Montag, 28. Februar 2011

Die verlorene Kolonie



Autor: Eoin Colfer
Original: The Lost Colony (2008)
Übersetzung: Claudia Feldmann
meine Bewertung: 5 von 5


Wieder einmal hat Artemis Fowl einen genialen Coup geplant. Er befindet sich mitten in Barcelona, hat alles genau berechnet und seinen Leibwächter Butler so platziert, dass er ihm Rückendeckung gibt. Er wartet darauf, dass sich ein Dämon materialisiert. Klingt seltsam, ist aber im Leben von Artemis Fowl beinahe schon alltäglich. Doch dieses Mal tut sich vorerst nichts. Artemis hat sich verrechnet, denn mit großem Getöse materialisiert sich später als ursprünglich berechnet ein Dämon, dieser erscheint aus einer Art Zeittunnel und reißt Artemis mit sich.

Der Junge wird auf die Insel der Dämonen, Hybras, katapultiert, doch dort bleibt er nicht lange. Er hat genug Silber bei sich, um sich in seiner Welt zu verankern und wird deshalb wieder zurückgesogen. Was seltsam ist: ständig taucht in letzter Zeit die kleine Minerva Palazzo auf: ein Mädchen, das an Genialität Artemis fast schon übertrifft. Und auch seine beängstigende Skrupellosigkeit hat sie mit ihm gemeinsam.

Blöd nur, dass sich eine Menge Probleme auftun und Artemis seine seltsamen Gefühle für das Mädchen momentan so gar nicht gebrauchen kann. Eigentlich ist Minerva ja einer der aktuellen Feinde. Denn: Hybras, die Insel der Trolle, die vor Jahrtausenden von mächtigen Zauberern in eine Parallelewelt verschoben wurde, um die Trolle zu schützen, ist im Begriff, sich aufzulösen. Also muss sich Artemis mal wieder mit seinen überaus sympathischen Freunden aus der Unterwelt zusammen tun, um sowohl die eine als auch die andere Welt zu retten.

Mit an Bord sind wieder Zentaur Foaley, die Elfe Holly und Mulch Diggums, der Tunnelzwerg. Neben dem strukturellen Problem der Insel Hybras muss sich Artemis aber auch noch mit der kleinen Minerva herumschlagen, die ihm Holly entführt hat, um die Elfe vor dem Nobelpreiskommitee vorzuführen. Nicht auszudenken, welche Folgen das für die Menschen auf und die Bewohner unter der Erde hätte…

Auch das fünfte Abenteuer von Artemis Fowl und seinen Freunden muss sich nicht vor seinen Vorgängern verstecken. Es ist wieder einmal ein rasantes Buch mit zauberhaften Hauptdarstellern, dieses Mal findet sich zu den bisher bekannten Charakteren auch noch ein Troll ein, der so sehr aus der Art geraten ist, dass er fast schon als sensibel bezeichnet werden kann.

Es ist eine so fantastische Welt, dass man sich wirklich schwer tut, sich am Ende von ihren Bewohnern zu trennen. In diesem Band wird Artemis ein wenig menschlicher als bisher, er bekommt sanftere Züge, was ihm aber nicht schadet. Man darf gespannt sein, wie die Serie noch weiter geht…
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (1. April 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548268676
ISBN-13: 978-3548268675

Samstag, 19. Februar 2011

Die Nacht der Weißwurstvampire



Autor: Thomas Brezina
Original: Die Nacht der Weißwurstvampire (1992)
meine Bewertung: 1 von 5

Die vier Mitglieder der Knickerbocker Bande machen Urlaub bei Axels Onkel Klaus Jürgen, auch Schweinchen Schlau genannt. Dieses Mal befinden sie sich in Bayern, als sie auf ihren neuesten Fall stoßen. Natascha, ein Mädchen im selben Alter der Kinder, benimmt sich etwas seltsam, weshalb Klaus Jürgen die Bande gebeten hat, sie ein bisschen näher unter die Lupe zu nehmen. Die Kinder verfolgen Natascha bis in einen Kartoffelkeller. Doch was sie dort finden, erschreckt die Kinder zutiefst: ein Sarg steht im Keller, und dieser Sarg ist scheinbar bewohnt.

