Montag, 28. August 2006

Biedermann und die Brandstifter



Autor: Max Frisch
Original: Biedermann und die Brandstifter (1958)
meine Bewertung: 5 von 5

Die Zeiten sind nicht gerade rosig in Seldwyla. Das Dorf wird von listigen Brandstiftern heimgesucht, die die Häuser rings um in Schutt und Asche legen. Natürlich sind die Zeitungen voll von Berichten über das Vorgehen der Pyromanen. Der Unternehmer Gottlieb Biedermann verfolgt zwar die Berichte in den Zeitungen, hat jedoch auch gerade andere Sorgen.

Er hat einen langjährigen Mitarbeiter entlassen, der sich daraufhin das Leben genommen hat. Die Witwe Knechtling möchte mit Biedermann über eine Vergütung verhandeln, der bleibt aber hart und lehnt jedes Gespräch mit der trauernden Frau ab. Statt dessen lässt er sich von einem Hausierer einlullen, der um Obdach bittet. Der freche Mann erzählt von seiner Vergangenheit im Gefängnis, als Ringer und von seinem traurigen Leben, und da Biedermann wegen Knechtling sowieso ein schlechtes Gewissen hat, bietet er dem Mann, der sich als Schmitz vorstellt, an, in der Mansarde zu nächtigen.

Vorerst ist Biedermanns soziales Gewissen wieder gestillt. Ein bisschen mulmig wird ihm dann aber doch, als sich noch ein zweiter Mann zu Schmitz hinzugesellt und die beiden beginnen, verdächtige Fässer in die Mansarde zu schleppen. Biedermann kann nicht schlafen, er horcht an der Decke, um sicher zu gehen, dass die Männer am Dachboden auch wirklich schlafen, anstatt sein Haus in Schutt und Asche zu legen. Die beiden leugnen nämlich nie, Brandstifter zu sein. Auf die Fragen von Biedermann antworten sie mit Scherzen, so dass sich dieser nie sicher ist, was geschehen wird.

Das Publikum ahnt dies natürlich von Beginn an des "Lehrstücks ohne Lehre". Auch als Biedermann die beiden Halunken zum Abendessen einlädt, weil er der Meinung ist, wenn er sich die beiden zu Freunden macht, würden sie sein Haus verschont lassen, ist klar, was geschehen wird.

Max Frisch hat ein erFRISCHendes Theaterstück geschrieben, das sicher mehr ist als das Lehrstück ohne Lehre, als das er es tituliert hat. Man erkennt, wie schnell sich "Brandstifter" einschleichen können, und alles zerstören, während man sie noch freundlich zum Abendessen bittet. Als Brandstifter können im übertragenen Sinn auch xenophobe, homophobe etc. Gedanken gemeint sein, die sich einschleichen, obwohl man es besser wissen sollte.

Natürlich werde ich mich auch hier mit der Wiedergabe des Inhalts und meiner Empfehlung begnügen, obwohl man gerade hier viele Interpretationsmöglichkeiten anführen könnte. Am besten ist es deshalb: das Buch unbedingt lesen, oder besser noch: Das Stück im Theater ansehen!



  • Taschenbuch: 94 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: 11., Aufl. (April 1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518390457
  • ISBN-13: 978-3518390450
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