Donnerstag, 30. März 2006

Size 12 is not fat



Autorin: Meg Cabot
Original: Size 12 is not fat (2006)
meine Bewertung: 3 von 5

Heather Wells arbeitet in einem Studentenheim des New Yorker Colleges. Sie ist 28 Jahre alt, trägt Größe 12 (entspricht der deutsch-österreichischen Größe 40) und lebt beim Bruder ihres Ex-Freundes.

Die Vergangenheit von Heather ist bewegt. Sie war in ihrer Jugend Popstar, Massen von Teenagern haben sie angehimmelt. Ihr Freund war Jordan Cartwright, der Sänger der Boyband "Easy Street". Natürlich waren sie das Traumpaar schlechthin und auch Heathers Leben hätte besser nicht laufen können. Doch dann wollte Heather nicht mehr nur eine Marionette sein, sie verlangte, ihre eigenen Songs singen zu dürfen. Ihr Label hat ihr daraufhin den Plattenvertrag gekündigt, kurz darauf erwischt sie auch noch ihren Freund und eine andere Frau beim Oralsex. Als dann auch noch Heathers Mutter das ganze Geld ihrer Tochter stiehlt und sich nach Brasilien absetzt, bricht ihre Welt zusammen.

Zum Glück ist da noch Cooper, der Bruder ihres Ex-Freundes, der sie bei sich aufnimmt und das Studentenheim Fischer Hall, in dem sie arbeiten kann. Dort geschehen allerdings in letzter Zeit merkwürdige Dinge. Beim Lift-Surfen stürzen innerhalb von einer Woche zwei Mädchen ab und verunglücken tödlich. Weil Mädchen normalerweise nicht so dumm sind, auf den Liftkabinen zu surfen, hat Heather schon bald den Verdacht, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Heather glaubt an einen Mord.

Sie erzählt einigen Menschen von ihrem Verdacht, und schon gerät sie selbst in Gefahr. Zweimal wird ein Anschlag auf ihr Leben verübt, erst als es beinahe zu spät ist, glauben ihr ihre Freunde und Cooper beginnt, gemeinsam mit ihr Nachforschungen anzustellen. Als die beiden herausfinden, wer hinter den Morden und den Anschlägen steckt, ist es beinahe zu spät.

Über die Vorgeschichte von Heather erfährt man immer zwischendurch, die eigentliche Handlung spielt in der Gegenwart, auch wenn Heather oft von ihrer Vergangenhei eingeholt wird, ob sie nun will oder nicht. Die Geschichte ist spannend und wirklich sympathisch, die Heldin, die lieber Süßigkeiten als Salat ohne Dressing isst, wirkt nicht weniger sympathisch. Spannend, lustig, ein bisschen kitschig, mädchenhaft, aber auf jedenfall wert, gelesen zu werden.
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Pan Books (Januar 2006)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0330440403
ISBN-13: 978-0330440400

Dienstag, 21. März 2006

Hoch soll sie leben



Autor: Willy Breinholst
Original: Lang zal se leven (1984)
meine Bewertung: 3 von 5

Der dänische Schriftsteller Willy Breinholst schreibt humorige Kurzgeschichten über alle möglichen Bereiche des alltäglichen Lebens. Dieses Mal widmet er sich Episoden mit seiner Ehefrau Marianne, die meist wirklich zu einem Lächeln anregen.

Das Büchlein ist zwar nicht mehr regulär erhältlich, allerdings für eine kurze Zugfahrt oder längere Wartezeiten eine wirklich nette Unterhaltung. Natürlich schafft es Breinholst nicht, mit soviel Ironie und Kritik wie Kishon Humor zu betreiben, allerdings legt er es ja auch wirklich nicht darauf an - kurzum: ein netter Zeitvertreib für Zwischendurch.
Buch im Handel nicht mehr erhältlich!

Freitag, 17. März 2006

Die Panne



Autor: Friedrich Dürrenmatt
Original: Die Panne (1979)
meine Bewertung: 3 von 5

Der Textilvertreter Traps erleidet eines Nachts eine Autopanne, deshalb sucht er Zuflucht und Hilfe in einem nahegelegenen Haus. Er trifft dort auf vier ältere Herren: einen pensionierten Richter, einen pensionierten Henker, einen pensionierten Staatsanwalt und einen pensionierten Rechtsanwalt.