Zwar erschrickt die Bande gehörig, doch ein echter Knickerbocker lässt niemals locker und so schnüffeln die vier mal wieder in Angelegenheiten herum, die sie nichts angehen, wodurch sie sich natürlich erneut in gefährliche Situationen begeben. Als dann überall geheimnisvolle Vampire auftauchen und die Kinder entführt werden, hört der Spaß auf…

„Die Nacht der Weißwurstvampire“ ist ein sehr seltsames Buch aus der Reihe der Knickerbocker Bande. Bis zum Ende wird nicht klar, weshalb sich die Bande als Vampire verkleidet und was das mit Weißwürsten zu tun hat. Die Geschichte ist selbst für einen Brezina sehr konstruiert und die Gefahren, in die sich die Kinder bringen, weit hergeholt. Wie mir das Buch als Kind gefallen hat, weiß ich nicht mehr, aber als Lektüre rund 20 Jahre später taugt das Buch nichtmal mehr für eine melancholische Reise in die Vergangenheit.
Gebundene Ausgabe: 139 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag (1992)
ISBN-10: 3473470112
ISBN-13: 978-3473470112

Leon der Zauberfloh



Autor: Janosch
Original: Leon der Zauberfloh (1997)
meine Bewertung: 3 von 5

General Pietrofski und Herr Bubak ziehen gemeinsam durch die Welt. Die beiden skurrilen Gestalten wohnen in einem Zirkuswohnwagen, der von einem Pferdchen gezogen wird und verdienen ihr Geld als Zirkusdirektoren. Doch die beiden betreiben keinen normalen Zirkus, oh nein. Der Zirkus Magnus ist ein Flohzirkus und deren größte Attraktion Leon, der Riesenfloh. Leon ist ein Rebell und tut nie, was von ihm verlangt wird.

Als der Zirkus dann in das fürchterlich langweilige Städtchen Oberfimmel kommt, ist erstmal der Teufel los. Leon macht sich aus dem Staub und seine beiden Besitzer Herr Bubak und General Pietrofski schreiben ein Fahndungsplakat. Ganz Oberfimmel macht sich auf die Suche nach Leon – den sie alle fälschlicherweise für einen Löwen halten…

„Leon der Zauberfloh“ ist ein ganz nettes Kinderbuch mit ein paar hübschen Illustrationen, allerdings ist der Titel ein wenig irreführend, denn mit Zauberei hat das ganze Buch überhaupt nichts zu tun. Dennoch: nett, aber nichts Besonderes.
Gebundene Ausgabe: 111 Seiten
Verlag: Little Tiger (1998)
ISBN-10: 3931081044
ISBN-13: 978-3931081041

Die Rache



Autor: Eoin Colfer
Original: The Opal Deception (2004)
Übersetzung: Claudia Feldmann
meine Bewertung: 5 von 5

Die verbrecherische Wichtelin Opal Koboi, nach ihrem Coup mit einer Koboldbande von der Zentralen Untergrund Polizei (ZUP) verhaftet, liegt eigentlich im Koma. Sie wird regelmäßig überwacht, es werden Gentests genommen und ihre Vitalfunktionen überprüft. Die Unterirdischen wollen auf jeden Fall verhindern, dass die Wichtelin mit dem Plan, die Weltherrschaft an sich zu reißen, erneut auf Achse geht. Eigentlich gibt es keine Möglichkeit, aus diesem Gefängnis zu entfliehen, aber dennoch gelingt Opal die Flucht.

Dieses Mal ist ihre einzige Motivation Rache. Sie möchte erstens Artemis und Holly ausschalten und zweitens die gesamte Bevölkerung der Unterirdischen. Sie plant, sich zu einem Menschen umoperieren zu lassen, sich einen Adoptivvater zu suchen und als Mensch zu leben, während die Menschen die Unterirdischen für sie vernichten. Der Plan ist teuflisch und von Opals Hochmut durchtränkt – und der kommt bekanntlich vor dem Fall.

Derweil ist Artemis nach einer erneuten Gedächtnislöschung wieder dazu übergegangen, sich als Verbrecher zu betätigen. Ironischerweise ist er gerade dabei, das berühmte Gemälde „Der Elfendieb“ zu klauen, als er von Opal attackiert und entführt wird. Er hat keine Ahnung, was da passiert ist, schließlich kann er sich an keines seiner Abenteuer mit den Unterirdischen erinnern, auch als Opal Holly gefangen nimmt, fällt der Groschen erst langsam.

