Donnerstag, 30. April 2009

Drei



Autor: Stephen King
Original: The Drawing of the Three (1987) - The Dark Tower 2
meine Bewertung: 5 von 5

„Drei“ ist der zweite Band von Stephen Kings legendärer „Der Dunkle Turm“-Saga. Im ersten Band („Schwarz“) jagt die Hauptfigur, Roland, einem ominösen Schwarzen Mann hinterher, er verfolgt ihn quer durch eine Wüste in einem Land, dass dem unseren zwar ähnelt, das sich aber „weitergedreht“ hat. Schließlich holt er den Schwarzen Mann ein. Dieser prophezeit ihm, dass er für seinen Weg Gefährten braucht.

Und genau diese Gefährten holt sich Roland, der letzte Revolvermann, in diesem Band an seine Seite. Das Buch beginnt mit Roland, der an einem Strand gelandet ist. Er folgt seinem Plan, nach Norden zu gehen und hofft, auf diese Weise zum Dunklen Turm zu gelangen oder auf seine Gefährten zu treffen.

Tatsächlich tut sich nach einer Weile und einem ziemlich hässlichen Aufeinandertreffen mit einem Monsterhummer eine Tür vor ihm auf. Roland merkt, dass er durch die Tür in den Körper eines anderen Menschen gelangen kann. Tritt er gänzlich durch die Tür, kann er die Gedanken und den Körper des Menschen, in dem er sich befindet, steuern. Roland ahnt, dass dieser Mensch sein erster Gefährte sein wird.

Es handelt sich um Eddie, einer gescheiterten Existenz im New York der 80er Jahre. Er befindet sich im Flugzeug und hat enorme Angst vor der Landung. An seinem Körper trägt er mehrere Kilogramm Drogen spazieren, die er ins Land schmuggeln möchte. Gerade als es brenzlig wird, übernimmt Roland das Kommando und rettet ihm praktisch den Hintern. Nach einiger Überzeugungsarbeit bringt Roland schließlich Eddie dazu, ihm in seine Welt zu folgen. Eddie hat nichts mehr, was ihn an seine alte Welt bindet – er folgt Roland.

Die beiden wandern gemeinsam am Strand entlang weiter, immer Richtung Norden. Sie hoffen, bald wieder auf eine Tür zu stoßen, denn seit dem kleinen Intermezzo mit dem Monsterhummer breitet sich eine gefährliche Infektion im Körper Rolands aus und er braucht dringend ein Gegenmittel.

Doch besonders erfreulich ist das nicht, was hinter der zweiten Tür am Strand auf die beiden wartet. Roland findet sich in einer Frau wieder, die im Rollstuhl sitzt und eben dabei ist, wertlosen Modeschmuck zu klauen. Wieder übernimmt Roland die Kontrolle, doch Odetta, so der Name der Frau, in deren Kopf und Körper er sich befindet, lässt das nicht so ohne weiteres zu. Sie flucht, beißt und kratzt, doch schließlich kommt auch sie mit auf die andere Seite. Dort angekommen, offenbart sich das Problem. In der Frau leben zwei Persönlichkeiten: Odetta und Detta. Eine lieb und nett und sofort das Objekt Eddies Begierde, die andere ein wahres Biest.

Roland und Eddie fürchten sich vor dem Biest, das schier menschenunmögliche Kräfte entwickeln kann und trotz Rollstuhl zu einer wahren Gefahr für die beiden Männer werden kann. Der Revolvermann selbst wird immer schwächer, Eddie muss sich um O/Detta kümmern und ihren Rollstuhl durch den Sand entlang des Strandes schieben, außerdem kann sich Roland auch nicht mehr wirklich auf den Beinen halten. Er fühlt, dass die letzte Tür seine und O/Dettas Rettung bedeuten kann – oder ihrer beider Verderben.

