Montag, 27. Februar 2006

Geisterstunde



Autor: Wolfgang Hohlbein
Original: Geisterstunde - Nemesis Band 2 (2004)
meine Bewertung: 3 von 5

Da es sich hier um einen Fortsetzungsroman handelt, hier noch einmal kurz zur Erinnerung, was bisher geschah: Sechs potentielle Erben (drei Männer und drei Frauen) halten sich in einem alten Schloss/Internat/Kloster auf, das unheimlich wirkt und von der Außenwelt nahezu abgeschlossen ist. Im ersten Band erfahren die um viele Ecken Verwandten, dass zwei von ihnen nach dieser Nacht das Gebäude als reiche Erben verlassen werden. Das Erbe ist allerdings an seltsame Bedingungen geknüpft, die vor Erbantritt erfüllt werden müssen.

Im ersten Band erleben die Verwandten, die sich allesamt nicht besonders sympathisch sind, einen gemeinen Angriff von Fledermäusen, außerdem sterben zwei Personen, die nichts mit dem Erbe zu tun haben, sich aber trotzdem auf Crailsfelden (wie das Kloster/Internat bzw. die Burg heißt) aufhalten. Zwei der Erben wollen hinunter ins Dorf fahren, um Hilfe zu holen, allerdings passiert ein gefährlicher Unfall, kurz bevor die beiden das Gelände verlassen können.

Genau an dieser Stelle beginnt der zweite Band der Reihe. Der Ich-Erzähler berichtet von den weiteren Vorkommnissen, die immer mysteriöser werden. So stirbt eine weitere Person, die Visionen, die Déjà-vus sehr ähnlich sind, werden immer stärker und die Truppe der Erben stößt auf seltsame Fotos, auf denen sie selbst abgebildet zu sein scheinen. Allerdings handelt es sich um Bilder aus den 50er Jahren, die am Gelände des damaligen Klosters aufgenommen wurden. Alle Erben sind sich sicher, nie zuvor auf Crailsfelden gewesen zu sein. Außerdem ist da noch diese Geschichte um den Lebensborn e.V. aus der Zeit der Nazi-Herrschaft und das verschwundene Zahngold der Juden...

Wie schon zur Rezension des ersten Teils möchte ich hier nochmal anmerken, dass eine Ich-Erzählung in diesem Genre etwas seltsam anmutet, allerdings scheint diese Erzählperspektive für den Spannungsaufbau der Geschichte wichtig zu sein, denn so bleibt bis zum Ende die Frage offen, wer der potentiellen Erben ein Mörder sein könnte. Die Spannung ergibt sich aus der Tatsache, dass man immer nur genau soviel weiß wie der Erzähler und sich quasi mit ihm solidarisiert.

Drei Punkte gibt es wegen der netten Unterhaltung, die das Büchlein darstellt, allerdings muss ich das Lektorat heftigst kritisieren. Man kann nicht selten Wortwiederholungen entdecken, die einfach störend wirken, zumal sie meist direkt aufeinander folgen.

Die Geschichte selbst geht bis zu diesem Zeitpunkt in sehr viele Richtungen, wodurch die 175 Seiten recht überladen wirken: Da ist zum einen die "übersinnliche" Richtung mit Fledermäusen, Visionen und huschenden Schatten, dann gibt es die klassische Whodunnit-Richtung mit manipulierten Brunnenschächten und einem Dolch im Rücken, es gibt die Geschichte um Verwandte, die sich um ein Erbe streiten und dann noch die Ränke ums Dritte Reich - dafür gibts die Abzugspunkte.

Natürlich werde ich weiterlesen und sehen, was sich aus diesem Potential noch entwickelt, auch wenn die Geschichte sehr an die "Blackstone-Chroniken" von Saul angelehnt scheint. Für Interessierte: hier gehts zur Rezension des ersten Teils.
Broschiert: 175 Seiten
Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (August 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548258891
ISBN-13: 978-3548258898

Sonntag, 26. Februar 2006

Die Cappuccino-Jahre



Autorin: Sue Townsend
Original: Adrian Mole, The Cappuccino Years (1999)
meine Bewertung: 5 von 5

Adrian Mole ist 30 Jahre alt. Er denkt von sich selbst, ein Intellektueller zu sein, haust in einem Lagerraum über dem Schmuddel-Restaurant "Hoi Polloi", in dem er als Chefkoch, will heißen: Chef-Auftauer von Fertiggerichten, arbeitet. Er verdient nur wenig und versucht sich deshalb als Schriftsteller. Zwei Romane hat er bereits fertiggestellt, nun arbeitet er an einem Radio-Hörspiel. Er wird nicht müde, es an verschieden Verlage zu schicken, auch wenn das Ergebnis meist niederschmetternd ist.