Artemis hat aber vor seiner Gedächtnislöschung dafür gesorgt, dass er eine Art Sicherheitsseil hat. Mulch Diggums ist im Besitz einer Laserdisk, die das Gedächtnis von Butler wieder reaktivieren kann. Diggums bricht aus dem Gefängnis aus und macht sich auf dem Weg zu Fowl Manor, dem Herrenhaus der Fowls. Nachdem Butler die Disk angesehen hat, ist ihm alles klar: Er weiß nun, was er zu tun hat.

Ganz im Gegensatz zu Artemis und Holly. Diese sind in einem ehemaligen Vergnügungspark, der nun von Trollen bewohnt wird, eingesperrt. Trolle sind äußerst unangenehme Wesen, selbst wenn man nicht – so wie Artemis und Holly – mit einem Pheromon eingesprüht ist, das die blutrünstigen Tiere auf einen aufmerksam macht. Wird es den beiden gelingen, sich aus dieser brenzligen Situation zu befreien und Opal erneut hinter Gitter zu bringen?


Der vierte Band der Artemis Fowl Reihe steht seinen Vorgängern in nichts nach. Die Geschichte ist faszinierend, spannend und intelligent konstruiert, der Sprachwitz nimmt sogar von Band zu Band zu, so dass es hier – trotz einiger sehr trauriger Szenen – auch etwas zu lachen gibt. Wenn man sich in der Artemis Fowl Reihe bis zu band vier durchgelesen hat, fällt es einem richtig schwer, das Buch am Ende zur Seite zu legen und sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Die Versuchung, gleich ohne Pause und kopfüber in Band fünf zu versinken, ist einfach zu groß.

Die Wesen der Unterirdischen sind mittlerweile zu Freunden geworden: Nicht nur zu Freunden von Artemis und Butler, sondern auch von den Lesern, so dass einen der Verlust eines solchen Freundes doppelt schmerzt und man mitbangt und mitzittert bis zur letzten Zeile. Eine Empfehlung nicht nur für junge Leser ab zwölf, sondern auch für alle erwachsenen Leser, die sich gerne in Fantasiewelten verlieren.
Broschiert: 336 Seiten
Verlag: List Tb.; Auflage: 1., Aufl. (Mai 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548606601
ISBN-13: 978-3548606606

Mittwoch, 16. Februar 2011

Artemis Fowl - Die Verschwörung



Autor: Eoin Colfer
Original: The Artic Incident (2002)
Übersetzung: Claudia Feldmann
meine Bewertung: 5 von 5

Die Zentrale Untergrundpolizei (ZUP) ist beunruhigt: Mehrere Lasergewehre sind aufgetaucht, die mit menschlichen Batterien betrieben werden. Es muss also einen Austausch zwischen Unterirdischen und Oberirdischen geben, der natürlich potentiell gefährlich ist. Was liegt da näher, als an den Lieblingsfeind der Unterirdischen zu denken? Schnell macht sich Commander Holly Short, eine Elfin der ZUP, auf den Weg, um den genialen irischen Jungen zu besuchen, der der Einzige Mensch ist, der wissentlich mit den Unterirdischen Kontakt hatte. Blöd nur, dass die ZUP Artemis einer Gedächtnislöschung unterzogen hat und er sich nur allmählich wieder an die Abenteuer aus Band 1 erinnern kann.

Zwar ist Artemis dieses Mal völlig unschuldig, aber auch er schlägt sich mit einem großen Problem herum, bei dem er gut Hilfe benötigen könnte. Sein Vater verschwand vor zwei Jahren bei einer Arktis-Expedition. Doch jetzt ist ein Video aufgetaucht, das seinen Vater in sehr schlechtem Zustand, aber immerhin lebend, zeigt. Artemis wird erpresst – er soll nach Murmansk kommen und seinen Vater im Austausch gegen eine Unmenge an Geld abholen. Artemis wäre nicht Artemis, wenn er nicht versuchen würde, seinen Vater lebend zu bekommen, ohne auch nur einen Groschen des Lösegelds bezahlen zu müssen.

