Sonntag, 14. Mai 2006

Pünktchen und Anton



Autor: Erich Kästner
Original: Pünktchen und Anton (1930)
meine Bewertung: 4 von 5

Eigentlich heißt Pünktchen ja nicht Pünktchen, sondern Luise. Pünktchen ist also Luises Spitzname. Sie ist die Tochter des Direktors einer Spazierstockfabrik und lebt in einer großen Wohnung mit zehn Zimmern. Sie hat ein Kindermädchen, das Frau Andacht heißt und auf die Haushälterin, die dicke Berta, etwas zwielichtig wirkt. Außerdem leben in der Wohnung mit den vielen Zimmern auch noch Pünktchens Hund Piefke und Pünktchens Mutter, die allerdings sehr oft Migräne hat und auch sonst nicht viel für ihre Tochter da ist.


Ein besonderer Freund von Pünktchen ist der Anton. Dieser lebt gemeinsam mit seiner Mutter in einer sehr kleinen, ärmlichen Wohnung. Weil Antons Mutter vor kurzem operiert wurde und noch das Bett hüten muss, ist Anton für den Haushalt verantwortlich. Er kocht, versorgt seine Mutter, beschafft Geld und muss natürlich auch noch in die Schule gehen.


Eines Tages fällt Herrn Pogge, Pünktchens Papa, auf, dass seine Tochter in letzter Zeit sehr blass ist und müde wirkt. Er wundert sich zwar ein wenig, hat aber sehr viel zu tun in seiner Firma und abends muss er auch noch jeden Tag mit Pünktchens Mutter ausgehen, so kommt er lange nicht dahinter, was in seinem Haus vorgeht.


Sobald nämlich die Eltern das Haus verlassen, verkleiden sich Frau Andacht und Pünktchen und gehen gemeinsam mit Anton betteln. Anton verkauft Schnürsenkel. Er kauft mit dem Geld, das er einnimmt, für sich und seine Mutter Essen und außerdem bezahlt er so die Miete. Pünktchen und Frau Andacht liefern ihre Einnahmen Frau Andachts Verlobtem ab. Nichteinmal Pünktchen ahnt, dass dieser in Wirklichkeit nur seine Freundin zu den Pogges geschickt hat, damit diese einen Plan der Wohnung macht und herausfindet, wann die Wohnung leer steht. Mit diesen Informationen hat Frau Andachts Freund allerlei kriminelles vor, doch zum Glück sind da noch Anton und die dicke Berta, die beide geistesgegenwärtig handeln.


Kästner hat wieder einmal ein schönes Kinderbuch geschaffen, das allerdings unleugbar ein Kind seiner Zeit (1930) ist. Er hat sehr viel Moral eingebaut, die er "Nachdenkereien" nennt. Diese Einwürfe regen die Kinder zum Nachdenken an und vermitteln Werte wie Freundschaft, Ehrlichkeit und Familienglück. Wie in vielen Kinderbüchern wird auch hier das Stereotyp des klassischen Gut-gegen-Böse-Kampfes geschildert, wobei der Sieger von Anfang an feststeht. Über die pädagogische Sinnhaftigkeit solcher simplen Gut/Böse Dichotomien lässt sich natürlich streiten.


Über eine andere Tatsache wird allerdings Einigkeit herrschen: Nicht nur die Geschichte selbst, sondern auch einige implizite Rollenstereotypen stammen aus einer gänzlich anderen Zeit. Leider macht sich Kästner in einer dieser "Nachdenkereien" darüber lustig, dass Anton für seine kranke Mutter kocht - und das macht man als Mann nunmal nicht. Das ist wirklich schade und dafür gibts auch den Abzugspunkt.


  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (Februar 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866151268
  • ISBN-13: 978-3866151260
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