Traps lässt sich dazu überreden, doch ein wenig zu bleiben, einen edlen Wein mit den älteren Herren zu trinken und sich mit ihnen einem Spiel zu widmen. Die Herren wollen ihre alten Berufe nachspielen, deshalb brauchen sie einen Angeklagten. Da Traps davon überzeugt ist, völlig unschuldig zu sein und noch nie ein Verbrechen verübt zu haben, stimmt er der Farce zu.

Die Stimmung wird immer weinseliger, Traps beginnt aus seinen Leben zu erzählen und ehe er sichs versieht, drehen sich die Perspektiven in diesem Spiel um 180 Grad. Am Ende ist Traps schließlich davon überzeugt, ein Verbrecher zu sein, auch wenn er noch nie ein Verbrechen begangen hat. Das, was als Spiel begann, endet nicht als Spiel, sondern findet einen tragischen Ausgang.

Zu dieser Dürrenmatt-Geschichte findet man anfangs vielleicht nur etwas schwer Zugang, weil sie mit dem Ende beginnt und man dadurch etwas verwirrt und abgelenkt sein könnte. Doch hat man sich einmal in die Stimmung eingelesen, entdeckt man die Gesellschaftskritik hinter Dürrenmatts Werk. Nur zu oft geschieht es heutzutage, dass die Grenzen zwischen Realität und Illusion verschwimmen.
Broschiert: 79 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (April 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257235399
ISBN-13: 978-3257235395

Donnerstag, 9. März 2006

Der Geschichtenverkäufer



Autor: Jostein Gaarder
Original: Sirkusdirektorens Datter (2002)
meine Bewertung: 4 von 5

Petter ist ein außergewöhnlicher Junge. Er beobachtet seine Altersgenossen lieber, als mit ihnen zu spielen. Er besucht mit seiner Mutter Theateraufführungen und lauscht großen Opern, Petter ist ein Junge, dessen Phantasie keine Minute stillstehen kann.

Als er in die Schule kommt, lernt er, seine Begabung, Geschichten zu erfinden, in Geld umzuwandeln. Er schreibt für seine Mitschüler Aufsätze und die Hausaufgaben, diese geben ihm ein paar Kronen dafür oder bezahlen in Naturalien. Petter ist aber nicht dumm. Er weiß, wie viele Fehler er machen muss, um seine „Kunden“ weiterhin glaubwürdig erscheinen zu lassen. Freunde hat er trotzdem nicht, er will das so. Freunde würden ihn nur vom Denken abhalten. Einen Freund hat er jedoch. Der ist zwar meist schweigsam, nur einen Meter groß und nur für Petter sichtbar, dafür ist dieser ihm treu und folgt ihm stockschwingend überall hin.

Als Petter gerade 18 Jahre alt wird, stirbt seine Mutter. Er behält die Wohnung und beginnt, sich um Mädchenbekanntschaften umzusehen. Die Mädchen begleiten ihn ins Theater oder in die Oper, manchmal kommen sie noch mit zu Petter in die Wohnung. Es kann auch schon mal zu einer gemeinsamen Nacht kommen, Petter achtet jedoch peinlichst genau darauf, keinem Mädchen zu viele Hoffnungen zu machen. Er kann sich einfach nicht binden.

Als ihm als Studenten das Geld langsam knapp wird und sein Gehirn vor Geschichten nur so überkochen zu droht, muss er sich etwas einfallen lassen. Er schreibt seine Gedanken und Ideen auf und beginnt damit, sie erfolglosen Schriftstellern zu verkaufen. Er selbst hat nicht die Geduld dazu, selbst aus seinen Ideen Romane zu machen, aber einige seiner Ideen bringen ihm Geld und seinen „Autoren“ Ruhm und Anerkennung.

Da Petter sich selbst als pedantischen Menschen beschreibt, ist es nicht verwunderlich, dass er akribisch genau festhält, wem er welche Ideen verkauft hat, wie viel Geld er dafür genommen hat und so weiter. Natürlich hält er seine Geschäfte streng geheim, jeder seiner Kunden denkt, der einzige Abnehmer zu sein.

Unerwarteterweise tritt dann doch noch eine Frau in das Leben des Phantasten. Sie scheint die ideale Weggefährtin für ihn zu sein, eine Form von Liebe entwickelt sich zwischen ihnen. Maria heißt die Angebetete. Von langer Dauer ist das junge Glück allerdings nicht, denn Maria muss weg aus Dänemark. Doch bevor sie geht, will sie ein Kind von Petter. Dieser erklärt sich dazu bereit und bald entwickelt sich ein richtiggehendes Geschäft aus Marias Kinderwunsch. Sie geht fort, hinterlässt Petter keine Adresse, keinen Nachnamen, nichts. Nur Erinnerung. Da die beiden übereingekommen waren, dass Petter sein Kind nie sehen würde, belassen es beide dabei und verlieren sich vollkommen aus den Augen.

