Dienstag, 30. November 2010

Rotkäppchen und der böse Wolf



Autorin: Agatha Christie
Original: N or M? (1941)
Übersetzung: k.A.
meine Bewertung: 2 von 5
Wir schreiben das Jahr 1940. Es ist Frühling, Hitler hat Deutschland fest in seiner Hand und befindet sich im erbitterten Krieg auch gegen England. Tommy und Tuppence Beresford, die in früheren Jahren schon mehrere Fälle gelöst haben, sind mittlerweile etwas in die Jahre gekommen, dennoch möchten beide auch ihren Beitrag leisten.

Da kommt es ihnen gerade gelegen, dass beim britischen Militär scheinbar ein Maulwurf untergekommen ist, der für die Gegenseite spioniert. Tommy und Tuppence werden von ihrem früheren Auftraggeber kontaktiert und damit beauftragt, sich auf die Suche nach dem Spion zu machen. Die beiden werden deshalb unabhängig voneinander mit neuen Identitäten versehen im Hotel Sans-Souci einquartiert und sollen dort ihre Fühler ausstrecken.

Es dauert nicht lange, bis die beiden, die vorgeben, sich nicht zu kennen, die Gäste gründlich unter die Lupe genommen haben. Schon bald können die beiden den Kreis der Verdächtigen eingrenzen, doch dann verschwindet Tommy…

„Rotkäppchen und der böse Wolf“ bzw. „N or M?“, wie das Buch im Original heißt, zählt zu den wenigen Spionagegeschichten von Agatha Christie, die für eine kleine Zielgruppe sicherlich spannend sind, mich aber hat das Buch sehr gelangweilt, so dass ich für die nicht einmal 170 Seiten mehrere Wochen gebraucht habe. Als Leser hat man schon sehr früh die Zusammenhänge durchschaut, das Buch ist nicht wirklich spannend und hat so gar nichts von den „typischen“ Agatha Christie Krimis.

Für Sammler und Spionage-Interessierte sicherlich interessant, für Spaß-Leser eher vernachlässigbar.
Broschiert: 208 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2 (19. Januar 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596168945
ISBN-13: 978-3596168941

Samstag, 27. November 2010

Er sagt & sie sagt



Autoren: Wiebke Lorenz/Christian Clerici
Original: Er sagt & sie sagt (2010)
meine Bewertung: 2 von 5


Die deutsche freie Journalistin Wiebke Lorenz trifft per E-Mail auf den österreichischen Moderator Christian Clerici. Die beiden sollen gemeinsam an einer Kolumne für eine deutsche Zeitschrift schreiben, in der sie unterschiedliche Fragestellungen zur Beziehung zwischen Mann und Frau aus ihrer jeweiligen Sicht diskutieren sollen.

Die beiden nähern sich auch privat ein wenig an und erzählen in ihrer jeweiligen E-Mail Korrespondenz auch ein wenig aus dem Nähkästchen und aus ihrem Privatleben. Clerici dabei ganz charmanter Mann von Welt, die Lorenz gibt sich als hochkarätige Journalistin und femme fatale.

Was das Problem dabei ist: Sie ist dabei sowas von verkrampft und derartig unlustig, dass sie schon nach wenigen E-Mails nervt, überraschenderweise überzeugt der im Fernsehen sehr arrogant und schnöselig rüberkommende Clerici durch seine Natürlichkeit. Er nervt dabei überraschend weniger.

Die Kolumnenthemen, die die beiden behandeln, sind leider abgeschmackt, dafür können aber die beiden E-Mailer wohl nichts. Interessanter ist sowieso das Geplänkel dazwischen. Schade, es hätte ein echt nettes Buch werden können, aber die Lorenz ist einfach ein wenig zu künstlich. An sich müsste man das Buch ja getrennt nach Autoren beurteilen: Clerici 3 von 5, Lorenz 1 von 5.
Broschiert: 253 Seiten
Verlag: Vgs (6. September 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3802537106
ISBN-13: 978-3802537103

Freitag, 26. November 2010

Weihnachten für freche Frauen



Herausgeberin: Nicola Sternfeld
Original: Weihnachten für freche Frauen (2000)
meine Bewertung: 1 von 5


Die Historikerin und Germanistin Nicola Sternfeld hat in diesem kleinen Büchlein Geschichten von 6 Autorinnen gesammelt, die in der Vorweihnachtszeit passieren oder mit Weihnachten zu tun haben. Alle Geschichten haben außerdem gemeinsam, dass in ihnen die Hauptrolle nicht ganz so brave Frauen spielen.

