Sonntag, 30. Oktober 2005

In feinen Kreisen



Autorin: Anne Perry
Original: The twisted Root (1999)
meine Bewertung: 1 von 5

Im viktorianischen London ist Lucius Stourbridge verzweifelt. Ohne ersichtlichen Grund ist seine Verlobte Miriam Gardiner von einer gesellschaftlichen Veranstaltung in seinem Haus geflohen. Der Kutscher James Treadwell ist ebenfalls unauffindbar. Weil Lucius keinen besseren Ausweg weiß, wendet er sich an den Privatdetektiv William Monk mit der Bitte, ihm bei der Suche nach seiner Verlobten behilflich zu sein. Monk macht sich gleich an die Arbeit, kann aber noch am selben Tag den Stourbridges nur Trauriges berichten. Der Kutscher wurde tot aufgefunden, hinterrücks erschlagen - von Miriam fehlt jede Spur. Da es sich augenscheinlich um Mord handelt, kommt auch Seargent Robb hinzu, der sich ebenfalls bemüht, Miriam zu finden. Allerdings nicht, weil er sich Sorgen um sie macht, sondern weil er davon überzeugt ist, in ihr den Mörder des Kutschers zu finden.

Nach einiger Zeit taucht Miriam tatsächlich wieder auf, sie weigert sich allerdings, zu dem Mord Stellung zu beziehen. Als Monk erfährt, dass Miriams Ziehmutter Cleo Anderson von Treadwell erpresst wurde, muss er feststellen, Miriam ein perfektes Motiv für den Mord zu liefern - was ihn traurig macht, da er felsenfest von der Unschuld der beiden Frauen überzeugt ist. Es dauert nicht lang, da wird auch noch die Mutter von Lucius Stourbridge auf dieselbe Weise ermordet und der Verdacht scheint sich zu erhärten...

Mit Adrian Monk aus der gleichnamigen Fernsehserie hat dieser Inspektor Monk leider überhaupt nichts gemeinsam außer dem Familiennamen. Die Geschichte ist sterbenslangweilig und wird erst auf den letzten 20 Seiten so etwas wie spannend. Das Ende lässt sehr viele Fragen offen und ist einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Es scheint, als hätte Perry rund 300 Seiten geschrieben, ohne zu wissen, auf was sie hinauswill. Und dann, als sie sich endlich entschieden hat, passt nichts mehr aufeinander, so dass es gewaltsam zusammengestöpselt wird. Will man gute englische Kriminalromane lesen, sollte man auf die Königin dieses Metiers, Agatha Christie, zurückgreifen oder sich ein paar gemütliche Stunden mit Ann Granger gönnnen.
Taschenbuch: 413 Seiten
Verlag: Goldmann (Juli 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442459575
ISBN-13: 978-3442459575

Dienstag, 18. Oktober 2005

Unterm Rad



Autor: Hermann Hesse
Original: Unterm Rad (1905)
meine Bewertung: 5 von 5

Hans Giebenrath stammt aus einem kleinbürgerlichen Dorf. Er lebt mit seinem rechtschaffenen Vater in einem kleinen Häuschen, die Mutter ist lange verstorben. Eigentlich ist Hans ein lebenslustiges kleines Kerlchen, hält Hasen im Garten und baut mit seinem Freund August am Bach eine kleine Mühle. Hans unterscheidet sich in seinem Äußeren von seinen Mitschülern - er ist von zarter Statur, hat eine Denkerstirn und wissende Augen. Es dauert nicht lang, bis den Lehrern auffällt, welch kluger und begabter Geist sich hinter den blassen Gesichtszügen verbirgt. Die wohlmeinenden Lehrer und der Pfarrer des Dorfes nehmen sich seiner an, sie benutzen den kleinen Jungen als williges Gefäß, in das sie ihr Wissen legen können.

Hans wird dazu auserkoren, am Stuttgarter Landexamen teilzunehmen. Besteht er die schwere Prüfung, darf er ins Priesterseminar Maulbronn eintreten und weiß sich sein Leben lang gut versorgt. Die Hoffnung des Dorfes, einen Feingeist hervorzubringen, ruht auf ihm. Schon ein Jahr vor dem Examen beginnt sich Hans darauf vorzubereiten. Er tauscht Märchenbuch gegen Grammatiken und die Angelrute gegen Zirkel und Bleistift. Hans arbeitet hart und hat oft Kopfschmerzen, doch dann ist es endlich so weit. Er fährt nach Stuttgart, um zum Landexamen anzutreten. Er tut sich schwer, kehrt des Niederlages sicher nach Hause zurück. Die Erlösung kommt in Form eines Briefes aus Stuttgart: Er hat das Landexamen als Zweiter bestanden.