Holly und Artemis erkennen, dass sie aufeinander angewiesen sind. Also stimmt Holly in den neuesten Geniestreich von Artemis ein: Zuerst wird den Batterien-Schmugglern das Handwerk gelegt, danach hilft die ZUP Artemis, seinen Vater aus seiner Gefangenschaft zu befreien. Die Kobold-Bande B’wa Kell, die den Batteriehandel betreibt, ist schnell dingfest gemacht, also wendet man sich der Rettungsmission zu, die schon ein weniger heikler verläuft.

Das wahre Drama spielt sich aber dennoch bei den Unterirdischen ab. Die ebenso geniale wie bösartige Wichtelin Opal Koboi hat geplant, mit Hilfe der Kobolde die Herrschaft über die Welt der Unterirdischen an sich zu reißen. Als Holly und Artemis von ihrer Rettungsaktion in der Arktis zurückkehren, befindet sich Haven, die Hauptstadt der Unterirdischen, bereits fest in der Hand der Kobolde. Ob das ungewöhnliche Team aus Mensch und Elfe da noch rechtzeitig kommt? Zum Glück sind Holly und Artemis ja nicht alleine. Sie werden erneut vom Zentauren Foaley, Commander Julius Root, Mulch Diggums und Artemis‘ Leibwächter Butler unterstützt.

„Die Verschwörung“ ist der zweite Band aus der Artemis Fowl Serie und setzt beinahe nahtlos an Band 1 an. Zwar kann man alle Bände auch einzeln lesen, aber um das große Ganze verstehen zu können und um mehr Spaß dabei zu haben, sollte man die Reihenfolge unbedingt einhalten. Die Charaktere wachsen einem nach und nach immer mehr ans Herz und eine Entscheidung, zu wem man nun hält – zu den Unterirdischen oder zu Artemis – erübrigt sich in diesem Band, was es noch lustiger macht.

Colfer versteht es, die LeserInnen in seinen Bann zu ziehen, auch wenn diese – wie in meinem Fall – schon erwachsen sind. Man muss sich nicht zwischen Fowl und Potter entscheiden: Wenn man Harry mochte, wird man auch seinen Spaß an Holly und ihren Gefährten haben. Die Artemis-Reihe ist spannend, witzig und wertvolle Lektüre für alle Leser! Empfehlung!
Broschiert: 304 Seiten
Verlag: List Tb.; Auflage: 1., Aufl. (November 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548603874
ISBN-13: 978-3548603872

Dienstag, 15. Februar 2011

Artemis Fowl I



Autor: Eoin Colfer
Original: Artemis Fowl (2001)
Übersetzung: Claudia Feldmann
meine Bewertung: 5 von 5

Artemis Fowl ist durch und durch kein gewöhnlicher kleiner Junge. Er ist zwar erst zehn Jahre alt, aber seit sein Vater bei einer Artkisexpedition verschwunden ist, ist er das Familienoberhaupt der Fowls und als solches für das finanzielle Auskommen von sich und seiner Mutter verantwortlich. Da das ungeheuer große Vermögen der Fowls dahin schmilzt wie Eis in der Sonne, hat sich der schlaue Junge fest vorgenommen, das ehemalige Verbrecherimperium seines Vaters wieder aufzubauen und das Fowlsche Vermögen zu mehren.

Sein Vorhaben führt ihn gemeinsam mit seinem Leibwächter Butler nach Ho Chi Minh City. Dort hat er eine Elfe ausfindig gemacht, die dem Alkohol verfallen ist. Er schwatzt der Elfe das geheime Buch ab, die Bibel des Erdvolks. In diesem winzigen Büchlein haben die Ahnen der Elfen, Trolle, Zwerge, Zentauren und was es noch so an Erdvolk gibt, ihr Wissen und ihre Gesetze aufgeschrieben. Es handelt sich um das Heiligtum aller Erdbewohner, ist für die trunksüchtige Elfe aber wertlos geworden.

Artemis hingegen hat damit eine wahre Goldgrube aufgetan. Er findet alles über das Erdvolk heraus, unter anderem lernt er deren Sprache und erfährt alles über das Ritual, bei dem die magiebegabten Wesen ihre Magie wieder aufladen müssen. Butler und sein Schützling postieren sich in der Nähe eines solchen Ritualplatzes und warten, bis ein Wesen kommt, um das Ritual zu vollziehen. Und sie haben tatsächlich Glück. Es dauert nicht lang, bis eine Elfe bei der großen Eiche auftaucht – und ebenso schnell ist sie auch die Gefangene von Artemis.