Alles in allem ist die Idee ja ganz nett, aber wenn man sich das Buch kauft, kommt man sich schon ein wenig veräppelt vor. Es handelt sich nämlich um Ausschnitte aus Büchern von Gaby Hauptmann, Sibel Susan Teoman und anderen, allerdings sind es unbearbeitete Ausschnitte (kommt einem beim Lesen vor), was das Verständnis sehr erschwert, da immer wieder Personen und Handlungsstränge auftauchen, von denen man noch nie gehört hat. Außerdem enden die Geschichten jäh. Absolut keine Empfehlung, gerade in der Adventszeit kann man sich diesen Ärger sparen.
Broschiert: 208 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 2 (Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492262449
ISBN-13: 978-3492262446


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Sonntag, 21. November 2010

Lieber Weihnachtsmann



Autoren: Federica Lamberti Zanardi, Brunella Schisa
Original: Caro Babbo Natale (1991)
Übersetzung: Linde Birk
meine Bewertung: 5 von 5

In Italien gibt es eine ganz besondere Einrichtung im Postministerium: Eine Abteilung, an die die italienischen Kinder ihre Weihnachtswünsche, Briefe an das Christkind, den Weihnachtsmann oder auch die Befana schicken können. Die Mitarbeiter der Abteilung schicken den Kindern einen kleinen Standardbrief zurück und dazu noch ein kleines Geschenk.

Federica Lamberti Zanardi und Brunella Schisa haben aus der Flut an Einsendungen rund 100 Briefe ausgewählt und in diesem Büchlein abgedruckt. Diese sind oft zu Tränen rührend oder einfach auch nur sehr lustig. Auf jeden Fall haben sie eins gemeinsam: Sie geben einen Einblick in die vielschichtige Welt der Kinder, schließlich sind sie etwas sehr persönliches.

Das Buch ist die ideale Einstimmung für die Adventszeit, es macht Spaß, regt zum Nachdenken an und passt ideal zu kaltem Wetter und warmen Kakao.
Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 2. A. (November 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257229488
ISBN-13: 978-3257229486

Samstag, 20. November 2010

Lexikon der populären Sprachirrtümer



Autoren: Walter Krämer, Wolfgang Sauer
Original: Lexikon der populären Sprachirrtümer (2001)
meine Bewertung: 2 von 5

Walter Krämer und Wolfgang Sauer haben in ihrem „Lexikon der populären Sprachirrtümer“ zu rund 200 Stichworten aus den Bereichen Essen und Trinken, Menschen und Gefühle, Fauna und Flora, Geld und Gut, Raum und Zeit sowie Wirtschaft und Gesellschaft die Herkunft und die wahre Bedeutung recherchiert.

Das Buch, das dabei heraus gekommen ist, ist ein ganz nettes Nachschlagewerk, in das man immer mal wieder gerne hineinschaut und nachliest. Wer sein Trivialwissen erweitern möchte, ist damit sicher gut beraten. Auf jeden Fall ist man bestens gewappnet für eine Runde Trivial Pursuit oder Wer wird Millionär.
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Piper (April 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492250734
ISBN-13: 978-3492250733

Sonntag, 14. November 2010

Nachtflug



Autor: Antoine de Saint-Exupéry
Original: Vol de Nuit (1932)
Übersetzung: Hans Reisiger
meine Bewertung: 2 von 5

Als Antoine de Saint-Exupéry sein Buch „Nachtflug“ 1932 veröffentlichte, waren Flüge bei Nacht noch ein unglaubliches Wagnis. Er beschreibt in diesem Buch die Erlebnisse des Flugleiters Riviere, der von seinen Piloten mit Strenge und Härte Höchstleistungen verlangt, dabei auch über Leichen geht und das Leben eines Einzelnen dem Gesamtwohl unterordnet.

