Dienstag, 31. Juli 2012

Der Bahnhof von Zimpren















Autor: Heinrich Böll
Original: Der Bahnhof von Zimpren (1959)
meine Bewertung: 5 von 5

Ursprünglich war Zimpren ein kleiner Ort, in dem Bauern friedlich dahin lebten und nicht besonders viel passiert ist. Dann jedoch kommt die Ölgesellschaft "Terra Spes" und beginnt mit ihren Probebohrungen. Das Öl sprudelt in zentimeterdicken Fontänen aus der Zimpren'schen Erde, so dass von rundherum alle Arbeitskräfte herbeiströmen, um sich ebenfalls dem Rausch des schwarzen Goldes hinzugeben. Der Ort wird zur Stadt - man reagiert auf die neuen Gegebenheiten erstaunlich schnell. So verwundert es auch nicht, dass aus dem kleinen Bahnhöfchen schon bald ein großer Bahnhof wird, in dem auch D-Züge Halt machen.
Nach und nach wird das Öl weniger, schließlich versiegt es ganz. Lange Zeit wird den Einwohnern und Arbeitern vorgelogen, es sei noch immer genügend da. Man geht sogar dazu über, Öl des Nächtens in Lastwägen herbeizukarren, nur, um es dann als Öl aus Zimpren weiter zu verschicken. Irgendwann kann die Illusion nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die Ölfelder liegen brach, genauso der Bahnhof, der einst Zentrum hoffnungsfroher Geschäftsleute und Arbeitskräfte war. Ganz anders als zuvor reagiert man jedoch nun gar nicht mehr. Alle Posten bleiben besetzt, auch wenn die Züge in Zimpren nicht mehr halten. Was einst eine Beförderung war, gilt nun als Strafversetzung. 
Diese und 14 weitere Kurzgeschichten sind in der vorliegenden Kurzgeschichtensammlung enthalten. Jede von ihnen erzählt von alltäglichen Situationen einfacher Menschen; einige von Krieg gebeutelt, einige an den Nachwehen eines Wirtschaftswunders leidend, wieder andere von lang vergessenen Zeiten. Eines haben sie aber alle gemeinsam: die herrlich klare und schnörkellose Sprache Bölls, die es vermag, soviel mehr mit soviel weniger zu erzählen. Klar wird auch die kritische Position des Autors Politik und Wirtschaft gegenüber. 
Wenige Schriftsteller schaffen es, die kurzen Erzählaugenblicke so zu gestalten, dass der Leser/die Leserin einfach weiß, was davor und danach geschehen ist. Nüchterner und mit weniger Details als Steinbeck, allerdings genauso mitreißend und von Episoden lebend präsentieren sich die Geschichten dieser Sammlung - man sollte daher ruhig mal einen Blick in das Buch wagen.

Taschenbuch, 153 Seiten
List Verlag
ISBN: nV - List Bücher 138

Dienstag, 17. Juli 2012

Death of a Glutton















Autorin: M. C. Beaton
Original: Death of a Glutton (1988)
meine Bewertung: 3 von 5
Band 8 der Hamis-Macbeth-Serie


Es ist eine dieser seltenen perfekten Sommerwochen in Lochdubh. Hamish Macbeth, der örtliche Polizist, ist mit sich und der Welt völlig im Reinen. Er genießt die friedliche Zeit von ganzem Herzen, ist sich aber dessen bewusst, dass der Friede wohl nicht lange anhalten wird. Natürlich soll er damit recht behalten.
Im Tommel Castle Hotel, das den Eltern seiner angebeteten Miss Priscilla Halburton-Smythe gehört, hat eine Gruppe Londoner Singles eingecheckt. Diese haben über "Checkmates", einer Partneragentur, den Aufenthalt gebucht, um endlich den Partner fürs Leben zu finden. Dass es nicht so einfach wird, wie anfangs gedacht, ärgert vor allem die Organisatorin der Veranstaltung, Maria Worth. Zum einen gestalten sich die Paarungen nicht so, wie von ihr vorgesehen, zum anderen taucht auch noch völlig überraschend ihre absolut ekelhafte Geschäftspartnerin Peta Gore auf. 
Peta ist nicht nur unwahrscheinlich unhöflich und mühsam, sondern auch noch unglaublich fett und hat Tischmanieren, die allen das nackte Grauen ins Gesicht schreiben. Die Gruppe wird vor allem durch die Abscheu Peta gegenüber zusammengeschweißt, jeder äußert irgendwann im Laufe der Zeit den Wunsch, Peta für immer los zu werden.
Natürlich dauert es nicht besonders lange, bis Peta tatsächlich tot aufgefunden wird, mit einem Apfel tief in den Rachen geschoben. Hamishs Problem ist nun nicht, dass er keine Verdächtigen hätte, sondern, dass er so ziemlich jeden verdächtigt. 
Der Fall hält ihn dermaßen auf Trab, dass er auch auf seine Gefühlslage Priscilla betreffend wenig Rücksicht nehmen kann, er schafft es sogar, diese sehr abkühlen zu lassen. Aber ob Priscilla das akzeptieren kann? Eine der Checkmates-Kandidatinnen möchte sich als Detektivin hervortun und riskiert dafür sogar ihr eigenes Leben...
Wieder ist ein Ausflug ins meistens so beschauliche Lochdubh wie ein Nachhausekommen in einen bekannten und geschätzten Urlaubsort. Die Bewohner sind einem schon so ans Herz gewachsen, dass man fast ein wenig wehmütig wird, wenn man sie wieder verlässt. Ein netter Krimi für Zwischendurch.

