Dienstag, 30. Juni 2009

Kalte Asche



Autor: Simon Beckett
Original: Written in Bones (2007)
meine Bewertung: 5 von 5

David Becker ist froh. Endlich ist sein aktueller Job abgeschlossen und er kann sich auf den Rückweg zu seiner Freundin Jenny machen, die er schon sehr vermisst. Doch wieder einmal soll alles anders kommen, als geplant. Er wird auf die kleine englische Insel Runa beordert, wo ein ehemaliger Kriminalkommissar eine seltsame Leiche in einem einsamen Cottage gefunden hat.

David lässt sich dazu überreden, seine Erfahrung als Rechtsmediziner zur Verfügung zu stellen. Er setzt gemeinsam mit einer netten jungen Journalistin, die eigentlich nur ihre Großmutter besuchen will, und Kommissar Fraser mit der Fähre auf die 200 Einwohner Insel Runa über.

Weil ein Zugunglück auf dem Festland alle Kapazitäten der Polizei mit Beschlag belegt hat, muss sich David gemeinsam mit Fraser, seinem jungen Kollegen Duncan und dem ehemaligen Kriminalkommissar Brody um die Angelegenheit kümmern. Doch schon, als er die seltsam verbrannte Leiche zum ersten Mal sieht, ist Hunter klar, dass es sich nicht mehr um einen Todesfall handelt, sondern um eine Mordermittlung.

Unpassenderweise zieht auch noch ein schlimmes Unwetter auf, das die Insel vom Festland und zeitweise sogar von der Stromversorgung abschneidet. Die Leiche muss ins Gemeindezentrum abtransportiert werden, wo David mit den Untersuchungen beginnt. Dass sich der Mörder immer noch auf der Insel befindet und schön langsam nervös wird, wird spätestens dann klar, als zwei weitere Morde und ein Anschlag die kleine Gemeinde erschütetrn.

Kann es wirklich sein, dass einer von ihnen, einer von den Menschen, den sie schon seit ihrer Geburt kennen, ein Mörder ist? Und warum? Der mittlerweile zweite Fall von David Hunter ist spannend und intelligent, lediglich mit dem Schluss konnte ich mich (wie so viele LeserInnen) nicht anfreunden. Das Rätselraten um den Mörder erlebt einige Twists gerade am Ende des Buches, weshalb die zweite Hälfte stärker ist, aber so über eventuelle Anlaufschwierigkeiten hinweghilft.

Zwar handelt es sich um den zweiten Teil der David-Hunter Serie, allerdings kann man das Buch getrost auch lesen, ohne den Vorgänger („Die Chemie des Todes“) zu kennen. Wesentlich leichter tut man sich mit der Person Hunters und dessen Vergangenheit aber, wenn man die Reihenfolge der Serie einhält. Seltsam für mich war, dass in beiden Büchern ein Collie namens Bess vorkommt und eine Frau namens Janice.

Natürlich, es wird mehrere Hunde geben, die Bess heißen und auch noch mehrere Janices auf der Welt, doch da es sich um gänzlich verschiedene Hunde und Frauen zu handeln scheint, ist es doch ein wenig merkwürdig, dass er dafür nicht zwei andere Namen genommen hat. Oder ist das ein Running-Gag, den ich nur nicht verstehe? Über Aufklärung wäre ich dankbar – momentan lese ich übrigens „Die Chemie des Todes“, eine Rezension erfolgt dazu natürlich ehestmöglich.
Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 9 (1. August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499241951
ISBN-13: 978-3499241956

Reif für die Insel



Autor: Bill Bryson
Original: Notes from a Small Island (1995)
meine Bewertung: 1 von 5

Bill Bryson ist eigentlich Amerikaner, allerdings hat es ihn aus beruflichen Gründen nach England verschlagen. Dort verliebt er sich nicht nur in Land und Leute, sondern auch in seine zukünftige Ehefrau. Aus dem kurzen Ausflug wird ein längerer Aufenthalt.

Dann kommt aber doch die Stunde der Wahrheit, die Familie Bryson übersiedelt wieder nach Amerika. Doch so einfach kann er sich dann nicht von der Insel trennen, also macht er sich auf den Weg, um sich eingehend zu verabschieden. Er reist per Bahn und Bus über die Insel und berichtet von seinen Erfahrungen.