Genauso wenig glücklich entwickeln sich die weiteren Geschehnisse in seinem Leben. Da ist William, sein dreijähriger Sohn, der in Ashby-de-la-Zouch bei seinen Eltern lebt und seinen Vater kaum noch kennt, außerdem hat Adrian dem Geschlechtsverkehr abgeschworen, offiziell, weil sich das für einen Intellektuellen wie ihn nun mal schickt, in Wirklichkeit, weil er seit Ewigkeiten in die Politikerin Pandora Braithwaite verliebt ist und diese aber nichts von ihm wissen will. Er denkt, sein Leben sei vollkommen vorbei, als er aus seinem Zimmer geworfen wird, weil das "Hoi Polloi" geschlossen wird. Er verliert nicht nur Wohnstätte, sondern auch Arbeit.

Dem wackeren Adrian bleibt nichts anderes übrig, als in sein Elternhaus zurück zu kehren. Auch dort ist aber nichts so, wie es eigentlich sein sollte. Seine Eltern und die Braithwaites haben die Partner getauscht - Adrians Vater zieht aus und zu Pandoras Mutter, während Pandoras Vater ebenfalls das eheliche Heim verlässt und ins Haus zu Adrians Mutter zieht. Zwischenzeitlich wird auch noch Adrians fünfzehnjährige Schwester Rosie schwanger und er selbst wird mit einem Zwölfjährigen konfrontiert, dessen möglicher Vater er ist. Eine neue Arbeitstelle findet sich in der Fernsehshow "Alle schreien nach Innereien", doch auch die ist alles andere als das goldene Los. Zum Glück weiß Adrian nicht, dass am Ende des Buchs alles noch viel schlimmer kommt.

"Die Cappuccion Jahre" ist das fünfte der Adrian Mole-Reihe von Sue Townsend, allerdings das erste aus der Reihe, das ich gelesen habe. Man schlägt das Buch auf und ist erstmal enttäuscht, weil man sich durch fünf Seiten Namensregister inklusive kurzer Erklärung zur Person lesen muss. Alle Personen, die je in Adrians Tagebuch vorkommen, werden akribisch aufgezählt, doch was anfangs etwas öde und nervig wirkt, entpuppt sich schon gegen Mitte des Romans als wirkungsvolle Maßnahme, um den Leser die Übersicht behalten zu lassen.

Der sprachliche Stil von Townsend ist wunderbar erfrischend - man nimmt ihr einfach ab, das geheime Tagebuch eines dreißigjährigen Möchtegern-Intellektuellen zu lesen. Moles Charakter ist sehr menschlich, manches kann der Leser gut nachvollziehen. Man entwickelt schnell Sympathie für den vom Schicksal so Gebeutelten und weiß als Leser manchmal schon ein bisschen mehr als er selbst. Es handelt sich beim Adrian Mole Tagebuch um eine witzige, kurzweilige und mit britischem Humor durchzogene Geschichte, die man einfach gelesen haben sollte. Schade nur, dass Townsend ihrem Helden nicht etwas mehr Glück in seinem Leben gönnt!
Broschiert: 429 Seiten
Verlag: Heyne (20. Juni 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453810910
ISBN-13: 978-3453810914

Alptraumzeit



Autor: Wolfgang Hohlbein
Original: Alptraumzeit - Nemesis Band 3 (2004)
meine Bewertung: 3 von 5

"Alptraumzeit" ist bereits der dritte Roman aus der Nemesis-Reihe von Wolfgang Hohlbein. Im ersten Teil Zeit vor Mitternacht treffen in einer alten Burg sechs Personen (drei Frauen und drei Männer) aufeinander, die angeblich miteinander verwandt sein sollen. Sie wurden in die Burg bestellt, weil sie das Erbe ihres (ihnen unbekannten) Vorgängers Klaus Sänger antreten sollen. Es heißt, zwei von ihnen würden nach dieser Nacht das alte Gemäuer als reiche Menschen verlassen. Doch schon im ersten Teil entpuppt sich Sängers letzter Wille als ziemlich verzwickt und ihre Lage in der Burg als alles andere als angenehm.

