werk verbringt.


    Taschenbuch

    Verlag: Wunderlich (Januar 2003)

    ISBN-10: 3499264277

    Sonntag, 3. Juni 2007

    Tod im Tessin



    Autor: Peter Andreas
    Original: Tod im Tessin (1973)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Der deutsche Chemielehrer Martin Hardt wird in die Schweiz gerufen. Sein Bruder, der Großindustrielle Wolfgang Hardt, wurde angeschossen und liegt in einem Krankenhaus im Sterben. Wolfgang hat sich viele Feinde geschaffen – durch Spekulationen, Steuerhinterziehung und allerhand obskure Geschäfte. Auch mit seinem Bruder verbindet ihn nicht gerade ein gutes Verhältnis. Trotzdem macht sich Martin auf die Suche nach dem Mörder seines Bruders. Dabei stößt er auf die ehemalige Geliebte Wolfgangs und deren missgestaltetes Kind.


    Die Frau weiß etwas, doch noch bevor sie sich Martin anvertrauen kann, wird auch sie ermordet. Als dann auch noch eine gemeinsame Verflossene Wolfgangs und Martins ins Spiel kommt, wird die Sache erst recht kompliziert. Dennoch gelingt es dem Chemielehrer, einigen Dingen auf die Spur zu kommen und schließlich den wahren Mörder zu finden. Dafür, dass es sich um einen billigen Heftchen-Krimi handelt, hätte man eigentlich etwas schlechteres erwarten können. Eigentlich ist die Geschichte spannend und gar nicht so schlecht erzählt. Dennoch sind die Schwächen offensichtlich. Die Handlung wirkt sehr konstruiert und teilweise auch an den Haaren herbeigezogen. Zuviele Personen für nur 190 Seiten und viele Zufälle sind weitere Minuspunkte.


    Taschenbuch

    Verlag: Luebbe Verlagsgruppe (Dez. 1977)

    ISBN-10: 3404002482