Das Vorhaben klingt so genial wie einfach: Die Elfe wird dem Erdvolk nur in Austausch gegen mehrere Tonnen Gold wieder zurück gegeben. Auf beiden Seiten führt maßlose Unterschätzung schließlich dazu, dass sich aus dem kleinen Abenteuer ein sehr großes Abenteuer entwickelt. Artemis hat nämlich ausgerechnet eine Elfe der Zentralen Untergrundpolizei (ZUP) entführt, und diese verfügen über Spezialwissen, Spezialwaffen und Spezialtechnik. Holly, die Elfe, unterschätzt ihrerseits ihren menschlichen Gegner Artemis, denn er ist überdurchschnittlich intelligent. Das Abenteuer nimmt seinen Lauf und ist der Beginn von etwas ganz Besonderem…

Der erste Band der Artemis Fowl Serie ist der mehr als nur furiose Auftakt für die weiteren Bände. Die drei Hauptdarsteller Holly, Artemis und Butler werden vorgestellt, erhalten aber schon in Band 1 eine derartige Tiefe, dass man sie bereits als seine Freunde betrachtet, auch wenn man bis zum Ende hin und her gerissen bleibt. Einerseits findet man das kleine gerissene Bürschchen Artemis ganz sympathisch, andererseits aber hat man sich sofort in die schrulligen Erdwesen verliebt, so dass es schwer ist, in Band 1 eine eindeutige Stellung zu beziehen. Glücklicherweise wird man von dieser Verpflichtung im Verlauf der weiteren Bände dann erlöst.

Die Geschichte ist spannend und ein bisschen magisch, humorvoll, rasant und einfach viel zu schnell vorbei – eine ganze Welt tut sich einem auf, in die der Leser immer wieder eintauchen kann und die ihn immer wieder in Staunen versetzt. Artemis Fowl ist seit Harry Potter einfach das Beste, was an Kinderliteratur auf den Markt kam. Zwar wird Colfer vorgeworfen, von Rowling abgekupfert zu haben, aber das kann nur Neidern einfallen. Beim Lesen merkt man, dass die beiden Welten so gar nichts miteinander zu tun haben – außer einen kleinen Jungen als Hauptdarsteller.

Man muss auch als erwachsener Leser die Welt von Artemis einfach lieben. es handelt sich um ein modernes Märchen, das zwischen den Zeilen soviel wertvoller Moralvorstellungen vermittelt, wie kein anderes Buch – und wie es ein erhobener Zeigefinger auch nie könnte. Die nächsten Bände liegen bereits bereit, denn die Ausflüge in Artemis‘ und Hollys Welt machen direkt süchtig. Unbedingte Leseempfehlung!
Taschenbuch: 239 Seiten
Verlag: List Tb.; Auflage: 1., Aufl. (Mai 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548603203
ISBN-13: 978-3548603209

Montag, 14. Februar 2011

Lichterspiele



Autorin: Rosamunde Pilcher
Original: Another View (1968)
Übersetzung: Margarete Längsfeld
meine Bewertung: 2 von 5

Emma Litton ist die Tochter des weltberühmten und mindestens genauso exzentrischen Malers Ben Litton. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter lebte sie einige Zeit lang in halbwegs geordneten Verhältnissen, als ihr Vater wieder eine Frau heiratet, die bereits einen Sohn, Christopher, hat. Emma und Christopher werden Freunde, während Ben Christopher nicht ausstehen kann und Emma die gleichen Probleme mit ihrer Stiefmutter hat.

Als sich auch diese Frau aus dem Staub macht und Christopher mitnimmt, beginnt Emmas Leben noch unabhängiger zu werden. Zuvor ständig mit Künstlern und Freunden ihres Vaters im Atelier, ist sie jetzt weit weg in einem Schweizer Internat. Als ihre Zeit dort zu Ende ist, geht sie nach Frankreich, um dort als Nanny zu arbeiten. Besonders lange hält sie es dort allerdings auch nicht aus. Sie ist älter geworden und möchte nun endlich den Menschen kennenlernen, der ihr Vater ist. Wer versteckt sich hinter dem Maler, den sie als Kind angehimmelt hat und um dessen Zuneigung sie gebuhlt hat?