Geisterstunde ist der zweite der insgesamt sechs Teile umfassenden Geschichte. Bis zum Ende dieses Bandes sterben bereits drei Personen und es ist klar, dass die gierigen Erben nicht alleine auf Burg Crailsfelden sind. Irgendetwas ist dort und versucht, einen nach dem anderen auszuschalten.

Im dritten Teil stoßen die Verbliebenen auf alte Dokumente, die der Beweis dafür zu sein scheinen, dass schon früher das angebliche Heim für Mütter, das Crailsfelden in der Zeit des Dritten Reichs gewesen sein soll, für seltsame Experimente genutzt wurde. Die wackeren Verbliebenen machen sich auf die Suche nach einem Ausgang aus der Festung und stoßen dabei auf labyrinthartige Gänge unterhalb der eigentlichen Burg.

Als ein Raum einzustürzen droht, kehren drei von den (mit Hausmeister und Testamentsvollstrecker) anfangs acht Personen zurück ins Hauptgebäude. Dort wird eine weitere Leiche gefunden. Da alle unabhängig voneinander unterwegs waren, kommt jeder als möglicher Mörder in Frage, was natürlich die Stimmung unerträglich macht.

Die Visionen des Ich-Erzählers werden stärker, seine Kopfschmerzen erreichen das Unvollstellbare, gleichzeitig finden er und Judith langsam mehr und mehr zueinander.

Die Geschichte, die anfangs sehr schwach war und sich nur mit Müh und Not auf 175 Seiten ausdehnte, wird tatsächlich spannender. Angeblich finden alle sechs Bände in einer Nacht statt - allerdings muss es sich um eine wirklich lange Nacht handeln, denn es geschieht sehr viel innerhalb jedes einzelnen Romans, wodurch es nicht möglich ist, wirklich nur die Geschichte einer Nacht zu erzählen.

In diesem Teil scheint sich endlich eine Hauptrichtung des Geschehens abzuzeichnen, die in Richtung Ränke um das Dritte Reich geht. Man hat das Gefühl, eine Gesschcihte zu lesen, von der der Autor während des Schreibens selbst nicht so genau gewusst hat, wies nun weiter geht. Seine Hauptfiguren scheinen sich genauso planlos zu verhalten.
Broschiert: 158 Seiten
Verlag: Ullstein; Auflage: 1 (August 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548259006
ISBN-13: 978-3548259000

Montag, 20. Februar 2006

Trace



Autorin: Patricia Cornwell
Original: Trace (2004)
meine Bewertung: 4 von 5


Die frühere Chief Medical Examiner von Richmond, Kay Scarpetta, wurde aus ihrem Amt entfernt und ging daraufhin nach Florida. In diesem Werk allerdings erhält sie genau dort einen Anruf von ihrem Nachfolger Dr. Marcus. Dieser hat ein Problem und bittet Kay, nach Richmond ins OCME zurück zu kehren und ihr Expertenwissen zur Verfügung zu stellen. Obwohl Kay genau weiß, dass dies nicht aus Wertschätzung ihr gegenüber geschieht, sondern politische und rein berechnende Gründe hat, folgt sie dem Ruf.

Ihr treuer Begleiter Pete Marino ist an ihrer Seite. Der Fall, der dem Team von Dr. Marcus so viel Kopfzerbrechen bereitet, ist der Tod der dreizähnjährigen Gilly Paulsson. Gillys Mutter behauptet, sie sei an der Grippe gestorben, doch Kay findet an der Leiche eindeutige Spuren, die auf ein Gewaltverbrechen schließen lassen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt sie noch nicht, dass sie den Täter in ihren eigenen Reihen suchen muss, und dass dieser es eigentlich auf ihr Leben abgesehen hat.

