Biedermann und die Brandstifter
Autor: Max Frisch
Original: Biedermann und die Brandstifter (1958)
meine Bewertung: 5 von 5
Die
Zeiten sind nicht gerade rosig in Seldwyla. Das Dorf wird von listigen
Brandstiftern heimgesucht, die die Häuser rings um in Schutt und Asche
legen. Natürlich sind die Zeitungen voll von Berichten über das Vorgehen
der Pyromanen. Der Unternehmer Gottlieb Biedermann verfolgt zwar die
Berichte in den Zeitungen, hat jedoch auch gerade andere Sorgen.
Er hat einen
langjährigen Mitarbeiter entlassen, der sich daraufhin das Leben
genommen hat. Die Witwe Knechtling möchte mit Biedermann über eine
Vergütung verhandeln, der bleibt aber hart und lehnt jedes Gespräch mit
der trauernden Frau ab. Statt dessen lässt er sich von einem Hausierer
einlullen, der um Obdach bittet. Der freche Mann erzählt von seiner
Vergangenheit im Gefängnis, als Ringer und von seinem traurigen Leben,
und da Biedermann wegen Knechtling sowieso ein schlechtes Gewissen hat,
bietet er dem Mann, der sich als Schmitz vorstellt, an, in der Mansarde
zu nächtigen.
Vorerst ist
Biedermanns soziales Gewissen wieder gestillt. Ein bisschen mulmig wird
ihm dann aber doch, als sich noch ein zweiter Mann zu Schmitz
hinzugesellt und die beiden beginnen, verdächtige Fässer in die Mansarde
zu schleppen. Biedermann kann nicht schlafen, er horcht an der Decke,
um sicher zu gehen, dass die Männer am Dachboden auch wirklich schlafen,
anstatt sein Haus in Schutt und Asche zu legen. Die beiden leugnen
nämlich nie, Brandstifter zu sein. Auf die Fragen von Biedermann
antworten sie mit Scherzen, so dass sich dieser nie sicher ist, was
geschehen wird.
Das Publikum ahnt
dies natürlich von Beginn an des "Lehrstücks ohne Lehre". Auch als
Biedermann die beiden Halunken zum Abendessen einlädt, weil er der
Meinung ist, wenn er sich die beiden zu Freunden macht, würden sie sein
Haus verschont lassen, ist klar, was geschehen wird.
Max Frisch hat ein
erFRISCHendes Theaterstück geschrieben, das sicher mehr ist als das
Lehrstück ohne Lehre, als das er es tituliert hat. Man erkennt, wie
schnell sich "Brandstifter" einschleichen können, und alles zerstören,
während man sie noch freundlich zum Abendessen bittet. Als Brandstifter
können im übertragenen Sinn auch xenophobe, homophobe etc. Gedanken
gemeint sein, die sich einschleichen, obwohl man es besser wissen
sollte.
Natürlich werde ich
mich auch hier mit der Wiedergabe des Inhalts und meiner Empfehlung
begnügen, obwohl man gerade hier viele Interpretationsmöglichkeiten
anführen könnte. Am besten ist es deshalb: das Buch unbedingt lesen,
oder besser noch: Das Stück im Theater ansehen!
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