Die Sommerferien nutzen Pfarrer und Rektor dazu, dem Schüler vorbereitende Lektionen zu geben - nichtsahnend, dass aus Hans ein gänzlich anderer werden wird, wenn er ins Priesterseminar eintritt. Sein Leben verändert sich zum schlechteren. Gerade als es wieder bergauf mit ihm zu gehen scheint, kommt erneut ein Tiefer Fall...

Hesse hat mit dem Buch ein Meisterwerk geschaffen. Obwohl es hundert Jahre alt ist, ist es doch von zeitloser Schönheit. Hesses Sprache entführt in eine andere Welt, die faszinierend und ein wenig abstoßend zugleich ist. Die Geschichte ist voll Wärme und Mitgefühl, die Welt so grausam.
Gebundene Ausgabe: 165 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (29. Januar 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3937793178
ISBN-13: 978-3937793177

Montag, 10. Oktober 2005

Harry Potter und der Halbblutprinz



Autorin: Joanne K. Rowling
Original: Harry Potter and the Halfblood-Prince (2005)
meine Bewertung: 4 von 5

Harry kehrt in sein "wahres" Zuhause zurück, nachdem die Sommerferien vorbei sind: Hogwarts, die berühmte Zaubererschule. Es ist keine gute Zeit für die magische Welt, denn Lord Voldemort ist zurück gekehrt und hat schon damit begonnen, seine Gehilfen, die Todesser, um sich zu scharen. Auch für Harry, Ron und Hermine ist nicht gerade eine Zeit der dauernden Hochstimmung angebrochen, denn sie sind in die Pubertät gekommen und zusätzlich zur Schule, und der Angst vor Voldemorts Rückkehr gesellen sich nun auch die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Harry bekommt Privatunterricht von Professor Dumbledore, der ihm helfen soll, hinter Voldemorts Geheimnisse zu kommen und für einen finalen Kampf gerüstet zu sein.

Der positivste Aspekt dieses Bandes ist die Tatsache, dass sich die Hauptfiguren um einiges weiter entwickelt haben und nun in die Pubertät gekommen sind. Die Geschichte hat einiges an Spannung hinzugewonnen, doch leider geht der magische Aspekt ein wenig verloren. Der Zauber mit dem Hogwarts und die Bräuche und Gepflogenheiten dort geschildert wurden, ist verloren gegangen. Man könnte fast meinen, diese Magie wurde gegen eine gehörige Portion Action eingetauscht.

Tatsächlich ist der neue Potter erstaunlich blutrünstig geraten. Weiters muss unbedingt erwähnt werden, dass es nicht allzu lange her sein sollte, dass man den fünften Band gelesen hat, weil an viele Dinge einfach angeknüpft wird, ohne auch nur einer Erklärung dazu. Das finale Kapitel rührt zu Tränen und ist in gewohnt illustrativer Sprache gehalten, schade trotzdem, dass das Buch so enden musste. Natürlich ist es immer schwierig, mit Fortsetzungen qualitativ an die ersten Bände anzuschließen, aber vielleicht macht gerade das den Charme der Potter-Bücher aus: Sie wachsen mit ihren Fans mit.
Gebundene Ausgabe: 600 Seiten
Verlag: Carlsen; Auflage: 1 (1. Oktober 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551566666
ISBN-13: 978-3551566669

Freitag, 7. Oktober 2005

Security



Autor: Dean R. Koontz
Original: Demon Seed (1973)
meine Bewertung: 2 von 5

Susan lebt seit ihrer Scheidung alleine in einem großen, herrschaftlichen Haus. Ein vollautomatisches Sicherheitssystem wacht über ihr Leben. Susan fühlt sich sicher, sie denkt, dass niemand unbefugt ihr Haus betreten kann.

Eines Nachts erwacht Susan von einem kurzen Alarm, der allerdings schnell wieder endet. Sie fragt "Alfred", den Hauscomputer, was geschehen sei. Dieser antwortet ihr immer nur mit "Alles in Ordnung, Susan". Doch irgendjemand - oder irgendetwas hat sich unbemerkt Zutritt zum Haus verschafft und lauert im Dunkeln.

