Mittwoch, 13. Juli 2011

Alle sieben Wellen



Autor: Daniel Glattauer
Original: Alle sieben Wellen (2009)
meine Bewertung: 4 von 5



Emmi Rothner und Leo Leike sind zurück! „Alle sieben Wellen“ ist die Fortsetzung des Erfolgsromans „Gut gegen Nordwind“. Worum es im ersten Band geht, ist eigentlich relativ schnell erklärt: Durch Zufall lernen sich Emmi und Leo kennen, allerdings nur per E-Mail. Schnell entwickelt sich zwischen den Beiden eine Freundschaft, die nach einiger Zeit in eine Flirterei übergeht und dann sogar in eine ernsthafte Beziehung – ohne dass sich die beiden jemals getroffen haben. Als es zu einem Treffen kommen soll, macht erst der eine, dann der andere einen Rückzieher, erschwerend kommt außerdem dazu, dass Emmi eigentlich verheiratet ist und Stiefkinder hat. Eine verzwickte Sache also, die im ersten Band damit endet, dass Leo in die Staaten übersiedelt und seine Mailbox stilllegt.

Der nächste Band setzt nahtlos dort an, wo die Geschichte im ersten Teil endete. Emmi versucht, wieder Kontakt mit Leo aufzunehmen, was ihr nach einigem hin und her auch gelingt. Nach fast einem Jahr startet die Kommunikation eher holprig, aber bald finden die beiden zu ihrer alten Vertraulichkeit zurück. In den Leben der beiden hat sich einiges verändert, alle zwei müssen sich erst über bestimmte Dinge klar werden. Aber führt die Grübelei der beiden nun endlich zu einem Happy End?

Man muss „Gut gegen Nordwind“ nicht gelesen haben, um Spaß an diesem Buch zu haben, da im Laufe der Lektüre sowieso alles klar wird. Allerdings lohnt es sich, den ersten Teil vorher zu lesen, weil eigentlich auch dieser Band bereits eine abgeschlossene Geschichte ist, wenn man es denn dabei belassen möchte. Die beiden Hauptdarsteller – eigentlich die einzigen Darsteller überhaupt – sind sehr sympathisch, der Wortwitz typisch Glattauer und genial, das Tempo vor allem auf Emmis Seite überschäumend.

Die Geschichte ist nur durch E-Mails erzählt, spannend und herzerwärmend, ein wirklich schöner Zeitvertreib für die eher romantisch veranlagte Leserin oder den eher romantisch veranlagten Leser.




Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (8. März 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 9783442472444
ISBN-13: 978-3442472444

Dienstag, 12. Juli 2011

Nur für Rucksack-Träger!

Wortneuschöpfungen sind immer sehr nett, deshalb möchte ich euch die Entdeckung zum heutigen Tage nicht vorenthalten. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus einer Anmeldung zu einem Ärztekongress. Als Rahmenprogramm ist ein Hüttenabend vorgesehen, allerdings nur für beranzte Teilnehmer. Nur für Rucksack-TrägerInnen quasi - aber das trifft sich im Zusammenhang mit Hüttenabend eh ganz gut...



Montag, 11. Juli 2011

Blutmale



Autorin: Tess Gerritsen
Original: The Mephisto Club (2006)
Übersetzung: Andreas Jäger
meine Bewertung: 2 von 5

Es ist der heilige Abend, doch die Gerichtsmedizinerin Maura Isles und die Pathologin Jane Rizzoli sitzen nicht etwa im trauten Heim rund um den Weihnachtsbaum versammelt, sondern müssen sich zu einem Tatort begeben. Die Leiche einer Frau wurde verstümmelt in einer Wohnung gefunden – der Kopf fein säuberlich vom Körper abgetrennt und wie für ein Ritual drapiert, auch die Hand wird weit weg vom Körper aufgefunden. Der Tatort ist wahrlich grausig, die Hintergründe scheinen es ebenfalls zu sein.

Während der gerichtsmedizinischen Untersuchung stellt Isles fest, dass der abgetrennte Arm, der bei der Leiche gefunden wurde, nicht zur Leiche gehört. Es muss also irgendwo noch ein Opfer geben – aber wo? Neben ihrer Arbeit sind beide Ermittlerinnen auch in ihrem Privatleben schwer beschäftigt. Maura ist in einen Priester verliebt und Jane muss die Trennung ihrer Eltern miterleben.

Neben allerlei Verwicklungen tritt bald auch ein seltsamer Verein, der sich „Mephisto-Club“ nennt, auf den Plan. Dieser hat Mitglieder in aller Welt und glaubt daran, dass es das personifizierte Böse tatsächlich gibt und dies vernichtet werden muss. Eine pikantes Detail am Rande ist, dass im Garten des Hauses, in dem sich der Club zum Essen getroffen hat, ebenfalls eine verstümmelte Frauenleiche gefunden wird. Existiert das Böse tatsächlich? Und wo ist es zu finden?

