Mittwoch, 9. November 2005

Im Dunkel der Angst



Autorin: Laura Wilson
Original: Hello Bunny Alice (2003)
meine Bewertung: 4 von 5

Alice Jones lebt einsam in ihrem Landhaus, ziemlich abgeschieden von den nächsten Nachbarn und nur in Gesellschaft ihres Hundes Eustace, ihrer Pferde, den Hühnern und den Meerschweinchen. Sie liebt diese Einsamkeit, sie braucht diese Einsamkeit einfach. Vor sieben Jahren hat sich ihr Verlobter Lenny Maxted erhängt und sie hat seine Leiche gefunden. Als sich die beiden kennen lernten, arbeitete Alice als Bunny in einem Club und Lenny war ein landesweit bekannter Komiker. So harmonisch und stürmisch ihre Liebe anfangs war, so kompliziert wird sie schließlich. Nach Lennys Tod bricht Alice auch den Kontakt zu Lennys ehemaligem Partner Jack Flowers ab. Nach einer weiteren gescheiterten Ehe zieht sie schließlich die Gesellschaft der Tiere der Gesellschaft der Menschen vor.

Sie genießt ihre Ruhe, doch sieben Jahre nach Lennys Tod erhält sie mysteriöse Zeitungsausschnitte, die irgendwie mit dem Tod von Lenny und einer seiner Ex-Geliebten in Verbindung stehen und plötzlich steht auch noch Jack vor ihrer Tür. Er quartiert sich bei Alice ein, die sich anfangs über die Gesellschaft freut, aber schon nach wenigen Tagen herausfindet, dass irgendwas nicht stimmen kann. Sie fühlt sich von Jack bedroht, der immer mehr trinkt und ihr Lügen erzählt. Als sie schließlich hinter Jacks Geheimnis kommt, ist es schon fast zu spät, sie muss Stunden voll höllischer Angst durchleben bevor die vermeintliche Rettung naht...

Laura Wilson lässt ihre Hauptperson in der Ich-Form erzählen, was zum einen sehr ungewöhnlich für dieses Metier ist und zum anderen auch interessante erzählerische Effekte liefert. Die Spannung wird dadurch gesteigert, man hat das Gefühl, ständig neben der Erzählerin zu stehen und mit ihr ihre Angst zu erleben und zu hoffen. Die Geschichte ist spannend aufgebaut, es gibt mehr als nur eine unerwartete Wendung und mehrere tragische Einzelschicksale, die sich zu einem Ganzen zusammenfügen. Wilson ist durchaus einen Versuch wert!
Taschenbuch: 313 Seiten
Verlag: Goldmann (Januar 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442456274
ISBN-13: 978-3442456277

Montag, 7. November 2005

Wellen



Autor: Eduard Graf von Keyserling
Original: Wellen (1911)
meine Bewertung: 3 von 5

Schauplatz dieses Romans von Keyserling ist die Kurische Nehrung der vorletzten Jahrhundertwende. Verschiedene Aristokraten haben sich eingefunden, um die Sommerfrische gemeinsam zu verbringen. Darunter sind Generalin von Palikow, ihre Tochter die Gräfin Buttlär mit ihrem Gatten, dem Sohn Wedig und den beiden Töchtern Nini und Lolo.

Außerdem stößt der Verlobte von Lolo, Hilmar, zu den Sommerfrischlern. Die Gesellschaft beginnt sich schnell zu langweilen - nur gut, dass auch Gräfin Doralice und ihr Gatte Hans Grill, ein Maler, am Meer Ferien machen. Doralice, die eigentlich mit einem Grafen verheiratet war, verliebte sich in den Maler, als dieser ein Portrait von ihr anfertigen wollte. Doralice, geschmeichelt von soviel Zuneigung macht sich mit Hans auf und davon, um ihn in London zu heiraten. Natürlich wird sie so zu einer von der adligen Gesellschaft Verstoßenen, als Klatschthema eignet sie sich jedoch allemal.

Nachdem die Gräfin Buttlär den Kindern verbietet, mit Doralice zu sprechen, wird es natürlich zur liebsten Beschäftigung der Jugend, Doralice bei ihren Spaziergängen zu begegnen - rein zufällig natürlich. Wie es kommen muss, lernen sich nach einiger Zeit auch Hilmar und Doralice kennen. Hilmar verliebt sich in die Schöne und küsst sie eines Nachts, als ihr Mann Hans auf dem Meer zum Fischen ist. Lolo sieht dies und beschließt, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Von da an nimmt die Geschichte eine schicksalhafte Wende und natürlich kommt alles wieder anders, als man denkt.