Man merkt in jeder Zeile, dass Bryson sich tatsächlich in die Insel verliebt hat und meint, was er schreibt. Leider geht er dabei nicht ganz so sehr auf die Menschen und die Eigenarten der Briten ein, wie man sich das vielleicht wünschen würde. So ist aus dem Buch eigentlich ein ziemlich langweiliger und langer Reiseführer geworden, weil sich Bryson nicht gerade schwer damit tut, verschiedene Grünnuancen der englischen Landschaft ausführlich zu beschreiben.

Von Bryson habe ich tatsächlich schon weit humorvolleres gelesen, auch wenn er generell nicht so mein Fall ist. Dieses Buch musste für mich als anglophilen Mensch einfach sein, allerdings hat es auf ganzer Linie enttäuscht. Lanatmig, unspannend, unwitzig. Wer mehr als nur einen Kneipenführer durch die winzigsten Dörfer Englands haben möchte, sollte es mit Koydls „Fish and Fritz“ versuchen!
Taschenbuch: 346 Seiten
Verlag: Goldmann (4. Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442442796
ISBN-13: 978-3442442799

Montag, 22. Juni 2009

Die Mumins. Eine drollige Gesellschaft.



Autorin: Tove Jansson
Original: Trollkerlsen Hat (1948)
meine Bewertung: 3 von 5

Die Mumins sind schon eine drollige Gesellschaft. Sie leben im Mumintal in einem Haus, in das alle gerne aufgenommen werden. Jeder, der möchte oder mal zufällig vorbei kommt, darf bleiben. So haben sich mittlerweile der Snork, das Snorfräulein, das Schnüferl, der Schnupferich, Mumin selbst, die Muminmutter, der Muminvater und der Hemul.

Gerade ist der Winter vorbei, das Häuschen und seine Bewohner erwachen aus dem Winterschlaf, es ist Zeit, den Frühling und Sommer wieder neu zu entdecken und genießen. Und es tut sich allerhand. Die Mumins machen einen Ausflug und dort eine gefährliche Begegnung, Tofsla und Vifsla stoßen zu ihnen und der Schnupferich verlässt sie. Außerdem gibt es da noch die Morra, die gar nichts Gutes vor hat und den Zauberer, der etwas verzweifelt sucht…

Die Geschichte von Tove Jansson ist einfach nur süß. Es gibt mittlerweile viele Bände der reizenden Mumin-Geschichten, sie eignen sich sehr gut für das erste Selbstlesen oder als Vorlesebücher, die Autorin hat ihre Bücher auch selbst illustriert. Für die jüngeren Leser – die Lesemäuse sozusagen.
Gebundene Ausgabe
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151233
ISBN-13: 978-3866151239

Schokolade des Schreckens



Autor: Thomas Brezina
Original: Schokolade des Schreckens (1992)
meine Bewertung: 2 von 5

In diesem Abenteuer, bereits dem zwölften der Knickerbocker Bande, schickt der Schweizer Hoteltester Herr Schwertli die vier Kinder aus Österreich in die Schweiz. Gerade als Axel, Lieselotte, Dominik und Poppi dabei sind, die Nerven einer Süßwarenverkäuferin zu testen, als etwas Seltsames passiert.

Ein als Clown maskierter Räuber stürmt den Laden, schnappt sich einen Karton mit Schokolade und flieht. Vor dem Geschäft explodiert der Karton, der Räuber verschwindet. Natürlich bleiben die Knickerbocker, ihres Zeichens Hobby-Detektive, da nicht ruhig. Sie wollen herausfinden, was es mit dieser Schokolade auf sich hat, wer der Maskierte war und wieso sich Herr Schwertli so unnatürlich verhält.

Er schickt die Kinder mit seinem Chaffeuer Max an abgelegene und unheimliche Orte, wo die Bande auf eine maskierte Frau trifft, die ihnen von einem Plan erzählt, in dem es in Wirklichkeit darum geht, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Ehrensache, dass die Knickerbocker Bande nicht locker lässt und diesen Plan vereitelt…

Von elitären Literaturwissenschaftern, steinalten Kritikern und arroganten Kollegen stets belächelt und verrissen: Brezina hat es in seiner Zunft nicht leicht. Doch was immer wieder vergessen wird: Jedes Buch, das ein Kind liest, ist besser, als einfach nur stumpfsinnig die Glotze anzumachen. Die Bücher sind für Kinder spannend, sie liefern Abenteuer auf herrlich unschuldige Art und Weise und bieten mir als mittlerweile Erwachsene einen netten Ausflug in meine Kindheit und zu den Wurzeln meiner Lesersozialisation. Und alleine das zählt.