So wenig es zum Inhalt von „Schwarz“ zu sagen gab, so viel könnte man über „Drei“ schreiben. Eddie kommt aus dem New York 1986, O/Detta aus dem New York der Fünfziger Jahre. Es ist genial zu lesen, wie Roland die Dinge interpretiert, die ihm in den beiden Welten fremd sind, King spart nicht mit Anspielungen auf wahre Begebenheiten, Firmen etc.

Bisher kann man sagen, dass sich vieles in den Romanen um Zeit dreht. Die Zeit scheint in Rolands Welt zwar nicht zu existieren, aber dennoch schafft sie es, die Wunden Rolands und die Gespaltenheit O/Dettas zu heilen und sie spielt eine Rolle, vor allem für die beiden Menschen aus „unserer“ Welt.

Es werden einige Fragen beantwortet, die im ersten Band aufgeworfen wurden, aber ebenso viele Fragen entstehen aufs Neue. Im Gegensatz zu Band 1 hat sich King hier viel Mühe gegeben, die Welt, die sich weitergedreht hat, zu illustrieren und ein wenig zu bevölkern. Es dauert nicht lang und man ist mitten drin.

Was jedoch schon ziemlich interessant ist: Einige Dinge stimmen nicht so ganz. Beispielsweise wird beschrieben, dass Roland nach Norden geht, allerdings geht die Sonne rechts von ihm, über dem Meer, unter. Ist er dann nicht eigentlich Richtung Süden unterwegs?

Eine Reihe wie diese ist natürlich prädestiniert für Bloops, Goofs und Kontinuitätsfehler. Es macht einfach Spaß, diese Fehler zu entdecken und zu sammeln, meiner Meinung nach tut das aber der wunderbaren Welt, die King geschaffen hat, keinen Abbruch in den Neuauflagen sind wahrscheinlich die meisten dieser Fehler sowieso bereits ausgemerzt. „Drei“ ist auf jeden Fall eine Steigerung, die neugierig auf den weiteren Verlauf der Serie macht.
Taschenbuch: 575 Seiten
Verlag: Heyne (4. Juni 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453875575
ISBN-13: 978-3453875579

Mittwoch, 29. April 2009

Das Geheimnis von Sittaford



Autorin: Agatha Christie
Original: The Sittaford-Mystery (1931)
meine Bewertung: 3 von 5

Joe Trevelyan ist Besitzer eins kleinen Schlösschens hoch im Dartmoor. Er lebt dort mit einem Dienstboten, außerdem befinden sich sechs kleine Cottages in unmittelbarer Nähe des Schlösschens. Der Winter steht vor der Tür, da bekommt er ein seltsames Angebot. Eine Dame aus Südafrika und ihre Tochter möchten den Winter zur Abwechslung gerne mal in Kälte, Schnee und Eis verbringen und bieten deshalb dem Schlossherrn eine ansehnliche Summe. Trevelyan zieht hinunter ins Dorf, die Damen Willett ziehen in sein Anwesen.

Trevelyan, von seiner Gier überwältigt, zieht ins nahe gelegene Dorf. Oben in Sittaford richten sich in der Zwischenzeit Mrs Willett und ihre Tochter Violet im Schlösschen häuslich ein. Sie empfangen gerne Gäste, so auch an jenem schicksalhaften Freitag. Draußen stürmt und schneit es, die Bewohner der umliegenden Häuschen haben sich zum Tee eingefunden. Zur Abendstunde wird schließlich vorgeschlagen, zum Zeitvertreib Tischrücken zu spielen. Und was dabei heraus kommt, ist unheimlich.

Ein Geist offenbart den Anwesenden, dass Joe Trevelyan ermordet wurde. Burnaby, seit langem ein Freund von Trevelyan und sehr skeptisch, lässt diese Botschaft doch keine Ruhe. Er macht sich durch den Schnee und die Kälte auf den Weg ins Dorf, wo er schließlich seinen Freund ermordet in dessen Arbeitszimmer aufgefunden wird.

