Mittwoch, 15. August 2012

Berliner Zimmer















Autor:Sepp Mall
Original: Berliner Zimmer (2012)
meine Bewertung: 4 von 5


Zwar war aufgrund der Krebserkrankung seines Vaters damit zu rechnen, doch als Johannes den Anruf seines Bruders Gregor erhält, der ihm vom Tod ihres Vaters erzählt, ist er dennoch überrascht. Immer wieder hatte er den Vater zur Therapie gefahren und danach wieder vom Krankenhaus abgeholt. Dass alles so schnell gehen würde, damit hatte er nicht gerechnet. Die Beerdigung wird organisiert, der Vater verabschiedet und eingegraben. Das Leben geht weiter.
Einige zögernde Fragen seiner Tochter Alma und ein verzweifelter Anruf seines Bruders Gregor, der sicher ist, der Vater sei wieder da, bringen auch Johannes dazu, nachzudenken. Wer war dieser Mensch, den er immer einfach nur als seinen Vater betrachtet hatte? Wie war er als junger Mann? Wen hat er geliebt, wofür gekämpft? Johannes versucht, auf all diese Fragen eine Antwort zu bekommen. Sein Weg führt ihn dazu nach Berlin, wo er nicht nur auf eine Frau, sondern auch auf seinen Vater stößt...
Mall zeichnet mit "Berliner Zimmer" ein zartes Familienporträt, dessen sanfte Zwischenfarben erst noch entdeckt werden müssen. Vor allem die Figuren der Alma, Angelina und die von Johannes sind sympathisch und trotz oder gerade wegen der wenigen Charakterbeschreibungen lebendig. Die Geschichte und die Lebensumstände der Familie entblättern sich nach und nach, auf den Leser wirkt die Erzählung wie ein Zoom mitten in eine Familie, langsam kommt man ihr näher, nur, um sie schließlich wieder zu verlassen und sich selbst zu überlassen. 
Mall schreibt ansprechend und reduziert, die Geschichte ist interessant und ungewöhnlich - auf jeden Fall eine Lektüre wert.


Hardcover, Haymon Verlag
ISBN: 978-3-85218-721-1
190 Seiten