Ich muss zugeben, bis hierher klingt das ja alles recht spannend - ist es auch. Zumindest so lange, bis man erfährt, wer (oder was) sich Zutritt zu ihrem Haus verschafft hat. Dann gleitet die Geschichte ins Lächerliche ab. Etwas sehr weit hergeholt, die Geschichte! Die zwei Punkte erhält es, weil es sehr ironisch geschrieben ist und das Buch viele männliche Chauvinismen karrikiert. Irgendwie hat es Witz. Trotzdem: fantastischer Unsinn
Taschenbuch: 269 Seiten
Verlag: Lübbe; Auflage: 5 (Juli 1999)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404142187
ISBN-13: 978-3404142187

Montag, 3. Oktober 2005

Die Martini-Therapie



Autorin: Liz Maverick
Original: What A Girl Wants (2004)
meine Bewertung: 3 von 5

Alles beginnt damit, dass in der Kabine neben Hayley Jane Smiths Bürokabine in einer Internetfirma die Leiche ihres Redakteurs gefunden wird. Und das einige Tage, nachdem er starb, und auch dann nur zufällig. Der ermittelnde Beamte entpuppt sich als ziemlich süß, weshalb sich Hayley Jane sofort zu ihm hingezogen fühlt, als er in ihr Büroabteil kommt und sie befragt. Während der Beamte noch herauszufinden versucht, wie es kommen konnte, dass niemand den Tod des Redakteurs bemerkte oder roch, macht sich Hayley schon daran, dem Polizisten an die Wäsche zu gehen.

Bevor es allerdings zu Schlimmeren kommen kann, unterbricht er das Gefummle und macht sich aus dem Staub. Für Hayley ist das Grund genug, bei einer Martini-Session mit ihren Freundinnen Audra, Suz und Diane ihr Leben zu analysieren und zu entscheiden, dass es Zeit für Veränderungen ist. Leider schlagen die Tipps der Freundinnen fehl und die erste Veränderung, die Hayley hinnehmen muss, ist ihre Kündigung, nachdem sie um ein höheres Gehalt ansucht. Kein Mann, kein Job, dafür drei Freundinnen, die sich wirklich redlich bemühen, Hayley den Rücken zu stärken und ihr zu helfen, ihre Lebenskrise zu meistern. Es dauert nicht lang, bis Hayley allerdings erkennt, dass sie selbst es ist, die Veränderungen zulassen muss.

Das Buch ist wirklich seltsam. Anfangs denkt man: unrealistisch, doof, typisch. Doch schon nach wenigen Kapiteln schließt man die ein bisschen ungeschickte Hayley ins Herz und wünscht ihr alles Gute, drückt ihr die Daumen. Leider sind der Übersetzerin Catrin Frischer zwei kleine Fautes-pas passiert, die das Lesen manchmal ein wenig holprig machen, das Vergnügen allerdings nicht schmälern. Das Buch ist auf jeden Fall für jede Frau zu empfehlen, die gute Freundinnen hat und kennt, wie es ist, mit ihnen jedes Detail ihres Liebeslebens zu analysieren oder für solche, die gern wissen würden, wie das ist! Ein netter Spaß für sonnige Herbsttage!
Taschenbuch: 283 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb. (September 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499239558
ISBN-13: 978-3499239557

Irisches Tagebuch



Autor: Heinrich Böll
Original: Irisches Tagebuch (1957)
meine Bewertung: 5 von 5

In diesem kleinen Büchlein hat Heinrich Böll seine Reiseerinnerungen an das Irland der frühen 50er Jahre gesammelt. Es handelt sich um einzelne Geschichten, die ein wenig unzusammenhängend sind - Erinnerungen eben. Böll bedient sich einer so schönen Sprache, dass man meint, das irische Gras zu fühlen, Torf zu richen und Guinness die Kehle hinunterrinnen spürt. Böll scheut sich nicht, Schwachstellen dieses so vielseitigen Landes aufzuzeigen, trotzdem merkt man, wie sehr ihn dieses Land fasziniert. Sie waren noch nie in Irland? Lesen Sie das Buch und Sie werden davon überzeugt sein, schon einmal da gewesen zu sein!
Taschenbuch: 137 Seiten
Verlag: Dtv (10. Mai 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423000015
ISBN-13: 978-3423000017

Donna Leon...

...und Kommissario Guido Brunetti

Band 14: Blood from a Stone