Emma packt ihre Sachen und macht sich auf den Weg nach England. Sie trifft kurz vor ihrem Abflug zufällig Christopher nach langer Zeit wieder. Die beiden verstehen sich auf Anhieb, dennoch hält es Emma nicht in Frankreich. In England muss sie sich erst mal vom Agenten ihres Vaters Geld für ein Taxi leihen – eine schicksalhafte Begegnung, denn die beiden laufen sich noch öfter über den Weg.

Während Emma von ihrem Vater eine andere Seite kennenlernt und es scheint, als würde sich eine Art normales Leben entwickeln, ist die nächste Enttäuschung nur ein Stück weit weg, um sich dann dennoch ins Leben der beiden zu drängen. Doch auch außerhalb der kleinen Familie schlagen die Gefühle hoch…

„Lichterspiele“ ist eigentlich eine etwas längere Novelle, die einige Stunden ganz nett die Zeit vertreibt, aber ansonsten nicht besonders bemerkenswert ist. Die Figuren sind aufgrund der Kürze etwas unterentwickelt, manchmal fragt man sich tatsächlich, ob Emma noch alle Tassen im Schrank hat, weil sie in bestimmten Situationen nicht ganz zurechnungsfähig handelt, aber es ist okay. Will man allerdings wirklich nette und romantische Unterhaltung, sollte man sich ruhig an die etwas umfangreicheren Werke von Rosamunde Pilcher wagen.
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 19 (1. Oktober 1991)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499129736
ISBN-13: 978-3499129735

Freitag, 4. Februar 2011

Mieses Karma



Autor: David Safier
Original: Mieses Karma (2007)
meine Bewertung: 5 von 5

Es ist kein guter Tag für die erfolgreiche Fernsehmoderatorin Kim Lange. Ja, sie hat den deutschen Fernsehpreis gewonnen, allerdings ist ihr auf dem Weg zur Bühne ihr Kleid hinten aufgerissen – und unpassenderweise trägt sie keine Unterwäsche. Ja, sie hat auch mit dem bestaussehendsten deutschen Fernsehmoderator geschlafen, allerdings ist Kim eigentlich verheiratet und hat eine kleine, süße Tochter. Nach dem Schäferstündchen mit dem heißen Moderator hat sie das Gefühl, an die frische Luft zu müssen. Und da erst beginnt ihr Tag tatsächlich, mies zu werden.

Kim steigt auf das Dach des Hotels und wird dort von einem herabfallenden Waschbecken erschlagen. Sie stirbt und wird von einem herrlichen, weißen Licht angezogen – und gleich davon wieder abgestoßen. Statt tatsächlich tot zu sein, wird sie als Ameise wiedergeboren. Buddha erklärt ihr, dass sie zuviel mieses Karma im Leben gesammelt hat und deshalb nicht ins Licht gehen darf. Sie wurde wiedergeboren, um gutes Karma zu sammeln. Je mehr gutes Karma, desto höher die Lebensform, in der sie wiedergeboren wird.

Kim ist von dem Wunsch getrieben, ihre kleine Tochter wiederzusehen, weshalb sie eifrig beginnt, gutes Karma zu sammeln. Das ist als Ameise allerdings denkbar schwierig. Erst als sie auf Casanova in Gestalt einer Ameise trifft, wird die Sache etwas leichter. Dennoch braucht sie verschiedene Leben als Ameise, Meerschwein, Maus, Hund und so weiter, bis ihr endlich gelingt, wofür sie soviel gutes Karma gesammelt hat: Sie wird als Mensch wiedergeboren.