Schnell ist ein Verdächtiger ausgeforscht: James Pearson, der Neffe des reichen Trevelyan war in der Mordnacht zufällig auch im Dorf. Doch Emily Trefusis und der Journalist Charles Enderby können sich mit dem Verdacht nicht abfinden. Sie stellen auf eigene Faust Ermittlungen an, um James zu entlasten. Die liebreizende Emily lässt nicht locker und hat schließlich eine hilfreiche Eingebung…

Dieses Buch gehört zu jenen, die weder Tommy und Tuppence Beresford, noch Miss Marple oder Hercule Poirot als Protagonisten haben. Wie alle serienlosen Bücher Christies spielt auch ein wenig Romantik mit, wieder hat zumindest eine der Hauptpersonen eine Abneigung gegen Krankenschwestern – vielleicht ein Phänomen der Christie-Literatur, das einmal einer eingehenden Untersuchung bedarf.

Die Geschichte ist spannend und hat eine simple Lösung, auf die auch der Leser leider schon nach den ersten paar Seiten kommt. Denn ein Gespenst in einer – wenn auch in einem englischen Schlösschen spielenden – Krimigeschichte von Agatha Christie kann nur einen rein logischen Ursprung haben.

Leider ein wenig zu offensichtlich und auch mit Längen, aber sicherlich lesenswert und wahrscheinlich gerade in einer eisigen und stürmischen Winternacht ein netter Zeitvertreib.
Broschiert: 206 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (März 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 359617368X
ISBN-13: 978-3596173686

Das Sterben in Wychwood



Autorin: Agatha Christie
Original: Easy to kill (1943)
meine Bewertung: 3 von 5

Luke Fitzwilliam ist auf dem Weg von seinem Aufenthalt in den Kolonien zurück nach England. Er freut sich auf Land und Leute, doch als er schließlich im Zug sitzt, revidiert er seine Meinung schnell. Er sitzt in einem Abteil mit einer älteren Lady, die ihn an seine eigenen Tante erinnert. Er ahnt, was kommen muss: Eine Zugfahrt voll höflichem Small Talk und Altweibergeschwätz. Und tatsächlich lässt die Lady nicht auf sich warten. Doch was sie Luke zu erzählen hat, ist gar nicht das, was er erwartete.

„Es ist sehr leicht zu morden, solange niemand Verdacht schöpft“, sagt die alte Lady. Luke wird nun doch hellhörig und lauscht der Erzählung der alten Dame. Sie erzählt vom kleinen, verschlafenen Dörfchen Wychwood, in dem innerhalb kürzester Zeit einige Morde geschehen sind, die laut Ms. Pinkerton, so der Name der alten Lady, als Unfall getarnt waren. Sie befindet sich auf dem Weg nach Scotland Yard, um ihren Verdacht zu melden.

Luke setzt seine Reise fort, doch als er schließlich erfährt, dass die alte Dame vor ein fahrendes Auto gestoßen wurde, noch ehe sie in Scotland Yard ankam, macht er sich auf nach Wychwood, um den ungewöhnlichen Unfällen in dem kleinen Dörfchen nachzugehen.

Dort wird er zwar freundlich aufgenommen, doch schon bald stößt auch er auf die Einwohner, die einiges zu verbergen haben und in ihren alten Gewohnheiten und Traditionen scheinbar gefangen sind.

Neben einer wundervollen Schilderung der englischen Landschaft, Gebräuche und Sitten ist das Buch ein spannender Kriminalroman, der aber auch eine kleine Romanze beinhält. Agatha Christie ist einfach die Beste, was den guten, alten und vor allem: englischen Krimi betrifft. Da verzeiht man ihr die immer wieder kehrende Abscheu, die ihre Hauptfiguren gegen Krankenschwestern zu haben scheinen – vor allem, da sie selbst einmal eine war, ebenso wie einige Längen.
Broschiert: 206 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (1. Dezember 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596177693
ISBN-13: 978-3596177691

Schwarz



Autor: Stephen King
Original: The Gunslinger (1982)
meine Bewertung: 5 von 5

Die Welt hat sich weitergedreht. Seither ist Roland der letzte Revolvermann in seiner Welt. Getrieben vom Wunsch, den Schwarzen Mann einzuholen, der ihm einiges voraus ist, durchquert er die Wüste. Auf seinem beschwerlichen Weg begegnet er seltsamen Menschen, unter ihnen auch dem Jungen Jake.