Einige Jahre später hat der Geschichtenverkäufer schon ein weltumspannendes Netz geschaffen, er ist wie eine Spinne. Viele Bestseller sind eigentlich aus seinen Ideen geboren, Petter ist wohlhabend und zufrieden, doch seine Abnehmer werden langsam nervös. Als die Kunden untereinander zu reden beginnen, wird es für Petter brenzlig und er flieht nach Italien.
Er ist ängstlich und entwickelt eine leichte Paranoia. Doch da tritt Beate in sein Leben. Eine junge Frau, die er aufrichtig liebt, die er versteht, die ihn versteht und die nach Maria die Einzige zu sein scheint. Allerdings weiß Petter nicht, wen er vor sich hat und welche Rolle Maria für sein weiteres Leben noch spielen würde.

Von Gaarder ist man große philosophische Romane gewöhnt, die flott daher kommen, aber viel Tiefe haben. „Der Geschichtenverkäufer“ ist nicht ganz so philosophisch, hat auch nicht ganz so viel Tiefgang. Der Roman selbst ist als Monolog verfasst, immer wieder werden auch kurze Abrisse von Geschichten eingeflochten, die Petter an die erfolglosen Schriftsteller verkauft.

Schade nur, dass man so manche Geschichte in der Geschichte spannender anmutet, als der eigentliche Roman. Ein weiteres Manko ist das Ende der Geschichte. Jedem halbwegs belesenen Menschen wird schon rund 50 Seiten vor Ende (und vor Petter) klar, wie sich die Handlung entwickeln wird – den etwas mehr Belesenen wird das Ende sehr bekannt vorkommen (Stichwort: Homo Faber von Max Frisch). Dies ist vor allem deshalb peinlich, weil Gaarder es eigentlich nicht nötig hätte.
Gute, interessante Geschichte, die allerdings nicht wirklich dem bisherigen Gaarder gerecht wird.
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Dtv (Oktober 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423132507
ISBN-13: 978-3423132503

Mittwoch, 1. März 2006

Mary Poppins



Autorin: Pamela L. Travis
Original: Mary Poppins (1934)
meine Bewertung: 4 von 5

Es ist Ostwind als die Kinder Michael und Jane eines Tages in ihrem Zimmer im Haus des Kirschbaumwegs sitzen und aus dem Fenster sehen. Da sehen sie etwas seltsames. Der Wind trägt eine Dame in den Garten der Geschwister. Sie hält in einer Hand einen geöffneten Regenschirm und in der anderen Hand eine riesige Tasche. Die Geschwister sind Zeugen der Landung ihres neuen Kindermädchens Mary Poppins geworden.

Mary ist eine korrekte und eitle Frau, die aber die Kinder liebt, in der Babysprache mit den kleineren Zwillingen reden kann, den Raben versteht und der Sprache des Windes lauscht. Sie zeigt den älteren Kindern unglaubliche Orte und dauernd scheint sie, von Geheimnissen umgeben zu sein. Sie eröffnet den Kindern eine Welt, zu der andere Erwachsene, vor allem deren eigene Eltern, keinen Zugang haben, deshalb sind sie umso trauriger, als Mary Poppins ihr Versprechen, zu bleiben, bis sich der Wind trägt, einhält.

Als Westwind aufkommt, trägt sie der Wind mit sich fort. Doch Mary hat "Auf Wiedersehen" gesagt, so sind die Kinder nicht besonders traurig. Sie wissen, dass Mary Poppins ihre Versprechen immer hält.

Das Buch von Travers ist wunderbar für alle Kinder geeignet, die schon mal die Erfahrung gemacht haben, dass Mama und Papa auch mal Zeit für sich brauchen und ein Babysitter kommt. Die Illustrationen von Horst Lemke sind liebevoll gemacht, Travers Schreibstil ist unkompliziert und auch für sehr junge Leser geeignet. Das Buch gliedert sich nämlich in einzelne Kapitel, die jedes für sich gelesen eine Geschichte ergeben. So muss man nicht das ganze Buch auf einmal lesen und auch der jüngere Leser verliert so nicht die Lust am Lesen.
Gebundene Ausgabe
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (November 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151136
ISBN-13: 978-3866151130