Allerdings steckt sie im Körper einer unglaublich dicken Frau und arbeitet nun als Putze in ihrem ehemaligen Heim. Sie kann ihrem Mann und ihrer Tochter nicht von ihrer wahren Identität erzählen. Immer, wenn sie es versucht, singt sie stattdessen. Sie ist wieder bei ihrer Tochter, allerdings hat sich ein neues Problem aufgetan: Ihr Exmann ist drauf und dran, eine andere Frau zu heiraten…

„Mieses Karma“ ist ein überraschendes Buch. Von der Storyline her könnte man glauben, es handle sich um einen oberflächlichen, platten Roman. Beim Lesen allerdings kommt man drauf, dass es ein sehr nachdenkliches Buch ist, in Wahrheit sehr traurig, aber auf eine bittersüße Art. Safier hat Humor, beweist aber genug Feinsinn, um diesen in den richtigen Situationen zu zügeln. Ein vergnügliches Leseabenteuer, das den Buddhismus als sehr verlockende Art der Weltanschauung präsentiert. Vor allem als sehr beruhigende.
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 26 (2. Mai 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499244551
ISBN-13: 978-3499244551

Mittwoch, 2. Februar 2011

Die Vögel brüllen



Autor: Daniel Glattauer
Original: Die Vögel brüllen (2004)
meine Bewertung: 5 von 5

Daniel Glattauer widmet sich in „Die Vögel brüllen“ so ziemlich jeder denkbaren Alltagsbegebenheit, beobachtet und analysiert diese scharf und macht kleine Geschichten daraus.

Geschichten, die humorvoll und manchmal nachdenklich sind, Geschichten über Dinge und Menschen, Tiere und Eigenheiten. Gesellschaftskritisch, hin und wieder mit zynischen Zwischentönen, aber immer mit einer derartigen Zungenfertigkeit formuliert, die nur ein Glattauer zustande bringt.

„Die Vögel brüllen“ versammelt 175 Kolumnen und Essays, die zum immer wieder Reinlesen und Schmökern verleiten und einem wahren Österreicher so ziemlich aus der Seele sprechen dürften. Unbedingte Empfehlung!
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (20. September 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442472431
ISBN-13: 978-3442472437

Dienstag, 1. Februar 2011

Amo Vitam



Autor: Steven Omen
Original: Amo Vitam (2009)
meine Bewertung: 1 von 5

„Amo Vitam“ erzählt die Geschichte von mehreren Personen, die das Schicksal miteinander verknüpft. Zum einen ist da Franz, der sich in einem Sanatorium auskuriert, wo sich die ausländische Krankenschwester Aurelia fürsorglich um ihn kümmert. Zum anderen ist da Amarilla, die sich ihren Lebensunterhalt als Sängerin verdient, nachdem sie wegen ihres eher nuttigen Aussehens ihren Job verloren hat. Zufälligerweise ist Amarilla außerdem eine Exfreundin von Franz.

Die beiden treffen sich wieder, als der Produzent Gari Amarilla als Sängerin entdeckt und ihr zwei Tänzer zur Seite stellt. Fehlt nur noch ein Songwriter – da kommt Franz ins Spiel. Obwohl dieser sich Aurelia sehr zugeneigt fühlt, verlässt er das Sanatorium und schließt sich Garis Band „Amo Vitam“ an.

Die Band feiert einen riesigen Erfolg bei einem Live-Auftritt. Wieder hat das Schicksal seine Hand im Spiel, denn im Publikum ist Aurelia. Sie hört „Amo Vitam“ und ist ebenso wie der Rest der Besucher verzaubert und hingerissen. Außerdem sieht sie Franz auf der Bühne – und er sie im Publikum…

Was hier noch halbwegs spannend klingt, ist in Wahrheit eine sehr kurze Geschichte, die sich in Tiefgang versucht – dabei aber etwas aufgesetzt daher kommt. Die Erzählung wimmelt von Wortwiederholungen, die man nicht als einfach als eigenwilligen Stil entschuldigen kann, ebenso wie die Sichtwechsel. Woher soll Franz wissen, was Aurelia denkt.

Und was hat die Wendung „der Raum war zum Bersten mit iTunes gefüllt“? Leider gehört die Grammatik deutlich überarbeitet (S. 96), ebenso wie die Kontinuität der Handlung. Wird auf Seite 44 noch behauptet, die Mutter von Aurelia könne immer noch kein Deutsch, so unterhält sich Franz auf Seite 71 einen längeren Zeitraum über mit ihr. Das verstört. Leider kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss.
Taschenbuch: 98 Seiten
Verlag: Machtwortverlag; Auflage: 1 (7. Dezember 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3867610843
ISBN-13: 978-3867610841

A Christmas Carol



Autor: Charles Dickens
Original: A Christmas Carol (1843)
meine Bewertung: 5 von 5

Seit Jacob Marley vor sieben Jahren gestorben ist, führt sein ehemaliger Partner Ebenezer Scrooge das Geschäft alleine. Er ist in der ganzen Stadt als geiziger, unglücklicher alter Mann bekannt, dem man besser aus dem Weg geht, wenn er schlechte Laune hat. Und die hat er quasi ständig.