Jake scheint von einer anderen Welt, in der er gestorben ist, in die Welt des Revolvermanns gelangt zu sein. Roland fühlt eine seltsame Zuneigung zu dem Jungen, deshalb nimmt er ihn mit auf seine Reise, bei der das Erreichen des Schwarzen Mannes nur eine Zwischenstation darstellt. Das wirkliche Ziel, nämlich den Dunklen Turm, wird er mit Jake nicht erreichen, das ahnt er. Doch wie lange wird es dauern, bis er den Jungen opfern muss, den er so sehr ins Herz geschlossen hat? Wird er den Jungen opfern? Und erreicht Roland den Schwarzen Mann?

Es ist schwierig, eine Inhaltsangabe zu „Schwarz“ zu liefern, da es sich um den ersten Teil der siebenteiligen „Dunkle Turm“ Saga handelt und man das Gefühl hat, das längste Vorwort der Welt zu lesen. Roland wandert durch die Wüste, er trifft auf Jake und den Schwarzen Mann, der ihn schließlich mit einer ominösen Vorhersage verlässt, Fragen werden aufgeworfen und die seltsame Welt des Revolvermannes wird ein wenig vorgestellt.

Das Buch fesselt, vor allem dann, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass es sich nicht um eine abgeschlossene Geschichte handelt. Man darf sich nicht sofort alle Antworten auf alle Fragen (von denen es nur so wimmelt) erwarten.

Interessant ist, dass zwischen dem Abschluss des ersten Teils (1982) und dem Abschluss des siebten und letzten Teils (2007) 25 Jahre verstrichen sind und mittlerweile auch die ersten Bände in überarbeiteter Form erhältlich sind. Meine Ausgabe ist die alte, originale, die ich bereits vor ca. 10 Jahren bereits einmal gelesen habe. Mich fasziniert die Serie einfach, ich bin bekennender Fan von Roland und seiner Welt und freue mich bereits auf das Auftauchen von Oy – dazu aber mehr in Band drei oder vier.

Düster, undurchschaubar und irgendwie trostlos – aber auch komisch und faszinierend, so präsentiert sich die Saga rund um den Dunklen Turm. Eine Empfehlung für alle, die genug von Zwergen, Elfen und Vampiren haben, denn die Charaktere, auf die man hier stößt, sind so ungewöhnlich, dass man sie entweder lieben oder hassen muss. Meine nächste Tätowierung wird wohl Roland zeigen…
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Heyne (1. Dezember 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453875567
ISBN-13: 978-3453875562

Dienstag, 28. April 2009

Jetzt reicht's



Autor: Jeff Kinney
Original: The Last Straw (2009) - Diary of a Wimpy Kid (3)
meine Bewertung: 5 von 5

Wieder ist ein Jahr in Greg Heffleys Leben vergangen und das neue Jahr beginnt mit einer Erkenntnis von größter Tragweite: Greg weiß, dass er der Beste ist. Was soll er sich dann aber für das neue Jahr vornehmen? Da ja nicht jeder so perfekt sein kann, wie er, beschließt Greg, seinen Mitmenschen dabei zu helfen, ebenso gute Menschen zu werden.

Doch leider ist Greg der Einzige, dem seine Großartigkeit voll bewusst ist. Sein Tagebuch, ja, das versteht ihn, darum vertraut er ihm seine großartigen Gedanken und Zeichnungen auch in vollem Umfang an. Da sind die Mädchen, die Greg beschäftigen, außerdem die Erlebnisse mit seinem Freund Rupert und seiner Familie, die aus dem nervigen kleinen Bruder Manni, seinen Eltern und seinem gemeinen Bruder Rodrick besteht. Leider läuft wohl alles darauf hinaus, dass selbst seiner Angebeteten Holly Hills nicht bewusst wird, wie toll Greg ist.