Schon früher war dieser Band nicht unbedingt meine Lieblingsgeschichte, weil ich sie ein bisschen wirr und nebelig empfand, aber ansonsten sind Brezinas Bücher ein guter Weg, um Kinder überhaupt einmal dazu zu bringen, ein Buch aufzuschlagen, anstatt sich vor die Playstation zu setzen.
Gebundene Ausgabe: 139 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag (1993)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473470120
ISBN-13: 978-3473470129

Montag, 15. Juni 2009

Das Imperium



Autor: Sidney Sheldon
Original: The Stars shine down (1992)
meine Bewertung: 3 von 5

Lara Cameron ist eine toughe Businesslady. Sie besitzt eine Unmenge von Gebäuden in allen wichtigen Städten Nordamerikas, ist mittlerweile glücklich verheiratet und auch sonst scheint ihr Leben einfach perfekt zu sein. Doch das ist es nur nach außen, schon bald beginnt die Fassade des „eisernen Schmetterlings“, wie Lara genannt wird, zu bröckeln, dabei hat sie in ihrem Leben schon viel durch gemacht.

Sie wurde als einziges Kind von James Cameron in einem kleinen Ort in Neu Schottland geboren, ihre Mutter starb kurz nach ihrer Geburt. James Cameron, ihr Vater, wünscht sich, dass auch seine Tochter ihre ersten Lebensjahre nicht überlebt, denn er fühlt sich vom Schicksal mehr als nur betrogen. Als Geldeintreiber eines Fremdenheims und chronischer Säufer tut er nichts, um seine missliche Lage zu verbessern.

Als eines Tages James einen Herzinfarkt bekommt und bettlägrig wird, übernimmt Lara den Job ihres Vaters und macht diesen auch noch um Welten besser. Sie lernt in ihrem Fremdenheim Charles Cohen kennen. Cohen ist auf der Suche nach einem Grundstück, auf dem seine Gesellschaft einen neuen Supermarkt bauen kann. Und Lara hat während ihrer Streifzüge durch die kleine Stadt das ideale Grundstück entdeckt. Sie tut sich mit Cohen zusammen und kann schon bald selbst dabei zusehen, wie auf ihrem Grundstück ein Supermarkt entsteht.

Und das ist erst der Beginn. Mit 20 Jahren hat Lara ihre erste Million verdient. Mittlerweile ist ihr Vater gestorben. Obwohl er ihr immer das Gefühl gegeben hatte, der letzte Dreck und ungeliebt zu sein, hielt ihre Zuneigung das nun sehr hübsche Mädchen immer noch in Glace Bay. Doch jetzt ist er tot und Lara macht sich auf den Weg nach Chicago. Auch dort gelingt es ihr, ein tolles Grundstück nach dem anderen zu entdecken und Gebäude hochzuziehen. Als sie auch Chicago ihren Stempel aufgedrückt hat, geht es weiter nach New York.

Es scheint alles einfach perfekt zu laufen. Sie hat tolle Mitarbeiter, ist streng, großzügig und erfolgreich. Bald lernt sie außerdem einen einflussreichen Mann und schließlich auch einen liebenswerten Mann kennen. Doch plötzlich fällt alles auseinander. Materialien werden nicht geliefert, ihrem Mann widerfährt ein schrecklicher Unfall und sie gerät in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten…

Sheldon hat ein Buch geschrieben, das solide Unterhaltung für einige Stunden liefert. Es ist mäßig spannend, erzählt eine Geschichte, die im Grunde sehr rosarot ausfällt und von allem ein wenig hat: Krimi, Spannung, Liebe und Erfolg. Die Charaktere und vor allem Lara sind sehr plastisch gelungen, man entwickelt schnell Sympathien und Antipathien und ist erstaunt über das Ende des Buches, das ganz anders ausfällt, als erwartet. Kann man lesen!
Broschiert: 376 Seiten
Verlag: Goldmann (Juni 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442554918
ISBN-13: 978-3442554911