Seinem Angestellten Bob Cratchit, der in ärmlichen Verhältnissen lebt, ist er ein ständiger Quell der Pein, da er ihm keine freien Tage erlaubt oder gar Kohle, um sein Schreibstübchen im bitterkalten London ordentlich zu beheizen. Auch das mit großen Schritten herannahende Weihnachtsfest ändert nichts an der Laune Scrooges. Und wenn, dann macht die Fröhlichkeit rund um ihn Scrooge nur noch missmutiger.

Am Tag vor dem Weihnachtsfest macht sich Scrooge nach der Arbeit ein kärgliches Abendessen und setzt sich schließlich an den kaum beheizten Kamin. Kurz bevor er einnickt, erscheint ihm mit viel Gerassel der Geist seines ehemaligen Geschäftspartners Marley, der ihn davor warnt, sein Leben so hartherzig wie bisher weiter zu leben. Marleys Geist zeigt ihm die Ketten, die er sich während seines Lebens durch seinen Geiz selbst angelegt hat und bittet ihn inständig, sein Leben zu ändern, so lange das noch geht.

Scrooge glaubt zuerst nicht an eine wahre Erscheinung, doch als ihm Marley eindrucksvoll beweist, dass er tatsächlich ein Geist ist, bleibt Scrooge nichts anderes übrig, als sich damit abzufinden. Marleys Geist kündigt ihm für dieselbe Nacht den Besuch von drei Geistern an: der Geist der vergangenen Weihnacht, der Geist der kommenden Weihnacht und der Geist des gegenwärtigen Weihnachtsfestes.

Obwohl Scrooge hofft, den Geistern zu entkommen, tauchen sie doch pünktlich auf, jeder zu einer anderen vollen Stunde. Der erste Geist entführt Scrooge in die Vergangenheit und zeigt ihm sein Leben als Kind. Danach geht’s zu seinem Neffen ins Weihnachten der Gegenwart, schließlich noch in ein Weihnachtsfest der Zukunft, bei dem Scrooge mit einem Toten konfrontiert wird. Niemand kommt zum Begräbnis, die Leute scheinen froh sein, von dieser Pest befreit zu sein und stehlen der Leiche auch noch die Leintücher und das Kleingeld aus den Hosentaschen. Als Scrooge erkennt, dass der Tote niemand anderer ist, als er selbst, beschließt er, sein Leben zu ändern.

Die wundersame Wandlung beginnt sofort nach dem Aufwachen: Es ist der Morgen des Weihnachtsfestes. Scrooge nutzt die Chance, kauft für die arme Familie Cratchit den größten Puter, den er finden kann, grüßt die Leute fröhlich, spendet Geld für die Armen und besucht schließlich seinen Neffen. Aus Scooge ist ein anderer Mann geworden…

Wer kennt ihn nicht, den Inhalt der Weihnachtsgeschichte? Schließlich wurde das Buch mehrmals verfilmt, unter anderem mit den Muppets und der Familie Duck. Im Jahr 2009 kam eine Neuverfilmung mit Jim Carey als Ebenezer Scrooge in die Kinos. Die Geschichte ist also hinlänglich bekannt, aber niemand kann sie besser erzählen, als der Meister himself: Charles Dickens. Deshalb sollte das Buch auch unbedingt in der Originalsprache gelesen werden.

Für mich ist es DER Weihnachtsklassiker schlechthin, ein Buch, das man ruhig jedes Jahr vor Weihnachten lesen kann. Es ist kitschig, hat eine herrliche Moral, es bringt Dickens‘ Zuneigung zu den armen Londonern zum Ausdruck – und es ist viktorianisch-verträumt. Ein Buch, das man kennen sollte. Unbedingt auf Englisch lesen!
Taschenbuch: 154 Seiten
Verlag: Reclam, Ditzingen (1986)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 3150091500
ISBN-13: 978-3150091500