Die Bücher der Greg-Reihe sind einfach wunderbar aufgemacht. Sie haben linierte Seiten, die Schrift wirkt, wie mit der Hand geschrieben und die Illustrationen im Comic-Strichmännchen-Stil machen einfach nur Spaß, genauso wie der Inhalt der Reihe. „Jetzt reicht’s“ ist bereits der dritte Band über das Leben des wundervollen Greg.

Greg ist ein sympathischer Kerl, der nunmal durch alle Höhen und Tiefen des Lebens eines Teenies muss. Einfach genial, zwar nicht so enorm witzig wie die Bert-Bücher, aber super für die Jüngeren unter den Lesern, denn da, wo die Bert-Bücher eindeutig sehr auf das Intimleben ausgelegt sind, bleibt Greg herrlich unschuldig und brav – noch. Super Lektüre für Erwachsene und alle, die für Bert zu jung sind.
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Baumhaus Medien (März 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3833936347
ISBN-13: 978-3833936340

Montag, 27. April 2009

Es bleibt in der Familie



Autor: Ephraim Kishon
Original: Es bleibt in der Familie (1985)
meine Bewertung: 4 von 5

Jeder hat eine, man kann sie sich nicht aussuchen und doch ist sie eins der Dinge, die sich scheinbar jeder wünscht: Die liebe Familie. Ephraim Kishon hat in diesem kleinen Büchlein dieses spezielle soziale Konstrukt zum Thema gemacht und mit viel Scharfsinn und noch viel mehr Witz und Humor analysiert, warum man seine Familie einfach lieben muss.

Kishon ist einfach ein Garant für unterhaltsame Lesestunden, die einen noch dazu einen Einblick in die jüdische Welt geben und Situationen mitten aus dem Alltag schildern. Immer wieder empfehlenswert!
Taschenbuch: 145 Seiten
Verlag: Dtv (1998)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342320169X
ISBN-13: 978-3423201698

Freitag, 24. April 2009

Die Entlarvung des Osterhasen



Autor: Erich Kästner
Original: Die Entlarvung des Osterhasen (1998)
meine Bewertung: 4 von 5

In diesem dünnen Büchlein finden sich sieben kurze Erzählungen von Erich Kästner, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie berichten von absurden Situationen im Leben und sind ideal für alle, die das Leben nicht so tierisch ernst nehmen möchten.

Es handelt sich nicht um ein Osterbuch, wie man annehmen möchte, auch um kein Kinderbuch. Kästner hat mit seinem Scharfblick für die menschlichen Schwächen ein paar schrullige Geschichtchen verfasst, die amüsant und absurd zugleich sind und sich locker in 10 Minuten lesen lassen.
Gebundene Ausgabe: 48 Seiten
Verlag: Sanssouci; Auflage: 2 (3. März 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3836300214
ISBN-13: 978-3836300216

Donnerstag, 9. April 2009

N.P



Autorin: Banana Yoshimoto
Original: N.P (1993)
meine Bewertung: 3 von 5

Der japanische Schriftsteller Takase, der in seinem Leben nicht viel Bedeutendes geschafft hat, bringt sich um. Sein Erbe ist ein unvollendetes Manuskript, das aus 99 Geschichten besteht, außerdem lässt er das Zwillingspaar Otohiko und Saki sowie die Halbschwester Saki zurück.

Die Ich-Erzählerin des Romans, Kazami, ist eine junge Frau im selben Alter der Takase-Kinder. Auch ihr Schicksal ist mit der Geschichtensammlung „N.P“ verwoben. Ihr Freund Shojito war mit der Übersetzung der 98. Geschichte ins Japanische beschäftigt, als auch er sich umbrachte. Genauso wie Takases Kinder ist auch Kazami von der beunruhigenden Wirkung der Geschichte fasziniert.

