Supergute Tage




Autor: Mark Haddon
Original: The curious Incident of the Dog in the Night-Time (2003)
meine Bewertung: 5 von 5

Die Welt von Christopher Boone ist ein wenig anders, als die jener Menschen, die gemeinhin als "normal" bezeichnet werden. Er liebt Primzahlen über alles, ist mathematisch überdurchschnittlich begabt (und interessiert), liebt Hunde, hasst die Farben Braun und Gelb und geht in eine Spezialschule. Christopher muss immer ganz genau wissen, wie spät es ist und es beunruhigt ihn, wenn Dinge von ihrem gewohnten Platz entfernt oder verrückt werden.
Eines Tages findet er nun im Garten der Nachbarin, Mrs Sheavers, deren toten Pudel. Irgend jemand hat ihn regelrecht mit einer Mistgabel durchbohrt und in den Rasen gepinnt. Da dies nun mal keine natürliche Todesursache ist, an der Pudel so im Allgemeinen sterben, ist Christopher klar, dass jemand Wellington, also den Hund, ermordet haben muss. Der Junge orientiert sich an seinem Lieblingsroman von Sir Arthur Conan, nämlich "Der Hund der Baskervilles" und beschließt, den Mörder von Wellington aufzuspüren.
Da gibt es allerdings ein Problem: Christophers Vater verbietet ihm, sich in die Angelegenheit anderer Leute zu mischen und Detektiv zu spielen und außerdem hat der Junge große Probleme damit, mit fremden Menschen zu sprechen. Aber all diese Hindernisse überwindet er dem toten Pudel zuliebe. Als er dann eines Tages auch noch vier rote Autos hintereinander sieht, weiß er, dass das wohl ein superguter Tag werden würde und er durchaus Chancen hat, den Täter ausfindig zu machen. Christopher überwindet ein paar seiner engen Grenzen und stößt so auf Tatsachen, die dem Jungen schwer zu schaffen machen. Nicht nur über seinen Vater, sondern auch über seine tote Mutter erfährt er Dinge, die schon für "normale" 15-Jährige schwer zu verkraften sind. Auch den Mörder des Pudels macht er ausfindig.
Mark Haddons Roman erzählt die Welt aus der Sicht des am Asperger-Syndrom erkrankten 15-jährigen Christopher Boone. Beim Asperger-Syndrom handelt es sich um eine leichte Form des Autismus, Christopher hat außerdem eine sehr ausgeprägte Inselbegabung in den Bereichen Mathematik und Physik - ist also auch auf diesem Gebiet außergewöhnlich. Sein Hauptdarsteller leidet an den typischen Symptomen: Er ist unfähig, Emotionen zu erkennen, mit Gleichaltrigen angemessen zu interagieren, neigt zu Aggressivität, hat Angst vor Menschen und tut sich schwer mit nonverbalen Ausdrucksformen. Die Welt ist für ihn also komplizierter, doch er findet sich in ihr zurecht. Dabei wird er tatkräftig von seiner Lehrerin und seinem Vater unterstützt.
Die Handlung des Romans ist durchdacht, Christopher ein sehr sympathischer Protagonist, den man irgendwie einfach mag, und so blöd es klingt: streckenweise auch versteht. Dem Autor wird oft vorgeworfen, seine Nebenfiguren zu eindimensional darzustellen, allerdings muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass das Buch schließlich von Christopher selbst erzählt wird und Autismus sich nunmal (unter anderem) durch extreme Ich-Bezogenheit äußert. Dadurch sollte klar sein, warum nicht auch geschildert wird, wie schwer das Leben mit einem autistischen Kind sein kann.
Als Manko wird auch manchmal angeführt, die Krankheit würde zu "seicht" dargestellt und die typischen Verhaltensweisen à la "Rainman" klischeehaft verwendet. Aus eigener Erfahrung (mein Cousin ist gerade 16 und ein Asperger-Kind) kann ich sagen, dass eine Persönlichkeitsstörung wie diese so vielschichtig ist, dass sie in ihrer ganzen Tiefe einfach nicht dargestellt werden kann. Den Autisten fehlen meist die sprachlichen Mittel, um ihre Welt zu beschreiben, viele Symptome hängen zusammen und auch Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle. Meiner Meinung nach sollte man es dem Autor also nicht vorwerfen, wenn er sich einiger Klischees bedient, da diese dazu beitragen, eine so komplizierte Krankheit wie den Autismus nicht noch weiter zu komplizieren.
Das Buch wurde sowohl als Kinder-, als auch als Erwachsenenbuch vermarktet. Bei beiden Zielgruppen landete Haddon einen großen Erfolg, was nicht verwunderlich ist. Christopher ist einfach sympathisch, trotz allem lebenslustig, ernsthaft und dadurch auch oft komisch, er bekommt im Buch die Chance über sich hinauszuwachsen und öffnet dem Leser auf eine liebenswürdige Art und Weise die Augen.

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Blessing; Auflage: 1 (13. Februar 2004)
  • ISBN-10: 3896672282


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