Es ist eine eher traurige Erzählung, die hin und wieder ganz spannend ist, mit der ich aber ansonsten nicht besonders viel anfangen konnte. Vielleicht ist mir etwas Wesentliches entgangen, aber als bestes Buch Saint-Exupérys würde ich es nicht bezeichnen. Muss man nicht gelesen haben, außer, man interessiert sich für die Anfänge der Fliegerei und das Leben Saint-Exupérys, das er in diesem Buch sehr stark verarbeitet.
Gebundene Ausgabe: 103 Seiten
Verlag: Rauch; Auflage: 1., Aufl. (September 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3792000636
ISBN-13: 978-3792000632

Mittwoch, 10. November 2010

Elf Minuten



Autor: Paulo Coelho
Original: Onze Minutos (2003)
Übersetzung: Maralde Meyer-Minnemann
meine Bewertung: 2 von 5

Die junge Brasilianerin Maria arbeitet in einem Stoffgeschäft. Der Besitzer, ein weit älterer Mann als sie, hat sich unsterblich in sie verliebt, verhält sich aber wie ein Gentleman. Maria hat sich längst daran gewöhnt, dass ihr die bewundernden Blicke der Männer und die neidischen Blicke der Frauen auf Schritt und Tritt folgen. Sie hat schon früh erkannt, dass sie sich besser ihre Verehrer warm hält und sich auf nichts einlässt. Als Maria schließlich angesprochen wird, um als Tänzerin in die Schweiz zu kommen, packt sie sofort ihre Koffer. Im Hinterkopf behält sie schließlich immer die Möglichkeit, zurück zu kehren und den Stoffhändler heiraten zu können.

In der Schweiz arbeitet Maria als Prostituierte im „Copacabana“. Sie besorgt sich Literatur über Sex, findet aber nicht das, was sie sucht. Sie ist nicht mit dem Herzen bei der Sache, es ist ein Job wie jeder andere für sie. Und dennoch wird sie schon bald zu einer der Besten ihrer Zunft. Obwohl sich Maria immer vor Augen hält, dass sie nach spätestens einem Jahr wieder nach Hause zurückkehren wird, werden kurz vor ihrer Abreise ihre Pläne doch noch über den Haufen geworfen. Und das ausgerechnet von Männern.

Einer dieser Männer kommt als „spezieller Freier“ und führt Maria in die Geheimnisse der mit Schmerz verbundenen Lust ein. Maria, die nie durch einen Mann einen Orgasmus erlebt hatte, explodiert fast, als sie von diesem Kunden gedemütigt wird; Maria stößt an ihre Grenzen.

Das komplette Gegenteil dazu ist der Maler Ralf Hart. Dieser verliebt sich in die Prostituierte, will aber im Prinzip nicht ihren Körper, sondern bis zu ihrer Seele vordringen. Maria und er begeben sich auf eine Reise zum wahren Kern des Menschen, die beiden wollen die Seele des anderen finden und entdecken dabei sich selbst.

Coelho hat eine an sich recht lesbare Geschichte geschrieben, in der viel Sex vorkommt, ohne jedoch ins Niveaulose abzugleiten. Er wird dabei sehr spirituell, als Leser versteht man die Beweggründe der Protagonistin nicht immer, hin und wieder fragt man sich auch, ob es vielleicht noch ein bisschen weltfremder ginge, noch ein wenig schwülstiger und noch ein wenig dümmer, aber insgesamt handelt es sich um nette Unterhaltung. Allerdings, und das sei vorweg genommen: man muss sich definitiv auf das Buch einlassen und in Stimmung dafür sein. Ich für mich habe jedenfalls schon weit Besseres gelesen.
Taschenbuch: 284 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 2., Aufl. (Januar 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257234449
ISBN-13: 978-3257234442

Agatha Raisin


Band 1:
Agatha Raisin and the Quiche of Death
Band 2:Agatha Raisin and the Vicious Vet
Band 3:Agatha Raisin and the Potted Gardener
Band 4:Agatha Raisin and the Walkers of Dembley
Band 5:Agatha Raisin and the Murderous Marriage
Band 6:Agatha Raisin and the Terrible Tourist
Band 7:Agatha Raisin and the Wellspring of Death

Montag, 1. November 2010

Der Gefangene



Autor: John Grisham
Original: The Innocent Men (2006)
Übersetzung: Dr. Bernhard Liesen (uA)
meine Bewertung: 5 von 5

„Der Gefangene“ ist die wahre Geschichte der beiden zu Unrecht verurteilten Männer Ron Williamson und Dennis Fritz. Den beiden wird der grausame Mord und die Vergewaltigung der Kellnerin Debbie Sue Carter zur Last gelegt. Obwohl die Polizei von Ada keine Beweise hat, stürzt sie sich auf die beiden, die von einem gewissen Glen Gore angeblich mit Debbie in der Nacht vor dem Mord gesehen wurden.