Nach dem Tod ihres Freundes lernt sie Otohiko, Saki und Sui kennen. Sie bemerkt die Vertrautheit zwischen den Geschwistern Otohiko und Saki, hat aber auch das Gefühl, dass Sui und Otohiko mehr als nur Geschwisterliebe verbindet. Ein Grund, weshalb die beiden Frauen Saki und Sui sich meiden.

Kazami erfährt von der inzestuösen Liebe zwischen Sui und Otohiko, ebenso wie zwischen Sui und dem Vater Takase. Dennoch versteht sich Kazami mit beiden gut und erlebt einen wunderschönen Sommer. Sie ist nicht nur von den beiden Mädchen, sondern auch von Otohiko und der Geschichte Nummer 98 fasziniert. Wird auch Kazami der tödlichen Wirkung zum Opfer fallen? Bleiben die vier Freunde? Oder werden sie sich nie wieder sehen?

Mit japanischer Literatur hatte ich bisher keine Erfahrungen, ein wenig schade fand ich es deshalb, dass so gar nichts an japanischem Flair rübergekommen ist. Die Geschichte hätte ebenso in Wien wie New York spielen können, was insofern schlecht ist, da das Geheimnis der Übersetzung dieser Geschichte in den japanischen Schriftzeichen liegt, die japanische Kultur also grundlegend ist.

Ansonsten erzählt das Buch von vielerlei Arten der Liebe und davon, wie sie miteinander verbunden sind und fast nicht getrennt werden können. Yoshimoto tritt eindeutig dafür ein, dass jeder Mensch sein Leben und Lieben so gestalten soll, wie er das möchte. Ein ganz interessanter Roman, der dicht gedrängt sowohl an Raum, Zeit als auch an Personen viel unterbringt. Wahrscheinlich war das nicht mein letzter Roman von ihr, sicher auch nicht der letzte japanische Roman, der in mein Bücherregal Eingang findet.
Taschenbuch: 188 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 6., Aufl. (Mai 1995)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257227906
ISBN-13: 978-3257227901

Pauline



Autorin: George Sand
Original: Pauline (1839)
meine Bewertung: 2 von 5

Die gefeierte Schauspielerin Laurence kommt während einer Reise zufällig in einer Stadt vorbei, in der ihre Freundin aus Jugendjahren wohnt. Anfangs zögert Laurence noch, doch dann macht sie sich doch auf den Weg, um Pauline zu besuchen. Die beiden fallen sich um den Hals, es ist, als ob sie nie getrennt gewesen wären. Schon bald erstarkt das Band ihrer Freundschaft erneut, doch Laurence muss weiter.

Als schließlich die alte und blinde Mutter Paulines, um die sie sich aufopfernd kümmert, stirbt, weiß Pauline nicht, wohin mit sich. Sie wird in die Familie von Laurence aufgenommen und erhält dort einen angemessenen Platz, sie ist aus dem Kreis nicht mehr wegzudenken. Dank Laurence wird sie auch in der Gesellschaft der Künstler aufgenommen.

Dann stiehlt sich jedoch der Lebemann Montgenays in das Leben der beiden jungen Frauen. Eigentlich hat er es auf Laurence abgesehen, er meint aber, sein Ziel mit Pauline als Mittel zum Zweck zu erreichen. Ob die Freundschaft der beiden dieser Belastung standhält?