Dienstag, 9. Juni 2009

Cupido



Autorin: Jilliane Hoffman
Original: Retribution (2004)
meine Bewertung: 4 von 5

Chloe ist gerade verlobt, wartet auf einen Heiratsantrag, büffelt gleichzeitig aber auch für das Staatsexamen in Rechtswissenschaften und sieht blendend aus. Sie hat ein tolles Leben, auch wenn es ziemlich stressig zugeht, so mitten in New York. Doch ihr tolles Leben findet ein jähes Ende.

Sie weiß nicht, dass sie schon länger von einem Verrückten beobachtet, der sich nichts mehr wünscht, als sie zu vergewaltigen und ihr dabei richtig weh zu tun. Eines Tages sieht der Typ mit der Clownsmaske seine Stunde gekommen. Er steigt durch das Fenster ein, fesselt Chloe, noch bevor diese richtig aufgewacht ist und richtet dann Unvorstellbares mit ihr an. Nur zufällig wird Chloe bereits am nächsten Tag von einer Freundin gefunden, die ihr womöglich das Leben rettet, indem sie sofort die Rettung alarmiert.

Das Leben der jungen Frau ist zerstört. Der Vergewaltiger hat nicht nur ihren Körper gebrochen, sondern auch ihre Seele geschändet, indem er alle möglichen Details aus ihrem Leben kennt. Sie fühlt sich nicht mehr sicher, dreht durch, wenn sie jemand mit ihrem alten Spitznamen anspricht und wird von Albträumen geplagt. Dass der kranke Typ auch in ihr Leben eingedrungen ist, macht die Qual noch stärker.

Zwölf Jahre später. Chloe ist nach Miami umgezogen und arbeitet dort als Staatsanwältin. Sie ist hoch angesehen, hat ihr Aussehen und ihren Namen aber verändert. Sie benutzt den Mädchennamen ihrer Mutter, nur noch ihre Initialen und trägt das Haar kurz. Sie gibt sich Mühe, nicht aufzufallen und lebt in ihrem Beruf. Freunde sind rar, allerdings gibt es viele Kollegen, mit denen sie sich ausgezeichnet versteht.

Zufällig entdecken schließlich Polizeibeamte im Kofferraum eines gutaussehenden Mannes eine Leiche. Diese ist brutal ermordet worden, das Herz wurde ihr bei vollem Bewusstsein aus dem Körper geschnitten und sie wurde mehrmals vergewaltigt. Das ganze Land ist in Aufruhr, denn endlich ist Cupido, ein lange gesuchter Serienmörder, geschnappt. So scheint es zumindest.

Als Staatsanwältin obliegt es Chloe, die sich mittlerweile CJ nennt, Anklage zu erheben, was sie auch tut. Doch als im Gerichtssaal der Verdächtige beinahe ausrastet und zu schreien beginnt, erkennt CJ die Stimme ihres Peinigers vor 12 Jahren wieder. Kann es sein, dass sie damals sogar Glück hatte und einem Mord entging? Kann es tatsächlich sein, dass sie Rache üben kann?

Blöd nur, dass sich im Laufe der Ermittlungen einige Unstimmigkeiten ergeben und es durchaus Zweifel an der Schuld Bantlings, wie der vermeintliche Cupido heißt, gibt. Nun ist die Integrität CJs gefragt, denn wegen des Verbrechens an ihr kann Bantling nicht mehr belangt werden. Die Tat ist bereits verjährt. CJ setzt sich enormen psychischen Stress aus, die Besuche bei Psychiater und Freund Greg Chambers werden wieder häufiger. Und dass ein Kollege von der Polizei mittlerweile ernste Zuneigung zu ihr empfindet, macht die Sache nicht wirklich leichter.