In der Zwischenzeit ist Kays Nichte Lucy Farinelly und deren private Organisation "The Last Precinct" mit einem anderen Fall beschäftigt, der mehr mit Kays Fall in Virginia zu tun hat, als den beiden lieb ist. Lucys und Kays Verhältnis ist merklich abgekühlt und distanziert, die beiden haben während des ganzen Werkes nie persönlich miteinander Kontakt, trotzdem gelingt es ihnen mit vereinten Kräften, das Puzzle zusammen zu setzen und dem kranken Täter auf die Schliche zu kommen. Unter anderem auch, weil Pete Marino eine sehr schmerzhafte Begegnung mit Gilly Paulssons Mutter und Lucy Farinelle eine beängstigende Begegnung mit Gilly Paulssons Vater hat.

Vorweg sei gesagt, dass man beim Lesen der Kay-Scarpetta Romane eine gewisse Reihenfolge einhalten sollte, um sich selbst den Lesespaß nicht zu verderben. Hält man diese Lesereihenfolge ein, versteht man einfach besser, wie sich die Charaktere entwickeln und man erhält eine größere Übersicht über den "Gesamtfall" von Scarpetta, der sich aus der Summe Cornwells Werke ergibt. Auch diese Geschichte ist spannend erzählt, doch leider werden mal wieder viele Abkürzungen verwendet, unter denen der Nicht-Amerikaner bzw. Nicht-Gerichtsmediziner anfangs nicht besonders viel versteht.

Man weiß von Anfang an, wer der Täter war, es geht lediglich darum, zu beobachten, wie ihm Scarpetta, Marino und Lucy auf die Spur kommen. Schade, dass das Motiv des Täters so verschwommen bleibt und man nicht mehr über das Involvement der Paulssons erfährt. Die empfohlene Reihenfolge (links die englischen Originaltitel, rechts die deutschen Ausgaben) bis zu diesem Werk wäre:


Post Mortem / Ein Fall für Kay Scarpetta
Body of Evidence / Ein Mord für Kay Scarpetta
All that Remains / Das fünfte Paar bzw. Herzbube
Cruel and Unusual / Vergebliche Entwarnung
The Body Farm / Das geheime ABC der Toten
From Potter's Field / Die Tote ohne Namen
Cause of Death / Trübe Wasser sind kalt
Unnatural Exposure / Der Keim des Verderbens
Point of Origin / Brandherd
Black Notice / Blinder Passagier
The Last Precinct / Das letzte Revier
Blow Fly / Die Dämonen ruhen nicht
Trace / Staub
Predator / noch nicht erschienen!



Taschenbuch: 496 Seiten
Verlag: Little, Brown Book Group; Auflage: New edition (4. April 2005)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0751530778
ISBN-13: 978-0751530773

Sonntag, 12. Februar 2006

Die Meute der Erben



Autorin: Gaby Hauptmann
Original: Die Meute der Erben (1999)
meine Bewertung: 4 von 5

Anno Adelmann ist steinreich und 85 Jahre alt. Klar, dass seine Töchter, allesamt lieblose Geschöpfe, nur aus einem Grund zur Geburtstagsfeier ihres Vaters kommen: Lange wird es nicht mehr dauern, dann gibt es viel zu erben, unter anderem auch eine großzügige Villa am Bodensee. Anno lebt dort mit seiner Haushälterin Nancy, die ihm viel Lebensfreude zurück gegeben hat, seit dem seine Frau verstorben ist. Er hat einige gute Freunde, darunter auch die junge und hübsche Ina Schwarz.

Ina lebt alleine in einem kleinen etwas baufälligen Häuschen mit ihrer siebenjährigen Tochter. Sie steht auf eigenen Beinen, etwas wacklig zwar, aber sie steht. Sie verdient sich ihren Lebensunterhalt selbstständig mit Übersetzungs- und Schreibarbeiten, doch sie ist glücklich.

Andere Freunde von Anno sind Romy und Claudio. Romy ist auch schon etwas betagter, aber durch und durch außergewöhnlich. Sie lebt mit dem rund 50 Jahre jüngerem Claudio keusch zusammen, die beiden verbindet eine Abmachung: Claudio ist Romys Kümmerer. Er bringt ihr Lebensfreude, die beiden gehen ins Theater, Malen gemeinsam, haben Spaß und genießen ihr Leben. Im Gegenzug dazu soll er später Romys Besitz erben, da sie ihre Familie bereits enterbt hat.

