Donnerstag, 19. Juni 2008

Shopaholic and Baby



Autorin: Sophie Kinsella
Original: Shopaholic and Baby (2007)
meine Bewertung: 5 von 5

Becky Brandon ist gerade mal ein Jahr verheiratet, sehr verliebt in ihren Ehemann Luke, der eine erfolgreiche PR-Agentur leitet und auch sonst sehr glücklich. Demnächst erwarten sie und Luke nämlich ihr erstes Kind. Natürlich muss man sich auf das große Ereignis auf bewährte Shopaholic-Manier vorbereiten. Das heißt: Einkaufen bis zum Umfallen. Auch wenn ihr Leben im Moment perfekt scheint, sind da doch einige Unstimmigkeiten, die Becky leicht beunruhigen.

Da ist zum einen diese absolut berühmte und begnadete Geburtshelferin namens Venetia Carter. Alle Promis gehen zu ihr in die Praxis und es ist schwer, einen Termin bei ihr zu bekommen. Doch Becky schafft es, in die Praxis eingeladen zu werden. Schon bald bereut sie allerdings ihren Schritt. Venetia ist wunderschön, jung und noch dazu die Exfreundin von Luke. Venetia und Luke verstehen sich auf Anhieb wieder wunderbar und gehen sogar auf einen Drink aus. Becky, mit einer Kugel von Bauch und watschelndem Entengang, kommt sich wie das fünfte Rad am Wagen vor. Eifersucht brodelt in ihr, vor allem, weil Luke ihr auch noch allen Grund gibt, Verdacht zu schöpfen. Er ist ihr gegenüber kalt, trifft sich mit Venetia und schreibt heimlich SMS auf Latein.

Becky beauftragt einen Privatdetektiv damit, herauszufinden, was zwischen Venetia und Luke läuft. Venetia gibt Becky gegenüber eine Affaire zu, Becky ist wie vor den Kopf gestoßen und stellt Luke ein Ultimatum.

In der Zwischenzeit scheint das Kaufhaus, in dem sie arbeitet, den Bach hinunter zu gehen, Luke und Becky verlieren ihr Traumhaus und ihre Schwester Jess droht, nach Chile auszuwandern. Doch es wäre nicht Becky, könnte sie neben ihren zahlreichen Einkaufstüten auch noch andere Probleme handlen.

Die „Shopaholic“-Serie von Sophie Kinsella ist einfach immer wieder wert, gelesen zu werden. Becky ist eine sehr sympathische Protagonistin, die zwar den Sinn ihres Lebens darin sieht, einkaufen zu gehen, aber ein so großes Herz hat, dass sie andere Menschen dann doch vor ihre eigenen Bedürfnisse stellt. Leichte, flockige und unheimlich witzige Lektüre für Zwischendurch. Shopaholics: Unbedingt lesen!
Broschiert: 400 Seiten
Verlag: Random House UK (21. November 2007)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0552774057
ISBN-13: 978-0552774055

Samstag, 14. Juni 2008

Oliver Twist



Autor: Charles Dickens
Original: Oliver Twist (1837)
meine Bewertung: 5 von 5

Eines Nachts kommt in einem Londoner Armenhaus ein kleiner Junge zur Welt. Noch kaum am Leben, muss er auch schon den Verlust seiner Mutter hinnehmen, deren Identität unbekannt ist. Oliver besitzt nichts, er ist darauf angewiesen, dass sich die Stadt um ihn kümmert. So verbringt er seine sehr unglücklichen Tage im Armenhaus. Als er schließlich alt genug ist, wird er einem Sargtischler verkauft, der ihn in die Lehre nimmt.

Natürlich geht es dem armen Jungen, der reinen Herzens ist, über den man aber dennoch immer wieder nur Schlechtes hört. Niemand möchte dem Jungen, der so ein ärmliches Äußeres hat, Gutes zutrauen. Oliver wird schlecht behandelt, irgendwann hält es sein kleines Herz nicht mehr aus und er flieht. Da er die Erwachsenen immer von London, der großen Stadt, reden hörte, beschließt er, nach London zu gehen.

Am Ende seiner Kräfte und in einem noch erbärmlicheren Zustand als zuvor erreicht er schließlich die Stadt. In London gerät er in den „Wirkungskreis“ von Fagin. Der Jude beschäftigt mehrere Jungens, die für ihn allerhand ehrlose Geschäfte erledigen. Vom Taschentuch-Diebstal über Spitzeleien und Einbrüche reichen deren Kompetenzen. Oliver soll ausgebildet werden und ebenfalls ins Geschäft einsteigen. Der herzensgute und blauäugige Junge ist froh ob der Gesellschaft Gleichaltriger und begleitet eines Tages zwei andere bei ihrer Arbeit.