„Blutmale“ ist ein spannender Thriller, der zwar viele Mängel aufweist, aber dennoch ganz gut zu lesen ist. Die Welt im Buch ist sehr kontrastreich gezeichnet, es gibt kein Grau, sondern nur Gut und Böse, die beiden Ermittlerinnen bleiben eher farblos und einige der langen biblischen Abhandlungen hätte man sich sparen können. Im Gegensatz zu anderen RezensentInnen finde ich nicht, dass die Geschichte unnötig blutig und brutal ist – es handelt sich eben um einen Thriller und nicht um ein Cozy Mystery Buch. Interessant ist der Perspektivenwechsel, den man während des Lesens mitbekommt, sehr überraschend ist die finale Enttarnung des Bösen dann aber leider auch nicht.

Dennoch: Spannung und ein bisschen Verschwörungstheorie machen aus dem Buch einen ganz netten Schmöker für verregnete Nachmittage. Nervenzerfezendes darf man sich allerdings nicht erwarten.


  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (8. Dezember 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783442371389
  • ISBN-13: 978-3442371389

Shit. Schitte.

Öfter mal was Neues, nicht? Deshalb gibt's heute für unsere Kategorie "Sprachdschungel" wieder ein nettes Fundstück. Dieses stammt aus der Speisekarte eines Wiener Restaurants, wo das Essen immer sehr gut ist, wie sich hierdurch zeigt, ist man in der Küche auch experimentierfreudig. Oder habt ihr vorher Semmelschitte gekannt? Ist Semmelschitte sowas wie Semmelschnitte reloaded? Also quasi recyclete Semmel? Wenn ihr versteht, was ich meine...

Sonntag, 10. Juli 2011

Das Paradies der Frösche



Autor: Max Kruse
Original: Paradies der Frösche (1984)
meine Bewertung: 2 von 5

In Sommerberg sind die großen Ferien ausgebrochen. Die Freude ist natürlich bei allen Kindern riesig, aber die vier Freunde von der Pizza Bande haben einen besonderen Grund, sich zu freuen: sie haben in einem alten und verlassenen Steinbruch ein wahres Paradies entdeckt. Es gibt einen See, in dem die Kinder baden können, die alte Bauhütte haben sie liebevoll renoviert und eingerichtet, das Gebüsch rund um den Steinbruch lädt gerade zu ein, sich zu vergnügen. Es könnte ein wunderbarer Sommer werden, wäre da nicht die Köpfe-Bande.

Die Mitglieder der Köpfe-Bande haben es auf die Pizza Bande abgesehen und möchten ihnen die Ferien so richtig vermiesen. Sie verfolgen Tommy, TH, Schräubchen und Milli und entdecken so das Geheimnis der vier. Die Köpfe-Bande denkt sich einen bösartigen Plan aus, um die Kinder zu vertreiben.

Gleichzeitig ist auch von anderer Seite Gefahr im Verzug: Der Besitzer des Steinbruchs ist aus dem Ausland zurück gekehrt und möchte nun den Betrieb wieder aufnehmen. Er würde dadurch das Biotop, das im Steinbruch entstanden ist, vollständig zerstören. Da hilft nur eins: Die Banden müssen an einem Strang ziehen und auch die Erwachsenen an Bord holen. Ob das gut geht?

Die Bücher der Pizza Bande sind in den 80er Jahren entstanden und entführen in eine Zeit, die für Kinder voller fast echter Abenteuer war – zumindest wurden diese noch selbst erfunden, erträumt oder erlebt, nicht so wie heute durch einen Bildschirm vermittelt. Obwohl es sich „nur“ um ein triviales Kinderbuch handelt, versetzt es so richtig in Sommerstimmung und die älteren Leser vielleicht auch in längst vergangene Zeiten. Die Moral ist wie immer fast ein bisschen dick aufgetragen, aber was soll’s. Die Charaktere sind dafür umso charmanter und die Geschichte auch ein bisschen spannend. Ein interessantes Experiment für die Kinder der 80er oder auch für die Zehnjährigen von heute.


  • Unbekannter Einband
  • Verlag: Egmont Franz Schneider Verlag, (1. Januar 1984)
  • ISBN-10: 3505088773
  • ISBN-13: 978-3505088773

Wir pfeifen auf den Gurkenkönig



Autorin: Christine Nöstlinger
Original: Wir pfeifen auf den Gurkenkönig (1972)
meine Bewertung: 3 von 5

Der zwölfjährige Wolfgang Hogelmann muss das Bett hüten, weil er sich einen Liegegips eingefangen hat. Er beschließt, in der Zeit die Geschichte vom Gurkenkönig aufzuschreiben, die sich in seiner Familie kurz vor Ostern begeben hat. Damals ist nämlich der Kumi-Ori, ein gurkenförmiges Lebewesen aus dem Keller gestiegen und hat sich bei der Familie Hogelmann häuslich eingerichtet. Kumi-Ori ist der König der im Keller lebenden Wesen, wurde von diesen aber vertrieben.