Gerade als sich die "Meute der Erben" in der Villa einfindet, um dem Vater ehrliche Liebe vorzugaukeln, läutet es an der Tür. Die kleine Caroline steht draußen, um Nancy bei den Vorbereitungen zu Annos Geburtstagsfeier zu helfen. Sie wird jedoch von einer der Töchter barsch zurückgewiesen, so dass die kleine heulend nach Hause läuft. Ina schwört der Brut Rache, Anno kommt unterdessen während seiner Feier seinen Töchtern auf die Schliche. Auch er möchte sich an seinen Töchtern rächen.

Ina und Anno schmieden einen Plan: Die beiden heiraten, gehen ebenfalls ein keusches "Kümmerer-Verhältnis" ein. Natürlich passt das der Familie von Anno gar nicht. Zwar verstehen sich die vier Töchter untereinander ungefähr so gut wie Feuer und Wasser, allerdings beschließen sie, das eine Mal, nämlich wenn es um das gemeinsame Erbe geht, zusammenzuhalten. Sie schmieden Pläne, einer bösartiger als der andere, schließlich stirbt sogar eine Person. Doch das Buch hat ein Happy-End, das wirklich köstlich ist.

Hauptmann hat einen Roman geschaffen, der wirklich amüsant und spannend zugleich ist. Bemängeln könnte man daran nur, dass für ein relativ dünnes Büchlein wie dieses sehr viele Personen auf einmal auftauchen und es mehrere kleine Nebengeschichtchen gibt. Ansonsten kann man es wirklich empfehlen. Zwar wird es vorrangig den Geschmack von Frauen treffen, doch vielleicht bringt es den Einen oder Anderen dazu, über die eigenen Familienverhältnisse nachzudenken - das Leben ist einfach so schon zu kurz, um dauernd nur ans Erben zu denken!
Taschenbuch: 317 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 10., Aufl. (März 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492229336
ISBN-13: 978-3492229333

Donnerstag, 9. Februar 2006

Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär



Autor: Walter Moers
Original: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär (1999)
meine Bewertung: 5 von 5

Buntbären haben 27 Leben. Der Held dieser Geschichte, Blaubär, beschließt, nach der Hälfte seines Lebens eine Biografie zu schreiben. Er beginnt mit seiner Geburt - das heißt, eigentlich wurde Blaubär gar nicht geboren. Er wurde in einer Nussschale auf dem zamonischen Meer treibend von den Zwergpiraten gefunden. Die konnten gerade noch verhindern, dass er in den gefährlichen Malmstrom gerät. Die Zwergpiraten nehmen Blaubär auf und füttern ihn mit Seetang, doch schon bald wird ihr neuer Gast zu groß für das Schiffchen von ein paar winzigen Zwergpiraten.

Blaubär wird also ausgesetzt und treibt einige Zeit lang am Meer herum, dann trifft er die Tratschwellen. Die helfen ihm aus seiner Not und schon bald beginnt für den Helden dieser Geschichte eine aufregende Zeit, in der er von einem Abenteuer ins nächste stolpert. Der Bär ist nicht besonders clever, bevor er in die Schule des berühmten Eydeeten Professor Abdull Nachtigaller kommt, doch er scheint mehr Glück als Verstand zu haben und meistert jede Gefahr.

In seiner Schulzeit in den Finsterbergen beim intelligentesten Wesen Zamoniens findet Blaubär in der Berghutze Fredda und dem schwabbeligen Qwert Zuiopü aus der 2364. Dimension gute Freunde, denen er auch nach ihrer gemeinsamen Schulzeit noch öfters begegnen wird.

Bis Blaubär endlich Ruhe in seinem Leben findet, durchquert er ganz Zamonien, macht allerlei Bekanntschaft mit seltsamen Wesen und hat ein Lexikon im Kopf. Die Abenteuer des Helden sind meist gefährlich und spannend, aber immer voll Überraschungen.

Moers ist einfach ein Genie. Er hat eine Welt geschaffen, in der es von liebenswürdigen und bösartigen Wesen nur so wimmelt. Nichts scheint in Zamonien so zu sein wie bei uns, und doch ist alles vollkommen normal. Auch dieser Roman ist ein Erlebnis für die Augen, es ist mehr als nur ein Buch. Moers hat geniale Zeichnungen geschaffen, wieder einmal kommt das "Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung" zu Wort - eigentlich mehr als einmal, sogar ziemlich oft.