Wies der Zufall so will, wird ausgerechnet der unschuldige Oliver ertappt und vor Gericht gestellt. Was anfangs wie das Ende aussieht, stellt sich zuletzt als ein großer Glücksfall für den kleinen Twist heraus. Der Bestohlene nämlich ist ein redlicher Mann, der ihn schließlich zu sich nimmt. Dort wird er endlich geliebt, gehegt und gepflegt und entdeckt eines Tages sogar ein mysteriöses Bildnis einer Frau, die ihm verblüffend ähnlich ist. Doch auch das Glück bei seinen Wohltätern ist nicht von Dauer. Schon bald gerät er wieder in den Einfluss von Fagins Leuten.

Dieses Mal soll er bei einem Einbruch helfen. Lange Zeit verwendet Fagin darauf, Oliver auf diese Aufgabe vorzubereiten, dann geht jedoch alles schief und der Junge wird angeschossen… Die Geschichte um den kleinen Oliver Twist ist eine wahrhaft traurige. Von einer Ecke in die andere gestoßen, scheint er doch immer wieder bei den falschen Menschen zu landen, dabei möchte er nichts anderes, als ein ehrliches Leben zu führen, nicht mehr Hunger leiden zu müssen und ein Dach über den Kopf zu haben. Man kann einfach nicht anders, als mit ihm mitzufühlen, zu hoffen und zu bangen.

Schnell findet man in die Geschichte hinein, man fühlt sich versetzt in das damalige London, riecht die stinkenden Gassen und sieht die armen Bettler. Man gönnt Oliver einfach ein Happy End. Empfehlenswert ist eine Übersetzung von Gustav Meyrink, von gekürzten Ausgaben sollte man möglichst absehen. Da ich auch eine gekürzte Version kenne, würde ich zu einer Gesamtausgabe mit Nachwort und Erläuterungen raten. Ansonsten geht einfach viel zu viel der Geschichte verloren. Auch wenn die Handlung etwas verästelt ist und teilweise auch Handlungsstränge nicht mehr fortgeführt werden, sind sie doch Teil einer spannenden Geschichte und sollten nicht außer Acht gelassen werden.

Meyrink hat es in seiner Übersetzung wunderbar verstanden, sprachlich die einzelnen „Schichten“ voneinander abzugrenzen. So spricht der Jude mit einem besonderen Dialekt, ebenso wie das einfache Volk und die doch eher wohlhabenden Leute. Auch Dickens Humor, der hin und wieder vortrefflich subtil eingesetzt wird, ist es Wert, die Langfassung zu lesen. Insgesamt eine sehr traurige, spannende, komplexe und doch auch humorvolle Geschichte, in die Dickens enorme Sozialkritik verpackt hat. Auch wenn gegen Ende die "Auflösung" doch sehr gewollt ist und die Geschichte sehr zwischen Gesellschaftssatire und Melodram schwankt: Sehr empfehlenswert, vor allem auch aufgrund der sprachlichen und atmosphärischen Dichte.
Broschiert: 479 Seiten
Verlag: Dtv;
Auflage: Mit den Illustrationen der Erstausgabe. (November 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423136162
ISBN-13: 978-3423136167

Montag, 2. Juni 2008

Hectors Reise



Autor: Francois Lelord
Original: Le voyage d'Hector (2004)
meine Bewertung: 2 von 5

Hector ist Psychiater und lebt in dem Land, in dem es die meisten Psychiater gibt. Er liebt seinen Beruf und gibt seinen Patienten auch immer das Gefühl, sich für ihre Probleme zu interessieren. So ist es ja auch wirklich. Hector hört ihnen gerne zu und versucht, ihnen zu helfen. Doch eines fällt ihm schon auf: Viele seiner Patienten sind unglücklich, obwohl sie doch gar keinen Grund dazu haben. Das bringt Hector auf eine Idee.

Der Psychiater packt seine Sachen und begibt sich auf Reisen. Er will herausfinden, was das Glück eigentlich ist und wie man es findet. Sein erster Weg führt ihn nach China, wo er einen alten Mönch trifft, der ihm einige Hinweise für seine Suche gibt. Nach und nach bereist Hector verschiedene Länder, immer dabei hat er sein Notizbüchlein, in das er seine Erkenntnisse kritzelt. Er lernt eine Menge Menschen kennen und gerät sogar in Lebensgefahr, doch am Ende ist er dem Glück schon auf den Fersen.

Die Geschichte an sich ist ja wirklich nett und die Weisheiten, die Hector in sein Büchlein schriebt, sind auch gar nicht dumm, allerdings hat das Buch ein Problem: Die Sprache. Der Erzähler biedert sich dem Leser direkt an. Lange weiß man nicht, ob man da jetzt ein Kinderbuch in Händen hält, da der Erzähler „Sex“ beispielsweise umschreibt mit „das tun, was die Verliebten tun“, aber dann ist ohne mit der Wimper zu zucken die Rede von Determinanten, Globalisierung etc. Warum diese infantile Sprache? Was bringt sie dem Autor? Gibt es einen Grund dafür, der mir entgangen ist? Irgendwie fühlt sich der eloquente Leser leicht verarscht, aber wem’s gefällt…
Broschiert: 192 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 16 (26. Oktober 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492248284
ISBN-13: 978-3492248280