Wolfgangs Vater und sein kleiner Bruder Niki schenken dem Gurkinger Gehör und freunden sich mit ihm an. Wolfgang, die Schwester und die Mutter sind sehr skeptisch, sie finden schnell heraus, dass der Gurkenkönig stiehlt und lügt und versucht, einen Keil in die Familie zu treiben.

Der Gurkenkönig verspricht Vater Hogelmann das Blaue vom Himmel. Dieser steckt in finanziellen Nöten, weshalb er ein offenes Ohr für den Kumi-Ori hat und ihm schnell hörig ist. Als Wolfgang und seine Schwester in den Keller steigen und herausfinden, was der Kumi-Ori mit seinen ehemaligen Untertanen vor hat, ist ihnen schnell klar, dass der Gurkinger verschwinden muss. Nicht nur wegen seiner armen Untertanen, sondern auch des Familienfriedens willen. Doch wie werden sie den kleinen König bloß los?

„Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ ist vordergründig eine nette Geschichte, unter der Oberfläche allerdings eine Geschichte rund um die Probleme einer Familie, die es einem Eindringling erst ermöglichen, sich in die Familie zu schleichen und diese zu entzweien. Nöstlinger wurde für dieses Buch mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Es ist eine lustige, aber auch nachdenkliche Geschichte für Kinder ab zehn.


  • Taschenbuch: 160 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 43 (1. Juli 1977)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783499201530
  • ISBN-13: 978-3499201530

Happy Aua 2



Autor: Bastian Sick
Original: Happy Aua 2 (2008)
meine Bewertung: 5 von 5

Bastian Sick, eigentlich bekannt für seine „Zwiebelfisch“-Kolumnen im Spiegel oder seine Bücher über den vom Dativ verursachten Tod des Genitivs, hat mit seiner Happy Aua Serie ein „Bilderbuch aus dem Irrgarten der deutschen Sprache“ vorgelegt. Zahlreiche lustige Verschreiber finden sich in dem Büchlein, abgedruckt wurden Originalfotos und Zeitungsausschnitte.

Das Buch ist sehr amüsant, sollte also vielleicht nicht unbedingt im Wartezimmer eines Arztes oder im gesteckt vollen Eisenbahnabteil gelesen werden, da es ziemlich sicher ist, dass einen der ein oder andere laute Lacher auskommt. Einfach genial und ein ideales Geschenkbuch!


  • Broschiert: 152 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 2 (10. November 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462040286
  • ISBN-13: 978-3462040289

Mittwoch, 6. Juli 2011

Reanimisierung der Titelwut










Der Anlass für folgenden auf orf.at erschienenen Artikel ist traurig, das steht außer Frage. Ein bisschen traurig ist allerdings auch, wieviele Fehler man in nur wenige Zeilen Text einbauen kann. Und das bei der Mediengröße ORF...

Freitag, 1. Juli 2011

Theo



Autor: Daniel Glattauer
Original: Theo (2010)
meine Bewertung: 3 von 4

Seit der kleine Theo auf die Welt gekommen ist, steht er im Zentrum des Interesses seines schriftstellernden Onkels Daniel. Dieser berichtet seit Theos Geburt über dessen Werdegang in seinen Kolumnen, unter anderem in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard.“ Die Leserschaft liebt Theo, Theo hingegen ist es herzlich egal, was eine Menge fremder Menschen von ihm denken. In unregelmäßigen Abständen berichtet Onkel Daniel von den Erlebnissen des kleinen Wichts.

Als Theo schließlich vierzehn wird, folgt die Rache auf den Fuß: Er interviewt seinen Onkel Daniel und ist dabei um einiges unnachgiebiger als sein Onkel mit ihm war. Das Buch ist eine nette Geschenksidee für werdende Onkeln, Tanten, Eltern, und alle, die mit der Welt kleiner Kinder etwas anfangen können. Es ist ein sehr liebevoll geschriebenes Buch, und der werte Herr Theo, der mittlerweile wohl schon erwachsen sein dürfte, darf sich geschmeichelt fühlen – so es ihn denn gibt.

Ein nettes Buch, in dem der Glattauer’sche Sprachwitz gut zur Geltung kommt, einen Roman darf man sich aber nicht erwarten, da es sich um die Sammlung bereits publizierter „Theo-Kolumnen“ handelt und diese naturgemäß eben nicht besonders umfangreich sind. Es sind wohl eher Schlaglichter aus dem Leben des Theo.



  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: Deuticke; Auflage: 8 (26. Juli 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3552061401
  • ISBN-13: 978-3552061408