CJ ist fast am Ende, besonders, als ihr Bantling zu verstehen gibt, dass er sie erkannt hat und sie bis an sein Lebensende verfolgen wird. Gelingt es CJ, Cupido dingfest zu machen? Ist Bantling Cupido? Wie sehr lässt sich CJ von ihrer Vergangenheit einholen? Die Verfolgte wird zum Verfolger – ein interessanter Zufall…

Jilliane Hoffmans erster Thriller ist wirklich spannend, auch wenn ich schon ziemlich früh im Buch einen Verdacht hatte, wie es ausgehen würde und damit auch bis zum Schluss Recht behielt. Manches ist einfach zu offensichtlich, einige Figuren bleiben neben CJ sehr blass, dafür aber ist CJ umso dreidimensionaler ausgefallen und die Geschichte zeitweise auch berührend und sogar romantisch. Vielleicht nicht ein Thriller im Thomas-Harris-Stil, sondern eher in Richtung Cornwell oder Grisham. Dennoch gute Unterhaltung für Zwischendurch, außerdem ein Buch, das das Potential Hoffmans gut erahnen lässt.
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb. (2. Mai 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499239663
ISBN-13: 978-3499239663

Erinnerung an glückliche Tage



Autorin: Agatha Christie
Original: Come, tell me how you live (1946)
meine Bewertung: 5 von 5

Agatha Christies zweiter Mann Max Mallowan ist passionierter und fähiger Archäologe. Da sie sich schon früher mit Archäologie beschäftigt hatte und sich ebenfalls als kompetent erwies, reisen die beiden in den späten 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in den Nahen Osten, um dort an vielversprechenden Stellen nach Überresten vergangener Kulturen zu graben.

Obwohl allein unter Männern genießt Christie die Zeit im Osten, in der Wüste und umgeben von verschiedenen Völkern, Kulturen und Religionen. Das Leben ist zwar nicht besonders leicht, aber dennoch lebenswerter und fröhlicher als zu Hause in England, wo sich kriegsbedingt alles in Aufruhr befindet.

Christie beschreibt eine Zeit aus ihrem Leben, die ihre besonderen Spuren hinterlassen hat, eine Zeit, an die sie, wie sie selbst schreibt, immer wieder gerne zurück denkt. Zwar ist das Buch alles andere als spannend, es ist eine ruhige Erzählung über eine noch nicht allzu lang vergangene Zeit und eine Welt, in die man sonst nur selten Einblick bekommt.

Man merkt, dass Christie wohl viel mit ihrer schrulligen Miss Marple gemeinsam haben muss. Auch sie ist unerschüttlich, eine praktische Frau, strotzt den Widernissen des Lebens und hat genügend Humor, um über sich selbst zu lachen und genügend Scharfsinn, um auch die kleinste Unstimmigkeit in ihrer Umgebung zu entdecken.

Wenn man bereits alle Bücher von Christie durch hat und einen kleinen Einblick in ihr Leben gewinnen möchte, ist das Büchlein eine ideale Einstiegslektüre, denn es macht auf jeden Fall neugierig auf eine ausführliche Biographie, die sicher auch demnächst Eingang in meine Sammlung finden wird.

Broschiert: 224 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt;
Auflage: 1 (6. Februar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596182182
ISBN-13: 978-3596182183

Pumuckl auf Hexenjagd



Autorin: Ellis Kaut
Original: Pumuckl auf Hexenjagd (1991)
meine Bewertung: 4 von 5

Dem kleinen rotschopfigen Kobold vom Meister Eder ist langweilig. Der Schreinermeister muss arbeiten und draußen regnet es. Nicht einmal eine Geschichte kann der Eder erzählen, dazu ist die Kreissäge einfach zu laut. Doch was tun?

Der Pumuckl beschließt, ein wenig durch die Gegend zu ziehen. Draußen im Hof hört er schließlich, wie die Mutter vom Nachbarskind Sabine verspricht, ihr eine Geschichte zu erzählen, wenn sie brav ist. Der Pumuckl beschließt, dass er auch ein Recht auf eine Geschichte hat und folgt den beiden.

Was er zu hören bekommt, ist gar schrecklich. Da ist die Rede von zwei Kindern, die im Wald ausgesetzt werden, von einer hässlichen Frau, die eine Hexe ist und den Jungen gern essen möchte, von Lebkuchen an den Wänden und einem großen Ofen. Da wird dem Kobold ganz angst und bange, also läuft er heim, um dem Meister Eder zu erzählen, was sich seiner Meinung nach gerade eben im Wald in der Umgebung abgespielt hat.