Die lange Novelle oder der sehr kurze Roman, je nachdem, wie man es sehen will, ist von der Autorin George Sand geprägt. Als eine Frau, die zu Lebzeiten die Geliebte Chopins und Alfred de Mussets war, sich einen Männernamen gegeben und Hosen getragen hat, schafft sie mit Laurence und Pauline Frauen, die zwar versuchen, ihren Mann zu stehen, letztlich aber scheitern sie aber doch. Eine interessante, kurze Geschichte, die man nicht lesen muss, bereuen wird man die Stunde Lesezeit aber auch nicht.
Taschenbuch: 72 Seiten
Verlag: Lulu Pr (23. Mai 2008)
Sprache: Französisch
ISBN-10: 1409920917
ISBN-13: 978-1409920915

Mittwoch, 8. April 2009

How to be good



Autor: Nick Hornby
Original: How to be good (2001)
meine Bewertung: 4 von 5

Katie ist Ärztin. Sie hilft tagtäglich Unmengen von Menschen, kommt danach heim und versucht, sich um ihre Familie zu kümmern, die aus den beiden Kindern Tom und Molly und ihrem langjährigen Ehemann David besteht. Sie hat das Gefühl, zu versagen. Ihre Kinder sieht sie nur selten, ihr Mann ist ein sehr zynischer, wütender Mann, der sein Geld damit verdient, daheim Firmenkataloge und zornige Kolumnen zu schreiben. Irgendwie macht sich große Unzufriedenheit breit und schon bald fragt sich Katie, ob sie wirklich für den Rest ihres Lebens neben diesem Mann aufwachen möchte.

Sie hat eine kleine, unbedeutende Affaire, die sie nicht glücklicher macht. Sie will sich von ihrem Mann trennen, der aber nicht von ihr. Und weil David nun alles tut, um seiner Frau eins auszuwischen, geht er zu einem Heiler, als ihn Rückenschmerzen plagen. Er fühlt sich danach besser und ist von diesem Heiler, der sich GoodNews nennt, begeistert. Katie ist natürlich sauer, weil ihr Noch-Mann 200 Pfund beim Fenster hinausgeworfen hat. Das wiederum freut David, weil er aus der Trennung als Sieger hervorgehen möchte und will, dass Katie von sich aus geht. Ihr seht schon, es klingt kompliziert. Aber wer sagt, dass Beziehungen einfach sind?

Jedenfalls bleibt Katie vorerst. David beginnt, eine Wandlung durchzumachen. Er wurde von GoodNews nur berührt und fühlt sich geheilt. Er tut sich mit dem wunderlichen Mann zusammen, bringt ihn schließlich sogar ins Haus mit, um bei ihnen zu wohnen. Katie und ihr Sohn sind alles andere als begeistert von dem gepiercten Arbeitslosen, Tochter Molly und David werden beinahe eifrige Anhänger. David ist nicht mehr wütend oder zornig, verschenkt Geld und Spielsachen und möchte schließlich sogar obdachlose Jugendliche aufnehmen. Natürlich nicht gerade ein Umstand, der zur Besserung der ohnehin wackeligen Beziehung beiträgt.

Nick Hornby schreibt Romane mitten aus dem Leben. Jeder, der schon einmal eine längere Beziehung geführt hat, kennt das Gefühl, wenn man plötzlich Seiten am Partner entdeckt, die er lange geheim gehalten hat, wenn er merkt, dass auch der Traumprinz morgens schlechten Atem hat und das Model zwar recht ansehlich ist, aber noch nie eine ordentliche Mahlzeit auf die Welt gebracht hat.

Mit einem guten Auge für Details und Emotionen schildert Hornby die Zwickmühle zwischen dem Wunsch nach Geborgenheit und dem Festhalten an alten Gewohnheiten, aber auch dem Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit. Er rutscht aber nicht in Plattitüden ab, sondern bleibt kreativ und doch irgendwie witzig. Die Geschichte ist aus der Sicht Katies geschrieben, man baut zu ihr eine Beziehung auf und ist gespannt, wie die Geschichte für alle ausgehen wird. Eine nette Lektüre, die man vielleicht nicht unbedingt rund um den Valentinstag lesen sollte!
Taschenbuch: 340 Seiten
Verlag: Droemer Knaur (1. August 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426615355
ISBN-13: 978-3426615355