Die Polizei bemüht sich gar nicht erst, die wahren Schuldigen zu finden, sondern steckt ihre Energien lieber in die Erpressung eines Geständnisses. Dabei schrecken sie vor Psychoterror ebenso wenig zurück wie vor der Anwendung roher Gewalt. Die beiden mutmaßlichen Mörder werden verurteilt – Dennis Fritz bekommt lebenslänglich, während Ron Williamson in der Todeszelle landet. Es dauert 11 Jahre, bis die beiden durch die damals neue Methode der DNA-Analyse endgültig für unschuldig erklärt werden und mit einer nicht allzugroßen Abfindung aus der Haft entlassen werden.

Grisham hat aufgrund eines Nachrufes auf Ron Williamson, der schließlich an einer Zirrhose in einer Pflegeanstalt starb, Nachforschungen angestellt. Er hat die 1988 beginnende Geschichte bis ins Detail rekonstruiert, die Kindheit und Jugend der beiden Angeklagten dabei ebensowenig ausgelassen wie die Ungerechtigkeit, die den beiden widerfuhr, ihre Zeit in Haft und den beginnenden Wahnsinn Rons.

Durch die sachliche Darstellung Grishams ist dem bekennenden Todesstrafe-Gegner etwas gelungen, was das glühendste Pamphlet wohl nicht geschafft hätte: Der Leser, der von Anfang an weiß, dass die beiden Verurteilten unschuldig sind, identifiziert sich mit den beiden und kann nur ungläubig den Kopf über soviel Unfähigkeit von Exekutive und Jurisdiktion schütteln.

Dass die Geschichte gerade nochmal gut ausgeht, ist eigentlich nur ein Zufall und dem Fortschritt in Analyseverfahren zu verdanken. Was elf Jahre unschuldig hinter Gittern aus einem Menschen machen, ist unermesslich schlimm, ansatzweise wird aber verständlich, welche Qualen die unschuldig verurteilten Gefangenen ausstehen müssen.

Es ist ein Buch, das erschüttert, aufrüttelt, gefangen nimmt und spannend ist – ein Effekt, der sich durch die sachliche Schilderung und die Authentizität der Geschichte noch steigert. Warum der deutsche Titel so dermaßen daneben gegangen ist, ist mir allerdings ein Rätsel. Trotzdem: einfach lesenswert!
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (16. Oktober 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453265319
ISBN-13: 978-3453265318

Mängelexemplar



Autorin: Sarah Kuttner
Original: Mängelexemplar (2009)
meine Bewertung: 5 von 5


Karo Herrmann ist jung, arbeitet in einer hippen Werbeagentur, hat einen Freund und scheint eigentlich glücklich zu sein. Gut, da sind diese Wutausbrüche, die sie regelmäßig in die Luft gehen lassen, die Beziehung zu ihrem Philipp ist auch eher eine schale Angelegenheit, die daraus resultiert, dass keiner der beiden sie beenden möchte und der Job – ja, den hat sie gerade verloren.

Karo fühlt sich schlecht, schlechter, am schlechtesten. Sie hat Panikattacken, sieht aber ihr Problem ein und begibt sich in Therapie. Sie arbeitet mit ihrer Therapeutin akribisch ihre Kindheit, in der es einen seltsamen Onkel gab, auf und findet auch wieder den Weg zu ihrer Mutter, die selbst an Depressionen, Angststörung und Panikattacken litt und wirft gemeinsam mit ihr allmorgendlich Psychopharmaka ein. Es dauert zwar etwas länger, aber als schließlich auch noch Max daher kommt, stabilisiert sich Karos Gefühlsleben etwas, nur um erneut auf eine Achterbahnfahrt zu gehen.

„Mängelexemplar“ ist ein Roman mit ernster Thematik, auf den ersten Blick scheint dies gar nicht so gut zu Sarah Kuttner zu passen. Aber man hat sich schnell mit dem Charakter der Karo angefreundet, fühlt und bangt mit ihr. Kuttner gelingt ein interessanter Spagat: Einerseits ist ihr Roman ernsthaft, andererseits hat er deshalb nicht weniger Tempo und Sprachwitz als Kuttners Kolumnen. Einfach eine Empfehlung!

Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Fischer, S., Verlag GmbH; Auflage: 1. (11. März 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3100422058
ISBN-13: 978-3100422057