Meister Eder ist natürlich fassungslos, allerdings erlaubt ihm sein Gewissen auch nicht, die Sache einfach zu ignorieren. Er verspricht also dem Kobold, die Kinder suchen zu gehen. Blöd nur, dass der Pumuckl die Geschichte nicht bis zu Ende gehört hat, das würde ihm und dem Meister Eder eine große Peinlichkeit ersparen.

Diese und andere nette Geschichten versammeln sich in „Pumuckl auf Hexenjagd“. Der Kobold ist einfach eine sympathische Figur, die man lieben muss. Wer kennt nicht die Hörspielkassetten oder die Serie mit Gustl Bayerhammer als Meister Eder? Zeit, mal wieder eine Reise in die Kindheit anzutreten. Oder auch einfach nur ein netter Spaß zum Vorlesen oder Selberlesen.
Taschenbuch: 144 Seiten
Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann (2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570208842
ISBN-13: 978-3570208847

Montag, 8. Juni 2009

Franz auf Klassenfahrt



Autorin: Christine Nöstlinger
Original: Franz auf Klassenfahrt (2007)
meine Bewertung: 5 von 5

Heuer fahren die 2b und die 2a gemeinsam für zwei Tage auf Klassenfahrt. Der Franz freut sich aber gar nicht darauf, denn in die 2a, da geht die Gabi. Und die Gabi ist seine beste Freundin. Doch in seine Klasse, in die 2b, geht auch Eberhard. Und der ist sein bester Freund. Blöd nur, dass sich Gabi und Eberhard einfach nicht unter einen Hut bringen lassen und sich spinnefeind sind. Ob das mal gut geht?

Die Geschichten von Franz haben meine gesamte Volksschul-Zeit begleitet und es macht immer wieder Spaß, ein paar Minuten in diese Zeit der Schultüten, großen Ferien und Ansagen zurück zu kehren. Die Franz-Geschichten, von denen es ja mittlerweile mehr als 15 gibt, sind ein wichtiger Beitrag zu meiner stetig wachsenden Kinderbuch-Sammlung und ideal für das erste Lesen. Die Sätze sind kurz und prägnant, die Handlung ebenfalls, so dass auch ungeübte Leser ihre Freude an dem Buch haben werden.
Gebundene Ausgabe: 56 Seiten
Verlag: Oetinger; Auflage: 1 (Januar 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3789106372
ISBN-13: 978-3789106378

Freitag, 5. Juni 2009

Bücherflohmarkt 1020 Wien

Termin:Freitag, 5. Juni 2009
Ort:Vorgartenstraße 145-157
1020 Wien
Dauer:9 h - 15 h
Kontakt:Nachbarschaftszentrum Leopoldstadt
01/2120490
nz2@wiener.hilfswerk.at


Beschreibung:
Geboten werden Bücher, Spiele, LPs und einige CDs zu sehr günstigen Preisen.

Dienstag, 2. Juni 2009

Digital Fortress



Autor: Dan Brown
Original: Digital Fortress (1998)
meine Bewertung: 4 von 5

Die junge und hübsche Kryptographin Susan Fletcher hat es geschafft. Sie ist Mitglied einer Elite-Truppe der National Security Agency, kurz NSA, der geheimsten Geheimorganisation der Vereinigten Staaten. Die NSA macht selten auf sich aufmerksam, rund 40% der Amerikaner wissen nicht einmal, dass es sie gibt. Die Aufgaben der NSA sind vielfältig, beschäftigen sich aber vor allem mit Daten.

Zu ihren Aufgaben zählt es unter anderem, fremde Daten auszuspionieren, Pläne von Terroristen zu durchkreuzen, wenn diese gerade im Entstehen sind und Daten zu sammeln und zu speichern. Natürlich hört es niemand gern, aber Tatsache ist, dass auch Privatpersonen ausspioniert werden. Susan Fletcher ist unter den Kryptographen ein Genie. Ihr umfangreiches Wissen und ihre mathematischen Fähigkeiten erlauben es ihr, Codes aller Art zu brechen. Kein Wunder, dass Commander Strathmore, Chef der Kryptographen, sie in dieser Männerdomäne beschützen will, ist sie doch sein bestes Pferd im Stall.