Keyserling hat einen Roman geschaffen, der in einer malerischen Sprache verfasst ist und in die vorletzte Jahrhundertwende entführt. Die Geschichte ist überhaupt nich spannend, dafür für Romantiker sicher das Richtige. Nicht jedermanns Sache, aber sicher einen Versuch wert!
Gebundene Ausgabe: 172 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (9. Oktober 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3937793534
ISBN-13: 978-3937793535

Donnerstag, 3. November 2005

Menschenjagd



Autor: Stephen King als Richard Bachmann
Original: Running Man (1982)
meine Bewertung: 3 von 5

Wir schreiben das Jahr 2025. Es gibt Pneumo-Autos, die Luft ist kaum mehr atembar und die Fernsehanstalt ist wichtiger geworden, als die Regierung. Ben Richards lebt mit seiner Frau Sheila und seiner kleinen Tochter Cathy in einer Sozialwohnung in Co-Op-City, einer der vielen Armengegenden. Ben hat seinen Job als Maschinenputzer bei General Atomics aufgegeben, um überhaupt ein Kind zeugen zu können und jetzt ist die kleine krank geworden. Sie hat Lungenentzündung und braucht dringend Medikamente.

Das Geld der kleinen Familie ist knapp und bevor Sheila wieder als Prostituierte arbeiten muss, beschließt Ben, die Sache in die Hand zu nehmen. Er bewirbt sich für eine der vielen grausamen Spielshows, die die große Fernsehanstalt über Free-Vee täglich sendet. Er schafft es, für "Menschenjagd" ausgewählt zu werden. Die Spielregeln sind denkbar einfach: Ben wird vom ganzen Land gejagt, wird er erwischt, wird er umgebracht. Für jede Stunde, die er in Freiheit verbringt, bekommt seine Familie hundert Dollar. Und für jeden Polizisten, den er tötet, gibt es einen extra Bonus. Es dauert nicht lang, da wird der Gejagte selbst zum Jäger, um sein Leben zu retten.

Wie man es von Stephen King, alias Richard Bachman, erwartet, ist die Geschichte spannungsgeladen und voll Action. Mit der Romanvorlage hat der gleichnamige Film mit Arnold Schwarzenegger nicht viel gemeinsam, außer vielleicht der Grundidee. Das Buch ist viel besser und obwohl es ein wenig futuristisch anmutet, kann man doch schon ein wenig zeitkritik herauslesen, die besonders in den heutigen Zeiten von Überwachungsstaat und Big Brother dringend nötig ist. Für den Schluss allerdings, ist mir Mr King eine Erklärung schuldig. Oder kann er es nicht ertragen, einmal eine Story mit Happy End zu schreiben?
Taschenbuch: 226 Seiten
Verlag: Heyne (24. November 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453022912
ISBN-13: 978-3453022911

Mittwoch, 2. November 2005

Pu der Bär



Autor: Alan A. Milne
Original: Pooh the Bear (1987)
meine Bewertung: 5 von 5

Wer kennt sie nicht, die Geschichten um den Bären, der nach eigenen Angaben nicht besonders viel Verstand besitzt und seine Freunde? Winnie der Pu, eigentlich Eduard Bär, ist der beste Freund von Christopher Robin, mit dem er viel aufregende Abenteuer erlebt. Mit von der Partie sind auch Kaninchen, Ferkel, I-Ah, Eule, Känga und Klein Ruh.

In diesem Band sind 10 klassische Geschichten rund um die Freunde gesammelt, die alle mit liebevollen Illustrierungen versehen sind. Es ist ein Buch nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, da sie wahrscheinlich den feinen Humor von Milne entdecken werden. Berührend, amüsant, wundervoll. Diese Buch gehört gelesen, vorgelesen, angeschaut und auf jeden Fall zu den wichtigsten Büchern, die in einer Kinder- und Erwachsenenbibliothek vorhanden sein sollten. Man muss sich nur trauen und sich auf die einzigartige Magie der Geschichten einlassen, einfach vergessen, wie alt man wirklich ist.
Gebundene Ausgabe: 135 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (September 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151020
ISBN-13: 978-3866151024