Freitag, 4. Februar 2011

Mieses Karma



Autor: David Safier
Original: Mieses Karma (2007)
meine Bewertung: 5 von 5

Es ist kein guter Tag für die erfolgreiche Fernsehmoderatorin Kim Lange. Ja, sie hat den deutschen Fernsehpreis gewonnen, allerdings ist ihr auf dem Weg zur Bühne ihr Kleid hinten aufgerissen – und unpassenderweise trägt sie keine Unterwäsche. Ja, sie hat auch mit dem bestaussehendsten deutschen Fernsehmoderator geschlafen, allerdings ist Kim eigentlich verheiratet und hat eine kleine, süße Tochter. Nach dem Schäferstündchen mit dem heißen Moderator hat sie das Gefühl, an die frische Luft zu müssen. Und da erst beginnt ihr Tag tatsächlich, mies zu werden.

Kim steigt auf das Dach des Hotels und wird dort von einem herabfallenden Waschbecken erschlagen. Sie stirbt und wird von einem herrlichen, weißen Licht angezogen – und gleich davon wieder abgestoßen. Statt tatsächlich tot zu sein, wird sie als Ameise wiedergeboren. Buddha erklärt ihr, dass sie zuviel mieses Karma im Leben gesammelt hat und deshalb nicht ins Licht gehen darf. Sie wurde wiedergeboren, um gutes Karma zu sammeln. Je mehr gutes Karma, desto höher die Lebensform, in der sie wiedergeboren wird.

Kim ist von dem Wunsch getrieben, ihre kleine Tochter wiederzusehen, weshalb sie eifrig beginnt, gutes Karma zu sammeln. Das ist als Ameise allerdings denkbar schwierig. Erst als sie auf Casanova in Gestalt einer Ameise trifft, wird die Sache etwas leichter. Dennoch braucht sie verschiedene Leben als Ameise, Meerschwein, Maus, Hund und so weiter, bis ihr endlich gelingt, wofür sie soviel gutes Karma gesammelt hat: Sie wird als Mensch wiedergeboren.

Allerdings steckt sie im Körper einer unglaublich dicken Frau und arbeitet nun als Putze in ihrem ehemaligen Heim. Sie kann ihrem Mann und ihrer Tochter nicht von ihrer wahren Identität erzählen. Immer, wenn sie es versucht, singt sie stattdessen. Sie ist wieder bei ihrer Tochter, allerdings hat sich ein neues Problem aufgetan: Ihr Exmann ist drauf und dran, eine andere Frau zu heiraten…

„Mieses Karma“ ist ein überraschendes Buch. Von der Storyline her könnte man glauben, es handle sich um einen oberflächlichen, platten Roman. Beim Lesen allerdings kommt man drauf, dass es ein sehr nachdenkliches Buch ist, in Wahrheit sehr traurig, aber auf eine bittersüße Art. Safier hat Humor, beweist aber genug Feinsinn, um diesen in den richtigen Situationen zu zügeln. Ein vergnügliches Leseabenteuer, das den Buddhismus als sehr verlockende Art der Weltanschauung präsentiert. Vor allem als sehr beruhigende.
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 26 (2. Mai 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499244551
ISBN-13: 978-3499244551

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