Unterstützt werden die Code-Entschlüssler von einer gigantischen Maschine, genannt TRANSLTR. Der Mega-Computer schafft es praktisch alle Codes zu brechen, einfach, weil er der mathematischen Regel folgt, nach der jeder Code entschlüsselt werden kann, wenn man nur alle Alternativen schnell genug ausprobiert. Genau das schafft TRANSLTR – zumindest hat die Maschine es bisher immer wieder geschafft.

Doch dann fängt sich TRANSLTR einen Code ein, der scheinbar nicht gebrochen werden kann. Mehr als 20 Stunden arbeitet der Supercomputer daran, ohne jedoch nennenswerte Ergebnisse zu liefern. Strathmore ruft Susan zu sich, die sich gerade für ein Wochenende mit ihrem Verlobten David Becker vorbereitet. Natürlich ist diese nicht gerade glücklich über die Unterbrechung und glaubt auch einfach nicht, dass es soetwas wie einen unentschlüsselbaren Code geben kann. Doch dann muss sie mit eigenen Augen mitansehen, wie TRANSLTR langsam heiß läuft.

Schließlich erfährt sie einige der Hintergründe des Codes. Die Firewall der NSA hatte ihn zunächst als Virus abgewiesen, doch Strathmore hat ihn manuell in TRANSLTR eingeschleust. Strahtmore ist fest davon überzeugt, dass es sich um den legendären Code von Ensei Tankado handelt. Dieser hatte vorausgesagt, einen Algorithmus zu entwickeln, der nicht entschlüsselt werden kann, es sei denn, man hat einen Pass-Key. Für die NSA wäre es schrecklich, wenn die Welt an einen Algorithmus käme, mit der alle Nachrichten praktisch für niemanden als den Empfänger verschlüsselt übermittelt werden können. Es würde das Ende der NSA bedeuten.

Auch Susan ist klar, was der Code für die Menschheit bedeutet, doch als sie erfährt, dass ihr Verlobter David, ein Zivilist, mit der heiklen Aufgabe nach Spanien geschickt wurde, den Schlüssel von Ensei Tankado zu beschaffen. Er schwebt in Lebensgefahr, doch zum Glück weiß Susan vorerst noch nichts davon.

Als innerhalb des Crypto-Domes, der Zentrale der Kryptographen, höchst gefährliche Dinge vor sich gehen und sogar zwei Menschen ums Leben kommen, muss auch Susan um ihr eigenes Leben bangen. Außerdem weiß sie bald nicht mehr, wem sie trauen kann und nach und nach erfährt sie die Wahrheit hinter den zahlreichen Lügen, die einst ihr Leben waren.

Dan Brown ist einfach ein Garant für spannende Thriller, das muss man ihm lassen. Jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, drei bis vier verschiedene Handlungsstränge wechseln sich ab, so dass die Spannung konstant aufrecht erhalten bleibt. Was man bei allen Dan Brown Büchern auf keinen Fall vergessen sollte, ist, dass es sich schlicht um gute, alte Fiction handelt.

Natürlich kann man auf Spurensuche gehen, geographische Ungereimtheiten aufdecken, anführen, wie die Geschichte des Computers wirklich abgelaufen ist und welche Ungereimtheiten dem mathematisch hochbegabten aber sicher nicht durchschnittlichem Leser auffallen könnten. Aber: Wo bleibt dann der Spaß? Es sind nunmal keine Sachbücher.

Was aber auch dem durchschnittlichen Leser auffallen wird: Man hat schon von Anfang an einen Verdacht, wer in Wahrheit der Bösewicht ist und selbst, als alle superintelligenten Hirne der NSA noch rätseln, was der Pass-Key sein könnte, weiß man als Leser schon längst, was der Tipp Tankados bedeutet – es ist einfach zu offensichtlich.

Kurz und knapp: Ein spannender Thriller, wenn man über Kleinigkeiten hinwegsieht und keine Flöhe sucht. Auch wenn einem klar ist, wie der Hase läuft, bleibt die Spannung erhalten. Und als nettes kleines Gadget hat Brown (zumindest in die englische Originalausgabe, die ich gelesen habe), einen Code eingebaut, den man als Leser knacken kann.
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Random House UK (5. Juli 2004)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0552151696
ISBN-13: 978-0552151696