Sehr sympathisch macht das Buch auch das Schriftbild. Je nachdem, wer gerade das Wort hat, verändert sich das Schriftbild und manchmal weiß man einfach aufgrund der Darstellungsform mancher Wörter, was passieren wird. Moers Bücher sind einfach unbeschreiblich. Sie sind schön, witzig, gruselig, fantastisch, spannend und einfach...zamonisch. Jedes bisher veröffentlichte Werk des Erfinders des "Kleinen Arschloch" ist wärmstens zu empfehlen. Eine Pflichtlektüre!

Man muss sich dieses Buch im Gehirn zergehen lassen (auch wenn man nur eins hat) und sollte beim Lesen nichts überstürzen. Wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt, bemerkt man viele Wortspielereien (Qwert Zuiopü > schaut mal auf die erste Buchstabenreihe eurer Computertastatur - na, was steht da?) oder Buchstabenstürze (Chemluth > Hut (s) chelm). Auch auf diesem Gebiet ist Moers einfach einmalig.

Als Lesereihenfolge würde ich empfehlen, "Rumo und die Wunder im Dunkeln" VOR "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" zu lesen, weil im letzgenannten Band viele alte Bekannte (auch Rumo) wieder auftauchen.
Taschenbuch: 702 Seiten
Verlag: Goldmann (Januar 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 344245381X
ISBN-13: 978-3442453818

Hallo, Herr Doktor



Autor: Willy Breinholst
Original: Kunsten at vaere en god patient (1979)
meine Bewertung: 2 von 5

Das kleine Büchlein des Dänen Willy Breinholst beinhaltet angeblich humorvolle und satirische Geschichtchen über das Leben als Patient und die Tätigkeit der Ärzte. Ist man krank, ist es sicher nett zu lesen und so manches Lächeln wird man sich wohl abringen können.

Wirklich lustig ist es allerdings nicht, höchstens ein Zeitvertreib für das Wartezimmer eines Arztes (ha, ha!) oder eine kurze Bahnfahrt. Wirklich satirisch ist das Werk nicht, auch wenn es versucht, sich dem Thema nach Kishon'scher Manier zu nähern, aber wenn man eine Stunde Zeit hat und sich nicht zuviel erwartet, ist nichts gegen diese etwas oberflächliche Form des Zeitvertreibs einzuwenden. Positiv zu bewerten sind die netten Karikaturen.
Broschiert
Verlag: Lübbe; Auflage: 12., Aufl. (30. März 1981)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404600444
ISBN-13: 978-3404600441

Donnerstag, 2. Februar 2006

Bücher



Autorin: Susanne Zschirnt
Original: Bücher (2002)
meine Bewertung: 4 von 5

"Alles, was man lesen muss" lautet der Untertitel dieses Werkes der Hamburgerin Christiane Zschirnt. In diesem Kompendium stellt sie verschiedene Werke der Weltliteratur vor, gibt einen Überblick über das Leben der Autoren, den Inhalt des vorgestellten Werkes und auch eine Einführung in den Zeitgeist der herrschte, als ein Buch entstand.

Hört sich zugegebenermaßen nicht besonders aufregend an, wenn man kein wirkliches Faible für Bücher hat. Zschirnts Stil ist allerdings wirklich alles andere als trocken, außerdem hat man nicht das Gefühl, von oben herab behandelt zu werden. Sie nimmt einen vielmehr an der Hand und führt einen durch verschiedene Epochen, philosophische Strömungen und Stilrichtungen.

Die Autorin ist außerdem erfrischend antidogmatisch und bemerkt schon in der Einführung, dass es sich um eine rein subjektive Bewertung handelt, welche Bücher man nun wirklich gelesen haben muss. Diejenigen, die sie in ihren Kanon aufgenommen hat, handelt sie mit viel Kompetenz ab und vor so manchem großen Namen nimmt sie einem die Scheu.

Den Azugspunkt gibt es allein dafür, dass ein doch wirklich aufsehenerregendes Werk fehlt: Der Herr der Ringe hätte es meines Erachtens wirklich verdient, erwähnt zu werden. Immerhin wurde laut deutscher wikipedia die Buch-Trilogie weltweit etwa 120 Millionen mal verkauft.
Gebundene Ausgabe: 330 Seiten
Verlag: Eichborn (Februar 2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3821816791
ISBN-13: 978-3821816791