Sonntag, 1. Juni 2008

Mercedes, Colt und Teddybär



Autor: Gustav Weber
Original: Mercedes, Colt und Teddybär (2007)
meine Bewertung: 3 von 5

Gustav Weber hat in diesem Buch festgehalten, wie die Dinge zu ihrem Namen kamen. Pro Begriff sind das ein bis zwei Seiten, vollgepackt mit Geschichte und Anekdoten, meistens auch humorvoll und mit einem Augenzwinkern. Behandelt werden die Kapitel „Aus Küche und Keller“, „Technische Meisterstücke“, „Kunst, Kultur und Wissenschaft“, „Politik und Gesellschaft“ sowie „Natur“. Zwar erwischt er dabei nicht immer die interessantesten Worterklärungen, nach welchen Gesichtspunkten genau die erklärten Begriffe ausgesucht wurden, bleibt auch ein wenig ungeklärt.

Das Buch ist auf jeden Fall eine kurzweilige Lektüre, in die man immer mal wieder reinschauen kann. Automatisch lernt man so einiges dazu, das – sollte man es im richtigen Leben nicht benötigen – zumindest bei Trivial Pursuit zu einigen Wissensvorsprüngen führen kann.
Gebundene Ausgabe: 271 Seiten
Verlag: Kremayr & Scheriau;
Auflage: 1 (19. September 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3218007720
ISBN-13: 978-3218007726

Monod



Autor: Oliver Jungwirth
Original: Monod (2008)
meine Bewertung: 1 von 5
Ein junger Mann kommt in ein Kaffeehaus, setzt sich und bestellt einen Kaffee. Außer ihm sind noch ein älterer Herr, ein jüngerer Mann und die Kellnerin anwesend. Als er seinen Kaffee hat, bittet er die Kellnerin, die er wunderschön findet, ihm drei Wünsche zu erfüllen. Zögernd willigt diese ein. Der junge Mann bittet sie, die Polizei zu rufen, nicht zu erschrecken, wenn er seinen Mantel ablegt, unter dem er eine Waffe trägt, und das Kaffeehaus zuzusperren, so dass er mit den drei bereits Anwesenden alleine sei.

Als abgesperrt ist, beginnt der junge Mann seine Geschichte zu erzählen. Er erzählt davon, wie und warum er einige Menschen kaltblütig ins Jenseits befördert hat. Die drei Anwesenden hören ihm gespannt zu. Sie haben Vertrauen zu diesem Unbekannten und sind neugierig darauf, seine Version der Ereignisse, die er verursacht hat, zu hören.

Nach einiger Zeit kommt schließlich auch Herr Städter, der diensthabende Polizist, dazu. Der junge Mann erzählt weiter, schließlich wird klar, warum es ihn an diesem Tag in dieses Kaffeehaus gezogen hat, worin der Sinn liegt, dass er diese vier Personen getroffen hat. Der junge Mann glaubt nicht mehr an Gott, deshalb nimmt er selbst die Dinge in die Hand und spielt Rächer.

Die Geschichte wirkt leider sehr konstruiert, man hat den Eindruck, nur Fragmente von Gedanken zu lesen, die irgendwie rundherum nicht so ganz zusammenpassen. Als hätte man einen Elefanten in einen Kühlschrank gequetscht. Keine der Personen gewinnt im Verlauf der Handlung an Tiefe, nicht einmal der Protagonist selbst. Was für den Leser erschwerend dazu kommt, ist die Tatsache, dass nur selten Namen genannt werden. Nach einiger Zeit glaubt man schreien zu müssen, wenn man noch einmal „der junge Mann“ liest.

Auch sprachlich lässt das Werk sehr zu wünschen übrig. Das Lektorat hat geschlampt, sehr sogar. Neben Orthografie-Fehlern und grammatikalischen Fautes pas hätte auch der Stil hier und da einer leicht lenkenden Hand bedurft.

Prinzipiell ist die Idee der Geschichte ja nicht neu (Rächer, der das Gesetz selbst in die Hand nimmt, ein bisschen Liebe dazu), doch im Normalfall guter Stoff. Leider wurde hier versucht, ein wahrlich philosophisches Werk daraus zu machen – wohl mit dem Vorschlaghammer. Die Einschübe wiederholen sich und verkommen so zu hohlen Phrasen. Leider ist auch das Ende mehr als platt, man sitzt da und hat Fragezeichen im Kopf – allerdings nicht solche, die zum Nachdenken über das Buch anregen, sondern solche, die die Frage nach dem Warum ausdrücken. Warum hab ich das jetzt überhaupt gelesen, scheinen sie zu bedeuten.

Da die Grundidee (der Mörder erzählt die Geschichte, macht einen auf moralischen Robin Hood etc.) ja nicht schlecht ist und so etwas wie Spannung aufkommt, vergebe ich 1 wackeligen Punkt. Man hätte viel, viel mehr daraus machen können. Etwas Tiefe hätte keiner der „Bag of Bones“ geschadet, ebenso wie dem gesamten Buch.
Taschenbuch: 211 Seiten
Verlag: edition nove (Mai 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3852513340
ISBN-13: 978-3852513348