Constable & Robinson
Paperback, 231 Seiten
ISBN: 978-1-84529-735-0

Freitag, 13. Juli 2012

Menschen unterwegs















Autor: John Steinbeck
Original: The Wayward Bus (1963)
Übersetzung: Rose Richter


Fährt man von San Ysidro zweiundvierzig Kilometer auf der Landstraße Richtung San Franzisko, so stößt man auf den berühmten Rebellenwinkel. Es handelt sich dabei um eine Raststätte, die sich besonders hübsch in die Landschaft schmiegt. Wunderschöne Bäume und solides Essen machen Rebels Corner zu einem beliebten Halt für Reisende.
Geführt wird die Raststätte, die außerdem als Tankstelle und Werkstatt sowie Bushaltestelle benutzt wird, vom mexikanischstämmigen Juan Chicoy und dessen Frau Alice, außerdem sind noch Kit "Pimples" Carson als Lehrjunge und Norma als Kellnerin. Eine weitere Besonderheit ist "Sweetheart", der Bus, mit dem Juan regelmäßig Passagiere kutschiert.
Die Geschichte beginnt, als eine Gruppe Reisender in Rebels Corner feststeckt, weil Sweetheart ein kleines technisches Gebrechen hat und erst noch repariert werden muss. Die Stammbesetzung der Raststätte hat die Nacht im Lunchraum verbracht, damit die Busgäste eine bequeme Nacht verbringen können. Die Reisenden versammeln sich am nächsten Morgen zum Frühstück und brechen dann auch auf. Allerdings hat es tagelang geregnet, weshalb die Straßen schlecht sind und die Brücke, die Juan mit Sweetheart überqueren muss, stark unterspült. Die Gäste beschließen demokratisch, eine andere, ebenso unwegsame Route zu nehmen. Ob das gut geht?
Die Gäste sind nämlich denkbar unterschiedlich, außerdem bringt die wunderschöne und geheimnisvolle Camille eine extreme Unruhe in die Partie. Die Männer verzehren sich nach ihr, während die Frauen in ihr große Konkurrenz sehen und sie deshalb gern aus dem Weg wüssten...
Steinbeck erzählt mit unglaublicher Detailgetreue eine Momentaufnahme aus dem Leben zahlreicher Menschen, die das Schicksal für eine kurze Zeit zusammengeführt hat. Er fängt die Stimmung des Amerika der 50er Jahre perfekt ein, schafft sympathische und eher nicht so liebenswerte Charaktere, begleitet diese ein Stück ihres Weges, um dann seinen Blick wieder von ihnen abzuwenden. Jede seiner Geschichten hätte das Potential, ein dicker Schmöker zu werden, doch Steinbeck begnügt sich mit den kurzen Augenblicken, die er mit seinen Figuren verbringen darf. 
Ich mag Steinbecks Romane sehr, auch diesen kann ich wirklich empfehlen. Ruhig, unaufgeregt und dennoch in einer gewissen Art und Weise spannend - so präsentiert sich "The Wayward Bus".


Fackel-Verlag, Sonderausgabe Buchklub
Hardcover
330 Seiten

Dienstag, 10. Juli 2012

Geaddet, gepostet, Webfail
















Autoren: Nenad Marjanovic, Manuel Iber
Original: Geaddet, gepostet, Webfail (2012)
meine Bewertung: 4 von 5


"Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, wieso werden dann nicht einfach mehr Geldscheine gedruckt?" ist nur ein Beispiel aus dem unerschöpflichen Fundus dummer, peinlicher und lustiger Facebook Postings, die Marjanovic und Iber in diesem Buch versammelt haben. Einige der Beiträge sind eher mäßig lustig, von manchen möchte man einfach nicht glauben, dass sie echt sind, dennoch wird man mit der Lektüre des Buches viel Spaß haben.

Riva Verlag, 204 Seiten
ISBN: 978-3-86883-202-0